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herrWer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt“ und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 60.
Donnerstag, den 24. Mai
1906.
Amtlicher Colt
In Folge des Neubaues der gewölbten Brücke im Orte Conrode wird der Landweg zwischen Schenklengsseld und Conrode vom 25. Mai er. ab auf etwa 6 Wochen für den Fuhrw -ksverkehr gesperrt.
Als Ersatzwege sind die Separationswege:
a. im unteren Ried,
b. der sogenannte Milchweg zu benutzen.
Die beiden Wege sind durch Schilder mit entsprechender Aufschrift kenntlich gemacht.
Hersseld, den 21. Mai 1906.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
Am 16. d. Mts. wurde auf dem hiesigen Krammarkt ein Karton Seidenstoffe gestohlen und zwar: 12 Meter weihe Seide mit Beeststreifen versehen, 12 Meter schwarze Damastseide, 6 Meter rot-, weiß- und schwarzgestreister Blusenstoff, 12 Meter Schirme Blusenstoff, 8 Meter hell, blaue Merbelieseide, 8 Meter hellblaukarrierten Blusenstoff, 15 Meter geblümte weiße Seide, 10 Meter weiße Crew- seide, 4 Meter weiße Amurseide, 8 Meter weiß-schwarz, kariiecte Tastseide, 8 Meter rote großkarrierte Tastseide, 8 Meter grüne lillafarbige Seide.
Ich ersuche um Anstellung von Recherchen, Beschlagnahme der Stoffe und Nachricht an die Staatsanwaltschaft in Hanau. Fulda, den 17. Mai 1906.
Königliche Polizei-Direktion.
nichtamtlicher teil.
Himmelfahrt.
Das schöne lichte Himmelsahrtssest bringt uns der zu Ende gehende Mai als feine schönste Gabe. Folgt auch dem Himmelfahrtsfeste bald Pfingsten, das früheste Fest des Jahres, das feinen Vorgänger Himmelfahrt zu erdrücken droht, so wollen wir uns doch auch dieses Festes von Herzen freuen. Derselbe Schmuck in Feld und Flur, der uns das Psingstfest zu einem so anziehenden und reizvollen macht, umklänzt auch den HimmelfahrtStag, der neben seiner
Her geMelle LimmtensAtz.
Roman von J. Garwin.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Aus welchem Grunde? Was habe ich Ihnen getan?" fragte Richard.
„Sie haben meine Liebe verschmäht . . . Das war genug für ein Mädchen meines Charakters. Ich wollte Ihren Stolz demütigen und Sie zum Bettler machen. Jetzt sind Sie arm und Ihre Ehrenhaftigkeit in Zweifel gestellt . . . sind wir nun nicht einander gleich?"
„Ich hege durchaus kein Verlangen, Sie meiner Ueber- legenheit zu versichern," entgegnete Richard, „doch dürfen Sie wohl einige Rücksicht nehmen, da Sie wissen, daß ich eine andere liebe."
„Wo ist diese andere jetzt?" fragte Fräulein Hornegg mit triumphierendem, rachsüchtigem, mitleidlosem Lächeln. „Sie haben jedenfalls von Fräulein Walther's Verschwinden gehört, da ich deren Vater soeben dieses Haus verlassen sah."
„Wäre es möglich, daß Sie daS auch schon wissen!"
„Warum soll ich nicht wissen, daß Agnes Walther verschwunden ist! Ich sage Ihnen, daß Agnes Walther für immer für Sie verloren ist. Sie werden Sie entweder niemals Wiedersehen, oder sie soll Ihnen einen so widerlichen Anblick bieten, daß Sie entsetzt vor ihr zurückbeben. Haben Sie noch nichts davon gehört, wie tief ein Mädchen sinken kann ?"
Bei diesen Worten bedeckte Richard Burgsdors sein Gesicht schaudernd mit den Händen. „Sie sind kein Weib", sprach er, „Sie sind ein Dämon, ein Teufel!"
„Ich bin das, mozu Sie mich gemacht haben und werde noch schlechter werden, wenn Sie mein Entgegenkommen zurückweisen," antwortete sie.
