bestimmt ist, beim Empfang von Postsendungen Weiterungen zu vermeiden. Wir möchten auf diese bei Beginn der Reise, zeit besonders aufmerksam machen, nämlich die Einführung besonderer P o st a u S w e i s k a r t e n. Die Karten dienen als vollgültiger Ausweis an den Postschaltern, wie auch gegenüber dem Postbestellpersonal. Bei der Abtragung von Postanweisungen sowie von Wert- und Einschreibesendungen an einen dem bestellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer Postausweiskarte ausweisen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nicht. Die PostauSweirkarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und die eigenhändige Unter« schrist des Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pfg. zu entrichten. Anträge auf Ausstellung sind an die Postanstalt, der die Wohnung des AntragSstellers zugeteilt ist, persönlich unter Vorlegung einer unausgezogenen, nicht zu dunklen Photographie in Visitform zu richten. Der Postanstalt unbekannte Personen haben sich durch eine andere Person oder in sonst zuver. lässiger Art auSzuweisen. PostauSweiskarten sind ein Jahr, vom Tage der Ausstellung ab gerechnet, gültig. Postaus- weiskarten, während deren Gültigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintrelen, daß die Photographie ober die Personalbeschreibung nicht mehr zutreffen, müssen vor Ablauf der Frist erneuert werden.
* Mit der Ausbildung der R e s e r v i st e n soll es in diesem Jahre streng genommen werden. Wie er heißt, ist bestimmt worden, daß für Reservisten, deren AuSbildungs- grad es wünschenswert macht, die 14tägige Uebungszeit nach dem Ermessen des Generalkommandos bis auf 28 Tage verlängert werden kann.
p. Hersfeld, 9. Mai. (Haushaltungskate, ch is mu S.) Die Zimmer gelüftet des Morgens gar bald — Bei jeglichem Wetter — ob'S warm oder kalt! — Vorsichtig geh mit Feu'rung um, — Brauch' nie dazu Petroleum ; — Petroleum, vergiß das nicht, — Hat schon manch Unheil angerichl'. — Es liegt ein allgewalt'ger Zauber — In dem kleinen Wörtchen „Sauber". — Polstermöbel muß man klopfen, — Wasserleitung nicht verstopfen! •— Unsaubere Fenster betrachte als Feind — Doch putze sie nie, wenn die Sonne braus scheint. — Wer unachtsam etwas zerbricht, — Sei ehrlich und verhehl es nicht. — Das Mittagessen sei bereit — Stets pünktlich zur bestimmten Zeit! — Das Wasser zum Spühlen, das sei immerdar — So rein wie da« Herz, wie die Augen so klar. — Kupfernes Geschirr ist herrlich, — Grünspan aber sehr gefährlich. — Was immer man tut, auch das Schließen der Türen, — Man soll es womöglich geräuschlos vollführen. — Die Lampen die setze am Tage in stand, — Dann sind sie auch fertig des Abends zur Hand. —
Fulda, 7. Mai. Heute abend 10 Uhr wurde nach 3tägtger Verhandlung im Prozesse gegen Pauly und Genossen wegen fahrlässiger Brandstiftung im Dom das Urteil gefällt. Der Drogist und gelegentliche Feuerwerker Karl Pauly wurde zu einer Geldstrafe von 300 Mark und zur Prägung der Kosten des Verfahrens verurteilt, Krehkamp und Buß wurden freigesprochen. Die Verurteilung Pauly« geschah nur wegen des Brandes im südlichen Turm; wegen des zerstörten Nordturms konnte er mangels hinreichender Beweise nicht bestraft werden.
Fechenheim (Landkreis Hanau), 6. März. In der Lackfabrik Lambotte u. Schattenberg entstand gestern mittag durch Ueberkochen eines Lackkesiels ein Feuer, infolgedessen bald ein großes Quantum Lack und der Destillierraum in hellen Flammen standen. Die Arbeiter Quanz, Heilmann und Fischer, sämtlich aus Enkheim, erhielten schwere Brand, wunden an den Armen und Händen und mußten ins Land- krankenhaus nach Hanau überführt werden.
Cafsel, 9. Mai. Ein Herr aus Cassel, der in der Nähe Melsungens sein Jagdrevier besitzt, hatte das gewiß seltene Weidmannsheil mit einem wohlgezielten Schuß aus einem 7 mm Gewehr einen Steinadler erlegen zu können. Der Adler, ein prächtiges, dunkel gefärbtes Exemplar hat eine Flügelspannung von 220 cm.
