Württembergs gewaltige Ucberschwemmungen entstanden. Am schwersten heimgesucht wurde Reutlingen, wo u. a. zwei Fabriken eingerissen und aller fortgeschwemmt wurde. Auch ein Sargmagazin wurde fortgeschwemmt. In Urach wurde ein Wehr verstopf!, so daß Pioniere aus Ulm telegraphisch zur Hilfeleistung herbeigerufen werden mußten. Diese trafen heute abend hier ein und unternahmen sofort Sprengarbeiten. Der ganze mittlere Neckar bildet einen riesigen See von Plochingen bis Eßlingen, ebenso zwischen Nürtingen und Plochingen. Der Regen hat heute nachmittag nach 5 Uhr in Württemberg ausgehört. In Laupheim und Beberach bildeten sich die dortigen Flüsse zu ungeheuren Seen aus, an beiden Orten mußte die Feuerwehr in Tätigkeit treten, um die Bewohner der tief gelegenen Häuser mittels Leitern zu retten.
Zürich, 21. Mai. In der Ostschweiz fiel bis St. Gallen und Chur tiefer Schnee, während in tieferen Lagen seit drei Tagen ununterbrochen Regen fällt. Von allen Seiten kommen Berichte von Ueberichwemmungen. Im Kanton Zürich erfolgten verschiedene Dammbrüche und Erd- rutschungen, die zu Unterbrechungen verschiedener Bahnlinien führten. Am Zürcher See drohen infolge Erdbewegungen Häusereinstürze. Die Bahnlinie Luzern—Bern ist über, schwemmt und unterbrochen. Aus Tößthal kommen Meldungen über schlimme Verheerungen ausgetretener Flüsse; überall hört man Sturmgeläute und Feuerwehralarm. Es ist noch keine Aussicht auf Besserung vorhanden.
Bern, 21. Mai. Infolge anhaltender Regengüsse ist der Verkehr aus einer Reihe von Bahnlinien gestört. Die Flüsse find hoch angeschwollen. Auf der Wengernalp liegt ein Meter, auf dem Eidergletscher zwei Meter Neuschnee. Die Züge der Wengernalpbahn können wegen Schneefalls nicht fahren.
Baden-Baden, 21. Mai. Ein siebenjähriges Kind fand in der hochgehenden Oos den Tod.
Buehl, 21. Mai. Im Buehlertal ertranken im Bach 4 Kinder, darunter 3 Kinder des Spenglermeisters Weck, beten Mutter erst am Samstag gestorben war. Ein Kind war in den Bach gefallen, die anderen drei sprangen nach, um es zu retten, fanden aber ebenfalls den Tod in den Fluten. Zwei Kinder sind bereits gelandet.
Vieh- oder Fleischteuerung?
In den letzten Wochen haben wir schon wiederholt Ver- onlafsung gehabt, auf den starken Rückgang Hinweisen zu können, den die Schweinepreise bei uns ausweislich der Marktberichte über den Verlauf der Schlachtviehmärkle erfahren haben und zu betonen, daß besonders schwere fette Schweine kaum noch verkäuflich sind. Es dürfte nun von allgemeiner Bedeutung sein, sich einmal die Veränderung zu vergegenwärtigen, die seit dem Höchststands dieser Preise, der Mitte bis Ende Februar d. I«. gewesen war, in den Schweinepreisen eingetreten ist. Wir stellen daher nach stehend für die Hauptmärkte Deutschlands die Preise für vollfleischige Schweine zur Zeit dieses Höchststandes und die an den letzten Märkten noch erzielten höchsten Preise für je 50 Klg. Lebendgewicht mit 20 v. H. Tara gegenüber. Man erhält dann folgendes Bild:
Höchster Preis
Jetziger Preis
Preisabschlag
Berlin
77
62
15 M.
Breslau
67—71
55-59
12-13 „
Danzig
(ohne Tara)
57—68
44—46
12—13 „
Hamburg
76
62
14 „
Magdeburg
78—79
64
14—15 „
Hannover
80
62—64
16-18 „
Cöln
79
67
12 „
Essen
80
67
13 „
Frankfurt a.
M. 82
70—71
11-12 „
Dresden
80—82
69—72
10—11 „
Leipzig
79
66
13 „
Chemnitz
84
70—71
13-14 „
Mannheim
81
70
11 „
München
74-84
63—76
8-11 „
Nürnberg
79—80
68—70
10—11 „
Wir haben es also erwiesenermaßen mit einem derartig durchgreifenden und nachhaltigen Preisrückgang zu tun, daß es nunmehr wohl an der Zeit wäre, wenn auch diejenige Presse, die seiner Zeit jede erneute kleine Steigerung sofort mit großem Geschrei der Landwirtschaft zur Last schrieb, von diesem Preisrückgang ihren Lesern Mitteilung machen wollte. Aber jetzt ist es völlig still im liberalen Blätter- walve, denn jetzt lassen sich ja für die hohen Fleischpreise die Landwirte nicht mehr verantwortlich machen.
