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hersselder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 27.
Dienstag, den 6. März
1906.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 2. März 1906.
Soweit solches nicht bereits geschehen fein sollte, haben die Herren Ortsvorstände des Kreises von denjenigen Militär- Pflichtigen ihrer Gemeinden, welche fich zum Ersatz-Geschäft gemeldet, bezwse. sich zum diesjährigen Ersatz-Geschäft zu stellen haben, die Losungsscheine alsbald einzuziehen und mir dieselben mit einem namentlichen Verzeichnisse umgehend einzureichen.
Der com. Landrat.
I. V.:
Thamer.
Hersseld, den 2. März 1906.
Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersseld, welche ihre Gesellenprüfung machen müssen, werden aufgefordert, bis zum 15. März b. Js. bei dem Unterzeichneten in Hersfeld sich zu melden und nachstehende Sachen einzufenden:
1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. Einen eigenhändig geschriebenen Lebenslauf. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4. Ein Zeugnis aus der Volksschule. 5, Ein Zeugnis der Fortbildungsschule^ wenn dieselben eine solche Schule besucht haben. 6. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle. Der Prüfung«, termin wird noch mitgeteilt werden.
Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die Maurerlehrlinge im Kreise Hersseld.
Rob. Wölbing, Maurermeister.
nichtamtlicher Ceil.
Jalikerlatz des Kaisemms.
Wie sehr die großartige Anteilnahme des Volkes an dem Doppelfest im Hohenzollernhause das Kaiserpaar erfreut und für seine weitere Lebensarbeit gestärkt hat, zeigt der nachstehende, an den Reichskanzler gerichtete Erlaß:
Die Feier unserer silbernen Hochzeit hat im deutschen Volke eine so herzliche und begeisterte Teilnahme gesunden, daß der Freudenlag unseres Hauses zu einem nationalen Festtage geworden ist. Voll innigen Dankes für das uns in den verflossenen 25 Jahren zuteil gewordene reiche Familienglück bürsten wir zum Throne des Allmächtigen in Demut aufschauen und unsere Gebete und Gedanken in dem Bekenntnis ausklingen lassen: „Bis hierher hat der Herr geholfen." — Wir haben es als eine besondere Gnade Gottes empfunden, daß es uns am Tage unseres Ehejubiläums vergönnt war, wiederum einen Sohn an den Traualtar zu geleiten und unserem Familienkreise eine liebe Tochter zuzuführen. Wenn aber etwas geeignet war, unsere
SeelenrätseL
Roman nach dem Englischen von I. P i a.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Auch,der Kutscher war hereingekommen und wollte den Leuten erklären, daß der Unglücksfall nicht seine Schuld gewesen sei.
„Schweigen Sie!" unterbrach Sie ihn und fuhr zur Mutter des Kindes gewendet fort: „Wo wohnen Sie? Geben Sie mir Ihre Adresse, ich will Sie besuchen —"
Bei diesen Worten zog sie ihre Börse heraus. Jetzt mischte George Miller sich ein und sagte:
„Hier, liebe Frau, haben Sie ein Souvereigns für sich."
„Zehn Souvereigns, zwanzig Souvereigns soll sie haben!“ sagte Lilla, fast mit dem Fuße stampfend, während Helle Tränen ihr in die Augen traten. „Hier Mutter, ist alles Geld was ich habe. Es tut mir leid, daß wir nichts weiter für Sie tun können, als Ihnen Geld geben. Nehmen Sie einen guten Arzt; ich werde ihn bezahlen."
Als sie wieder heraustrat, ging sie auf den Kutscher zu, der wieder auf dem Bock saß.
„Entschuldigen Sie," sprach sie laut und vernehmlich. „Ich tat Ihnen wohl unrecht. Ich, glaube, Sie konnten nichts dafür."
Bald hatten sie ihren frohen Mut wieder gewonnen und sie fuhren weiter durch Kingston und über die hochgewölbte Brücke, an der Mauer und an den Bäumen von Bushh Park vorbei unter den Schatten von ein paar mächtigen Bäumen weg — dann bogen sie nach einem freien, grünen Platz ein, fuhren ein Stück längs des Flusses und hielten vor einem groben altmodischen Gasthause, dessen Wände dicht mit wildem Wein bewachsen waren und über dessen Gartenmauer herüber ihnen Männergesang entgegentönte.
„Haben Sie Mut, in der gewöhnlichen Gaststube etwas 4“ essen?" fragte er, als ob es ihr zu irgend etwas an Mut fehlte!