„Das ist unmöglich!" rief Richard. „Sparen Sie sich jede weitere Mühe, Fräulein Hornegg. Beenden wir diese Unterredung, sie muß Ihnen ebenso peinlich sein wie mir."
„Ich habe Ihnen noch etwas zu sagen", entgegnete sie. „Ich kam nichts als Bettlerin zu Ihnen, ich bin nicht arm.
religiösen Bedeutung zu einem echten Naturseste geworden ist. Tausende von Bäumen und Sträuchern stehen im bunten Schmucke ihres Blütenkleides, Myriaden von kleinen Blütenkelchen füllen sich über Nacht mit kristallinem Tau, durstigen Käfern ersehnte Labung bereitend, honigtrunken flattern Schmetterlinge und Bienen von Blume zu Blume, aromatischer Hauch entströmt dem jungen, lebensfrohen Grün und erfüllt die lichtdurchflutete Lust.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag;
Man weiß nicht, was noch werden mag.
Dos Blühen will nicht enden.
Es blüt das fernste tiefste Tal:
Nun armer Herz vergiß die Qual,
Nun muß sich alles, alles wenden!
Das Himmelsahrtssest bietet aber in seiner tiefen Bedeutung als Erinnerungstag an das Scheiden Christi von der Erde und an sein Bussteigen zu den lichten Höhen auch eine ernste Mahnung für jeden einzelnen, sich loszumachen von allem, was ihn wie mit Ketten und Zangen im Staubs gefesselt hält, und dem zuzustreben, was schön und wahr, was hehr und heilig ist. Der HimmelfahrtStag liegt uns auch menschlich so nahe als Gedenktag an eins der schönsten Ereignisse in der Geschichte unserer christlichen Kirche; die Freude füllt das Herz darüber, daß der gekreuzigte Gottessohn nun als der erscheint, der er ist, als der Heiland, der von nun an thront an der Seite des ewigen Gottes.
Wer an Himmelfahrt hinauswandert durch Feld und Wald, wer die schwellende Natur beobachtet und auf sich einwirken läßt, und wer der leise mahnenden Stimme seines Inneren Gehör schenkt, für den schwindet der Zweisel darüber, daß etwas in uns lebt, das mit dem Tode nicht aufhört. Obgleich die Welt um uns und der sichtbare Himmel über uns der Inbegriff von herrlichen Wundern ist, deren Wirkungen wir täglich erfahren, ist gar mancher mit der Erklärung rasch fertig und sagt: „Das ist die Natur." Sobald aber vom Himmel im sittlichen Sinne, der sittlichen Weltordnung die Rede ist, wollen viele nichts davon wissen, weil man ihnen diesen Himmel nicht zeigen kann, als könnten sie die in der Natur wirkenden Kräfte zeigen. Und doch sind die Wirkungen hier ebenso wahrzunehmen wie bei den unsichtbaren Kräften der Natur und des physischen Himmels.
Wie die Pflanzen vom Himmel mit seinem belebenden Sonnenschein ihr Leben, ihre Schönheit und ihre Fruchtbildung erhalten und sich deshalb immer ahnungsvoll zum Himmel und seinem Lichte emporrecken, so fühlt sich auch der Mensch mit seinem sittlichen Leben nach oben gezogen und angeregt, die Seele dem Lichte der Wahrheit zu öffnen wie die Blumen dem Lichte der Sonne. Und die Pflanzen und alle Kreatur verderben, wenn man sie dem Himmelslicht und der Himmelslust entzieht, so verdirbt auch der Mensch, wenn er sein Herz dem Lichte verschließt, und sich
Ich bin einflußreich, ich bin sehr vermögend und kann Ihnen alles wiedergeben, was Sie brauchen, Ehre und Reichtum. Was meinen Sie dazu, wenn ich Ihnen sage, wo Sie die kostbaren Diamanten finden können, die Ihr Vater Ihnen vermachte?"
Richard von Burgsdorf stutzte. „Wäre es möglich," fuhr er auf, „daß Sie wüßten . . ."