Mus Provinz u. Nacdbargebiel.
* (D ir e k t e F a h r k a r t e n.) Die Königlichen Eisen, bahndtrektionen sind beauftragt worden, dafür zu sorgen, daß in möglichst großem Umfang für Auflegung direkter Fahrkarten überall da, wo nach solchen Nachfrage besteht oder zu erwarten ist, Sorge getragen wird.
* Zur Erleichterung und Beschleunigung der Beförderung von Arzneimitteln nach Orten, an denen sich keine Apotheke befindet, ist im Binnenverkehr der preußisch-Hessischen Staatsbahnen eine regelmäßige, von der Erfüllung gewisser Bedingungen abhängige Beförderung von Arzneimitteln eingerichtet worden. Da von der Einrichtung seither nur wenig Gebrauch gemacht worden ist, weil diese anscheinend noch nicht genügend bekannt geworden ist — so werden die Interessenten auf die Einrichtung mit dem Bemerken hingewiesen, daß die Bedingungen bei den Gepäck- und Güterabsertigungsstellen zu erfahren sind.
* Die Einführung eines „Antwortwert» z ei ch e n ö" im Weltpostverkehr ist gesichert, nach, dem der zurzeit in Rom tagende Kongreß einen entsprechenden Beschluß für die Vereinsländer gefaßt hat. Die Einrichtung soll zunächst fakultativ sein. Es wird demnach jedem Lande überlassen bleiben, ob es von der neuen Einrichtung Gebrauch machen will. Die deutsche Reichspostverwaltung wird die Neuerung einführen. Die bisherigen Bedenken, daß Antwortwertzeichen vielfach als Zahlungsmittel im internationalen Verkehr verwendet werden würden, sind durch die Art der Lösung der Frage behoben. Die Einrichtung soll in folgender Weise getroffen werden: Vom Internationalen Bureau des Weltpostvereins in Bern werden Gutscheine im Nennwert von 25 Centimes hergestellt werden und an die Vereinsverwaltungen > auf Verlangen geliefert, die sie mit einem kleinen Aufschlage, der nach dem Beschlusse nicht unter 3 Centimes betragen soll, verkaufen. Der Empfänger eines Briefes mit einem solchen Gutschein erhält für den letzteren eine Landespostmarke, die er zur Flankierung des Antwortschreibens benutzen kann. Die
eingelösten Gutscheine sollen dann von den beteiligten Verwaltungen in bestimmten Zeiträumen an das Internationale Bureau in Bern eingefanot werden, das die Abrechnung über die Gutscheins im gesamten Weltpostverkehr übernimmt
):( Hersfeld, 23. Mai. Zum Sprechverkehr mit Hersfeld ist Wisset«, Kreis Fulda und Homberg, Oberhessen zugelassen. Die Sprechgebühr beträgt je 25 Pfg.
):( Hersfeld, 23. Mai. Der Diskont der R e i ch s b a n k wurde auf 4V2 % und der Lombardzinsfuß auf SVa % herabgesetzt.
Marburg, 18. Mai. Die Strafkammer verurteilte heute den Arbeiter Moll aus Rauschenberg, der Jnvaliden- marken zweimal benutzt hatte, zu 4 Wochen Gefängnis.
Caffel, 21. Mai. (Strafkammer.) Wegen Unterschlagung und Untreue hatte sich der Uhrmacher Anton P., j-tzt in Berlin, zu verantworten. Er hatte sich im Jahre 1904 in Heringen an d e r Werr a selbständig gemacht und den Sohn des Landwirts H. als Uhrmacherlehrling angenommen. Für Anschaffung von Werkzeugen Übergaben die H'schen Eheleute dem Meister 80 Mk., welche dieser aber dazu verwandte, um den drängenden Hauswirt durch Bezahlung der Miete zu befriedigen. Abgesehen davon war der Angeklagte noch Turnwart des dortigen Turnvereins und sollte in dieser Eigenschaft 40 Mk. unterschlagen haben. Da in der Beweisaufnahme die Zeugenaussagen nicht derart waren, daß die Schutzbehauptungen des bisher unbestraften Angeklagten hinreichend widerlegt werden konnten, so verurteilte die Strafkammer ihn nur wegen Untreue in einem Falle, in dem er über 30 Mk. zum Nachteil des Landwirts H. verfügt hatte, zu einer Woche Gefängnis. In den übrigen Punkten mußte Freisprechung erfolgen.
