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Nichtamtlicher teil.

in WM

Sorgtiuitifitr

Noch den Beritten über die Aufnahme der deutschen Bürgermeister in England scheint eS fast, als sei die Aera der Verstimmung und Verärgerung zwischen beiden Ländern nun wirklich vorüber. Er war ein Gegenbesuch. In Eng­

land besteht ein Komitee zum Studium städtischer Einrich­tungen, da« im vorigen Jahre Vertreter nach Deutschland entsandt und nun die Vertreter deutscher Gemeinden nach England eingeladen hatte. Mit dem Komitee wirkte der englisch-deutsche Freundschaftsverein zusammen, dessen Prä­sident Lord Lyvedon ist. Festberichte haben den Beruf, wohlwollend zu sein und die Vorgänge in möglichst schönem L'chle darzustellen. Wird aber der nüchterne Beurteiler

auch einiges abziehen, wo« auf Rechnung der Augenblickr- fiimmung kommt, so bleibt doch im vorliegenden Falle noch :enug übrig, was als Beweis für die Erneuerung versöhn- li: ^ und freundschaftlichen Geister in England gegenüber de deutschen Nation dienen kann.

Dar bezeichnendste war, daß König Eduard den deutschen Gästen Aufmerksamkeiten erwies, und daß eine Reihe von

Mitgliedern des liberalen Ministeriums, mit dem Minister' Präsidenten Campbell-Bannerman an der Spitze, als Redner Hei verschiedenen festlichen Veranstaltungen mit ungewohnter Wärme den Gedanken des friedlichen Wettbewerbs zwischen beiden Völkern und des gegenseitigen besseren Verständ­nisses vertraten. Auch die große englische Presse spricht seit dem Uebergang der Regierung an die Liberalen und nach der Erledigung der Marokkofrage in einem anderen, viel freundlicheren Tone von Deutschland als noch vor einem Jahre.

So lange der Marokkostreit schwebte, konnten wir keine besonderen Freundlichkeiten von England erwarten. Die englische Regierung mußte sich an der französischen Seite halten, dazu war sie nach dem Wortlaute des Vertrages vom 8. April 1904 und moralisch noch dadurch verpflichtet, daß England in den Genuß der Hauptvorteils dieses Ver­trages, der in dem Verzicht auf die alten ägyptischen An­sprüche Frankreichs lag, getreten war, während dem fran­zösischen Partner der Gegenwert, Marokko, streitig gemacht wurde. Trotz der loyalen englischen Unterstützung hat Frankreich den von Deutschland vertretenen RechtSstandpunkt aveikenven und sich in die daraus folgenden Beschränkungen seiner marokkanischen Politik finden müssen. Nach Er­ledigung der Marokkosache in einer Form, die weder in Deutschland noch in England verstimmen konnte, ist die Bahn von dem korrekten Verhältnis zu einem freundschaft­lichen Einvernehmen frei geworden.

Die offizielle Politik ist in England in hohem Grade von der Volksstimmung abhängig. Wie sehr das vorige Kabinett aus sie Rücksicht nahm, haben wir selbst bei dem Vorgehen gegen den Präsidenten von Venezuela, Castro, und mehr noch bei den Verhandlungen über die Finanzierung der Bagdadbahn ersohren. Die englischen Politiker sind kühle Geschäftsleute. Es wär« deshalb falsch, wenn wir ein größeres Interesse an gegenseitigen politischen Ge schästen zeigen wollen als sie selbst. Darum können wir es doch aufrichtig begrüßen, daß während der Besuchs der deutschen städtischen Vertreter die Bereitwilligkeit zur Be­endigung alten Haders deutlich zu Tage getreten ist und in England wieder oben und unten der Wunsch nach freund­schaftlichem Einvernehmen besteht.

Herero in die Einöde bet Omaheke war dieser Stamm be­siegt. Die großen Häuptlinge waren zum Teil über den Omuramba Omatako in nordöstlicher Richtung in das britische Gebiet am Ngawisee entkommen und dort von den britischen Behörden entwaffnet worden. Sie sind jetzt arme Teufel und werden sich wohl hüten, wiederzukommen, weil ihnen die Strafe für Verbrecher droht und die von ihrem Stamm lebend zurückgebliebenen Leute zum größten Teil als Ge­fangene unter der Aussicht der Weißen leben und keine Ur­sache haben, für ihre ehemaligen Gebieter, die sie in die Erhebung hineingezwungen haben, abermals verräterische Handlungen zu begehen.

