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herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 61. Sonnabend, den 36. Mai 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 21. Mai 1906.

Mit Rücksicht auf die zunehmenden Klagen über die Be­lästigung der Bevölkerung durch umherziehende Zigeuner hat der Herr Minister des Inneren im Einvernehmen mit den beteiligten Herrn Ressortministern am 17. Februar d. Js. eine Anweisung zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens erlassen.

Diese Anweisung ist als Sonderbeilage zu Nr. 14 des Regierungsamtsblattes de 1906 veröffentlicht.

Ich weise die Herren Bürgermeister aus diese Anweisung ausdrücklich hin und mache es allen Polizeibeamten zur be­sonderen Pflicht, diese Anweisung genau und streng durchzu- führen. Soll sie ihren Zweck erfüllen, so ist es notwendig, daß die Bevölkerung die Beamten -bei der Durchführung der Anweisung in jeder Beziehung unterstützt, ihnen namentlich über das Austauchen von Zigeunern im Gemeinde- pp. Bezirk unverzüglich Anzeige erstattet.

Die Kreiseingesessenen ersuche ich, den Polizeibehörden ins­besondere den zuständigen Königl. Gendarmen diese Unter­stützung in vorkommenden Fällen zuteil werden zu lassen.

Zu der Abweisung, mit deren Inhalt die Ortspolizeibehör­den sich vertraut zu machen haben, bemerke ich:

1. von jedem Auftreten von Zigeunern haben die Orts- pvlizeibebörden mit möglichster Beschleunigung dem zu­ständigen Gendarmen sofort Anzeige zu machen, je­denfalls aber inzwischen alles nach der Anweisung Erforderliche zu veranlassen.

2. Zu Nr. 2. Die Ausweisung ausländischer Zigeuner ist in bci' Regel bei mir zu beantragen. Von der Fest­nahme eines ausländischen Zigeuners ist mir zu diesem Zweck in jedem Falle sofort Anzeige zu machen.

3. Zu B. 8. Das Verbot zur Ausstellung von Beschei­nigungen der dort gedachten Art ist genau zu beachten. Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften werden unnachsichtlich disziplinarisch geahndet werden.

4. Zu B. 10. Die Polizeibeamten werden angewiesen, abgelaufene Legitimationspapiere jeder Art einzuziehen.

5. Zu C 19. Vollstreckungsbehörde ist die anordnende oder festsetzende Ortspolizeibehörde. Einer Mahnung bedarf es in diesen Fällen nach § 19 a ber Anweisung vom 28. November 1899 zur Ausführung der Verordnung vom 15. November 1899 nicht.

6. Zu C 14 u. 15. Soweit in den Landgemein­den keine ausreichenden Polizeigewahrsame vorhanden sind, haben die Herren Bürgermeister für geeigneten Ersatz zu sorgen, insbesondere durch Vereinbarung mit einer Nachbargemeinde oder dem nächsten Amtsgericht. Binnen 14 Tagen ist mir anzuzeigen, in welcher Weise ein ansreichendes Polizeigewahrsam sicher gestellt worden ist. I. 3281. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

AZnigliches Landratsamt.

Sprechstunde r Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

In Sorgn, Kr. Hersfeld, ist eine Telegraphenan- stalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Gaffel, 19. Mai 1906.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. J. V. Buch Holz.

nichtamtlicher teil.

Mfdjtai) en) WM.

Seit einiger Zeit haben bei uns wie jenseits des Kanals nichtamtliche Bemühungen eingesetzt, das bis vor kurzem ziem­lich gespannt gewesene Verhältnis zwischen England und Deutschland wieder zu einem freundschaftlicheren zu gestalten, welchem Zweck z. B. auch der soeben wieder beendigte Besuch der Bürgermeister einer Anzahl größerer deutscher Städte in England gewidmet war. Auch bei dieser Gelegenheit hat es nicht an gegenseitigen Sympathie- und Freundschaftskund­gebungen gefehlt, die an festlicher Tafel zwischen den Gästen aus Deutschland und den englischen Gastgebern gewechselt wurden, ein großer Teil der englischen Presse brächte warme deutschfreundliche Artikel anläßlich des Besuches der deutschen Städte-Vertreter, ja, letztere hatten sogar die Ehre des Em­pfangs durch König Eduard im Buckingham-Palast zu London. Kaum zweifelhaft werden auch die in Vorbereitung befindlichen weiteren ähnlichen Veranstaltungen zur Herbeiführung besserer Beziehungen zwischen Deutschland und England einen durch­aus befriedigenden Verlauf nehmen, und so könnten die Freunde einer aufrichtigen Verständigung Englands mit dem deutschen

