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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 35.

Sonnabend, den 24. März

1906.

Amtlicher Ceil.

HerSfeld, den 20. März 1906.

Zur Feststellung des richtigen Bedarfs an Standeshaupt« und Nebenregistern haben mir die Herren Standesbeamten

des Kreises alljährlich bis zum 1. April eine Be­rechnung nach Dem hierunter abgedruckten Muster einzureichen'

Für Standesämter, die in den letzten 5 Jahren neu errichtet stnd, oder beten räumlicher Umfang innerhalb dieser Zeit Aenderungen erlitten hat, ist der Berechnung ein ent sprechend kürzerer Zeitraum zu Grunde zu legen.

Im Terminkalender ist das -Erforderliche zu no­tieren

I. 2276. Der com. Landrat

J. V.:

T h a m e r.

Zahl der

Fünf-

Dazu Zuschlag von Vr des

Sa.

Zahl der

Fünf-

Dazu Zuschlag von V. des

Sa.

Zah

l der

Fünf-

Dazu Zuschlag von i/a des

Sa.

Standesamt

Geburten

jähriger

Spal-

Eheschließungen

jähriger

Spal-

Sterbefälle

jähriger

Spal-

im Jahre»)

Zu­sam­men

Durch-

bjährig.

te 8

im Jahre*)

Zu- sam- men

Durch-

5jährig.

te 17

im Jahre *)

Zu­sam­men

Durch-

bjährig.

te 26

19

19

19

19

19

schnitt

Durch­schnitts

u. 9

19

19

19

19

19

schnitt

Durch­schnitts

u. 18.

19

19

19

19

19

schnitt

Durch­schnitts

u. 27

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

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22

23

24

25

26

27

28

*) Der Berechnung sind die letzten 5 Jahre zu Grunde zu legen, erstmalig 19011905.

Hersfeld, den 19. März 1906.

Der Befähigungsauswei» der Fleisch- und Trichinen- beschauer

1. Adam Sippe! zu Hersa,

2. Konrad Eckhardt zu Kalkobe»

ist erloschen. Die Genannten stnd somit zur ferneren Aus­übung der Geschäfte eine» Fleisch- und TrichinenbeschauerS nicht mehr befugt.

1. 2240. Der com. Landrat

von GruneliuS, RegierungSasseffor.

Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hierselbst am Freitag den 25. M a i d. I «. abgehalten werden.

Meldungen zu dieser Prüfung sind unter porto» und bestellgeldsreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10,00 Mk. bis spätestens den 28. April d. Js. an den Unterzeichneten zu richten.

Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:

1) der Geburtsschein,

2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte tech­nische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),

3) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat. Es werden nur solche Schmiede zugelassen, welche das 19. L bensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.

Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.

Cassel am 21. Februar 1906.

Der Vorsitzende

der staatlichen Hufschmiede.PrüfungSkommiflion des Reg.-Bez. Cassel: Veterinärrat Tietze, Königlicher Departementstierarzt. Parkstraße 9.

Bekanntmachung.

Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig-Freiwilligen für die Matrosenartillerie«Abteilung Kiautschou in

Tsingtau (China).

Einstellung: Oktober 1906, Ausreise nach Tsingtau Januar 1907, Heimreise: Frühjahr 1909 bezw. 1910 Bedingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem L Oktober 1887 geboren (jüngere Leute nur bet besonder- guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleule, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.

In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.

Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt zu richten an: Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie Kiautschou, Cuxhaven.

nichtamtlicher teil.

Politischer" Wochenbericht.

Derrote Märztag, der 18. März, der in den demokratischen Bevölkerungsschichten Berlin» der Erinner- ung an die Gefallenen des Revolutionsjahre« 1848, die in Friedrichshain begraben liegen, gewidmet ist, wird merk­würdigerweise von der Eozialdemokratie als Erinnerung», tag ihres eigenen Ruhmes in Anspruch genommen. Wie freilich die Eozialdemokratie, die damals gar nicht vorhan­