Um dieselbe Zeit, wo der Hererostamm kampfunfähig wurde, erhob sich im mittleren Süden der Hotlentotten- stamm unter Hendrik Witboi, der dann ungefähr ein Jahr danach im Kampfe tödlich verwundet wurde, nachdem die Truppen ihn in noch beschwerlichem Märschen, als die im Hererolande gewesen waren, nach Osten und weit nach Westen hin verfolgt hatten.

Nun blieben noch im äußersten Süden um die Karas- berge herum und an der englischen Grenze im Osten und Süden, außer den Ueberbleibfein der Hottentotten unter den niederen Häuptlingen wie Cornelius, die Binden, die sich schon vor der Erhebung der Herero in dieser Gegend gebildet und unter Morenga einen gewandten Führer ge­funden hatten. Der Kampf gegen diese beiden Gruppen war der schwierigste von allen, einmal wegen der Unwirt- lichkeit des Geländes, dann wegen der Unmöglichkeit bei dem gänzlichen Mangel an geordneten Verkehrsmitteln eine regelrechte Versorgung der Truppen zu bewirken, die in bitterer Not ihre heldenhaften Märsche und Gefechte bewirkt hatten. Hauptmann Volkmann gelang vor einigen Monaten die Gefangennahme der Cornelius, und nun schrumpfte das Kriegsfeld auf die entlegene Südostecke des Schutzgebietes zusammen.

Morenga hatte in dieser Gegend Aussichten unsere Truppen noch lange hinzuhalten, weil er sich jenseit der englischen Grenze nach jedem Kampfe wieder erholen konnte, um dann aufs neue in unser Gebiet einzufallen. Da er aus seinen Schlupfwinkeln heraus Transporte überraschte, und abfing, fielen ihm öfters Gewehre und Munition zu. Dieser Kreislauf mußte bald ein Ende nehmen, denn in den einzelnen Gefechten wurde feine Gefolgschaft, die man zu Anfang dieses Jahres noch auf 400 Köpfe schätzte, allmäh­lich vermindert, während die deutschen Truppensührer seine Pfade immer fester umstellen konnten. Zuletzt kam das Ge fecht vom 4. Mai mit der Verfolgung Morengar durch Hauptmann Bech, der im Eifer der Gefechtes den Gegner über die Grenze verfolgte, dessen Niederlage dort vollendete, und im Anschluß daran die Gefangennahme MorengaS durch die Kappolizei.

In der Hauptsache werden nur noch Maßregeln zur Sicherung der Farmen und Ansiedler gegen das besonders im mittleren Teil der Schutzgebietes noch vorhandene Räuber, gesindel durch Farmwachen und kleine mobile Abteilungen zu treffen fein. Dann kann mit dem Wweraufbau der Ko­lonie begonnen werden.

Gegend des Mbarangandu verdrängten Bruder Mohamakiro vereinigt. Beide versuchen über den Rovuma in portu­giesisches Gebiet zu entkommen. Das zur Verfolgung Schabruma« vom Expeditionskorps abgezweigte Detachement von Blumenlhal bestand am 10 und 11. April siegreiche Gefechte. Der Gegner verlor dabei 31 Tote; diesseits wurden zwei Mann verwundet. Major Jodanne» hat sich jetzt mit dem größten Teil des Expeditionskorps gegen die Mgende-Landfchaft, südlich Mahenge zwischen Luwegu und Mbarangandu gewandt, um im Verein mit einer Abteilung von Mahenge und dem Detachement Seybollstorff auch hier den Widerstand zu brechen. Mgende, wo viele Aufständische sitzen sollen, wird, wie Utinga und Upangwa eingeschlossen und konzentrisch von den Truppen angegriffen werden. Von den 16 bekannten Rädelsführern im Bezirk Morogoro sind bisher 11 feßgenommen worden.

Str AM in IM-Mveft-Afrikz.

Der Aufstand in Südwestafrika dürste nach der Ge­fangennahme Morenga« dem Ende nahe sein. Jetzt steht gegen uns noch der Bandenführer Morris im Felde, dessen Widerstand um so leichter zu brechen sein wird, als seine Spannkraft unter dem Eindrücke der Gefangennahme Mo- rengar erlahmen muß und alle unsere im Namalande ver­sammelten Truppen jetzt auf seine Fährte gesetzt werden können. Wie dieKöln. Ztg." hört, werden zunächst keine weiteren Truppennachschübe in die Kolonie mehr vorbereitet werden. Da ist es an der Zeit, sich den Verlauf des Auf- standes in da« Gedächtnis zurückzurufen.

