Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^»^»^»^»

herrsel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 56.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 11. Mai 1906.

Nach dem in der Kreistagssitzung am 31. März 1906 festgestelllen Kreishaushaltsetat für das Rechnungsjahr 1906 sind 29 °/o der sämtlichen direkten Staatssteuern als a l l - gemeine Kreis st euer zu erheben. Neben dieser Kreis st euer sind von den Landgemeinden und Gutsbezirken des Kreises, mit Ausnahme -er mit Landwegebauausgaben bisher nicht belasteten Gemeinden Frielingen, Heddersdorf, Kalkobes und Rie- derjossa, noch 7 2 0 0 M. als Beiträge zu der Kreiswegesteuer aufzubringen; diese Summe erfordert weitere 8,4 °/o der sämtlichen direkten Steuern.

Auf die Stadt Hersseld, die vorgenannten 4 Landgemein­den und den Fiskus entfallen hiernach für das Etatsjahr 1906 = 29 % der sämtlichen direkten Staatssteuern als Kreissteuer, während alle übrigen Gemeinden und Gutsbezirke 29 und 8,4 ----- 37,4 % zn entrichten haben.

Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern wird in den nächsten Tagen ein Auszug aus der Berechnung der auf die einzelnen Kommunalbezirke fallenden Kreissteuer-Beträge zugehen. Ich ersuche, den darin aufgeführten Gesamtbetrag im Wege der Umlagenerhebung von den Pflich­tigen zur Gemeindekasse einziehen und in vierteljähri­gen Raten an die Kreiskommunalkasse dahier (im Landrats­amtslokale) portofrei einzahlen zu lassen.

Die erste Rate wird am 2 0. M a i, die zweite Rate am 15. Augu st, die dritte Rate am 15. No - ve mber d. Js. und die vierte Rate am 15. Fe­bruar 1 9 0 7 fällig; diese Zahlungstermine sind genau einzuhaltem

Bei jeder Zahlung ist der Auszug aus der Berechnung zur Quittungsleistung auf demselben vorzulegen.

Der Borfitzende des Kreisausschusses:

von Grunelius.

A. 1519.

Hersseld, den 11. Mai 1906.

Die zweite Schulstelle in Ransbach wird vom 1. Juli b. Js. ab frei.

Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt; der Einheitssatz der Dienst­alterszulage beträgt 120 Mark.

Bewerber wollen sich bis zum 1. Juni d. I S. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Nolde in Ransbach oder dem Unterzeichneten melden.

I. 3812. Namens des Schnlvorstandes:

von Grunelius,

Landrat.

Dienstag, den 15. Mai

nichtamtlicher teil.

N Kaisertesilch in Wien.

Unser Kaiser hat nach dem Abschluß der Marokkokon­ferenz einen Briefwechsel mit dem Kaiser Franz Joses geführt, in dem der Wunsch einer Begegnung auSgedrückt war und alsbald auch der österreichisch-ungarischen Regierung in einem Telegramm an den Grasen Goluchowski seinen Dank für das Zusammenwirken beider Reiche in Algeciras ausgesprochen. Bei dem Besuch in Wien, der am 6. und 7. Juli stattfinden soll, handelt es sich um einen Akt per­sönlicher Verehrung und Freundschaft. Früher haben sich beide Herrscher häufig zu ihren Manövern eingeladen. Kaiser Franz Joseph ist jetzt hoch betagt und daher genötigt, seine Beteiligung an den Strapazen großer Truppen­übungen einzuschränken. Das letzte mal, daß sich beide Kaiser begegneten, war vor drei Jahren aus österreichischem Boden.

Der Wunsch Kaiser Wilhelms, seinen treuen BundeS- genosien wieder zu begrüßen, kann nichts Auffälliger haben. Der Besuch soll einen ganz intimen Charakter tragen; besondere politische Zwecke werden mit ihm nicht verfolgt. Trotzdem wird der Besuch nicht ohne politische Bedeutung sein. Man wird sich beiderseits über die allgemeine inter­nationale Lage aussprechen und die Möglichkeiten erörtern, wie auch fernerhin am besten den gemeinsamen Friedens- intereffen zu dienen sei.

