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Hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 4Ä.
Dienstag, den 10. April
1906.
Amtlicher Ceil.
Bekanntmachung.
Die diesjährigen Frühjahrskontrollversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:
Zu Sersfelv I (Turnplatz an der Hainstraße) Mittwoch, den iZ. Hpril 1906, Vormittags 9 Qbr, für sämtliche Reservisten der Stadt Hersfeld.
Zu Obergeis (bei Gastwirt E r n st) Mittwoch, den 1$. Hpril 1906, Nachmittags 3 Ohr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Aua, Biedebach, Gittersdorf, Obergeis unb Untergeis.
Zu Beringen (Schulplatz) Montag, den 23. Hpril 1906, Nachmittags 1230 Qbr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölsershausen.
Zu Seimboldshausen (bei Gastwirt Echtermeyer)
Montag, den 23. Hpril 1906, Nachmittags 4 Qbr. für die Mannschaften aus den Gemeinden Heimboldshausen, Ausbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshof mit Nippe und Unterneurode.
Zu Friedewald
(auf dem Schloßplatz)
Dienstag, den 24. Hpril 1906, Vormittags 10 Ohr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Hillartshausen.
Zu Scheukleugsfeld (bei Gastwirt Kroneberg) Dienstag, den 24. Hpril 1906, Nachmittags 3 Qbr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Düukel- rode, Malkomes, Motzseld, Oberlengsfeld, Hilmes, Lamperts- seld, Landershausen, RanSbach, Schenklengsfeld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstseld.
Zu Unterhaun
(bei Gastwirt S a n d l 0 s) freitag, den 27. Hpril 1906, Vormittags 1080 Qbr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.
Zu Niederaula (Kirchplatz) Sonnabend, den 2$. Hpril 1906, Vormittags 1080 Uhr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk Engelbach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa und Holzheim.
Zeelemötsel.
Roman nach dem Englischen von I. P i a.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Villa überlegte einen Augenblick, ihr Gesicht war sehr blaß.
„Und ich, die nichts weiter —" weiter kam sie nicht. Sie tat einen tiefen Atemzug, fiel zurück und ihre Hand griff nach einer Stütze. Frau Warrener stieß einen Schreckensruf aus, konnte sich aber noch schnell genug fassen, um Lilla vor dem Fallen zu stützen. Es war ein Ohnmacht-Anfall. Als Lilla wieder zur Besinnung kam, schämte sie sich sehr ihrer Schwäche, aber in ihren Äugen lag ein ungewöhnlicher Ausdruck, den Frau Warrener sich nicht zu deuten wußte.
„Jetzt will ich aufs Deck gehen," sagte sie, ihr Gesicht war bleich, „da ist es kühler".
Die Seemöve näherte sich jetzt ihrem Landungsplätze. Das kleine Boot brächte die Reisenden ans Ufer, und im hellen Mondlicht schritten sie über die stillen Wiesen ihrem Häuschen aus dem Berge zu. Es wurde wenig gesprochen.
Lilla war es, als seien Jahre um Jahre vergangen, seit sie dieses kleine Haus verlassen hatten und als ob sie irgend einem tragischen Ziele mit raschen, unerbittlichen Schritten entgegenginge. Die Last ihrer Ausregungen — Liebe, Stolz und Dankbarkeit — trieb sie vorwärts, wohin? Darnach wagte sie noch nicht zu blicken.
Als die anderen in das Haus gegangen waren, um aus- zupacken, schlich sie sich davon und schlug den Weg in die Berge ein. Aber allmählich begann ihr Herz heftig zu schlagen, und der stolze, stürmische Geist des Mädchens drängte sich in ihr blasses Gesicht, auf ihre entschlossenen Lippen.
„Früher als Du so sorglos und glücklich warst," sprach es in ihrem Innern, da fragtest Du Dich, ob Du für den Mann, den Du liebtest, sterben könntest, und voll Stolz erwiderst Du „ja." Und was antwortest Du jetzt, wenn dieselbe Frage an Dich gestellt wird? Würdest Du feig znrück- schrecken? Wenn nur dadurch, daß Du aus der Welt
Zu Kirchheim
(bei Gastwirt N u h n)
Sonnabend, den 28. Hpril 1906, Nachmittags 3 Qbr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielingen, Gersdors, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgen, Heddersdorf, Kemmcrode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode mit Hos Beiers- graben und Willingshain mit Hof Löscher.