den war, dazu kommt, ist rätselhaft. Im Jahre 1848 handelte es sich für die Revolutionäre immerhin um poli­tische Ideale, wenn auch von noch so zweifelhafter Be­schaffenheit, bei der heutigen Eozialdemokratie ist das in keiner Weise der Fall. Diese richtet sich in der Haupt­sache gegen das Eigentum, wie sie sagt, gegen denKapi­talismus", sie will den Schlüssel zum Geldschrank haben, und ihre Straßenrevolten gelten nicht nur der Abschaffung der jetzigen Staatsform, sondern richten sich vor allem auch gegen Die besitzenden Klassen. Aber dieser gewaltige Unter­schied hindert die Führer der Genossen nicht, die Opfer her Straßenkämpfe vom 18. März 1848 für ihre Parleizwecke zu reklamieren. In diesem Jahre sollte nun die Feier einen ganz besonderen Charakter annehmen. Aber die von dem GroßmannSdünkel der Eozialdemokratie zu Haupt- unb Staatsaktionen aufgebauschten Massenversammlungen und Morgenspaziergänge haben sich als ein neuer Mißer­folg erwiesen. Wohl hat es an der Annahme fanatischer Resolutionen gegen das preußische Wahlrecht nicht gefehlt, das ist aber auch alles gewesen. Trotz aller VersammlungS« reden und Beschlüsse steht die Welt heute noch ebenso un­verändert da wie nach dem erstenroten" Sonntage am 21. Januar.

Die auf der Marokko-Konferenz für ver­gangenen Dienstag erwartete Entscheidung ist nicht erfolgt. Die Plenarsitzung konnte nicht stattfinden, da die franzö­sischen Delegierten in der Redaktionskommission keine neuen Vorschläge gemacht hatten. Inzwischen fährt die Pariser Presse fort, Deutschland in der Marokkofrage als isoliert darzustellen, offenbar in der Absicht, die Konferenz zum Scheitern zu bringen. So hat neuerdings derTempS" behauptet, die russische Regierung habe Der französischen mitgcteilt,daß ihre Unterstützung in der Marokkofrage Frankreich auch ferner hin sicher sei. Daß diese Behauptung desTempS" unzutreffend ist, geht schon daraus hervor, daß der russische Bot­schafter in Berlin, Graf Ostcn-Sacken, dem Reichskanzler Fürsten Bülow eine Instruktion seiner Regierung übermittelt und dabei aus die unrichtige Wiedergabe Des Textes der betreffenden Mitteilung im TempS ausdrücklich hingewiesen hat. Nach der vomTemps" in den letzten Wochen ge­führten Sprache, die nur dazu beitragen konnte, den Gang der Verhandlungen in Algecira« zu stören, kann der Zweck auch dieser letzten Veröffentlichung nur Der sein, einer Verständigung weitere Hindernisse in den Weg zu legen. Die deutsche Politik wird sich dadurch nicht ab- halten lassen, auf dem sichern Boden des internatio­nalen Rechtes nach dem von ihr Anfang an gezogenen grundsätzlichen Linien die deutschen Interessen und Rechte zu wahren.

Die Vorwahlen zur russischen ReichS- d um a haben am Sonntag stattgefunden und sind in Ruhe und Ordnung verlaufen. Aber wie jetzt die Dinge in Rußland stehen, ist zu befürchten, daß in der Hauptsache die Opposition in die Duma einziehen wird, nicht um zu reformieren, sondern um zu opponieren und zu kritisieren. Insbesondere macht sich gegen alle diejenigen, die geholfen haben, die Revolution ntederzuwersen, ein starker Haß be­merkbar, und gewiß ist der Grimm gegen den Grafen Witte nicht geringer. Gelingt es der Duma, ihren Willen durch- zusetzen, so werden alle diese Männer ihren Platz räumen und not Gericht Rede und Antwort stehen müssen, aber es würde sich dann auch zeigen, daß man niemanden hat, den man an ihre Stelle setzen könnte. Er ist daher sehr wohl möglich, daß, wie behauptet wird, die Regierung der Duma, wenn sie am 10. Mai zusammentritt, nur die Mit­teilung macht, daß sie konstituiert sei, und sie dann bis zum September entläßt, wohl in der Hoffnung, dann eine ruhigere Stimmung vorzufinden und die Ordnung im Reiche etwas fester gesichert zu haben.

