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Hersfelder Ureisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 54. Donnerstag, den 10. Mai ~~ 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 27. April 1906.

Die diesjährigen Impf- und Nachschau-Termine im Kreise

HerSfeld sind wie folgt anberaumt worden:

1. Stativ n Hersfeld.

a. Stadt Hersfeld, Impfung.

Impfung: Freitag, den 11. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Nachschau: Freitag, den 18. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr,

b. Stadt Hersfeld, Wiederimpfung und Land.

Impfung: Sonnabend, den 12. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Nachschau: Sonnabend, den 19. Mai 1906, Vormiliags 9 Uhr, Jmpflokal bei a und b: Saal des Gastwirts Constantin Otto.

2. Station Sorga.

Impfung: Donnerstag, den 31. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 7. Juni 1906, Nachmittags 3 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Daube.

3. Station Friedlos.

Impfung: Montag, den 14. Mai 1906, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Montag, den 21. Mai 1906, Nachmittags 4 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Grebe.

4. Station Obergeis.

Impfung: Freitag, den 25. Mai 1906, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Freitag, den 1. Juni 1906, Nachmittags 4 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Ernst.

5. Station S chenklengsseld.

Impfung: Mittwoch, den 16. Mai 1906, Vormittags 8 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 23. Mai 1906, Vormittags 8 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Steinhauer.

6. Station Ransbach.

Impfung: Mittwoch, den 16. Mai 1906, Mittags 12 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 23. Mai 1906, Mittags 12 Uhr, Jmpflokal: Schule.

7. Station Philippsthal.

Impfung: Mittwoch, den 16. Mai 1906, Nachmittags 2 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 23. Mai 1906, Nachmittags 2 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Zinn.

8. Station Asbach.

Impfung: Dienstag, den 15. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 22. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Fink.

9. St ation Unterhaun.

Impfung: Dienstag, den 22. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 29. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Großkurt.

10. Station Nied eraula.

Impfung: Freitag, den 18. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Nachschau: Freitag, den 25. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Stein.

11. Station Frielinge n. Impfung: Sonnabend, den 19. Mai 1906, Vormittags 11 Uhr, Nachfchau: Sonnabend, den 26. Mai 1906, Vormittags 11 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schmidt.

12. Station Kirchheinc.

Impfung: Sonnabend, den 19. Mai 1906, Mittags 1 Uhr, Nachschau: Sonnabend, den 26. Mai 1906, Mittags 1 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Eydt.

13. Station Friedewald.

Impfung: Sonnabend, den 12. Mai 1906, Nachmittags 4Vi Uhr, Nachschau: Sonnabend den 19. Mai 1906, Nachmittags 44/i Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Träger.

14. Station Widdershausen.

Impfung: Mittwoch, den 30. Mai 1906, Mittags 12 Uhr, Nachschau, Mittwoch, den 6. Juni 1906, Mittags 12 Uhr,

Jer gestohlene ~

Roman von I. G a r w i n.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Schrecklich!" rief er, während er vergeblich bemüht war, die Tür wieder aufzustoßen.Was zum Teufel fang ich an? Soll ich hier warten, bis am Morgen jemand kommt? In­zwischen sind die Diebe mit den Diamanten über alle Berge . . . Hilfe! Hilfe!" rief er.Laßt mich heraus! . . i Diebe! Hilfe! Diebe!"

Fräulein Hornegg lächelte teuflisch über Richards nutzlose Ruse. Rasch eilte sie die Treppe hinauf zu des Majors Schlafzimmer, vor wechem Frau von Burgsdors ängstlich wartend stand.

Nun?" fragte sie, sobald sie der Gouvernante ansichtig wurde.Haben Sie Ihr geheimnisvolles Komplott zustande gebracht?"

Ja, Herr Richard von BurgSdorf und noch einige Helfers­helfer stehlen die Diamanten. Schlagen Sie Lärm und ver­gessen Sie nicht, daß ich den ganzen Abend bei Ihnen war, und unmöglich unten gewesen sein kann."