Herleshausttt, 21. Mai. Der Rangierer Eduard Thürschmied von hier wurde heute auf der Bahn bei Ko- burg überfahren und auf der Stelle getötet. Der Verunglückte, welcher erst 30 Jahre alt ist, hinterläßt Frau und Kinder.
Frankenberg, 20. Mai. In bet Struthmühle bei Fcaokenau wurden in letzter Woche 5 Kühe vom Blitz getötet.
Schmalkalden. 19. Mai. (Die Sladtkämmerei gepfändet !) Kürzlich erschien aus der hiesigen Stadtkämmerei der Gerichtsvollzieher und legte die Stadtkasse unter Siegel. Ein auswärtiger Architekt hatte nämlich gegen die Stadt eine Forderung von 800 Mark eingeklagt; der Termin war seitens des Magistrats übersehen worden, sodaß ein voll- streckbares Versäumnisurteil gefällt wurde. Die Forderung des Architekten rührt von dem Preisausschreiben her, das die Stadt anläßlich des Rathausneubaues erließ.
Frankfurt a. M, 21. Mai. Am Samstag abend fanden Bahnarbeiter am Bahnübergang 34 der Mainz-Frank- furter Strecke in der Nähe des Bahnhofs Kelsierbach auf dem Geleise den Körper eines jungen Mannes. Der Kops lag etwa drei Meter abseits. Sofort angestellte Recherchen ergaben, daß es sich um den 15jährigen Lehrling Joseph Philipp Lückel aus Kelsierbach handelt. Die Leiche wurde nach dem Sachsenhäuser Friedhof geschafft. Es liegt offenbar Selbstmord vor, da man annimmt, daß sich Lückel unter den Schnellzug Nr. 75 geworfen hat. Das Motiv zur Tat ist unbekannt.
Babenhausen, 21. Mai. Ein schwerer Eisenbahnunfall ereignete sich heute vormittag bei der Nachbarstation Langstadt. Als nämlich der nach 10 Uhr hier in der Richtung nach Eberbach abgelassene Güterzug die Station Langstadt passiert hatte, entgleisten am Ausgange des Bahn- Hossterrains unmittelbar bet einer Weiche fünf beladene Doppelwaggons, die eine Strecke von etwa 200 Metern mit fortgeschleift wurden und da sie umgestürzt waren, mehr ober weniger in Trümmer gingen. Zum Glück ist kein Menschenleben zu beklagen; dagegen ist der Materialschaden sehr beträchtlich.
Gießen, 21. Mai. Der „Gi-ß. Anz." erzählt folgendes Geschichtchen: Bei einer letzhin stattgehabten Geflügelaus- fteOung suchte sich ein Hühnersreund ohne Kosten in den Besitz von Bruteiern ausgestellter Rassehühner zu setzen. Während der Mittagszeit, als der Ausstellungsraum nur spärlich besucht war, revidierte der Liebhaber von kostenlosen Bruteiern die einzelnen Ausstellungskäfige und gelangte nach und nach in den Besitz von fünf Eiern, die er in den Taschen seines neuen Anzuges barg. Als er sich eben entfernen wollte, trat ihm der Aufwärter, der anscheinend auf einem Stuhle bei dem unsauberen Geschäfte geschlummert hatte, dem Eierdieb mit strahlendem Gesichte plötzlich entgegen, umhalste ihn und drückte ihn stürmisch an sich mit den Worten: „Gucke mol, das freut mich, daß Du auch e mol zu uns kommst!" Ein leises Knacken in den Taschen des völlig Ueberraschten bewies, daß der Auswärter den Zweck seiner stürmischen Begrüßung erreicht hatte. Mit hochrotem Kopse und verdorbenem Anzüge enteilte der Eieiliebhaber dem Ausstellungsräume.
Aus Thüringen, 21. Mai. Gelegentlich einer in Walldorf bet Meiningen abgehaltenen Hochzeitsfeier vergnügte sich ein junger Mann damit, Böllerschüsse abzufeuern. Dabei explodierte eine Patrone und verletzte den jungen Mann lebensgefährlich. — Bei den FundamenlauSschachl- ungen der Gewerkschaft Günthershall bei Göllingen ereignete sich Sonnabend ein tödlicher Unglücksfall. Durch den Anprall mit einem beladenen Gipswagen brach die Bühne zusammen, wobei ein Arbeiter getötet, ein anderer lebensgefährlich verletzt wurde. ($• T.)