Gleichwohl ist die Nachricht von dem Besuche im Donau- reiche nicht überall freundlich ausgenommen worden. Die Blätter der Koalition in Ungarn, d. h. der zur Herrschaft im Lande der Stefanskrone gelangten Parteien, die eine größere Unabhängigkeit des Königreichs anstreben, haben sich zum Teil sogar feindselig gegen die Person unseres Kaisers geäußert. Das hängt mit dem inneren Gegensatz zusammen, der sich zwischen den beiden Hälften des Donau- reiches herausgebildet hat. Erst kürzlich ist der Konflikt, der zwischen der Koalition und dem König von Ungarn hauptsächlich wegen der Kommandosprache im transleitha- nischen Teile des österreichisch-ungarischen Gesamtheeres entstanden war, mühsam beigelegt worden. Dabei hat die Krone durchgesetzt, daß das Koalitionsministerium an dem bestehenden Zustand in der Armeefrage nicht rühren und das allgemeine gleiche Wahlrecht in die Gesetzgebung ein- führen soll. Die ungarischen Blätter holen jetzt den alten Verdacht wieder hervor, daß unser Kaiser den Kaiser und König Franz Josef zuungunsten der magyarischen For' derungen beeinflußt habe, unbekümmert darum, daß dies schon wiederholt als falsche Unterstellung zurückgewiesen worden ist.

In Ungarn weiß man so gut wie bei uns, daß Bünd­nisse nicht blos durch die Freundschaft der Herrscher, fon«

1906.

dern auch durch die politischen und wirtschaftlichen Interessen der Völker zusammengehalten werden. Bisher waren denn auch die Ungarn mit den Früchten des Dreibundes sehr zufrieden, und wir können nicht einsehen, wie sich darin etirns durch die inneren Streitigkeiten in Cis- und Trans- leithanien geändert haben sollte. Darüber sich klar zu werden, ist Sache der Ungarn selbst. Den Gang der deutschen Politik werden die mißvergnügten Stimmen aus dem Lager der ungarischen UnabhängigkeitSpartei jedenfalls nicht beeinflussen.

Italien in Teulsch-Wrika.

Daressalam, 12. Mai. Die Kompagnie von Schönberg operiert seit dem 4. d. M. in drei Abteilungen am unteren Nembue, drei Tagemärsche nördlich von Liwale, wo sich die Hauptauswiegler der Wamalumbi Abdallah Tschimai und Abdallah Mapanda aushalten sollen. Ein stärkeres Detache- ment der Kompagnie unter einem farbigen Unteroffizier schlug nach heftigem Widerstände die Aufständischen bei Schiberikimi nördlich von Liwale. Der Gegner hatte neun­unddreißig Tote. Dreißig Männer wurden gefangen. Bei einem Gefallenen wurde ein offenbar von einem Europäer stammender goldener Ring mit der Eingravierung C. St. 1904 g. y. g. gefunden. Hauptmann Wunderlich, welcher die Verbindung WidundaMahenge hergestellt hat, meldet aus Lijungs, daß die genannte Straße für Karawanen nun sicher und der Fährbetrieb bei Jfakacra seit dem 16. April geregelt sei. Aus Widerstand ist Hauptmann Wunderlich nicht mehr gestoßen. In Kißanga, an der Straße Kilossa Rjukwe, hat die Kompagnie einen Posten Rationiert. Dirr Rädelsführer Kibunju und Sefu aus dem Morogoro-Be- zirk, die im März von der Kompagnie Wunderlich aufge­bracht wurden, find gehängt worden. Major Johannes trat am 7, April den konzentrischen Marsch auf Ukinga und Upangwa an. Vorher hatten Teile des Expeditionskorps am Lukumburu und Lupale zwei Tagemärsche südöstlich von Mbejera glückliche Gefechte. Die Kompagnie von Kleist erbeutete bei einem nächtlichen Hebers all zahlreiche Rinder , und machte 130 Gefangene. Mitte März waren mehrere hundert Wangindo und Wasuaheli unter Mahamakero, dem Bruder des Sultans Schahruma raubend in die Landschaften Luwsgu und Kitanda im Nordosten von Sfongea einge­fallen. In der Nacht vom 23. zum 24. März lagerten die Aufständischen etwa eins halbe Stunde vom Kitandaposten entfernt, um im Morgengrauen die Boma anzugreifen. Da erfolgte der völlig gelungene Ueberfall des feindlichen Lagers durch die Kompagnie von der Marwitz. Die feindlichen Haufen wurden gänzlich zersprengt und flohen aus Mgcnde bis zum Lujsgu, von der Kompagnie verfolgt. Beim Feinde blieben vierundneunzig Tote, dreihundert Gefangene wurden befreit. Diesseits fiel ein HilfSkrieger, einer wurde ver­wundet. Der Sultan Schahruma selbst halte sich während