Die Diamanten! Sind die Diamanten in Gefahr?" fragte Frau von Burgsdorf entsetzt.

Ich weiß es nicht . . . Vielleicht, wenn Sie sofort das Hans erwecken, können Sie sie möglicherweise noch retten."

Gehen Sie sofort auf Ihr Zimmer! Nicht um die Welt möcht ich die Diamanten verlieren ... ich will sofort den Major benachrichtigen."

Kurze Zeit darauf war das ganze Haus im Allarm. Der Diebstahl war entdeckt worden!

Achtes Kapitel.

Richard litt in dem Silberzimmer wahre Foltergualen. Bei längerem Nachdenken mußte er sich auch sagen, daß die Tür sich kaum von selbst geschlossen haben konnte; es herrschte ja wenig oder gar kein Zug, und wenn er an die offenkundige Feindschaft seiner Stiefmutter, an das seltsame Gebühren von

Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schneider.

15. Stativ n Heringen.

Impfung: Mittwoch, den 30. Mai 1906, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 6. Juni 1906, Nachmittags 3 Uhr, Jmpflokal: Gemeindehaus.

16. Station Heimboldshausen.

Impfung: Mittwoch, den 16. Mai 1906, Nachmittags 5 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 23. Mai 1906, Nachmittags 5 Uhr, Jmpflokal, Saal des Gastwirts Bock.

17. Station Holzheim.

Impfung: Dienstag, den 15. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 22. Mai 1906, Vormittags 9 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Hochhaus.

Die Impfung geschieht unentgeltlich.

Außer denjenigen, welche sich aus freier Entschließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1906:

1. jedes im Jahre 1905 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat, 2. die Kinder, die im Jahre 1905 oder früher ohne Erfolg oder gar nicht geimpft worden sind, sofern sie nicht nach ärztlichemZeugnisse die natürlichen Blattern überstanden haben,

3. jeder Schüler einer öffentlichen Schule oder Privatschule, welcher

a. in diesem Jahre das 12. Lebensjahr zurückgelegt hat bezw. zurücklegt oder

b. den Nachweis der geschehenen Impfung, oder wenn er über 12 Jahre alt ist, auch nicht den der Wiederimpfung erbracht hat.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben Vorstehendes, namentlich über die Termine auf ortsübliche Weise zu wieder­holten Malen bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß alle zu impfenden Kinder und Schüler an Ort und Stelle sind.

Bei der Bekanntmachung der Termine rc. ist gleichzeitig aus­drücklich darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 14 des oben erwähnten Gesetzes Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche es unterlassen, den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder oder Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mk. und Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflege­befohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz amtlicher Aufforde­rung der Impfung oder der ihr folgenden Nachschau entzogen geblieben sind, mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Hast bis zu 3 Tagen bestraft werden.

Die Herren Lehrer haben ebenfalls als Vorsteher der Schul- anstalten die Verpflichtung, bei der Aufnahme von Schülern durch Einfordern der vorgeschriebenen Bescheinigungen festzu­stellen, ob die gesetzliche Impfung erfolgt ist, bezw. dafür zu sorgen, daß die während des Besuches der Anstalt impfpflichtig werdenden Zöglinge dieser Verpflichtung genügen.

Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß gemäß der zur Sicherung der gehörigen Aussührung des Jmpfgeschäfts ergangenen Vorschriften ein Vertreter der Ortspolizeibehörde'und (für die Wiederimpfung) ein Lehrer in dem betreffenden Jmpf- geschäftstermine zur Unterstützung des Jmpfarztes und Aufrecht­erhaltung der Ordnung zu erscheinen haben.

Für Bereithaltung des Jmpflokals und Stellung der erfor­derlichen Schreibhülfe beim Jmpfgeschäft ist seitens der Herren Bürgermeister der Jmpfstationsorte Sorge zu tragen.

