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könne gar keine Rede sein, da ja die Vorlagen nur die Erfüllung eines Wunsches des Reichstages brächten. Die Regierung habe sich entschlossen, um den anormalen Zu­ständen im Parlament ein Ende zu machen, die Entschädig­ung zu bewilligen. Aber sie müsse darauf bestehen, daß nun auch die Gewähr auf die Beschlußfähigkeit des Hauses gegeben werde. Die Regierung habe die Vorlage gemacht in dem ernsten Bestreben, den Gegenstand des langen Streites in würdiger Weise aus der Welt zu schaffen. Sie werde aber einer anderen Vorlage, welche die Grundsätze dieser außer acht lasse, ihre Zustimmung nicht geben.

Stnt Krilslötze in Zu Frulisco sind gestern nachmittag verspürt worden. Der erste dauerte nahezu eine Minute und rief beträchtliche Unruhe hervor. Die Mauern vieler ausgebrannter Häuser stürzten ein, schwächere noch unversehrte Gebäude wurden erschüttert. Der Stoß wurde auch in Oakland und Berkeley verspürt.

Oakland, 26. April. Heute, am Mittwoch, 3 Uhr 30 Minuten nachmittags wurden hier neue Erdstöße verspürt. Aus San Francisco kommt soeben die Meldung hierher, daß dort im Lause der letzten Stunden zwei Erdstöße be­obachtet wurden. Der erste, der um 11 Uhr eintrat, rief eine Panik hervor. Man hörte nur die Angstrufe und sah die Leute aus den Zimmern stürzen, wo ebenfalls eine kurze Panik entstand. Einen dauernden Eindruck machte derartige« nicht mehr. Heute mittag wurde der Paßzwang für Oakland und San Francisco aufgehoben. Die Mehr­heit der Oaklander Banken öffneten und zahlten Geschäfts- depotS aus. Die Sparbanken geben bis 30 Dollar pro Person. Infolgedessen wurden auch die meisten von den erhaltenen Läden wieder geöffnet, nur die Kneipen bleiben geschloffen.

Hervorragende hiesige Bürger hielten heute eine Be­ratung ab, in der die Absicht besprochen wurde, San Francisco als eine der schönsten Stävte der Welt neu aus der Asche erstehen zu lassen. Wohlhabende Bewohner von San Francisco und andere Personen haben die notwendigen Geldmittel in Aussicht gestellt. Die Arbeiten sollen an der Wasserseite begonnen werden, wo neue Kai» und neue Lagerhäuser mit einem Aufwand Joon 25 Mill. Doll. an­gelegt werden sollen.

Aus > und Ausland.

Berlin, 26. April 1906.

S e. Majestät derKaiser hörte gestern den Vor- trag des Staatssekretärs des Auswärtigen Amts von Tfchirschky. Um 51/* Uhr Nachmittag« begaben Sich Ihre Kaiserlichen Majestäten von Homburg v. d. H. nach Wies­baden. Dort trafen Allerhöchst dieselben mit Gefolge in vier Automobilen kurz nach 7 Uhr ein und begaben Sich, vom Publikum lebhaft begrüßt, direkt nach den Königlichen Schauspielen, um der Aufführung der Truppe der Mos­kauer künstlerischen Theaters beizuwohnen. Unter Führung des Intendanten v. Mutzenbecher, der das Zeichen zum Be- ginn der Vorstellung gab, betraten das Kaiserpaar und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen die Mit- telloae des Königlichen Theaters, lebhaft begrüßt von dem Publikum, da» das Haus bis auf den letzten Platz gefüllt hatte. Das Kaiserpaar folgte der Vorstellung mit der größten Aufmerksamkeit, und der Kaiser gab Selbst nach den Aktschlüssen das Zeichen zu lebhaftem Beifall. In der Zwischenpause empfing Se. Majestät der Kaiser die Mutter des Intendanten v. Mutzenbecher und den Schwankschrist- steller Kadelburg. In der großen Pause wurde im The- aterfoyer da» Souper eingenommen. Um 11 Uhr 15 Min. fuhren Ihre Kaiserlichen Majestäten im Automobil nach Homburg zurück; das Gefolge folgte in drei weiteren Auto­mobilen. Gegen 1 Uhr Nachts trafen Ihre Majestäten im Automobil wieder in Homburg ein. Heute vormittag unter­nahmen Beide Majestäten eine Spazierfahrt im Automobil. Später hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag de» Geh. Rats Prof. Dr. Czerny-Heidelberg und des Landrats a. D. Ebbinghau», welche über das Heidelberger Institut zur Erforschung der Krebskraukheiten berichteten.