Her

Roman von J. G a r w i n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wie geht es, Burgsdorf?" sagte er.Ich habe mit Be­dauern von Ihrem Verlust gehört."

Von meinem Verlust ?" wiederholte Richard verwundert.

Ja, ich las es soeben in der Zeitung "

Wovon sprechen Sie?" fragte Richard.

Mein Gott! Sollten Sie denn noch nicht wissen, daß Ihr Vater gestern ganz plötzlich gestorben ist?"

Als aber Richard den Sprechenden nun leichenblaß an- starrte, ohne eines Wortes mächtig zn sein, fuhr jener fort: Es tut mir wirklich leid, davon gesprochen zu haben, aber ich dachte, Sie müßten es wissen, oder vielmehr wunderte ich mich, Sie hier zu sehen. Wahrhaftig, es tut mir wirklich leid".

Richard stand aus und schritt der Tür zu; da begegnete er Raveneck, der schon durch seine Cousine gegen ihn einge­nommen war und sagte:Guten Abend, Raveneck!"

Dieser erwiderte aber den Grnß nicht.

Ich sagte Ihnen Guten Abend!" wiederholte Richard. Sie scheinen sehr schwerhörig zu sein."

Herr von Burgsdorf", erwiderte Raveneck eiskalt,ein Mann, der fähig ist, seinen Vater zu bestehlen, weil dieser ihm seines schlechten Betragens wegen das gewohnte Taschengeld vorent- hält, ist kein passender Umgang für einen anständigen Mann."

Ah so? Sie haben von der elenden Verleumdung ge­hört?" rief Richard bestürzt.Nun, ich bin heute abend nicht in der Stimmung, mich mit Ihnen herumzustreiten, aber seien Sie versichert, daß ich, über diese gegen mich verübte Schurkerei, sobald ich den schweren Schlag, der mich betroffen, überwunden habe, eine Erklärung von Ihnen verlangen werde. Es ist eine Feigheit von Ihnen, mich jetzt so anzugreifen."

Ich wünsche nichts mit Ihnen zn tun zn haben, und hoffe, daß ich mich deutlich genug ausgedrückt habe," cnt- gegnete Raveneck.Ich glaube, im allgemeinen Interesse des Klubs zu reden, und wenn Sie Ihre eigene Ansicht zu Rate

ziehen, werden Sie uns nicht weiter mit ihrer Gegenwart be­lästigen."

Richard schwirrte der Kopf; alles drehte sich vor seinen Augen. Er verließ den Klub und eilte nach Hause.

Diese öffentliche Beleidigung und der unerwartete plötz­liche Tod seines Vaters war fast mehr als er ertragen konnte.

Er war jetzt elternlos und hatte von seines Vaters Ver­mögen wohl nichts weiter zu erwarten, als die ihm bereits vererbten Familiendiamanten, die aber von unbekannten Gau­nern gestohlen worden waren. Seine Stiefmutter hatte wirk­lich über ihn gesiegt. In dieser furchtbaren Situation lag ihm aber wenig an Reichtum und an der geringen Hoffnung, je­mals in den Besitz der Diamanten zu gelangen, sondern er wollte nur seine Ehre verteidigen.