In drei Hauptteilen wurden die Anstifter des Aufstandes unschädlich gemacht. Nach dem großen Gefecht am Water- berg im August 1904 und der Verfolgung der geschlagenen

Unruhen in Ieutsch-Wrikü.

Die Operationen des deutschen Streifkorps gegen die Negerbanden, die sich noch in entlegenen und schwer zu­gänglichen Gegenden verborgen halten, verlaufen außer, ordentlich günstig. In den ersten drei Aprilwochen sind den Rebellen in verschiedenen siegreichen Gefechten Verluste zugefügt, die auf mehr als tausend Mann berechnet werden. Fast zweitausend Aufständische haben die Waffen gestreckt und von den Rädelsführern befinden sich nur noch fünf in Freiheit.

Daressalam, 19. Mai. Major Johannes meldet aus Gumbiro, daß der früher aufständische Sultan Mbejera Kihava gestorben ist. Die Operationen der Expeditions korps in Upangwe und Utinga nahmen einen günstigen Verlauf und erreichten am 22. April ihren Abschluß. Die Verluste der Gegners während der Unternehmungen vom 1. bis 22. April betrugen drsihundertachtzig Tote und sechshundert Gefangene. Erbeutet wurde zahlreiches Groß, und Kleinvieh. Diesseits tot zehn, verwundet fünf Mann. Der Widerstand in diesen Land­schaften scheint gebrochen. Vom 15. bis 22. April haben sich 1600 Leute unterworfen. Zum Weiterführen bei Klein krieges ist die Polizei-Abteilung Neulangenburg in Utinga belassen worden. Der Sultan Schabruma hat sich mit seinem vom Detachement Graf von Seybollstorff aus der

Reichstag.

Der Reichstag verabschiedete am Freitag zunächst eine weitere Vorlage, diejenige über die Aenderung des Gesetzes betreffend die Ausgabe von Reichskassenscheinen, dann trat er in die dritte Lesung der Steuervorlagen ein. Die Generaldiskussion eröffnete Abg. Büsing (nat.'lib.) mit einem mächtigen Loblied auf die Reichsfinanzreform, auch die Abgeordneten Dietrich (tonf.) und v. Kardorff (Reichsp.) sprachen zu gunsten der neuen Steuergesetze, während sich in mehr ober weniger oppositionellem Sinne die Abgeord­neten Molkenbuhr (soz.), Müller-Sagan (frs. Volksp.), Pachnicke (fr. Vereinig.), Schmidt-Berlin (soz.) und von Gerlach (fr. Verein.) äußerten. Vom Abgeordneten Singer ist namentliche Abstimmung über die Brausteuer, Zigaretten- steuer und Fahrkartensteuer beantragt worden. In der nun folgenden Spezialdirkussion wurde zuerst die Brausteuer- vorlage beraten. Nach kurzer Debatte gelangte § 1a mit einer vom Abgeordneten Rettich beantragten Abänderung, wonach der Bundesrat den Zucker von der Brausteuer gänzlich freilassen kann, zur Annahme. Der entscheidende § 3a wurde mit 160 gegen 100 Stimmen bei drei Stimm­enthaltungen genehmigt. Den § 3c genehmigle das Haus mit einer kleinen Veränderung, die übrigen Bestimmungen der Brausteuervorlage wurden unverändert angenommen. Hierauf fand noch das Zigarettensteuergesetz Erledigung, wobei ein für die dritte Lesung vereinbarter KompromiS- antrag der MehrheitSparteisn gutgeheißen wurde, welcher den Zoll für Tabak und Zigaretten auf 700 Mk. festsetzt, und die Staffelung der Steuersätze für den Kleinverkauf in etwas veränderter Gestalt im Vergleich zu den Be­schlüssen zweiter Lesung regelt.

