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ist aber für Deutschland insofern auch sehr unfruchtbar, weil Deutschland selbst im günstigsten Falle niemals viel Vorteil aus der marokkanischen Frage ziehen kann, da es immer mit den anbeten Mächten in Marokko konkurrieren muß, und die vielfach vertretene Meinung, daß in der Welt keine Länderverteilung mehr stattfinden dürfe, ohne daß Deutschland darum gefragt worden wäre, geht in Bezug auf überseeische Länder doch viel zu weil. Haben vielleicht Nordamerika im Kriege mit Spanten und Japan im Kriege mit Rußland die anderen Länder um die neue Länderein­teilung gefragt? Oder hat England bei seinem riesigen Länderraub in Indien, Afrika und Asien stch von den an­deren Mächten erst ein AnnektionSpatent ausstellen lassen? Jede Macht nimmt von überseeischen Ländern das was sie kriegen kann, und das deutsche Interesse in Marokko ist keinen Krieg wert.

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In einer Unterredung des Madrider Korrespondenten der Kölnischen Zeitung mit dem früheren Minister Villanueva sagte dieser, daß er die feste Ueberzeugung habe, daß die Sache Spaniens ernstlich bedroht sei, wenn stch Spanien in Marokko Frankreich allein gegenüber befände; der Prätendent sei nur eine Kreatur Frankreichs. Sobald die innere Politik etwas zurücktrete, wolle er, Villanueva. im Parlament eine Debatte hervorrufen, die sonnenklar dartue, wie Frankreich sich ganz Marokkos bemächtigen und Spanien nur einen lächerlichen Anteil übrig lassen wolle. Villanueva bestritt das Bestehen französischer Sonderrechte in Marokko und sprach sich-über die beiden spanisch-französischen Ueber- einkommen absprechend aus.

In der Sitzung der Marokko-Konferenz am Sonnabend traten die Vertreter des Sultans mit einem eigenen Projekt für die Ausgestaltung der Staatsbank hervor, die zur Er- möglichung der notwendigen Reformen auf internationaler Grundlage für das Scherifenreich geschaffen werden soll. Neben dem deutschen und dem französischen Plan hat sich die Konferenz infolgedessen auch noch mit einer dritten Aus- arbeilung zu befassen, was kaum zur Beschleunigung ihrer Beratungen beitragen dürfte. Zudem ist der Subdirektor der Bank von Spanien, Morales, nach Algeciras berufen worden, um dem Herzog von Almodovar in der Bankan- gelegsnheil mit seinem Rate beizustehen.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 24. Februar.

Die Feierlichkeiten aus Anlaß her sil­bernen Hochzeit Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten und der Vermählung der Herzogin Sophie Charlotte von Ol­denburg mit dem Prinzen Eitel-Friedrich von Preußen begannen heute abend mit einer Fest- vorstellung im Königlichen Opernhause. Ueber sämtliche Plätze des Hauses war Allerhöchst verfügt. Das Haus war überaus reich geschmückt. Teppiche hingen von den Rängen herab, Rosengirlanden, mit Silberranken und ©Übetblättern durchwoben, umschlangen die Säulen und hingen von den Balkons. Die Brüstung der großen Hof- loge verschwand unter einem Beet tiefdunkler Rosen, die Loge selbst zierten Silderbuketts. Die Bühne deckte ein Vorhang, der die Wappen des Kaisers und der Kaiserin im Silbeikrünz, sowie die Schlösser von Berlin und Primkenau zeigt. Ein wundervolles Bild bot das großer Foyer, das in einem Palmenhain verwandelt war. Rosenlauben ver» deckten das Büfett, gegenüber sprudelte ein gründurchleuchteter Springbrunnen zwischen Palmen, Flieder und Schneballen. Generalintendant v. Hülsen kündete durch Klopfen mit dem Kammerherrnstab das Nahen des Hofes an. Oberhofmarfchall Graf Eulenburg geleitete die Majestäten zur Brüstung der großen Logs. Se. Majestät der Kaiser in der Uniform des 1. Garderegiments mit Ihrer Majestät der Kaiserin, welche eine blaßgrüne Robe trug, verneigten sich vor der Gesell- schüft, die dies ehrerbietig erwiderte. Hinter dem Vorhang erklangen Chorgesang und Orgelspiel. Dann ging der zweite Teil von Glucks Orpheus und Eurydike, neu ein- studiert, in Szene.

Dem Reichstag ist ein fünfter Nachtrag zum ReichS- haushalt zugegangen, worin der Dispositionsfonds des Kaisers zu Gnadende Willigungen aller Art um 188,700 Mark vermehrt wird. Die Gelder sollen für Kriegsteilnehmer der Feldzüge 1864, 1866 und 1870 verwendet werden und zwar werden sie aus die einzelnen Bundesstaaten und die Reichslande nach Maßgabe des am 1. Januar 1906 festgestellten Mehrbedarfs verteilt. Die Höhe wird auf die Matrikularbeiträge verrechnet, jedoch laut § 4 des Gesetzes betreffend die Feststellung des Reichs haushaltsctat von 1905, einstweilen noch nicht erhoben.

In der S t e u e r k o m m i s s i o n des Reichstags wurde gestern der Zentrumsantrag auf Einführung der Wehrsteuer mit progressiven Sätzen mit 15 Stimmen angenommen; dagegen stimmten die Abgeordneten Büsing (ntl.), Herold (Ztr.), die Freisinnigen und die Sozialdemokraten.

