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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 28.
Donnerstag, den 8. März
1906.
Amtlicher &il.
Hersfeld, den 5. März 1906.
Bei dem Aufbewahren der bei der Landesversicherungs- aüstalt eingegangenen Quittungskarten mußten in letzter Zeit für eine sehr große Anzahl Versicherte die Quittungskarten wegen unrichtiger Ausstellung beanstandet werden.
Die Vorgefundenen Mängel, welche zu der Beanstandung Veranlassung gaben, beruhten größtenteils aus ungenügender Anwendung der erforderlichen Sorgfalt, Außerachtlassung der bezüglichen Vorschriften und undeutlicher Aufschrift. Wegen der zum Teil unleserlichen Schrift gaben vorwiegend die Familiennamen und die Geburtstage zu Zweifel Anlaß. Auch ergab es sich, daß in vielen Fällen der Namen der Versicherungsanstalt am Kopfe der Karte falsch eingetragen war und die Vorkarten bei anderen Versicherungsanstalten gesucht werden mußten.
Gemäß des Bundesratsbeschlusses vom 21. Juli 1901 ist die Vernichtung der Quittungskarten und die Einrichtung von Sawmelkarten angeordnet worden.
Demzufolge werden die Sawmelkarten mit den Quittungskarten jahrgangsweise und alphabetisch gemeinschaftlich ausbewahrt.
Die Art der Ausbewahrung der Sammel- und Ouittnngs- karten erfordert, daß bei dem Ausstellen und dem Umtausch der Quittungskarten besondere Sorgfalt angewendet wird.
Da die Ermittelungen nach dem Verbleib der fehlenden Vorkarten, die Feststellungen der Familiennamen und der Geburtstage eine nicht unbedeutende Arbeitslast im Gefolge habe^ und auch nicht unerhebliche Portokosten verursachen, werden die Ortspolizeibehörden und die Herren Gutsvorstände des Kreises auf die oben erwähnten Mängel aufmerksam gemacht. Auf die Kartenausstellung ist künftig unter Beachtung der ministeriellen Anweisung vom 17. November 1899 die größte Sorgfalt zu verwenden.
1. 1807. Der com. Landrat.
von Grunelius,
Regierungsassessor.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig-Freiwilligen für das 111. Seebataillon in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1906, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1907, Heimreise: Frühjahr 1909, Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1887 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwickelung). Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.
Seelenrätsel
Roman nach dem Englischen von J. P i a.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Vielleicht nie," erwiderte Lilla, und dann setzte sie lächelnd hinzu: „Verlangen Sie jetzt nicht, daß ich Ihnen ein neues Rendez-vous bestimme, — das heutige hat Unheil genug an= gerichtet."
»Ich hoffe, Sie bald wiederzusehen," und damit fuhr er davon.
Lillas Herz klopfte bang, als sie Herrn North's Haus betrat. Sie fand ihren Vater in einem Zimmer, dessen Wände mit Plänen und Landkarten bedeckt waren, während auf dem Tische massenhaft Zeitungen umherlagen.
„Nun Lilla?' sagte er zerstreut; er war viel zu sehr mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt, als daß ihr Erscheinen ihn überrascht hätte. „Geh' jetzt, bei Tische sehen wir uns ja."
Aber bevor er recht wußte, was geschah, lag das Mädchen vor ihm, umklammerte seine Knie und weinte heftig.
„Kind, Kind, was hast du?" fragte er erschreckt.
Unter vielen Schluchzen erzählte sie ihm die ganze Geschichte und nahm allen Tadel auf sich.
„Ist das alles?" fragte ihre Vater, nachdem sie mit ihrem Bekenntnis zu Ende war, „und Du kommst eben jetzt von dem törichten Ausfluge? Du tatest recht, zu mir zu kommen, nun laß uns überlegen, was zu tun ist."
In dem Augenblick kam ihm vielleicht der Gedanke, daß er es dem Mädchen nur allzulange schon an väterlichem Rat und Schutz hatte fehlen lassen, und feine Worte, statt strafend zu fein, hatten fast etwas reuevoll Zärtliches.
„O Papa," rief sie, und die schönen dunklen Augen, noch feucht von Tränen, sahen bittend zu ihm auf, „nimm mich mit nach Amerika! Ich bat Dich schon am Sonnabend darum. Ach, wie glücklich wäre ich gewesen, hättest Du da ja gesagt. Ich will fort von England, ich hasse England, es
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt zu richten an: Kommando des III. Stammseebataillons, Wilhelmshaven.
Heisfeld, den 2. März 1906.