Satzungen, 21. Mai. Aus Leimbach und berichtet: Ein schon seit längerer Zeit hier verbreitetes Gerücht soll sich bewahrheiten. Der Stellmacher, jetzige Schachtarbeiter Funk, der vor IV2 Jahren aus Walldorf nach dort zog, bewohnt in der Straße nach dem Gut ein neuerbautes Häuschen. Die ca. 60 Jahre alte Mutter des Funk ver. schwand vor ungefähr einem Jahr und aus Befragen gab Funk an, sie sei verreist. Da nun die Unglückliche nicht wieder zum Vorschein kam und über den Verbleib derselben viel geredet wurde, erstattete man der Polizei Anzeige. Bei der vorgenommenen Haussuchung entdeckte man in einem abgelegenen, fast dunklen Raume die alte Frau, fast zum Gerippe abgemagert, das Haar schneeweiß. Dem Lager, das aus Stroh und alten Lumpen bestand, entströmte ein fürchterlicher Gestank. Das Essen, das wohl dem Zustand der Frau entsprechend gewesen sein wird, soll der Sohn seiner Mutter selbst gebracht haben'
Halle, 22. Mai. Das Kriegsgericht verurteilte den 22jährigen Leutnant von Goecking vom 153. Infanterie- Regiment in Altenburg wegen Urkundenfälschung zu IV2 Jahren Gefängnis und 1 Jahr Ehrverlust, sowie Ausstoßung aus dem Heere. Der Offizier war in Vermögensverfall geraten und beging die Tat, um sich in den Besitz von Geldmitteln zu setzen.
Meiningen, 22. Mai. Zu der Vergiftungstragödie in Willmars bei Meiningen, wo fast die ganze Familie
des Arbeiters Schuch durch den Genuß von vergifteten Klößen ihren Tod fand, werden noch solgende Einzelheiten gemeldet: Frau Schuch hatte sich vor einiger Zeit aus der Apotheke Rattengift holen lassen und legte das Päckchen einstweilen auf einem Gestell in der Küche nieder. Als die Frau am anderen Tage Klöße bereiten wollte, nahm sie versehentlich anstatt der Tüte mit Kartoffelmehl das Rattengift» und mischte dieses unter den Kloßteig. Am Mittagessen nahmen außer dem Ehepaar die verheiratete Tochter, der Schwiegersohn und ein sechsjährige» Enkelkind teil. Der alte Schuch fiel schon während des Essens bewußtlos zusammen und starb bald danauf. Jetzt ist auch die Frau und Tochter den Wirkungen d-s Gifte» erlegen, während die beiden übrigen Familienmitglieder schwer krank dar- niederliegen; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. Ein dreijähriges Enkelkind durfte wegen eines Vergehens zur Strafe nicht mitessen, und entging so dem furchtbaren Verhängnis. Mehrere Haustiere, wie Hunde, Katzen und Schwein, die von den Speiseresten gefressen hatten, sind verendet. Die sofort eingelettete Untersuchung hat noch keinen Anhalt dafür gegeben, wen die eigentliche Schuld an der Katastrophe trifft.
Erfurt, 22. Mai. Durch eine Benzinexplosion in der Schuhfabrik Heß wurden zwei Arbeiter getötet, drei Frauen und ein arbeitet lebensgefährlich verbrannt.
Halle, 22. Mai. In Streckau bei Halle schlug der Blitz in die elektrische Leitung der Grube „Emma", an der Arbeiter beschäftigt waren. Den Aermsten wurden die Augen vollständig ausgebrannt, so daß sie erblindeten.
Vermischtes.
— (Hessischer Landwitz.) Eine lustige Abfuhr erhielten dieser Tage einige Bureau-Herren in Gießen. Ein biederer Bauersmann, der dort zu tun hatte, wurde von den jungen Leuten wiederholt ausgefordert, Platz zu nehmen, obwohl jede Sitzgelegenheit fehlte. Wie er merkte, daß er gefoppt werden sollte, sagte er, wie der „Gieß. Anz." berichtet: „Hei is e grad wäi bei us deham in bet Scheuer." — „Warum?" — „Ei no, Stiehl un Bänk sei ka do, awer Flegel!"