„Gewiß," erwiderte sie, „ich sehe gern Menschen und
Festesfreude noch zu erhöhen, so waren es die überaus zahlreichen und mannigfachen Beweise liebevoller Anhäng. lichkeit, die uns aus allen Kreisen des engeren und weiteren Vaterlandes in Form von Adressen, Zuschriften, Telegrammen, Widmungen und Spendungen zugingen. Auch die Deutschen im Auslande haben es sich nicht nehmen lassen, mit der Heimat darin zu wetteifern, unseren Ehrentag festlich zu begehen und uns durch freundliche Glückwünsche zu erfreuen. Millionen von treuen Menschen, alten und jungen, in Palast und Hütte, Stadt und Land haben unser in diesen Tagen mit herzlichen Wünschen und Fürbitten gedacht und uns zu innigstem Danke verpflichtet. Aber damit nicht genug — in wahrhaft hochherziger, unsere Erwartungen weit übertreffender Weise sind aus diesem Anlaß von Provinzen, Kreisen, Gemeinden, Vereinen und Korporationen wie von begüterten Privatpersonen wohltätige und aemeinnützige Stiftungen errichtet worden, durch welche unser Festtag auch zu einem Segenstage für die von Krankheit und Not bedrückten Landeskinder geworden ist. Gott der Herr lasse alle diese Werks barmherziger Nächstenliebe wohl gelingen zu Nutz und Frommen der Menschheit und als Wahrzeichen des innigen und festen Bandes, welches bgS deutsche Volk und sein Kaiserhaus umschlingt. Mögen alle, welche uns in so erhebender Weise beglückt und durch treues Gedenken erfreut haben, unseres wärmsten und herzlichsten Dankes versichert sein, den jedem einzelnen zum Audsruck zu bringen, leider nicht möglich ist.
Wir ersuchen Sie, diesen Erlaß alsbald zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
Berlin, den 2. März 1906.
Wilhelm, I. R. Auguste Viktoria, I. R.
Reichstag.
Der Reichstag erledigte am Freitag zunächst den Gesetzentwurf betreffend die Ueberleitung von Hypotheken des früheren Rechts, in erster und zweiter Lesung nach kurzer Debatte durch dessen Annahme. Dann setzte das Haus die Beratung des Etats des Reichsjustizamtes fort. Abg. Rosren (Ztr.) nahm den deutschen Richterstand gegen die Angriffe, welche der Sozialdemokrat in der vorangegangenen Sitzung auf letzteren unternommen hatte, in Schutz. Abg. Wollau (nat.-lib.) sprach seine Zustimmung zum Anträge Müller- Meiningen auf Gewährung von Diäten für Schöffen und Geschworene aus. Abg. Böckel (Reformp.) erörterte nochmals die bekannte Affäre des ehemaligen Pfarrers Ktösell unter heftigen Angriffen auf die Stargarder Richter und Staatsanwälte, und Dr. Müller-Meiningen (fr. Volksp.) verbreitete sich namentlich über den Unterschied von Angeklagten vor Gericht. Abg. Spähn (Ztr.) wies die kürzlichen Angriffe des Abg. Müller-Meiningen auf das Mainzer Domkapitel zurück. Die weitere Debatte, an welcher sich die Abgeordneten Thiele (soz.), Lenzmann (fr. Volksp.) und
fürchte mich nicht, irgend einen Bekannten hier zu treffen. — Ach, ich wünschte sehr, Fräulein Main könnte mich jetzt sehen!"
Als sie in die Gaststube traten, fanden sie daselbst nur ein paar ältere Damen, einen Franzosen mit seiner Frau, die viel älter war als er, und einen alten Herrn, der auf feinem Stuhle eingeschlafen war.
Sie nahmen an einem der Fenster Platz.
„Wer sind die?" fragte Lilla und sah auf sechs bis acht junge Leute hinab, die aus dem Gasthause herauskamen, und der Wiese zuschritten.
Sie trugen Flaschen und Gläser und die meisten rauchten Zigarren oder aus Pfeifen.
„Das sind wohl deutsche Clerks, die eben so viel Lärm machten."
„Ich nenne mehrstimmigen Gesang nicht Lärm," antwortete sie, „ich möchte, sie sängen weiter, ich kenne viele deutsche Lieder und liebe sie sehr."
„Ich glaube, Sie gingen am liebsten zu ihnen und sängen mit," sagte er nicht sehr liebenswürdig.
„Das könnte ich ganz gut," versetzte sie einfach, „wenn ich auch keine besonders schöne Stimme habe. Warum sind sie nur jetzt so still? Sehen Sie einmal den dort, der sich mit dem Rücken ins Gras legt und sich mit dem Hnt das Gesicht zudeckt, warum stimmt er nicht ein Lied an? er raucht ja nicht wie die andern."
„Wollen Sie nicht hingehen und ihn fragen?"
„Ach, nur zu gern," versetzte sie treuherzig. „Ich könnte ihnen so schöne Lieder vorschlagen. — Kennen Sie Gaudeamus ?"
„Nein! Aber wenn Ihnen daran liegt, Bekanntschaft mit diesen Herren zu machen —"
„Gerade so wie mit Ihnen!"
„Glauben Sie, daß irgend jemand —"
Er wollte offenbar wieder ärgerlich werden, darum kam sie ihm zuvor und bemerkte philosophisch:
„Js giebt doch keine Dankbarkeit in der menschlichen Brust. Da habe ich mich nun der größten Strase ausgesetzt, ich glaube, ich werde auf drei Wochen bei Wasser und Brot
Krössell (Reformp.) beteiligten, betraf die angebliche Klassenjustiz, die Zusammensetzung der Schwurgerichte und noch andere juristische Themata. Am Sonnabend führte der Reichstag die Verhandlung weiter.