Die Herren Bürgermeister und GutSvorsteher werden hiermit angewiesen, die Zu - undAbgangslisten für das 11. Ha lbjahr 1 905 pünktlich bis zum 1 5. d. M t s. einzureichen.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommifsion von Grunelius, Regierungsasseffor.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Sehr glatt und schnell wurde am Montag im Reichstage die Interpellation, betreffend die verzögerte Zollabfertigung deutscher Ausfuhrgüter an der russischen Grenze er» ledigt. Man muß dem freisinnigen Abgeordneten Gothein nachrühmen, daß er bei der Begründung alles taktvoll vermied, was den Widerspruch irgend einer Partei im Hause hätte herausfordern können. Staatssekretär Graf Posa- dowsky, der im Namen des Reichskanzlers die Interpellation beantwortete, teilte mit, daß eine Divergenz der Anschauungen bereits im Oktober zutage getreten sei. Die deutsche Regierung mache als maßgebend für die Anwendung der neuen Zölle den Zeitpunkt der Anmeldung oder Stellung der Waren zur Zollabfertigung, die russische hingegen die Beendigung der Zollreviston. Die Bemühungen des deutschen Botschafters in Petersburg, hierin eine Aenderung herbeizuführen, seien vergeblich gewesen. Unter diesen Umständen könne der Reichskanzler nur darauf hinwirken, daß die geschädigten deutschen Importeure in einem gewissen Umfange schadlos gehalten würden. Er hoffe aus eine Verständigung hierüber mit Rußland, und bitte, ihm das Vertrauen entgegenzubringen, daß er es nicht an sich werde fehlen lassen. Der Reichstag zeigte das Vertrauen, denn in der Besprechuung, die die Rechte überhaupt nicht für
ist mir gleich, wie lange wir fortbleiben. Papa, willst Du mich mit nach Amerika nehmen?"
Er legte ihr seine Hand auf den Kopf, war ein Blick ihrer Mutter in diesen ernsten bittenden Augen?
„Ich will alles tun, was Du willst, Lilla," sagte er erregt, „aber Du weißt nicht, was es heißt, eine solche Reise zu machen. Möglich, daß ich noch länger wegbleibe, als ich vermute, — vielleicht achtzehn Monate, vielleicht auch zwei Jahre."
„Ach, das ist ja gerade, was ich will, recht lange fortbleiben, meinetwegen für immer."
„Aber die Beschwerden, Lilla. Wir werden immer lange, lange Strecken weit reisen und wenig Zeit zum Vergnügen haben und an Orte kommen, deren Mangel an Beguemlich- keiten eine Londoner junge Dame abschrecken dürfte."
„Mich schreckt es nicht ab," sagte sie und ein glückliches Lächeln strahlte durch ihre Tränen, denn hatte er nicht „wir" gesagt?
Er stand aus und schritt im Zimmer auf und ab. Lilla blieb ein paar Sekunden unentschlossen stehen, dann trat sie zu ihm hin und legte ihren Kopf an seine Brust, daß er un= willkürlich ben Arm um sie schlang.
„O Papa, ich will Dir eine gute Reisegefährtin fein, ich will Dir Deine Briefe schreiben und will dafür sorgen, daß Deine Sachen immer in Ordnung sind. Was liegt mir an Gesellschaften und dergleichen, — viel lieber sehe ich Eisenbahnen, Kohlenminen, Maschinenhäuser und solche Dinge. Und wenn es Dir zu viel kostet, Papa — dann kannst Du mir jedes Jahr zehn Pfund von meinem Taschengeld abziehen, bis —"
Da brach Herr North in Lachen aus, aber es klang wie zurückgehaltenes Schluchzen durch dieses Lachen und in feinen Augen länzte es feucht, als seine Hand liebkosend über ihr Haar strich.
„Nun, ich denke, die paar Pfund für Deine Reise können wir noch erübrigen, ohne Dich darben zu lassen," ent- gegnete er.
„So willst du mich mit Dir nehmen?" rief sie ent zückt aus.
nötig hielt, ergriff nur noch der Abgeordnete Dr. Beumer das Wort, der sich ganz im Sinne des Abgeordneten Gothein aussprach, und so die Uebereinstimmung der Freunde und Gegner unserer Zollpolitik in dieser Frage bekundete. Danach folgte die zweite Beratung des Postetats, bei der sehr viel über die soziale Lage und das Koalitionsrecht der Beamten und auch einiges über die drohende Aufhebung des ermäßigten Portos im Ortsverkehr gesprochen wurde.