1. 3470. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 4. Mai 1906

Diejenigen Herren Bürgermeister der Schulorte des

Fräulein Hornegg und an verschiedene andere Umstände dachte, da fürchtete er, irgend einem teuflischen Komplott zum Opfer gefallen zu sein.

Während er in dieser furchtbaren Ungewißheit schwebte, drang das schwache Geräusch verschiedener Stimmen und Fuß­tritte zu ihm.

Plötzlich ward die Türe nach dem Silberzimmer heftig aufgestoßen, und Richard sah lauter bekannte Gesichter um sich, nur Fräulein Hornegg vermißte er.

Seine schöne Stiefmutter war da . . . ein boshaftes Lächeln triumphierender Freude lag auf ihrem grausamen Ge­sicht . . . sein Vater, zornig, entrüstet, aber zugleich tief be­kümmert, als er seinen Sohn in solcher Lage sah . . . und die Dienerschaft, die mit offenem Munde den Sohn des Hauses anstarrte.

Haller, den hilfreiche Hände in den alten Armstuhl ge­hoben hatten, schlug nach einiger Zeit die Augen auf und sah von einem zum andern, als ob er seine Gedanken wieder sammeln wolle.

Sprich!" begann der Major mit vor Erregung zitternder Stimme zu Richard gewendet.Erkläre Deine Gegenwart hier zu dieser Stunde!"

Doch bevor Richard antworten konnte, hatte Frau von Burgsdors suchend umhergeblickt, aber nicht entdecken können, was sie suchte, und jetzt rief sie entsetzt:

Die Diamanten! die Diamanten sind fort! O, daß ich es erleben muß! Wie meine Ahnungen sich bestätigen! Der älteste Sohn von Burgsdors steht als Dieb vor uns!"

Wer wagt es, so von mir zu reden!" schrie Richard und starrte mit wutblitzenden Augen die Umstehenden an.

Welch andern Schluß könnte man ziehen?" fuhr die Frau Major fort.Du wirst in dieser Stunde hier gefunden und die Diamanten sind fort."

Ich erkläre vor Gott im Himmel, daß ich nichts von den­selben weiß," sagte Richard.

Wo sind Deine Mitschuldigen? Durch cineu Zufall wirst Du zurückgeblieben sein," fuhr seine Stiefmutter unbeirrt fort. Die Diamanten sind fort . . . Du wußtest wo sie waren unb wie Du sie erlangen konntest. Dein Vater hat Dich aus

hiesigen Kreises, welche meine Verfügung vom 7. März d. Js. I. I. Nr. 1883, im Kreisblatt Nr. 29, die Beschaffung des Deutschen Kolonial-Atlas mit Jahrbuch bei Dietrich Reimer in Berlin für die Schule betreffend, noch nicht erledigt haben, werden ersucht, solches bis zum 12. d. Mts zu tun. I. 1883. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher Ceil.

Reichstag.

Am Montag wurde die zweite Lesung des Zigaretten- steuergesetzes erledigt bis aus die namentliche Abstimmung über § 2 (Steuersätze), die für Dienstag angesetzt ist. Nachdem noch die Resolution der Kommission betr. Schutz­bestimmungen für Heimarbeiter der Zigarettenindustrie auf Grund der Gewerbeordnung angenommen worden war, be­gann man die zweite Lesung der Novelle zum Reichsstempel­gesetz. Auf die von freisinniger Seite beantragte Zurück­verweisung an die Kommission erwiderte Staatssekretär Frhr. b. Stengel, daß dies ein Scheitern der Finanzreform für dieses Jahr herbeiführen würde. Es handle sich nicht um eine Verkehrsabgabe, sondern um einen Stempel. Gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten wurde der Antrag auf Zurückverweisung an die Kommission abgelehnt und die Beschlüsse der Kommission angenommen.