Berneburg, 7. Mai. Ein Fuhrmann aus Solz, welcher einen Wagen voll Stroh usw. nach einem Nachbarorte fahren wollte, geriet unterwegs an eine abschüssige Stelle der Straße unter sein eigenes Fuhrwerk, als er die durchgehenden Pferde vergeblich zu halten versuchte, und trug schwere Verletzungen davon.
Berka a. W., 7. Mai. Die Gewerkschaft Alexanders - hall in Berka a. b. W. erzielte in 1905 laut Jahresbericht einen Bergwerks- und Fabrikationsgewinn von 1 756 000 Mk., (1904 887 000 Mk.) Dem Dispositionsfonds werden 200 000 Mk. (47 000 Mk. zur Spezialreserve i. V.) über, wiesen. Die Gewerkschaft hat im abgelaufenen Jahre zum ersten Mal eine Ausbeute ausgeschüttet, und zwar in Höhe von 500 000 Mk. gleich 500 Mk. pro Kux.
Aus dem Kreise Biedenkopf, 6. Mai. Wie schon kurz gemeldet, ging vorgestern über den mittleren Teil unsers Kreises ein schweres Gewitter nieder. Im Wald zwischen Caldern und Elmshausen schlug der Blitz in eine Gruppe Holzsucherinnen aus Allendorf, die 13jährige Tochter des Einwohners Mefferschmtdl aus genanntem Orte wurde auf der Stelle getötet, eine Frau und ein Mädchen erlitten Verletzungen. In Boltenhorn wurden ebenfalls zwei Frauen durch den Blitz betäubt, kamen infolge sofortiger ärztlicher Hilfe wieder zu sich. In Wolfgruben brannte das Schnellerfche Wohnhaus ab und in Dantphe wurden zwei Wohnhäuser durch den Blitz beschädigt.
Kleinern, 7. Mai. Im Nachbardorse Netze, unweit Schloß Waldeck, brannte das Gehöft des Landwirts Friedrich Wende total nieder. Die Entstehungsursache ist auf Blitzschlag zurückzuführen.
Hann. Münden, 6. Mai. Im benachbarten Gimte starken kürzlich einer Familie Franke zwei Kinder an Ber. giftungSerscheinungen. Gestern wurde nun deren Mutter beerdigt, die unter gleichen Symptomen erkrankt war. Auch der Vater liegt nun hoffnungslos darnieder. Bei der vor- genommenen Sektion konnte die Art der Vergiftung nicht festgestellt werden (es war anfangs die Rede von Grünspahn im kupfernen Kessel). Die Untersuchung der Eingeweide soll nun, wie verlautet, zu dem Ergebnis geführt haben, daß die Familie Franke von einer schweren Influenza befallen war, die nach innen geschlagen sein soll.
Worbis, 6. Mai. Das dreijährige Söhnchen des Schneidermeisters Zinke in Weißenborn, das am Ufer des Ellerbaches spielte, fiel in den Bach und ertrank.
Alfeld, 8. Mai. Die um 12 Uhr mittags in das Kalibergwerk eingefahrene Drittelbelegschaft war um 5Va Uhr aus der 690-Meter-Sohle in westlicher Richtung im Kali mit Sprengen beschäftigt. Als die Schüsse abgegeben waren und die Strecke revidiert werden sollte, hörte man plötzlich den Knall einer schweren Explosion, und gleichzeitig
strömten giftige Gase in den Schacht ein. Vier der voraus arbeitenden sieben Bergleute erlitten dabei derartige Brandwunden, daß sie alsbald verschieden. Drei Bergarbeiter wurden durch die Einatmung der giftigen Gase betäubt; einem von ihnen gelang es, sich trotzdem in den freien Schacht zu retten und die dort arbeitenden übrigen Mannschaften zu benachrichtigen. Diese im Verein mit den zugezogenen Rettungsmannschaften drangen unter Führung des Betriebsleiters Eifentraut, durch Sauerstoffgasapparale geschützt, in die Strecke ein, und es gelang nach fast vierstündiger Arbeit die drei Leute noch lebend herauszubefördern ; von diesen sind zwei schwer krank, der dritte ist fast unverletzt, die vier Toten, zum Teil durch Brandwunden schrecklich entstellt, wurden später zutage gefördert. DaS Unglück ist wahrscheinlich durch einen sogenannten Kessel, in dem sich giftige Gase angesammelt hatten, entstanden. Durch die Explosion der Sprengkörper wurde dieser geöffnet und die Gase wurden in Brand- gesetzt. Der Direktor der Gewerkschaft, Scheideig, der gerade nach Hannover gereist war, wurde von dem Unglück alsbald in Kenntnis gefetzt und begab sich nach seiner Rückkehr noch am späten Abend in Begleitung des Direktors des benachbarten Alkaliwerks „Frisch Glück" in den Unglücksschacht.