Auf der Tagesordnung stand am Dienstag die Novelle zum Stempelsteuergesetz. Reichrschatzfekretär Frhr. v. Stengel, begründet die Vorlage kurz mit dem Hinweise, daß eS sich dabei um finanzielle Zwecke handle und daß der Entwurf im wesentlichen Anregungen des Reichstages entspreche. Der Arbitrage Verkehr müsse erleichtert werden. In derselben Diskussion äußerten sich die Redner nur wenig über den materiellen Inhalt der Vorlage, beschränkten sich im wesentlichen auf Bemerkungen über deren geschäftliche Behandlung. Die Novelle wurde der Steuerkommission überwiesen. Dann setzte das Haus die zweite Beratung des Postetats fort.
Abgeordnetenhaus.
Am Montag wurde bei Fortsetzung der Beratung des Kultusetats das Kapitel „Technisches RntecrichtSwesen" nach kurzer Debatte bewilligt. Beim Kapitel „Medizinalwesen" wurden allerlei Wünsche vorgetragen, die von einem Re- gierungSkommissar und dem Ministerialdirektor Förster entsprechend beantwortet wurden, worauf das Kapitel „Medi- zinalwesen" bewilligt wurde.
Die zweite Beratung des Kultus-Etats beschäftigte auch am Dienstag noch das Abgeordnetenhaus, und zwar bei dem Kapitel: „Universitäten". Hierzu lag ein Antrag Dr. Arendt (freikonf.) vor, auf Errichtung einer ordentlichen Professur für Kolonialrecht zunächst an der Universität Berlin. Nachdem sich Redner fast aller Parteien freundlich zu dieser Anregung ausgesprochen hatten, erklärte Geheimrat Dr. Elster, daß die Regierung ein solches Ordinariat zurzeit noch nicht für opportun halte. Aus eine Anregung des Abg. Rosenow (freis. Vp) entgegnete Geheimrat Elster, daß sich sämtliche medizinische Fakultäten Preußens gegen die Errichtung eines besonderen Lehrstuhles für soziale Medizin ausgesprochen hätten. Um aber den Wünschen nach einer solchen Professur in gewissem Maße entgegenzu- kommen, habe der Minister angeordnet, daß an den Universitäten in Berlin und Bonn probeweise Vorlesungen • über soziale Medizin gehalten werden. Auch, der Abg. Dr. Friedberg'(natl.) war der Ansicht, daß man nicht gleich für jede Materie eine ordentliche Professur einrichten könne. Der Antrag Arendt wurde schließlich abgelehnt.
Er nickte zustimmend.
Da schlug Lilla ihre Arme um seinen Hals, zog seinen Kopf herab und sagte:
„O Papa, ich muß Dir ganz leise etwas ins Ohr sagen: Ich liebe Dich und in der ganzen Welt gibt es keinen so guten Papa, wie Du."
»Und nun, da es abgemacht ist," sagte er, als sie ihn wieder freigelassen hatte, „was hast du mir nun noch vor- zuschlagen, Lilla?"
„O, nun ich Dir alles gestanden habe und Du so gut gegen mich gewesen bist," antwortete sie, „verlangt es mich darnach, auch andere um Vergebung zu bitten. Ich muß doch auch Fräulein Main erzählen, daß Du mich mit nach Amerika nimmst. Wann reifen wir, Papa?"
„Ich denke, in ungefähr drei Wochen."
Achtes Kapitel.
„Wann reist sie? fragte Herr Drummvnd seine Schwester, während er mit trüber Miene zum Fenster hinaussah.
„Morgen fahren sie nach Southampton und den folgenden Tag schiffen sie sich wohl ein. Die ganze Pension ist außer sich. Amy weint schon feit mehreren Tagen bittere Tränen; sie tut mir leid, was wird unser armes Kind ohne sie anfangen. Ich bin nur froh, daß sie vernünftig genug war, Lilla's Uhr nicht anzunehmen, — welche Idee von einem Mädchen, einem andern ihre goldne Uhr mit kaltem Blute anzubieten."
„Auch wir werden sie recht vermissen," sagte Herr Drum- mond; — er war offenbar nicht sehr erfreut über Lilla's bevorstehende Abreise. Aergerlich wandle er sich vom Fenster ab.
„Weißt Du," sagte er mit einem so erzürnten Blick, daß jeder andere darüber erschrocken wäre, seine Schwester jedoch kannte seine Art und Weise — „weißt Du, daß diese zweijährige Reise zum Unglück für das Mädchen werden kann? Sieh sie Dir nur an, sie ist jetzt ein wildcS, eigensinniges übermütiges Schulmädchen, eben auf der Stufe angelangt, wo ihr Charakter sich zur Jungfrau bilden soll. Anstatt sie nun den Händen einer Jungfrau anzuvertrauen, um all die Ecken und Kanten ihres Charakters abzuschleisen, anstatt sie edlem