Am Montag, 30. d. M. abends, werden die Dampfer Gertrud Wörmonn" und .Eleonore Wörmann" mit 10 Offizieren, etwa 200 Mann und 1000 Pferden nach Südwestafrika abgehen.

Bei der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Hessen 4 (Darmstadt Groß-Gerau) erhielten Stein (natl.) 10 430, Roreü (steif.) 5828 und Berthold (Soz.) 13 855 Stimmen. Es findet mithin Stichwahl zwischen Stein und Berthold statt.

Mit großen Besorgnissen sieht man diesmal in der französischen Republik dem kommenden Weltfeiertag" entgegen, insbesondere macht man sich in der Hauptstadt des Landes auf allerlei Ueberraschungen ge­faßt. Der Umstand, daß die gewaltigen Ausstände in den nördlichen Departements und die Bewegung unter einer Reihe von Beamtengruppen mit der leidenschaftlichen Er­

regung des Wahlkampfes zusammenfallen, läßt die Lage in der Tat einigermaßen bedenklich erscheinen. Die Gegner des radikalen Ministeriums Sarrien hoffen, daß dieses bald am Ende seiner staatrmännischen Weisheit angelangt sein und die Gewalt dann wieder in die Hände der klerikal- nationalistischen Parteien übergehen werde. Die Regierung läßt es indessen an kräftigen Abwehrmaßregeln nicht fehlen.

iDie Eröffnung der ungarischen Reichtage» durch Kaiser Franz Josef ist nunmehr beschlossene Sache. Der Kaiser trifft, nachdem er fast zwei Jahre lang den Besuch Ungarns vermieden hat, am 20. Mai zur feierlichen Eröffnung des ungarischen Reichstages in Budapest ein, ebenso der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand. Auch ist die Ab­haltung mehrerer glänzender Hoffestlichkeiten geplant. Die Hauptnau Budapest beabsichtigt diesmal, in anbetracht der glücklichen Lösung der Krisis, dem Kaiser einen überaus großartigen Empfang zu bereiten.

m s e rbis chea Krisis wird gemeldet, daß die Verschwörer, um ihre eventuelle gewaltsame Entfernung aus dem Heere zu hintertreiben, einen neuen Staatsstreich planen, indem He durch eine Palastrevolte König Peter ab= jubanten zwingen und den Kronprinzen Georg, der mit den Verschwörern sehr sympathisiert, auf den Thron setzen wollen. ^'.I^rung hat zwecks Verstärkung des Nachtdienstes im aus der Provinz 500 Gendarmen herangezogen.

Die Ermordung des russischen JHo o » lutionärsGaponsoll sich, nach Petersburger Blätter- Meldungen, bestätigen. Gapon soll in Kolpino in der NSK- von Petersburg von russischen Revolutionären wegen Ver. ratS ermordet und bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet sein Der Leichnam sei in einer Müllgrube aufgefunden worden

in der Tasche des Ermordeten fanden sich hundert Rubel vor.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

):( Hersfeld, 27. April. Für die am 1. Mai d. J. zur Eröffnung gelangende Neubaustrecke HerSfeld- Oberaula ist der Fahrplan nunmehr wie folgt festgesetzt:

HersfeldOberaula.