Als Richard, an seiner Wohnung angelangt, den Schlüssel in das Schloß stecken wollte, zitterte seine Hand so heftig, daß das Geräusch den Wirt, Herr Müller, veranlaßte, herbeizu- kommen.

Bei dem Schein der Lampe, die er in der Hand hielt, sah er, wie geisterhaft bleich Herr von Burgsdorf aussah, und Müller fragte ängstlich, was geschehen sei.

Mein Vater ist tot," erwiderte Richard,und ich . . . ich bin heute abend im Klub schwer beleidigt worden . . . aber es ist eine lange Geschichte, und ich weiß nicht, ob ich sie Ihnen erzählen soll.

Ganz wie Sie wollen, Herr von Burgsdorf!" versetzte Müller.Sie sind mir immer ein Freund gewesen, und wenn ich irgend etwas für Sie tun kann, brauchen Sie nur über mich zu gebieten. Was ich besitze gehört Ihnen. Nehmen Sie mein Geld, mein Haus, meine Möbel ... ich habe alles nur in Miete von Ihnen. Aber deS Herrn Majors Tod tut mir sehr leid. Er wollte nach meiner Heirat freilich mich nicht im Schlosse behalten, aber ich habe jahrelang in seinen Diensten gestanden und er hat mir Gutes getan bis zum letzten Augenblick. Als ich das Schloß verließ, gab er mir eine Fünshnndert-Mark-Note, und meiner Frau ebensoviel, damit sie, wie er lachend meinte, einst ihrem Erstgeborenen ein Tauskleid kaufen könne."

Ich bedarf eines Freundes, Müller," sprach Richard ernst.

Gott weiß, daß ich heute abend unter meinen sogenannten Freunden keinen haben finden können. Es verlangt mich dar­nach, mich gegen jemand auszusprechen. Warum sollte ich Sie nicht in mein Vertrauen ziehen! Sie sind doch ein ehr­licher Mensch, Müller, und mir treu gesinnt!"

Ja, Sie können mir vertrauen . . . Das wird Ihnen das Herz erleichtern", versetzte Müller mit wieder freudestrahlendem Gesicht.Kommen Sie mit hinunter in die Küche, da ist es hübsch warm, und nur meine Frau ist da, die Kinder sind bereits zu Bett."

Richard folgte ihm in die Küche. Frau Müller stand auf, wischte einen Stuhl mit ihrer Schürze ab, und schob ihn ihrem Gast ehrerbietig an das Feuer. Darauf erzählte Richard in einfacher Weise alles, was geschehen war, und schloß mit den Worten:Und nun, Müller, da Sie wissen, daß ich rui­niert bin, können Sie mich aus dem Hause weisen, denn ich habe wenig Hoffnung, die Diamanten wiederzufinden. Ver­mutlich wissen Fräulein Hornegg und Frau von Burgsdorf mehr als ich von dem Diamanten-Diebstahl. Doch hätte ich alles ertragen können, wenn mein Vater nicht aus diese Weise gestorben wäre."

Herr Richard," sagte darauf Müller mit treuherziger Miene,ich glaube Ihnen jedes Wort, das Sie mir gesagt haben! und da ich lange genug in Ihrer Familie gelebt habe, um sowohl Ihre Stiefmutter wie Fräulein Hornegg zu kennen, glaube ich, daß Sie in dürren Worten gesagt das Opfer einer Verschwörung sind."

Ich wünschte, ich wäre tot", sprach Richard düster,und doch", setzte er, an Agnes Walther und ihre gegenseitige Liebe denkend, hinzu:und doch gibt es etwas, wofür ich noch zu leben habe. Aber meine Aussichten sind mehr als traurig. Jetzt besitze ich weder Vermögen, noch auch nur einen ehrlichen Namen."

Fassen Sie Mut: Sie werden wohl bald beides Habciih Es blüht jedem einmal das Glück, wenn man nur Gcdnl hat, es abzuwarten; und in meinem Hause sind Sie jeder zeit willkommen. Sie können Ihre Mahlzeiten bei uns nehmen und wenn Sie etwas Geld brauchen ich bin nicht reich aber etwas Geld ist immer übrig,. und ein feiner Herr wie