Am Sonnabend wurde die dritte Lesung der ReichS- finanzreform mit der Beratung der Novelle zum Reichs­stempelgesetz fortgesetzt Der Abschnitt über den Stempel von Frachturkunden wurde ohne wesentliche Debatte erledigt, dann aber begann eine große Diskussion über die Fahr- kartensteuer. Nach größtenteils persönlichen Auseinander­setzungen zwischen den Abgeordneten Speck (Z.), v. Vollmar (S.), Hausmann, Dr. Spähn und dem bayrischen Ministerin!' tat von Burkhard wird die Diskussion geschlossen. Der Antrag Eickhoff wegen Freilassung der ermäßigten Schüler- fahrkarten wird mit großer Mehrheit angenommen. Im übrigen wird der Fahrkartenstempel nach den Beschlüssen zweiter L-iung mit 150 gegen 119 Stimmen bei vier Enthaltungen angenommen. Ebenso wird noch IwuJBe* I schlaffen zweiter Lesung die Automobilsteuer und die Tantieme­steuer ohne Debatte erledigt. Dann folgt die dritte Beratung des EcbschastSsteusrqesetz.'S. Die Erbschaftssteuer findet mit 206 gegen 41 Stimmen bei 2 Enthaltungen Annahme.

Aus > und Busland.

Berlin, 19. Mai 1906.

Heute, Sonnabend, vormittag machte S e. Majestät der Kaiser, wie aus dem Neuen Palai» gemeldet wird, mit Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich einen Spazier- gang. Zur Frühstückstafel im Neuen Palais war Prinz Heinrich geladen. Seine Majestät der Kaiser fuhr heute nachmittag, von Potsdam kommend, mit Automobil beim Reichskanzlerpalais vor und nahm dort einen längeren Vor, trag des Reichskanzlers entgegen. Im Anschlüsse hieran ging Kaiser Wilhelm mit dem Fürsten Bülow etwa -ine Stunde im Garten des Reichskanzlers spazieren. Später nahm Seine Majestät bei der Fürstin Bülow den Thee ein und begab sich mit Automobil nach Potsdam zurück.

zu haben, so denke ich doch, daß meine jetzige Stellung mich genügend von dieser Anklage freispricht."

Das wäre wohl anzunehmen . . . doch, hat der Major Ihnen die Diamanten nicht vor seinem Tode zum Geschenk gemacht?"

Allerdings! Ich besitze diese Schenkung schwarz auf weiß, aber leider habe ich nicht die entfernteste Ahnung, wo die Ju­welen sich befinden, noch die geringste Hoffnung, daß sie je­mals in meine Hände kommen werden."

Nun, dann will ich Ihnen von ganzem Herzen wünschen, daß sie doch noch in Ihren Besitz kommen." '

,Zch würde jetzt gern darauf' verzichten, wenn ich statt dessen Fräulein Agnes ausfindig machen könnte," versetzte Richard.Sägt sich denn nichts zur Entdeckung der Armen tun?"

Wir stehen in Gotteshand", sprach Doktor Walther,und müssen das Beste hoffen."

Er schied mit dem Versprechen, Richard schreiben zu wollen, sobald er ihm irgend eine gute Nachricht mitteilen könne.

Agnes geheimnisvolles Verschwinden war ein harter Schlag iür Richard. Er liebte sie innig und hatte gehofft, eine bessere Stellung in dem Bankhause und dann ihres Vaters Einwilligung zu ihrer Verbindung zu erlangen. Er verweilte noch in dem Sprechzimmer und sann über das eben Gehörte nach, als eine dicht verschleierte Dame eintrat und der ihr folgenve ^e^chäftsdiener sagte:Hier ist Herr von Burgsdorfs, Madame!" '

Richard blickte auf. Die Dame schlug den Schleier zu- 5^nnte in der Besucherin Fräulein Hornegg. Eine Wolke desUnnutts glitt bei dieser Entdeckung überfeine -u-n denn er gedachte jener Nacht, in der er als Dieb aus den: Elternhauie gewreM wurde, und war überzeugt, daß er kemem andmr als der Gouvernante und seiner Stiefmutter die entsetzliche Lage verdankte, in welcher er sich damals befand

Sie entschuldigte sich ihres Eindringens wegen und ügte hinzu, daß sie keine Ruhe finden könne, bis sie ihn gesehen und über Verschiedenes, das ihr schwer aus dem Herzen liege mit ihm gesprochen habe.

Sie müssen mir die scheinbare Unbesonnenheit verzeihen, Herr Burgsdorf", rief sie aus,aber ich muß mich in Ihren Augen rechtfertigen. Ich bin überzeugt, daß Sie all Ihr Un­glück mir zuschreiben."

Wem könnte ich es sonst zuschreiben?" fragte Richard.