Reiche gewiß nur Genugtuung darüber empfinden, wenn aus einem solchen Wege eine wirkliche dauernde Annäherung der englischen Nation an das stammverwandte deutsche Volk zu Stande käm.

Aber es ist nur die Frage, ob in der Tat auch alle diese Besuche, Festessen und Tischreden den erhofften politischen Zweck haben oder ob sie nur vorübergehende Erscheinungen bleiben werden, welche den Gang der hohen Politik nicht im mindesten beeinträchtigen. Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, daß die deutsche Regierung ehrlich bestrebt ist, zu einem aufrichtigen Freundschaftsverhältnisse mit England zu gelangen und daß die große Masse des deutschen Volkes durchaus diesen Standpunkt der eigenen Regierung billigt. Und ebensowenig steht zu bezweifeln, daß auch jenseits des Kanals zahlreiche Bevölkerungskreise von dem Wunsche erfüllt sind, es möchten sich zwischen ihrem Lande und Deutschland wärmere Beziehungen entwickeln, wie sie nur den zahlreichen langjährigen Verbindungen zwischen den beiden stammver­wandten Ländern entsprechen würden. Aber meint es auch die englische Politik so ehrlich? Seit geraumer Zeit schon macht sich in der auswärtigen Politik des Jnselreiches ein deutschfeindlicher Zug bemerklich, nur daß er das eine Mal schärfer, das ander Mal weniger bemerkbar hervortritt, er ist jedoch zweifellos vorhanden, wie sich dies schon in einer ganzen Reihe von Fällen gezeigt hat. Und diese antideutsche Richtung in der englischen auswärtigen Politik hatte ja vorigen Sommer mit Benutzung der Marokko-Affäre zu einer derartigen An­näherung Englands an Frankreich mit ersichtlich gegen Deutsch­land gerichteter Spitze geführt, daß, wie nachher bekannt wurde, die Gefahr eines Krieges beider Westmächte gegen das deutsche Reich keineswegs so fern war. Und sollte die englische Politik nicht versuchen, bei einer paffenden Gelegenheit doch noch eine Koalition gegen Deutschland zusammenzubringen, um sich durch einen siegreichen Krieg dieses dem englischen Welthandel immer gefährlicher werdenden Konkurrenten nach Möglichkeit zn ent­ledigen ? Man kann sich eines solchen Verdachtes nur schwer erwehren, und es müßte die englische Regierung sichs angelegen sein lassen, diesen Verdacht zu entkräften und an die Stelle der bisher beliebten Nadelstiche gegen Deutschland endlich eine entgegenkommendere Politik zu setzen. An Gelegenheit, eine solche deutschfreundlichere Schwenkung in der britischen Aus- landspolitik eintreten zu lassen, fehlt es für das Londoner Kabinet nicht, man braucht nur an Südwestafrika zu denken, wo gerade die englische Zweideutigkeit und Hinterhältigkeit mit dazu beigetragen hat, daß der Aufstand der Hottentotten gegen die deutsche Herrschaft einen so langwierigen Charakter annahm.

Reichstag.