24

2-4

2-4

34

24

Hersfeld

ab

7 oo

1245

440

718

825

Asbach

713

1258

459

788

8 39

Beyershausen

719

1°4

4»

7S9

845

Niederaula

730

115

507

750

8 38

Kirchheim

744

l29

518

8°3

913

Frielingen

706

1"

5 28

an, nur

920

Oberaula

an

800

pi

5 36

Werktags

9 36

OberaulaHersfels.

Oberaula

ab

438

nur

840

220

635

Frielingen

450

Werktags

849

229

ß47

Kirchheim

503

610

8 58

2ss

7 00

Niederaula

519

622

910

2 60

716

Beyershausen

5so

ß32

919

269

727

Asbach

5si

6"

920

305

734

HerSseld

an

550

6-48

936

gl6

747

Jedenfalls wird es

von

den Bewohnern

des Aulagrundes

mit Freuden begrüßt werden, daß ihre mannigfachen Wünsche in so entgegenkommender Weise berücksichtigt worden sind. Nach mannigfachen Schwierigkeiten ist eS, besonders durch die fortgesetzten Bemühungen des Herrn Landrats von G r u n e l i u S , gelungen, diesen allseitig befriedigenden Fahrplan zu Stande zu bringen. Durch den um 610 Uhr morgens von Kirchheim abgehenden und 6^ Uhr hier an­kommenden Zug ist den die hiesigen Schulen besuchenden Gelegenheit gegeben, rechtzeitig hier einzutreffen, ohne all­zufrüh aufzustehen. Auch ist durch den abends 718 Uhr hier abfahrenden Zug, welcher um 808 in Kirchheim ein- trifft, für eine rechtzeitige Rückkehr der Arbeiter nach ihren Wohnungen gesorgt. Diese beiden Züge verkehren nur an den Wochentagen von und nach Kirchheim.

(§) Hersfeld, 27. April. In der kürzlich in Mar­burg stattgehabten Sitzung des Vorstandes de» Hessischen Städtetage» wurde an Stelle des nach Niederlahn- stein verzogenen Herrn Bürgermeisters Salomon-Schlüchtern Herr Bürgermeister Strauß von hier zum Mitglieds der Vorstandes des Hessischen Städtetages gewählt.

):( Hersfelv, 27. April. In körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische feierten heute Herr Postschaffner a. D. Wilhelm Wille und seine Frau Barbara geb. Heil dahier dar seltene Fest der goldenen Hochzeit. Gegen 11 Uhr Vormittags begab sich Herr Superintendent Schafft in die Wohnung der Jubilare, wo im engeren Familien- und Bekanntenkreis eine kirchliche Feier abgehalten wurde. Bei der ergreifenden Ansprache war das Wort der Schrift aus dem 103. Psalm zu Grunde gelegtLobe den Herrn meine Seele ic." Von nah und fern gingen herzliche Glück- und Segenswünsche ein und legten Zeugnis ab, welcher Beliebtheit sich das Jubelpaar erfreut, das in den 50 Jahren ihrer musterhaften Ehe in stiller Anspruch- losigkeit und Einfachheit unter uns gelebt hat. Von Seilen des hiesigen Kriegervereins, dem Herr Wille angehört, war ebenfalls eine Abordnung erschienen, welche ihre Glückwünsche darbrachte. Möge e» dem goldenen Jubelpaar vergönnt sein, noch recht lange in Gesundheit einen frohen Lebens­abend zu genießen.