Reichstag.

Die gesamte Sitzung am Mittwoch wurde durch eine lebhafte Debatte über den Antrag des Abg. Liebermann von Sonnenberg (wirtsch. Verein.), betreffend den größeren gesetzlichen Schutz von politischen Versammlungen gegen ge­waltsame Störungen, ausgefüllt. Der Antragsteller be­gründete und verteidigte seinen Antrag. Zustimmend zu demselben äußerten sich Abg. Bautert (soz.), dieser unter Ausfällen gegen die antisemitische Partei, und Abg. Porzig (kons.), während die Abg. Giesbert« (Ztr.), Patzig (ntl.) und Schröder (fr. Verein.) ihn bekämpften. Im übrigen gestaltete sich die Diskussion hauptsächlich zu einer Aus­einandersetzung zwischen Antisemiten und Sozialdemokraten. die sich gegenseitig der Störung von Versammlungen be. schuldigten. Der Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Rechten und der wirtschaftlichen Vereinigung abgelehnt. Debattelos überwies dann noch der Reichstag den von Mitgliedern verschiedener Parteien eingebrachten Antrag auf Herabsetzung der Verbrauch-abgabe auf Zucker der Budgetkommission. Am Donnerstag pausierte der Reichstag wegen der Beerdigung seines Bureaudtrektors, Geh. RegierungSrat Knack.

Die Steuerkommission des Reichstages begann am Mitt­woch die Beratung der Vorlage über die Besteuerung der Eisenbahnfahrkarten, wobei der preußische Finanzminister v. Rheinbaben ernste Bedenken gegen die seitens der Kom­mission beschlossenen Kilometerzuschlägr äußerte.

Die Budgetkommission des Reichstages lehnte am Mit- woch die Forvernng im Etat Des Reichskolonialamtes wegen Schaffung eines selbständigen StaatSsekcetarial« für die Kolonien mit 17 gegen 11 Stimmen ab und bewilligte mit 18 Stimmen lediglich den Unterstaatssekretarposten. Infolge der Ablehnung der ersterwähnten Forderung gilt der Rück­tritt des Kolonialdirektors Erbprinzen zu Hohenlohe-Langen- burg als nicht unwahrscheinlich.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurden zunächst einige kleinere Vorlagen erledigt und hierauf eine Reihe von Initiativanträgen be­raten. Der Antrag des Abg. Hammer (kons), für die Warenhäuser mit Rücksicht auf deren Feuergefährlichkeit nur die Benutzung des Erdgeschosses und des ersten Stock­werks als Verkaufsräume zuzulassen, wurde der Handels- und Gewerbekommission überwiesen. Der Antrag der frei­sinnigen Volkspartei auf Einführung der fakultativen Feuer­bestattung wurde abgelehnt. Der Antrag de» Abg. Frhrn. v.Zedlitz (frkons.) auf Abänderung des § 53 des Kommunal, abgabengesetzes wurde der Steuerkommission überwiesen. Zum Schluß wurden Petitionen erledigt. Nächste Sitzung Freitag.

Ae Marokki-Aifemz.

Zur Poltz eifrage wird der Kölnischen Zeitung aus Berlin von gestern telegraphiert: Nachdem nun das internationale Generalinspektorat über die marokkanische Polizei von Frankreich im Grundsatz aus­drücklich angenommen worden ist, wird zurzeit zwischen Deutschland und Frankreich darüber verhandelt, wie dieses Amt ausgestaltet werden soll. Für Deutschlard, das folge­richtig aus der Konferenz dafür eingetreten ist und eintreten wird, daß der Charakter der marokkanischen Polizei mit internationalen Bürgschaften umgeben wird, ist es natürlich von besonderer Wichtigkeit, daß die Machtbefugnisse Des neutralen Polizeiinspektorat« derartig zugeschnitten werben, daß ihm auch ein wirklicher Einfluß auf die Handhabung der Polizei möglich ist. Man nimmt hier an, daß schon morgen eine Plenarsitzung der Konferenz lediglich zur Weiter« beratung der Polizeifrage stattfinden wird.

Algecira«, 21. März. Von der heutigen Kom-