Der Reichstag eilt seiner sommerlichen Vertagung ent­gegen, spätestens am Mittwoch, den 30. Mai, wird sie ein­treten. In der abgelaufenen Woche verabschiedete er u. a. die neuen Militärpensionsgesetze, sie wurden am Mittwoch in dritter Lesung zusammen en bloc angenommen. Bei der alsdann folgenden zweiten Beratung des SLutztruppen- gesetzes gab Geheimrat Twele die Erklärung ab, daß die Regierung mit Rücksicht auf die Geschäftslage des Hauses auf die Weiterberatung dieses Gesetzes verzichte. Hierauf trat der Reichstag in die dritte Beratung des Etats ein, wobei sich zunächst eine Generaldebatte entwickelte. Sie wurde vom Nationalliberalen Baffermann eröffnet, welcher einen Ausblick auf die weiteren Aufgaben des Reichstages warf und daneben die auswärtige Lage streifte. Abg. Graf Limburg (tonf.) gab feinem Bedauern über das Zustande- kommen der Fahrkartensteuer und der Diätenvorlage vom Standpunkte der Rechte der Einzelstaaten aus Ausdruck. Nun folgte der Staatssekretär v. Tschirschky und Bögendorff mit einer Reihe von Erklärungen, welche Den Beziehungen unter den Dreibundstaaten, den angeblichen englisch-russischen Abmachungen, dem bevorstehenden Besuche Kaiser Wilhelms beim Kaiser Franz Josef und den deutsch-englischen Be­ziehungen galten. Der nächste Redner war Abg. Bebel; in zweistündiger Rede verbreitete er sich über die Reichs- finanzresorm und die neue Flottenvorlage, die Erhöhung der Ortsportotaxe, die Isolierung Deutschlands. Englands Machtstellung, die Kaiserdepesche an den Minister Goluchowski, die abgehauene Hand von BreSlau, den Konflikt in der Metallindustrie und noch anderes mehr, natürlich die schärfsten oppositionellen Töne anschlagend. Weiter sprachen noch die Abg. Schröder (frs. Verein.) und Böckler (Rsp.), mit einem lebhaften Wortgefecht zwischen dem Staatssekretär Posadowsky und Herrn Bebel endete die Gensraldiskuffion. Nachdem in der Einzelberatung mehrere SpezialetatS an­genommen worden waren, trat Vertagung bis Freitag ein.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhause prangte am Mittwoch auf dem Platze des Präsidenten v. Kröcher anläßlich seines 60. Ge­burtstages ein großer Blumenstrauß. Bei bet fortgesetzten zweiten Beratung des Volksschulgesetzes wandte sich die Debatte den §§ 18 bis 23 zu (Konfessionelle Verhältnisse).

Abg. Funck (srs. Vp.) begründete in längerer Ausführung einen freisinnigen Antrag, der dahin geht, daß die Schule in der Regel eine simultane sein soll, während die Kom- missionsfassung besagt inder Regel tonfeffioned." Redner erwähnte dabei die Opposition der Professoren gegen die konfessionelle Schule. Abg. Dr. Friedberg (natl.) erwiderte, daß dieser Antrag eine zwangsweise Einführung der Simultanschule verlange, und das sei nicht liberal. Die Kundgebung gegen die konfessionelle Schule sei nur von einer Gruppe von Profefforen ausgegangen und enthalt, außerdem auch tatsächliche Unrichtigkeiten. Die Zentrums­anträge würden seine Freunde einmütig ablehnen. Abg Dr. Dorsch (Ztr.) sprach Die Ansicht aus, daß die Anträge des Zentrums so bescheiden seien, daß sie keinen Sturm der Entrüstung unter den .Gebildeten" hervorrufen könnten. Tief zu bedauern wäre das Vorgehen der Profefforen, die als Erzieher der Jugend von religiösem Partikularismus gesprochen hatten. Abg. Dr. v. Heydebrand (kons.) erklärte, daß seine Freunde, unter Ablehnung der freisinnigen An­träge für Die Kommissionsfafsung stimmen würden. Aber auch die Zentrumsanträge müßte seine Partei, als über den Rahmen der Kompromißvorschläge hinausgehend, im Augenblicke ablehnen. Sollte sich aber im Laufe der De­batten eine andere Situation Herausstellen, so könnte es sein, daß seine Freunde dem einen oder dem anderen An­träge zustimmen würden. In demselben Sinne äußerte sich der Abg. Frhr. v. Zedlitz (fikons.).