Ich gestehe, daß ich ein kleines Unrecht getan," erwiderte die Gouvernante,aber Sie müssen bedenken, wie arm und wie schutzlos ich war. Frau von Burgsdorf veranlaßte mich, Ihnen zu schreiben, Sie möchten in jener Nacht in das Schloß kommen, aber das ist alles, was ich tat und ich erkläre Ihnen hiermit feierlich, daß mir Frau von Burgdorfs fernere böse Absichten völlig fremd waren. Hätte ich eine Ahnung davon gehabt, daß sie Sie in dem Silberzimmer einschließen und die Leute glauben machen wollte, Sie wären ein Dieb, würde ich nimmermehr zu einem schändlichen Plane die Hand geboten haben."

Richard schüttelte ungläubig den Kopf.

Was soll ich tun, um Sie von meiner Unschuld zu über­zeugen und Ihnen zu beweisen, daß ich nur das unwissende, arglose Werkzeug dieser schlechten Frau war?" fuhr sie fort.

Dieses Bemühen wäre nur unnütze Zeitverschwendung", erklärte Richard.Gleichviel ob Sie voll schuldig sind oder nicht, so haben Sie doch bei meiner bösen Stiefmutter mit gegen mich gehetzt," erwiderte Richard ernst.Nie kann des­halb Freundschaft zwischen uns bestehen. Ich mag nichts weiter mit Ihnen zu tun haben. Lassen Sie uns auseinandergehen. Die Welt ist groß genug, daß wir einander niemals wieder zu begegnen brauchen."

Eine düstere Wolke glitt über das bleiche Gesicht der Gou­vernante.Sie irren", sprach sie,wir müssen uns Wieder­sehen. Ich glaube an unser gemeinsames Schicksal und ich sage Ihnen, Richard von Burgsdorf, daß Sie sich vergeblich bemühen werden, sich von mir loszumachen. Unser beider Schicksal ist eng miteinander verbunden, und wo Ihr Pfad durch's Leben führt, da ist auch der meine."

Das sind phantastische Reden, die einer Wahrsagerin würdig sind, aus die ich aber, Gott sei Dank, keinen Wert lege", erwiderte Richard kühl.

Sie mögen jetzt spöttisch über mich lächeln," rief Fräu-

lein Hornegg mit der Miene einer Kassandra aus,aber ich prophezeie Ihnen, daß wir noch Hand in Hand miteinander durch das Leben gehen werden."

Nie!', entgegnete Richard mit Nachdruck.

Die Zeit wird zeigen, wer von uns beiden recht hat. Halten Sie mich für unweiblich, wenn Sie wollen, aber ich muß Ihnen gestehen, daß ich Sie leidenschaftlich liebe und daß ich nicht ohne Sie leben kann."

Fräulein Hornegg", rief Richard erregt aus,bedenken Sie, daß ein Zugeständnis derart, wie Sie es eben gemacht haben, gelinde gesagt, zudringlich ist."

Was liegt mir an den gesellschaftlichen Formen!" ant­wortete sie.Es ist mein Unglück, daß ich Sie liebe und ich weiß, daß Sie dagegen mich verachten. Jetzt aber hören Sie mich einmal ruhig an! Ich will die Maske abwerfen. Ich bin es, die Sie zu Grunde gerichtet hat, und nicht Frau von Burgsdorf, die ich vor wenigen Minuten ungerechterweise an- klagte.

(Fortsetzung folgt.)

Teschen, 18. Mai. Bet einem Leichenbegängnis wurden durch Blitzschlag 13 Personen getötet, 20 verletzt.

Als ein Akt des Aberglaubens hat sich der anfänglich rätselhafte Fund eines Sarge» mit der Leiche einer Frau in Erlenbach herausgestellt. Die als abergläubisch bekannte Familie hatte die Leiche der Mutter im Hause behalten wollen, damit sie die Familie zusammenhalte und auf deren Wohlergehen einen guten Einfluß ausübe. Statt des Sarge« mit der Leiche der Mutter war seinerzeit ein solcher mit Hobeispänen gefüllt begraben worden.

(DieTat eine« Irrsinnigen.) In Mucia (Spanien) erschoß der Geistliche MoraleS den Jesuiten Martinez und tötete dann sich selbst. E» steht, der Köln. Volkrztg. zufolge, fest, daß der unglückliche Priester, der längst nicht mehr mächtig war und deshalb bewacht werden mußte, im Wahnsinn handelte. Aus feinen Briefen geht hervor, deß er sich verfolgt glaubte und in dem Wahne lebte, die Jesuiten hätten sich mit den Freimaurern ver­bunden, um ihn unglücklich zu machen.