Die Sitzung des Reichstages am Dienstag eröffnete Präsident Graf Ballestrem mit folgender Ansprache:

Der italienische Botschafter Graf Lanza hat mir durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes mitteilen lassen, daß er die Worte der Teilnahme, mit welchen ich in unserer Sitzung vom 24. v. Mts. der Vesuvkatastrophe gedacht habe, zur Kenntnis seiner Regierung gebracht hat. Bei der Wiedereröffnung der italienischen Deputiertenkammer hat darauf der Präsident Biancheri für die Sympathiekund­gebung des Deutschen Reichstages mit Worten gedankt, die in deutscher Uebersetzung lauten wie folgt: ,Es werden den Herrn Kollegen die ehrenhaften Worte nicht unbekannt sein, welche im deutschen Parlamente von dessen geehrtem Präsidenten gesprochen worden sind, die von dem Gesühle der Teilnahme an unserem Unglück und der Sympathie für unsere Nation erfüllt waren. Wir erwidern die auf­richtige Freundschaft, die stets die gleiche geblieben ist (Lebhafter Beifall), und in Ihrem Namen spreche ich den herzlichsten Dank aus für diese wohlwollende Kundgebung/ (Wiederholter lebhafter Beifall.) Meine Herren, ich glaubte Ihnen dies mitteilen zu sollen."

Darauf trat das Haus in die Tagesordnung ein und nahm mit 179 gegen 112 Stimmen bei drei Enthaltungen den § 2 des Zigarettensteuergesetzes in der Fassung der

dem Hause gewiesen und Dir seine fernere Unterstützung ver­sagt . . . was ist da natürlicher, als daß Du aus unrecht­mäßige Weise das zu erlangen suchst, was Du brauchst, um Deinen luxuriösen Gewohnheiten treu zu bleiben?"

Es herrschte einige Augenblicke tiefe Stille, welche der Ma­jor endlich mit den Worten brach:Was hast Du zu Deiner Verteidigung zu sagen, Richard?"

Vor allem frage erst Haller, ob ich es war, der ihn ge­knebelt hat!"

Aber Haller konnte nur aussagen, daß er auf seinem Stuhl eingeschlafen sein mußte, daß er von einem heftigen Schmerz am Kopf, der von derben Schlägen herrühren mußte, aufgewacht sei, gleich daraus aber wieder die Besinnung ver­loren habe.

So höre mich an, bevor Du mich verurteilst," sprach Richard, zu seinem Vater gewendet.Meine Anwesenheit heute abend in diesem Hause war durch einen Brief veran­laßt, den ich von Fräulein Hornegg erhielt, in welchem sie mir schrieb, Du wünschtest mich im Geheimen zu sehen, ohne daß Deine Frau davon wisse."

Bei diesen Worten lachte die Frau Major spöttisch. Vielleicht zeigst Du uns diesen Brief!" meinte sie.

Leider habe ich ihn Fräulein Hornegg vor kaum einer halben Stunde zurückgegeben, und sie verbrannte ihn."

DaS konnte ich mir denken! Bitte, fahre fort mit Deiner Geschichte, oder besser mit Deinem Roman!" sprach sie in höhnischem Ton.

Ich kann die Lage, in der ich mich befinde", erwiderte Richard,nur einer abscheulichen Verschwörung zwischen Fräu­lein Hornegg und meiner Stiefmutter zuschreiben, denn wäh­rend ich mit ersterer sprach, teilte sie mir mit, daß Du mich hierin diesem Zimmer erwartete. Ich eilte hierher, fand Haller geknebelt und die Tür zum Silberzimmer offen. Ich trat näher, um zu sehen, was gestohlen worden sei . . . da wurde die Tür hinter mir geschlossen. Das ist alles, waS ich weiß."

Wirklich sehr hübsch ausgedacht!" rief Frau von Aurgs- dorf.Für Fräulein Hornegg stehe ich ein ... sie ist das ehrenvollste Mädchen, daß ich' je kennen gelernt. Sie hat mir