Mische Riisimze« gegen Sie Wmsen.

Konsulardepeschen aus Saloniki melden Die Einberufung der Redifs im Bereich des dritten Korps. Es wirv, einer Depesche der Frankfurter Zeitung aus Konstantinopel zu­folge, vermutet, daß diese Maßregeln gegen die Ereignisse gerichtet sei, die sich in Albanien vorbereiten. Ein all« gemeinerAlbanesenaufstand scheint unmittelbar bevorzustehen. Die Libanesen erstreben nicht die Unab­hängigkeit von der Türkei, sondern nur die Anerkennung ihrer Nationalität unD ihrer Sprache. Ferner wollen sie, daß die albanesischen Provinzen nur durch albanesische Be­amte verwaltet werden. Man bezeichnet sogar den 29. Mai als den Tag des Ausstandes.

Ueber die letzten Bandenkämpfe in Mazedonien, durch welche die nationalen und Rassengegensätze auf dem Balkan von neuem eine bedeutende Verschärfung erfahren haben, werden folgende Einzelheiten mitgeteilt:

Zwölf griechische Landbewohner und jiei Kinder von zwölf und zehn Jahren halten sich vor einigen Tagen aus ihrem heimatlichen Dorfe Katcanica nach Njausta. einer Stadt an der Bahn nach Monastir, zum Wochenmarkt be­gehen. Nachdem die Einkäufe gemacht waren, traten sie zur Mittagszeit ihren Rückmarsch an. Bevor sie an die Höhen des Karatasch kamen, wurden sie in der Nähe der Ruine von Kutzoffiani von einer 15 Mann starken bulgarischen Bande überfallen. Zehn Personen, darunter die beiden Kinder wurden an Der Stelle des Ueberfalls verstümmelt und mit durchschnittener Kehle gefunden, die vier anderen fand man vereinzelt, von vielen Kugeln durchbohrt, aber nicht verstümmelt vor.

Am 17. b. M. wollten sich zehn wlachsische Familien aus Avdella, zwecks Uebersiedlung nach Grevena, dem Havplort der Bahn gleichen Namens und Sitz eines griechischen Me­tropoliten, begeben. Zu ihrer Bedeckung hatten sie 30 Mann türkischer Infanteristen unter einem Offizier erhalten. In den Bergen umstellte sie eine grosse griechische Bande von 150200 Mann und eröffnete ein vernichtendes Feuer auf die Landleute und Soldaten, von denen 18 getötet wurden. Die Zahl der verwundeten Soldaten wie Der Ver­lust, Den die wlachischen Landleute erlitten haben, ist noch Nicht bekannt.

Auf der einem Engländer gehörenden Herrschaft Peri- schor bei Njausta an der Bahn nach Monastir erschien kürz­lich ein Albanese und forderte sechs dort mit Herstellung der Holzkohle beschäftigte Arbeiter aus, ihn zu einem tür­kischen Offizier, der sich bei seinem Detachement in der Nähe aufhalte, zu begleiten. Die Arbeiter, Bulgaren folgten ihm anstandslos. Als sie ins tiefe Gehölz kamen, stürzten sich 14 Mann auf die Wehrlosen, banden sie und begannen sie einzeln zu martern und zu töten. Zweien gelang es in der Todesangst, sich von ihren Stricken zu befreien und zu ent» kommen, die andern vier wurden zerstückelt.

Sie Vorgänge in Wand.

Seitdem der Gedanke der Einberufung einer Volksver­tretung in Rußland laut geworden, hat es nicht an kon­servativen Stimmen gefehlt, die eifrigst gegen diese Neuerung, die geeignet wäre, die Selbstherrschaft des Zaren und den Bestand der alten russischen Rechtsordnung zu gefährden, protestieren. Nach der Antwortadresse der Duma, die in Empfang zn nehmen der Zar bisher unterließ, hat sich die Abneigung gegen die radikalen russischen Volksvertreter,