Darmstadt, 8. Mai. In Messe! kam gestern der achtjährige Sohn des Handelsmanns Simon Wertheimer einem großen Gefäß mit heißem Wasser zu nahe. Dasselbe stürzte um und verbrühte den Knaben derart, daß er unter gräßlichen Schmerzen in der Nacht verstarb.
Darmstadt, 8. Mai. Ein 27 Jahre alter Hoboist des Infanterieregiments 115 hat sich gestern nachmittag in einem Anfall von nervöser Ueberreizung durch einen Schuß in den Mund so schwer verletzt, daß er abends um 8 Uhr starb. Er ist seit acht Tagen beim Militär und hat sich vor vier Wochen verlobt. Man nimmt an, daß er wegen eines Augenleidens, das in letzter Zeit schlimmer geworden, Hand an sich gelegt hat. — Als der Fuhrknecht Peter Zu- lauf gestern abend mit einem zweispännigen gefüllten Viehwagen die steile Taunusstraße herunterfuhr, versagte die Bremse, der Wagen kam ins Rollen und fuhr in ein Vor- gärtchen hinein. Der Lenker wurde vom Wagen geschleudert und erlitt einen Schädelbruch, eines der Pferde mußte sofort getötet werden, das andere wurde schwer verletzt. An dem Aufkommen des Mannes wird gezweifelt.
Von der Weser, 7. Mai. Eine heidnische Grabstätte wurde beim Bau der Chaussee von Altenbeken nach Driburg, in der Nähe des ForsthauseS Reesen, blosgelegt. In der Grabstätte wurde eine Anzahl Stein- und Eisengeräte neben Knochenresten, von menschlichen Leichen herrührend, aufgefunden.
Eisenach, 8. Mai. Aus Rache wegen einer Anzeige überfielen 2 Arbeiter einer Ziegelei den Vorarbeiter Dominik und spalteten ihm mit einer Hacke den Schädel. Er war sofort tob. Die Mörder wurden verhaftet.
Ersurt, 8. Mai. Nach siebenstündiger Verhandlung wurde heute der Redakteur v. LojewSki von dem hiesigen sozialdemokratiscven Blatte Tribüne wegen Aufreizung zum Klassenhaß und Verächtlichmachung behördlicher Maßnahmen durch fünf Artikel, die vor und nach den Kundgebungen gegen das preußische Landtagswahlrecht erschienen sind, zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Schriftsetzer Friedrich Klaut erhielt als verantwortlich zeichnender Redakteur des Blattes aus dem gleichen Anlaß einen Monat Gefängnis.
Aus Westfalen, 6. Mai. Der Lokomotivheizer Vakes aus Paderborn, durch dessen Verschulden ein Zugzusammen- stoß Ende Februar auf Bahnhof Salzkotten stattfand, wodurch bedeutender Materialschaden entstand, wurde von der Strafkammer Paderborn zu 14 Tagen Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. — Eins Belohnung von tausend Mark setzte die Staatsanwaltschaft Bielefeld für denjenigen aus, welcher die Brandstifter namhaft macht, durch deren Schuld zahlreiche Häuser in Nordhemmern niedergebrannt sind, — Der Arbeiter Bokel aus der Stadtheide bei Paderborn ist seit vorigen Sonnabend spurlos verschwunden. Man nimmt an, daß er von ausländischen Arbeitern, die am Bahnbau Paderborn—Lippspringe beschäftigt sind, ermordet und dann vergraben wurde. Die Untersuchung ist eingelettet.
Vermischtes.
— <Zwei Kinder durch ein Automobil getötet.) Wie aus Köln gemeldet wird, wurden in Worringen im Landkreise Köln gestern abend von einem Automobil aus Düsseldorf die 13jährige Tochter und ein vierjähriger Sohn des Arbeiters Winter überfahren und getötet. Die Kinder spielten auf der Landstraße.