Wieder unterbrach sie ihn. „Ich mache keine Zugeständnisse," sprach sie, „ich sage Ihnen nur, daß, wenn Sie halsstarrig bleiben, Sie Agnes Walther schwerlich jemals wiedersehen und die Diamanten nie in Ihren Besitz kommen werden. Ich könnte Agnes Ihren Freunden wiedergeben, ich könnte Sie reicher machen, als Ihr höchster Ehrgeiz Sie träumen läßt. Ist der Preis jetzt hoch genug, den ich für Ihre Liebe ein- setze?"
Forschend blickte sie ihn an.
Er zögerte aber nur einen Augenblick. Die Versuchung war stark, doch war er gewappnet gegen die Verlockungen dieser schlimmen Sirene.
„Verlassen Sie mich," sprach er endlich. „Ich mag nichts mit Ihnen zu tun haben. Die Zugeständnisse, die Sie mir gemacht haben, werde ich der Polizei mitteilen.
„Ha!" rief sie aus und sprang mit wütender Miene auf. „Sie weisen mich noch zurück, Sie beleidigen mich, Sie drohen mir! Hüten Sie sich selbst vor der Polizei. Ich werde Sie noch tiefer herabstoßen, und wenn Sie sich im Gefängnis befinden, dann gedenken Sie meiner Abschiedsworte!" — Mit dieser Drohung rauschte sie mit der Würde einer Königin aus dem Zimmer und ließ den unglücklichen jungen Mann vollständig überwältigt darin zurück.
„Es ist schrecklich, von einem solchen Geschöpf geliebt zu werden, aber noch schrecklicher, von ihr gehaßt zu werden," murmelte Richard. — Was sollte, was konnte er tun? — Stumm und niedergeschmettert blieb er eine Weile sitzen, dann bcgab er sich wieder an seine Arbeit, die er mechanisch vollbrachte. Wieder verdichteten sich die Wolken an seinem Horizont, und seine Aussichten waren trüber als je zuvor.
Vierzehntes Kapitel.
Die Gouvernante kehrte zu Wagen in das Hotel zurück.
einwühlt in die Erde mit ihrem Mammon. Wie die Pflanze im dunklen Raume wühl üppig ins Kraut wächst, aber keine Blüten von Farbenpracht und Duft und keine Früchte trägt, so kann auch der Mensch, der sich dem ewigen Lichte verschlossen hat, wohl ins Fleisch des Reichtums und der Ueppigkeit wachsen, aber es fehlt ihm doch die innere Gesundheit, welche Blüten und Früchte treibt, die den Menschen erst zum Menschen machen: echte Sittlichkeit, aufopfernde Liebe, friedvolle, reine Heiterkeit des Gemütes, edles Auf« und Vorwärtsstreben nach den Idealen, die von oben leuchten und der Seele erst, wie das Sonnenlicht der Blume, Duft und Farbenpracht verleihen. So möge denn auch in diesem Jahre der Himmelfahrtstag allen ein Tag geistiger, innerer Erhebung und leiblicher Erholung sein. Das ist unser Festgruß.
Reichstag.