Zu Hersfeld II
(Turnplatz an der Hainstraße)
Montag, den 30. Hpril 1906, Vormittags 9 Qbr, für sämtliche Wehrleute I. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten aus der Stadt Hersfeld.
Zu Hersfeld III (Turnplatz an der Hainstraße)
Montag, den 30. Hpril 1906, Nachmittags 3 Qbr, für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshöf, Sorga, Gutsbezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos. Kalkvbes, Reilos, Meck- lar, Meckbach, Gutsbezirk Eichhos. Eichmühle, Heenes, Rohrbach, Tann, Hermannshof und Wehneberg.
Zur strengen Beachtung für die Beteiligten fügt das Bezirkskommando folgende Bemerkung hinzu:
1. Zu den Frühjahrskontrollversammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marinereserve, Landwehr und Seewehr 1. Aufgebots, der Ersatzreserven und Marineersatzreserven angehören, sämtliche zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Marineteile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Ferner sämtliche Invaliden der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abgefundenen Ganzinvaliden.
Nur diejenigen Wehrmänner und Seewehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1894 ein getreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen zur Landwehr zweiten Aufgebots übertreten, sind von der Frühjahrs-Kontrollver- sammlung d. J. entbunden.
2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.
Die Nichtbesolgung der Berufung zu den Kontroll- Versammlungen hat Arrest zur Folge.
3. Die Mannschaften aus den einzelnen hier nicht genannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.
4. Die Mannschaften haben den Militärpaß und das Führungsatte st mit zur Stelle zu bringen.
5. Gesuche um Befreiung von der Kontrolldersammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Be- zirks-Kommandos Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden. Er
gingest, allmählich, nachdem er dich fast vergessen, der frühere muntere Glanz in seinen Augen zurückkäme, könntest Du dann durch mutiges Handeln Dir selbst beweisen, was Deine Liebe wert ist."
In den schönen dünkten Augen Lilla's lag eine seltsame Angst, sie atmete hastig, ihr Gesicht war bleicher wie das Mondlicht.
War denn das Opfer, das man von ihr verlangte, so groß? Für sie war das Buch des Lebens, soweit sie es in ihrer Verwirrung und Verzweiflung zu lesen vermochte, nur eine Reihe von Enttäuschungen, Reue, Klage und Kummer.
Sie hörte Schritte hinter sich und als sie sich umwandte, sah sie Frau Warrener auf sich zu kommen.
„Lilla, warum verlassen Sie uns? Ich dachte mir, daß Sie in die Berge gewandert wären."
Die Antwort hierauf war seltsam. — Das Mädchen nahm den Kopf der älteren Freundin zwischen ihre beiden Hände, küßte sie innig und sah ihr ernst und forschend in die Augen.
„Wenn ich Ihnen jemals Kummer bereitet habe, so bitten Sie ihn, mir zu vergeben, und wenn möglich zu vergessen."
Die teilnehmende Frau brach in Tränen aus.
„O, Lilla, was bedeutet das?„ rief sie und eine bange Ahnung erfüllte ihr Herz. „Warum meinen Sie, was ist Ihnen, daß Sie so blaß anssehen?"
„Es ist nichts," antwortete Lilla. „Wir wollen jetzt ins Haus zurückgehen."
Frau Warrener wagte nicht, mit weiteren Fragen in Lilla zu bringen.
Schweigend kehrten sie heim. Lilla begab sich sofort in ihr Zimmer. Einen Augenblick stand sie am Fenster und sah hinaus aus die dunklen Berge, die Bäume und die kleinen Kornfelder, die das Mondlicht in ein silberglitzerndes Grau hüllte und sie drückte ihre Hand fest aufs Herz.
„Brich noch nicht," würde sie gesagt haben, wenn sie ihre wilden verzweifelten Gedanken in Worte gekleidet hätte — „brich noch nicht, bis ich meinen Freund glücklich gemacht habe. Dann tue mit mir, was Du willst."
hält der Betreffende keinen Bescheid, so hat er zu der Kontrollversammlung zu erscheinen.
6. Etwaige plötzlicheKrankheits- oder sonstige Verhinderungsfälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- und Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Konttollplatz abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit an- zugeben.
Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontrollversammlung gehindert ist, ohne Angabe des Grundes sind ungültig und werden nicht angenommen.
7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchen sie zur Konttollversammlung berufen sind, zum aktiven Heer und sind demnach dem Militärstras- gesetzbuch unterworfen.
8. Es wird noch ausdrücklich bemerkt, daß diejenigen Mannschaften, welche zur Fahrt nach dem Kontrollversammlungsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch auf Verabfolgung einer Militärfahrkarte seitens der betreffenden Eisenbahnstation haben.
9. Da voraussichtlich Fuß- rc. Messungen stattfinden, haben sämtliche Mannschaften mit reingewaschenen Füßen zu erscheinen.
Hersfeld, den 25. März 1906.
Königliches Bezirkskommando.
Hersfeld, den 22. März 1906.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises werden hierdurch angewiesen, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebezirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und namentlich den betreffenden Mannschaften noch besonders mitzuteilen.
Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrollort gehört, hat zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrollversammlungen zugegen zu sein.
I. M. Nr. 493. Der com. Landrat
von Grunelius,
Regierungsassessor-
Allgemeine Verfügung Nr. 6 für 1906. Ministerium für Landwirtschaft. Domänen und Forst-'N. G,schästs-Nr. Ga. 1004 M. f. L., GeichäftS-Nr. M. 5533 M. b. g. A. Beschaffung von trichinösem Fleisch zu Unterrichts- undPrüfungS« zwecken.
Berlin W. 9, 13. Februar 1906.
An die sämtlichen Herrn Regierungspräsidenten und den Herrn Polizeipräsidenten hierselbst.
In der letzten Zeit sind dem Hygienischen Institute der Tierärztlichen Hochfchule verhältnismäßig wenige Fleischstücke von trichinös befundenen Schweinen eingesandt worden.
Wir bringen daher die Befolgung unseres Runderlasses vom 14. April 1903 (t. Ga 2797 M. f. L., M 6462
Fünfundzwanzigstes Kapitel.
Frühzeitig am nächsten Morgen stand Lilla auf und kleidete sich geräuschlos an. Einen kurzen Augenblick trat sie ans Fenster und es durchschauderte sie, als sie auf diese düstere, schlafende Welt blickte. Dann schlich sie leise in das kleine Zimmer, in dem Amy Warrener schlief und weckte diese nur halb.
„Gehst Du baden, Lilla?" fragte Amy, als sie die Tasche bemerkte, welche Lilla in der Hand hatte.
„Ich kam, um Dir zu sagen, daß Du besser tätest, heute morgen nicht mitzugehen, Amy, erwiderte Villa ruhig, „es ist kalt und trübe und wird bald regnen."
„Warum gehst denn Du?"
„Ich muß gehen," lautete die Antwort, ich fühle mich seit einigen Tagen nicht recht wohl und bedarf der Erfrischung. Schlafe nur weiter."
Einen Moment blieb sie unentschlossen stehen. Was hätte sie darum gegeben, ihrer Freundin Hand zu ergreifen, sie zu küssen und ihr Lebewohl sagen zu können, aber das wagte sie nicht. Sie schloß leise die Tür hinter sich und stieg die Treppe hinunter.
Mit bang klopfendem Herzen schritt sie den Hügel hinab durch das Tal, der See zu. Am Ende des Tals blickte sie nach dem kleinen weißen Hause aus dem Berge zurück, das alles in sich schloß, waS ihr auf Erden teuer war, aber es lag ihr ein Schleier vor ihren Äugen, denn sie weinte bitterlich.
Blindlings schritt sie weiter. Vielleicht war es die Kälte, die sie schauern machte. Dann setzte sie sich an einer Felsen- ecke, dem Meere zugekehrt, nieder. Woran dachte sie, wenn ein wildes, unsicheres Umhertappen in der Finsternis der Verzweiflung Denken genannt werden kann? An längst vergangene Tage, als sie ein Schulmädchen voll Uebermut und Heiterkeit war, — oder an die lieblichen ruhigen Abende, die sie in dem einfachen, schönen, anspruchslosen Haushalt zuzu- bringen pflegte, wo alles Gute und Edle verehrt wurde, oder an das Austauchen der wunderbaren Hoffnung, die ihrem Leben auf kurze Zeit eine seltsame Glut und Farbenpracht verliehen hatte?