— (D er Kohlenlieferant Europas.) Eine interessante Zusammenstellung der Kohlenvorräte in den europäischen Kulturstaaten findet fich in der letzten Nummer des Prometheus. Der Kohlenvorrat Deutschlands, soweit er durch Bohrversuche nachgewiesen und berechnet ist, beträgt etwa 280 Milliarden Tonnen; der durch Schätzung ermittelte Gesamtreichtum Deutschlands soll sogar 415 Milliarden betragen. Diese Menge würde, wenn die deutsche Kohlenförderung im Jahre 1903 (rund 170,000 Tonnen) zugrunde gelegt wird, noch etwa 3520 Jahre reichen; mit Rücksicht darauf aber, daß die Fördermenge von Jahr zu Jahr erheblich steigt, muß angenommen werden, daß die deutschen Kohlen nur noch bis zum Jahre 3000 reichen werden. Alle übrigen Kohlen produzierenden Länder sind viel schlechter daran, da Deutschland einen größeren Kohlenvorrat besitzt als ganz Europa zusammen. Großbritanniens Vorrat wird auf 193 Milliarden Tonnen geschätzt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Deutschland dereinst berufen sein, der Kohlenlieferant Europas zu werden. Auch die große Seeausfuhr an Kohle, die England heute betreibt, wird in etwa 350 Jahren — in dieser Zeit sind voraussichtlich Englands Kohlenvorräte verbraucht — an Deutschland übergehen, wenn nicht, was sehr wahrscheinlich ist, bis dahin außereuropäische Länder die Versorgung kohlenarmer Gegenden an sich gerissen haben. Nordamerika hat allein nahezu so viel Kohle (681 Milliarden Tonnen) wie ganz Europa (704 Milliarden Tonnen). Ob Amerika aber später dazu wird übergeben können, Kohlenaussuhr im großen zu betreiben, erscheint bei der schnellen Entwicklung der amerikanischen Industrie fraglich; obgleich heute der jährliche Kohlenver- brauch Europas noch wesentlich größer ist als der Amerikas, ist es doch sehr wohl möglich, daß die europäischen Kohlen länger reichen, als die amerikanischen. Noch sind aber sehr viele außereuropäische Länder in bezug auf Kohlenvorkommen wenig oder gar nicht durchforscht. Insbesondere China dürfte wett mehr Kohlen besitzen, als Europa und Amerika zusammen. Allein in der Provinz Schansi werden die Kohlenvorräte aus 1260 Milliarden Tonnen geschätzt.
— Hamburg, 5. Mai. Nach der vom Bureau „Verttas" veröffentlichten Statistik sind im stürmischen Monat März 117 Schiffe vollständig verloren gegangen, und zwar 75 Segelschiffe und 42 Dampfschiffe mit 34 451 und 57 066 To. Darunter waren 11 deutsche: 6 Segelschiffe und 5 Dampfschiffe mit 2023 und 7083 To. Außerdem weist die Statistik noch 532 durch Unfälle, wie Strandungen, Kollisionen und Feuer beschädigte Skiffe aus, darunter waren 50 deutsche: 9 Segelschiffe und 41 Dampfschiffe.
— (Jugend von heute.) Es ist gewiß eine Sei» tenheit, daß sich ein junger Mensch als Lehrling schon ein Vermögen erwirbt, aber es ist noch viel merkwürdiger, wenn über das, was er erworben hat, der — Konkurs verhängt wird. Das Kunststück hat ein Dresdener zustande gebracht. Denn im „Reichsanzeiger" liest man: Ueber das Vermögen des Lehrlings Otto Kreitmair aus Dresden wird heute, nachmittag 3Ä5 Uhr das Konkursverfahren eröffnet. Konkursverwalter: Kommissionsrat N. N. Anmeldefrist bis zum 25 Mai. Wahltermin, Prüfungstermin, offener Arrest mit Anzeigepflicht, nichts ist vergessen. Es liegt etwas Tragikomisches in diesem Lehrlin gskonkurs.
— (Selbstmordversuch einer Sechsjährigen!) Aus Königswusterhausen wird solgender Vorfall berichtet: Mehrere Kinder hatten am Ufer der Dahme ein Boot bestiegen, das abgetrieben wurde. Ein Schiffer brächte sie wieder an das Ufer. Ein Zeuge des Vorfalls äußerte zu der 6 jährigen Tochter des Arbeiters Hangwitz, daß sie nun von ihren Eltern bestraft werden würde, weil sie da« Boot bestiegen habe. Die Kleine ging nun nach dem Bahndamm der KönigS-Wusterhausen— Treskower Nebenbahn und stellte sich, um sich überfahren zu lassen, zwischen die Schienen. Der Lokomotivführer bemerkte jedoch im letzten Augenblick bas Mädchen und brächte den Train etwa 3 Meter vor dem Kinde zum Stehen. Die Kleine, welche die Bedeutung ihrer Handlungsweise natürlich nicht zu beurteilen vermochte, hatte gehört, wie Bekannte von ihren Eltern von einem 14 jährigen Knaben erzählten, der, um sich einer ihm drohenden Strafe zu entziehen, sich von einem Eisenbahnzuge hatte überfahren lassen, und wollte sich nun auch überfahren lassen, um der Strafe zu entgehen.