_ * (Personal-Chronik) Ernannt: die Gerichts- affefforen Goebel und von Baumbach zu Amtsrichtern in Birstein bezw. Hess. Lichtenau, der Gerichtsaff-ssor Wicher zum Landrichter in Limburg a. L. Uebertragen: dem Generalleutnant z. D. von Bornstedt die Geschäfte der BrunnendirektorS zu Bad Nenndorf für die Monate Mai bis September 1906. Beauftragt: der Pfarrer extr. Valentin als Ptarrgehilfe in Kirchditmold, der Pfarrer extr. Menge als Pfarrgehilfe in Sand und der Pfarrer extr. Gabler als Hilfspfarrer in Langenselbold. Versetzt : der Postsekretär Keiner von Oberhof nach Schmalkalden. Verliehen: den Regierung»- und Forsträten Zangemeister, Mühlhausen, Graf von der Schulenburg-Angern, Söllig und Fitzau der Charakter al» Geheimer Regierungsrat, dem im Kirchendienst angestellten Lehrer Paulus in Lohre der Kantortitel. Entlassen: der Gerichtsassessor Krücke aus dem Justizdienste infolge seiner Zulassung zur RechtSan- waltschast bei dem Amts- und dem Landgerichte in Lim- burg a. L. Ausgeschieden: der GerichtSassessor Dr. Wolff aus dem Justizdienste infolge seiner Uebernahme zur Staats» eisenbahnverwaltung.

m. Niederaula, 26. April. Eine größere Anzahl Herren von hier und Umgegend faßte heute abend den Beschluß, die Einweihung der neueröffneten Bahnstrecke Hersfeld-Oberaula am 1. Mai, nachmittags zu feiern. Es findet dazu eine Fahrt von hier nach Oberaula statt mit dem Zuge 430 Uhr. Nach der Rückkehr um 7 Uhr versammeln sich die Teilnehmer zu einem ge­meinschaftlichen Abendessen im Saale des Herrn Gastwirts Stein. Jedermann ist zu dieser Feier willkommen, wird jedoch gebeten, seine Teilnahme an dem Abendessen Herrn Stein zuvor anzumelden.

Caftel, 25. April. Die kirchlich-soziale Konferenz trat heute hier unter zahlreicher Beteiligung zu ihrer 11. Tagung zusammen. Generalsekretär Lic. Mumm-Berlin gab einen Ueberblick über das abgelaufene Jahr, wonach die Konferenz heute 3250 Mitglieder zählt und sich in 22 Gruppen und fünf Frauengruppen gliedert. Als Vor­sitzende wurden die R-ichstagSabgeoransten D. Stöcker und Henning-Berlin wiedergewählt. An die Mitgliederversamm­lung schloß sich die erste Hauptversammlung.

Caffel, 26. April. Eine Blutvergiftung hatte sich die Ehefrau eines Einwohners in dem nahen Sandershausen dadurch zugezogen, daß sie sich an einem Nagel gerissen hatte, wodurch eine zuerst unbedeutende Wunde an der rechten Hand entstanden war. Anfang» legte man der Verletzung keine rechte Bedeutung bei, bis der Arm der­maßen anschwoll, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Die Frau wurde alsbald in da» Land­krankenhau» eingeliefert, wo sich der Zustand so verschlimmerte, daß zur Amputation des Armes geschritten werden mußte.

Tafsel, 25. April. (Getreide-, Futter, und Düngermarkt.) Besuch gut, Tendenz abwartend. Wir notreren: Weizen Mk. 16.75 bis 17.00, Roggen Mk. 16.75 bis 17.00, Hafer Mk. 17.00 bis 17.50. Alle« von 100 Kilo ab ober Parität Gaffel bei Ladungen von 10 000 I Kilo.

I Eschwege, 25. April. Drei Opfer hat nun die Werra in diesem Frühjahr schon gesordert. In voriger