Der Reichstag hat mit der endgiltigen Genehmigung der neuen Steuergesetze das Hauptwerk seiner gegenwärtigen Tagung zum Abschluß gebracht; j tzt sollen nur noch einige andere dringende Vorlagen unter Dach und Fach gebracht werden, dann tritt die sommerliche Vertagungspause des Reichstages ein, voraussichtlich wird er am 30. Mai in seine Sommerferien gehen. Am Montag erörterte da» Haus in ausgedehnter, aber wenig erquickender Debatte den Handelsvertrag mit Schweden zum ersten Male und übet« wies ihn schließlich einer besonderen Kommission. Dann unterzog das Haus das Offizierspensionsgesktz der zweiten Beratung. Es liegen hierzu eine Reihe von Kommissions- resolulionen sowie mehrere Anträge vor; von letzteren ist der Kompromißantrag der MehrheitSparteien zu erwähnen, wonach eine Anzahl bestimmter Paragraphen gemeinsam beraten, der Rest des Gesetzes aber nach den Kommiffions« beschlössen en bloc angenommen werden soll. Der genannte Kompromisantrag hatte zunächst eine langwierige Geschäftsordnungsdebatte zur Folge, dann empfahl Abg. Erzberger (Zentr.) als Referent der Bugetkommission deren Beschlüsse, in deren Sinne sich auch die Abgeordneten Graf Oriola (nat.-lib.), Mommsen (fr. Verein ), v. Maffow (kons.) Gamp (Reichsp.), Mugdan (fr. Vp.) und Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Verein.) äußerten. Einen oppositionellen Standpunkt vertrat lediglich der Sozialdemokrat Schöpflein, er erklärte, daß für seine Fraktion eine Reihe von Bestimmungen des Gesetzes unannehmbar seien. Gegen die Stimmen der Sozialdemokraten wurde hieraus § 1 genehmigt, die übrigen Paragraphen des Offizierspensionsge. setzes fanden debattelos in der Kommisswnsfaffung Annahme.
Der Reichstag erledigte am Dienstag zunächst einige Rechnungssachen und trat dann in die Beratung des Pensionsgesetzes für die Mannschaften des Heeres ein. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Südekum führte aus, daß die Fürsorge für die Mannschaften in keinem
Sie war in einen der stillen, vornehmen Hotels der Residenz abgestiegen, in welchen nur solche logieren können, die über bedeutende Geldmittel zu verfügen haben. Sie befand sich in einem seltsamen Gemütszustände, während sie noch in dem Wagen fuhr. Bei der fanatischen Liebe, die sie für Richard von Burgsdorf empfand, war es einem Mädchen von ihrer Sinnesart unmöglich, der wahnsinnigen, sinnlosen Leidenschaft plötzlich Einhalt zu tun. Sie hatte nur ein Ziel vor sich, sie hegte nur einen Wunsch, und dieser war, ihn ihren Gemahl nennen zu können. — Wenn sie daran dachte, wie beharrlich er sie zurückgewiesen hatte, wie treu dagegen er seiner ersten Liebe gewesen war, und wie fest und entschlossen er ihre dargereichte Hand ausgeschlagen hatte, bräunten ihre Wangen vor Wut und Scham. Sie, als Weib, hatte kein Recht, um einen Mann zu werben. Eine Frau, ein Mädchen darf wohl lieben, aber es nicht zuerst aussprechen. Und sie, sie hatte sich vor einem Mann gedemütigt, und er war ihr mit Hohn und Nichtachtung begegnet. Der Gedanke hieran reizte sie nur noch mehr. Trotz der an Wahnsinn grenzenden Liebe, die sie für Richard von Bnrgsdorf empfand, haßte sie ihn gleich- zeitig.
„Weh ihm!" rief sie. „Weh ihm! Er soll es teuer bezahlen, daß er meine Liebe zurückwies! — Ich hätte ihn reich und glücklich machen können, jetzt soll er arm, elend und unglücklich werden. Glaubt er, ich sei ein Wurm, der sich von seiner Verachtung zertreten läßt? Die Zeit ist nicht fern, wo er auf den Knieen liegend wünschen wird, er wäre mein Gemahl und hätte dem Wunsche, den ich schwach genug war, auszusprechen, nachgegeben. Er hätte wissen sollen, daß ich einmal zur Wut gereizt, ein furchtbarer Feind fein kann. Weh ihm! wiederhole ich, denn ohne mich soll sein Los ein schreckliches sein ... Nie sollen seine Liebesworte eine andere beglücken. Wenn er je vor einer Frau kniet, will ich diese Frau sein. Das schwöre ich! Ich rufe die Dämonen als Zeugen aus; was mir auch hindernd in den Weg trete, ich will meinen Schwur halten."
Finstere Wolken standen am Himmel, ein Gewitter nahte, und diesem schrecklichen Gelöbnis folgte ein greller Blitz, während ein heftiger Donner den ganzen Erdboden zu erschüttern