Nach siebentägigen Debatten kam der Reichstag am Sonnabend endlich mit der zweiten Beratung des Justizetats zu Ende. Die meisten Redner, die in dieser Sitzung sprachen, spannen nur früher begonnene, teils persönliche, teils sachliche Auseinandersetzungen fort. Eine Ausnahme machte der Abg. D. Stöcker, der in Anregung brächte, zur Bekämpfung der Unsittlichkeit mit anderen Ländern Vereinbarungen zu treffen. Eine Antwort vom Bundesratstische erhielt er aber auf die Frage, ob dies möglich fei, nicht. — Am Montag soll der Postetat folgen, vorher aber die Interpellation wegen Verzögerung der Zollabfertigung deutscher Güter an der russischen Grenze verhandelt werden.
Abgeordnetenhaus.
Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Freitag zunächst in dritter Beratung den Gesetzentwurf betr. die Erhebung von Abgaben für kirchliche Bedürfnisse der Diözesen der katholischen Kirche, und darauf in zweiter Beratung das Extraordinarium des Bauetats. Sodann wurde die zweite Beratung des Kultusetats beim Kapitel „Elementarschulwesen" fortgesetzt. Die nationalliberalen und freisinnigen Beschwerden über Uebergriffe der Schul- aussichtsbehörden wies Ministerialdirektor D. Schwartzkopff als nicht zutreffend zurück. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frkons.) befürwortete eine gesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen Staatsaufsicht und Selbstverwaltung, und Kultusminister Dr. Studt bezeichnete die angeblichen unerlaubten Eingriffe als Legende. Eine kurze Debatte entspann sich über die Schulinjpektion, wobei Abg. Ernst (frf. Vgg.) und Abg. Frhr. v. Zedlitz (frkons.) für die weltliche Schulauf« ficht eintraten, während der Kultusminister erklärte, zurzeit könne auf die geistliche Aufsicht noch nicht verzichtet werden. Die Borschläge zur Reform des höheren Mädchenschulwesens bezeichnete Abg. Dr. Krüger als ein Nachgeben gegen die exaltierte Frauenbewegung, während die übrigen Redner für die geplante Reform eintraten.
In der Sonnabend-Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde bei der fortgesetzten Beratung des Kapitels „Elementarunterrichtswesen" des Kultus-Etats nach längerer Debatte über die Anträge Zedlitz (frkons.) und Keruth (fr. Vp.) abgestimmt. Der erste Antrag verlangt weiter zwei Millionen zur Erhöhung der Dienstalterszulagen der Volks, schullehrer und -lehrerinnen, während der zweite Antrag dieselbe Summe zur Erhöhung des Gehaltes eingestellt wissen will. Ministerial-Direktor Germar sprach sich mit Rücksicht auf die schon so wie so hohen Aufwendungen für die Volksschule vom Standpunkte der Finanzverwaltung gegen die Anträge aus. Zu einem ablehnenden Standpunkte kam auch
eingesperrt, wenn's herauskommt — nur, um Ihnen auf wenige Stunden das Vergnügen meiner Gesellschaft zu gewähren, und der Dank dafür ist, daß Sie mich alle Augenblicke ärgern und mir widersprechen. Nur Ihrethalben wünschte ich, daß jene jungen Leute noch ein paar Lieder sängen. Ich kenne die Lieder alle auswendig! Aber still, hören Sie!"
Einer der jungen Deutschen, im Grase lang hingestreckt, hatte erst mit einem Stocke an einer leeren Flasche den Takt geklopft, dann fing er an zu pfeifen und plötzlich hub er mit einer starken, tiefen Baßstimme zu singen an:
„O Sonnenschein! o Sonnenschein!
Wie scheinst du mir ins Herz hinein,
Weckst drinnen lauter Liebeslust,
Daß mir zu enge wird die Brust.
Und enge wird mir Stub' und Haus,
Und wie ich lauf' zum Tor hinaus,
Da lockst du gar in's frische Grün
Die allerschönsten Mädchen hin."
„Ach, wenn sie doch nur nicht aufhören wollten!" rief Lilla sehnsüchtig aus, die nicht ahnte, daß die Wahl des Liedes direkt Bezug auf ihre eigene liebliche Erscheinung habe. Ihr Wunsch sollte erfüllt werden; denn im vollen schönen Chor erklang es von Neuem:
„O Sonnenschein! du glaubest wohl,
Daß ich wie du es machen soll,
Der jede schmucke Blume küßt,
Die eben sich nur dir entschließt?"
Hast doch so lang die Welt erblickt,
Und weißt, daß sich's für mich nicht schickt,
Was machst du mir denn solche Pein?
O Sonnenschein! o Sonnenschein!"
Lilla hatte mit der Miene einer Entzückten dem Gesänge gelauscht, und als die jungen Leute nun endeten und sich zum Weitergehen anschickten, seufzte sie aus tiefem Herzen aus: „Sie gehen, was fangen wir nun an?"
„Lassen Sie uns in den Garten hinabsteigen, es ist schön da!"
Unter den wenigen Besuchern, die in dem zu dem Gast-