Woche ertrank oberhalb der Brücke der Wollkämmer R. oul Lengenfeld a. St. Bei Allendorf wurde gestern bie Leiche eines jungen Mädchens gelandet, das au» Hitzerode am Meißner gebürtig, hier in E. bei dem Webereibesitzer D. bedienstet und schon seit Ostern verschwunden war. In dem benachbarten Niederhone hat die Ehefrau eines Arbeite s, jedenfalls in Augenblicken geistiger Umnachtung, ihrem Leben und dem ihres einjährigen Kinde» in den Fluten ein Ziel gefetzt. Unmittelbar vorher hatte die Unglückliche ein schul­pflichtige« Kind zur Schule gebracht; vergebens aber hatte sie 2 ältere Kinder mit sich in den Tod zu nehmen versucht, sie waren ihr entlausen. Unter Zurücklassung einer Unter« bilanz von über 300,000 Mk. ist Herr E. Segelcke von der Rohtabakfirma Segelcke u. Bischoff in Hamburg, früher in Eschwege mit einer Dame vom Ballett nach Amerika abgereist.

Hanau, 25. April. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Präsident des hiesigen Landgerichts Geh. Ober-Justizrat Koppen am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand zu treten.

Berneburg, 24. April. In tiefe Trauer wurde der Arbeiter K. mit feiner Familie, hier, versetzt. Von einer Bergwerksverwaltung in der Nähe von Duisburg wurde ihm telegraphisch mitgeteilt, daß sein 26jähriger Sohn Carl erschossen aufgefunden worden sei. Die alsbald ringe» leitete Untersuchung ergab, daß Selbstmord vorlag. Die Veranlassung zu dieser unseligen Tat ist darin zu suchen, daß der aus dem Leben Geschiedene, wie aus hinterlassenen Aufzeichnungen bezw. Briefen hervorgeht, die im Herbst vorigen Jahres erfolgte Verheiratung seiner Geliebten mit einem anderen nicht verschmerzen konnte.

Marburg, 25. April. Wie aus dem Kreise Wiltgen» Rein und dem Sauerland gemeldet wird, herrschte dort vergangene Nacht bei mehreren Grad Kälte Schneefall. Schaden dürste dort wohl kaum entstanden fein, da in diesen Gebirgslagen die Baumblüte noch sehr zurück ist.

Aus dem Ried, 25. April. Von seinem eigenen Hunde in schrecklicher Weise zerfleischt wurde in Neckarau der Gastwirt Hornig, Besitzer desRodensteiner". Das Tier, eine riesige Dogge, fiel plötzlich seinen Herrn an, riß ihm die Kleider vom Leibe und zerfleischte ihn am ganzen Körper in fürchterlichster Weise. An dem dem Tiere entgegengehaltenen Oberarme Hornig» hingen die Fleisch­fetzen herunter. Die Frau der Gastwirts, die ihrem Manne zu Hilfe eilte und auf das wütende Tier mit einer Gabel einstach, wurde ebenfalls verletzt. Zuletzt erlag die Dogge einigen Revolverschüssen. Hornig selbst liegt schwer verletzt im Krankenhause.

Frankfurt a. M., 24. April. Folgendes hübsche Geschichtchen, das sich während der Anwesenheit des Kaisers zugetragen haben soll, berichtet man demGen.-Anz." aus Schlitz: Der Kaiser gehl oft und allein in der Umgegend spazieren. So ging er auch dieser Tage allein mit seinem Dackel nach dem kleinen Orte Pforth bei Schlitz. Auf dem Rückweg durch den Wald traf er einen älteren Bauer mit seinem mit zwei Kühen bespannten Wagen, auf dem de» Bauern beide Enkel saßen. Der Kaiser grüßte und sagte zu dem Bauer:Schöne Gegend habt Ihr hier, die schönen Berge und Täler!"Jo," sagte der Bauer,aber mir hon jetzt viel Arbeit und können's nit so bewundern. Eich muß mimEidam" (Schwiegersohn) noch e weng gehelf, sonst kimmt er nit herimm! Gelt Sie sind a einer von die Herren, die beim Kaiser fin ober sin Sie e Ferschter vom Graf?" Nein ich bin beim Kaiser," erwiderte lächelrrd* der Gefragte.Was denken denn die Leute hier vom Kaiser?" Oh, ganz gut, mer hon ihn all gern. Er soll ja ein ganz tüchtiger Mann sin. Eich hon als gemaant, er kümmt e mal da ruf, daß meine zwei Jungen do ihn ach mal sehn!" Na, er wird schon noch vorbeikommen." Sind Sie denn auch Soldat gewesen?" Ei. da» glaw ich, eich sin noch e alter 66er, wo die Preuße komme sin I"Na wie marS denn damals ?"Na, wie warsch's, es war bei uns nit viel los. Da war achviel Getrommel und wenig Soldaten I" Belustigt nahm der Kaiser den Mann noch ein Stückchen mit, damit er ihm den Weg nach Schlitz zeige. Der Kaiser kam ins Schloß nach Schlitz zurück, erzählte die Begegnung und sandte dem Manne sein Bild mit der Widmung:Meinem treuen Begleiterviel Getrommel und wenig Soldaten."