— Ein grauenhafter Raubmord, der in seinen Einzelheiten an die Schrecken des Bauernkriege» erinnert, wurde dieser Tage in Brandenburg (Kurland) verübt. Mitten in der Nacht klopfte ein Unbekannter an die Tür der Besitzung Lauka-Pluge und bat um Essen. Als nicht geöffnet wurde, erbrach die Bande — es fallen sechs Mann gewesen sein — ein Fenster und warf durch die Oeffnung ein brennendes Bündel Stroh. Ein Knecht, der so unvorsichtig war, den Versuch zu machen, das Feuer zu ersticken, wurde sofort niedergeschossen. In wenig Augenblicken hatte die Bande die Tür des Wohnhauses erbrochen und drang in das Gehöft ein. Als sich der Wirt Steinberg zeigte, verlangten sie sofort von ihm die Herausgabe des in seinem Besitz befindlichen Bargelde». Zu seinem Unglück hatte der Aermste nur einige wenige Rubel zur Hand. Das reizte den Zorn der Räuber. Man band dem Wehrlosen schleunigst Arme und Beine. Dann stellte man ihn an die Wand und befestigte an seinem Kopfe ein mit Federn gefülltes Kissen, das die Unmenschen in Brand setzten. Als die Haare des also Gemarterten Feuer fingen, belustigten sie sich damit, ihn als Zielscheibe zu benutzen. Der Tod rettete ihn vor weiteren Qualen. Die Mörder enttarnen unbehindert, nachdem sie das ganze Gebäude durchsucht hatten.
— In Lobsdorf bei Glauchau erschoß der zwölfjährige Sohn des Gutsbesitzers Müller seine Schwester, auf die er im Scherz ein Gewehr angelegt hatte.
— (Ein Vermögen durch einen Irrsinnigen verbrannt.) Der in Smichow in Böhmen im Ruhestand lebende Forstmeister Anton Zverina besitzt einen 29= jährigen Sohn, der seit längerer Zeit schwachsinnig ist. Der Kranke öffnete in Abwesenheit feiner Eltern eine Kassette, entnahm ihr 25 Stück österreichische und ungarische Staat», rentenscheine zu je 2000 Kronen und zündete sie an. Die Wertpapiere, welche das gesamte Vermögen der Familie bildeten, wurden bis auf einige kleine Rests ein Raub der Flammen.
— Lens, 21. Mai. Auf die Gerüchte hin, daß die Leichen, die kürzlich aus den Bergwerken von Courriers zutage geschafft wurden, so gut erhalten seien, daß man annehmen müsse, der Tod sei erst vor kurzer Zeit eingetreten, wurde eine Leichenöffnung vorgenommen, welche ergab, daß die Arbeiter an Erstickungstod am 10. März (am Tage der Ka:astrophe) gestorben find.
— PariS, 22. Mai. In der Nähe von Paris ist die 19jährige Tochter eines Großindustriellen von einem abgemiefenen Bewerber im Automobil entführt worden. Der Entführer soll ein Pariser Aristokrat sein, dessen Bewerbung abgelehnt wurde, weil man sah, daß eS ihm einzig und allein um die Mitgift des Mädchens zu tun war.
— (Ein Wunder ber Heilkunst.) Aus New Dork wird berichtet: In der New Parker Akademie für Medizin wurde am Freitag ein junge» italienisches Mädchen, Bincenza Nepola, vorgestellt, um einen Beweis für ein seltenes Beispiel medizinischer Tüchtigkeit zu geben. Da» 13jährige Mädchen hatte im November vorigen Jahre» mit einem Revolver gespielt, der sich entlud und dessen Kugel ihr durch den Unterleib drang und in der Nähe bes Rückgrats sitzen blieb. Obwohl dieser Schuß gewöhnlich den Tod herbeiführt, so versuchten doch die Aerzte ihre Rettung, entfernten die Leber des Mädchens, nähten das in ihr entstandene Loch wieder zu. setzten das Organ wieder ein und nähten auch den Unterleib wieder zu. Auch die Kugel wurde am Rückgrate gefunden und entfernt. Später aber wurde der untere Teil von des Kindes Körper völlig gelähmt und dadurch eine neue Operation notwendig gemacht. Dabei entfernten die Aerzte einen Teil ihres Rückgrates, nähten sogar einen Rückenwirbel zu, der von der Kugel verletzt worden war, aber es blieb wenig Hoffnung, baS Kind mit einer solchen Wunde zu erhalten, die gewöhnlich unbedingt todbringend ist. Gleichwohl kehrte nach zwei Monaten, während deren sie der Einwirkung elektrischer Ströme ausgesetzt war und massiert wurde, die Empfindung in ihre Beine und Füße zurück, und sie ist bereits jetzt wieder so weit hergestellt, daß sie langsam gehen kann, und die Aerzte erklären, daß sie in einem Monat völlig gesund sein wird.
Kirchliche Nachrichten.
Am Himmelfahrtsfest.
Vormittag« 9 Uhr: Herr Superintendent Schafft.
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Schrader.