— Ein origineller Pachtvertra g besteht der Altpr. Ztg. zufolge seit alters her zwischen der Gemeinde Schadwalde und dem dortigen Pfarrer. Als Pachtzins für ein Stück Land bat der Pfarrer einmal im Jahre die Gemeinde mit einer Tonne Bier freizuhalten. Der Pachtzins wird denn auch ordnungsmäßig eingeforbert.
— München, 7. Mai. Der Stud. ing. Martin aus Gleiwitz in Oberschlesien wurde von zwei russischen Studenten erschossen, als er nach einer Festlichkeit in Begleitung einer jungen Dame heimkehrte. Die beiden hatten ihm auf der Straße aufgelauert. Die Täter wurden verhaftet. Das Motiv der Tat scheint Eifersucht gewesen zu sein.
— In Flensburg erschoß der 13jährige Sohn eines Stationsassistenten den 11jährigen Sohn einer Witwe beim Spielen mit einem Tesching.
— In Zürich ist in der verflossenen Woche die Genickstarre ausgebrochen. Von zwei an ihr erkrankten Rekruten ist einer bereits gestorben; ebenso starben zwei Zivilpersonen aus dem nahen Orte Dietikon.
— Ein Familiendrama spielte sich in Rudors- acker in Franken ab. Der praktische Arzt Dr. Englert, einer bekannten Weingutsbesitzers-Familie angehörend, nahm an seinem Vater eine Hühneraugen,Operation vor. Dabei trat Blutvergiftung ein, und der Vater starb. Aus Gram hierüber wurde der Sohn wahnsinnig. Die Gattin des Verstorbenen ist infolge der Erregung tödlich erkrankt.
— (Opfer bet Maffia.) Ein unaufgeklärtes Verbrechen, das in der Vorwoche in der Nähe von Marsala verübt wurde, und dem bas Leben zweier Brüder zum Opfer fiel, bringt man, wie alle unaufgeklärten Mordtaten in Sizilien, mit dem geheimen und schrecklichen Wirken der Massia in Verbindung. Zwei Brüder, Jgnazio und Vincenzo Parrinello, ritten auf ihren Eseln nach Marsala. Sie hatten sich der Stadt bereits auf kurze Distanz genähert, als plötzlich zwei Schüsse fielen und die Brüder, tödlich getroffen, aus den Sätteln zu Boden stürzten. Gleich darauf sprangen zwei oder drei Männer aus den Büschen und feuerten auf die beiden Brüder, die sich in ihrem Blute am Boden wälzten, aus nächster Nähe etwa ein Dutzend Gewehrschüsse ab. Die Köpfe der Unglücklichen waren bis zur Unkenntlichkeit zerschossen. Die Verbrecher entkamen ihren Verfolgern, ohne erkannt worden zu sein, und seither ist ihre Spur vollständig verwischt. Das Motiv der Tat liegt ganz im Dunkeln, da die ermordeten Brüder stille Bürger und unbedeutende Kaufleute waren.
— Fürstenwalde, 7. Mai. Beim hiesigen Spat- und Vorschußverein wurden Unterschlagungen, Wechselfälschungen und Betrügereien im Betrage von 361 000 Mark festgestellt, welche durch frühere Mitglieder des Vorstandes und AufsichtSrates begangen worden sind.
— Chikago, 7. Mai. Einbrecher haben in dem Bureau von Joseph Leiter einen feuerfesten Schränk mit Hilfe von Sprengmitteln erbrochen und daraus Papiere im Werte von 100 000 Dollar« geraubt.
— Murcia, 3. Mai. Der Abbe Morales erschoß in der Sakristei der San Domingo-Kirche den Jesuiten Martinez und entleibte sich dann selbst. Die Ursachen diese« Drama« sind unbekannt.
Letzte Nachrichten.
Während des Kirchweihfestes in Linz a. RH., stürzte ein großes Karussell plötzlich zusammen, wodurch zahlreiche Kinder verletzt wurden.
Gerüchtweise wird der Tod eines Grafen Jgnatiew in Kiew durch ein Attentat gemeldet.
Im Reichstag wurde die Fahrkartensteuer mit 157 gegen 128 Stimmen angenommen.
Berlin, 9. Mai. Gestern abend gegen 814 Uhr er« schoß der 34 Jahre alte Bankbuchhalter Ceslau« Kasimir von Nawrocki die geschiedene und verwitwete Hausbesitzerin Frau Hedwig Rohls vor der Korridortür ihrer Wohnung. Nawrocki selbst verwundete sich durch einen Schuß in die Schläfe so schwer, daß er auf dem Transport nach der Charitee verstarb.