Mainz, 25. April. Eine Submissionsblüte, wie sie selten vorkommt, kann von hier berichtet werden. Bei Ausführung von Bauarbeiten war eine Firma die Mindest- bietende, sie hat nach ihrem eigenen Gebot die Arbeiten bezahlt erhalten und behauptet jetzt, 16 607 Mk. 83 Pfg. mehr für die Arbeiten bezahlt zu haben, als sie von der Stadt erhalten hat. Jetzt natürlich will man bescheidentlich zwar nicht diese 16,000 Mk. ersetzt haben, aber immerhin wünscht die Firma einen Ersatz von 8000 Mk. Ob sie mit ihrem Ersuchen an die Stadtverwaltung besonderes Glück haben wird, möchten wir trotz ausführlicher Begründung Hatt bezweifeln. Erst rechnen, bann bieten ! (F. G. A.)

Btttsbach (Oberhessen), 24. April. Auf der Strecke Franksurt-Cassel zwischen den Stationen Vilbel und Dortel- weil sprangen gestern zwei schwere Verbrecher, die in die hiesige Strafanstalt überführt werden sollten, aus dem in voller Fahrt befindlichen Zuge, nachdem sie vorher sich auf den begleitenden Transporteur gestürzt und versucht hatten, diesem die Schußwaffe zu entreißen. Der Beamte konnte^ den Angriff wohl abwehren, aber nicht verhindern, daß die Sträflinge aus dem Zuge sprangen. Der waghalsige Flucht­versuch wäre ihnen auch gelungen, wenn sich nicht auf dem Felde arbeitende Landleut«, die die wilde Jagd bemerkten, ihnen mit Mistgabeln entgegengestellt hätten, so daß die Verfolger herankommen und die Flüchtlinge dingfest machen konnten.

Rüfselheim, 26. April. Seit einigen Tagen gibt Herr Menageriebesitzer Wiser mit einer größeren Raubtier- karawane hier Vorstellungen, die sich eines großen Zuspruchs erfreuen. Gestern abend bildete die Hauptattraktion der Besuch zweier Gäste im Zentralkäfig. Der Verleger der Rhein-Matnischen Blätter", Herr Ernst Meeser begab sich mit dem Besitzer der Menagerie in den Käfig, wo sich ein stattlicher männlicher und zwei weibliche Löwen befanden. Die Büffetiere des ReftüurantS Holz zurMainlust" kre­denzte alsdann eine Flasche Wein und nahm ebenfalls an dem weiß gedeckten Tische Platz. Nachdem die beiden Herren zwei Partien Sechsundsechzig beendet hatten, während welcher die eine der Löwinnen den fremden Gast tüchtig beschnupperte und beleckte, verließen Herr Meeser und seine Begleiterin unter großem Beifall de» Publikum» wieder den Käfig.

Hannover, 25. April. Eine Versammlung von Gemeindemitgliedern der Kreuzkirchengemeinde sprach sich fast einstimmig für die Einführung von Einzelkelchen beim Abendmahl, statt des bisherigen gemeinsamen Abendmahl­kelches, aus.