Die beunruhigenden Gerüchte, die wegen des Stillstandes der Verhandlungen der Marokkokonferenz im Lande in Wort und Schrift verbreitet werden entbehren jeder tatsächlicher Begründung. Bei Gelegenheit einer ver­traulichen Besprechung über das Handelsprovisorium, zu der Vertreter des Zentrums, der Konservativen, der Wirt- schafll. Vereinigung, der Reichspartet und der Nationalli­beralen Partei hinzugezogen waren, hat der Reichskanzler Fürst Bülow nach dieser Seite Erklärungen abgegeben, die auch den Aengstlichsten beruhigen können. Selbst wenn e« zu einem Scheitern der Konferenz kommen sollte, so würde das trotzdem aus keinen Fall irgendwelche Störungen de« Weltfriedens nach sich ziehen.

Abermals sind Gerüchte über eine geplante Zusam­menkunft Kais er Wilhelms mit König Eduard von England aufgetaucht. Reuters Bureau und der BerlinerLokal Anzeiger" bringen ziemlich über­einstimmende Mitteilungen, wonach es die Absicht des eng­lischen Monarchen gewesen sein soll, vor oder nach einem Besuche in Kopenhagen anläßlich de» Geburtstages König Christians am 8. April seinen kaiserlichen Neffen zu besuchen. DaS Ableben des greifen Dänenkönig« und ein inzwischen eingetretene- Fußleiden König Eduards hätten indessen dessen projektierte Reise vorerst vereitelt, jedoch gilt es für ziemlich sicher, daß noch im Laufe des Sommers ein Zusammentreffen des König« mit dem Kaiser stattfinden werde. Demgegenüber behauptet die LondonerDaily Mail", die Nachrichten über eine zu gewärtigende Begegnung König Eduards mit dem deutschen Kaiser entbehren jeder Begrün- dung. Es muß also einstweilen dahingestellt bleiben, wa« an dem Projekte einer Zusammenkunft der beiden Monarchen eigentlich Wahres ist.

Eine Jnseratensteuer ist nach der Germania in der Steuerkommission de« Reichstags vom Abg. Burckhardt (Wirtsch. Vgg) beantragt worden. Inserate, die in Zei­tungen, Zeitschriften und Büchern erscheinen, sollen mit einem Prozentsatz de« gezahlten Preises besteuert werden, und zwar in folgenden Abstufungen: bei einer Auflage bis zu 2000 Exemplaren 27a pCt., bis zu 10 000 Exemplaren 5 pCt., bis zu 25 000 Exemplaren 7Va pCt. und bei größeren Auflagen 10 pCt. Der Jnseratenstempel soll in Form einer Schlußaktenstempels erhoben und der Verleger verpflichtet werden, zum Zweck der Stempelrevision sowohl die Schlußscheine als auch je ein Exemplar der Druck­sachen, worin die Inserate erscheinen, aufzubewahren und dem Revistonsbeamten vorzulegen.

Ueber die behauptete neue fremdenfeindliche Bewegung in China liegen widersprechende Mel­dungen vor. Gegenüber den Nachrichten, welche Besorg- nisse äußern, lauten andere Meldungen beruhigend. So hat der Gesandte der Vereinigten Staaten in Peking tele­graphisch nach Washington berichtet, in China herrsche Ruhe. Es sei kein Zeichen eines Aufstandes vorhanden. Aus Peking meldet Reuters Bureau: Die Unruhen in der Provinz Honan, wo Angriffe auf Christen erfolgt sind, haben auf­gehört. Der Gouverneur der Provinz hat Truppen in die betreffenden Gegenden gesandt. In entlegenen Ortschaften bestehen jedoch noch immer Besorgnisse vor Angriffen der Boxer.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

):( Hersfeld, 26. Februar. Anläßlich der Feier der silbernen Hochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin haben die staatlichen und städtischen Gebäude heute und morgen geflaggt.

):( Hersfeld, 26. Februar. In der Nacht vom Freitag zum Sonnabend brach der seit einigen Wochen im hiesigen Amtsgerichts-Gefängnis inhaftierte Einbrecher Gaedke aus demselben aus. Der Mann hatte aus dem Gitterfenster einen Eisenstab ausgebrochen, das Betttuch in Streifen gerissen und sich an denselben aus dem Fenster herabgelaffen. Den Eisenstab hat der Flüchtige mitge­nommen. Eine Mütze, die er sich aus einem Strumpf ge­fertigt halte, ist ihm bei der Flucht entfallen. Gaedke sollte am Sonnabend Nachmittag in das Gefängnis nach Caffel transportiert werden.

p. Hersfeld, 27. Februar. (Fastnacht.) Fastnacht ist heute, und Prinz Karnevals Scheidestunde ist damit ge­kommen. In mitternächtiger Stunde bei Tanz und Becher­klang soll ihm der Scheidegruß entboten werden. Alle Freunde und Freundinnen ausgelassenen Mummenschanzes schicken sich an, in der heutigen Nacht Abschied zu nehmen von allen Freuden des bunten Maskenjubels und den freundlichen kleinen Freiheiten, die er selbst den an starren Formeln des Gesellschaftslebens und der Gesellschaftsordnung Festhaltenden gestaltet, den harmlosen Liebesländeleien unter der Maske, den neckischen Ueberraschungen in der zwölften Stunde und all den kleinen Annehmlichkeiten bet sogenannten MaSken freiheit. Fastnacht, eigentlich Faßnacht oder FaSnacht von dem alten deutschen Zeitworte sasen faseln, läppisch sich benehmen, heißt schon in älterer deutscher Sprache der Tag vor Aschermittwoch als Tag ausgelassener Freude. Diesen Faseltag nannte man später, weil mit dem auf ihn folgenden Aschermittwoch die ki etliche Fastenzeit beginnt, Fastnacht, und man beging ihn, um sich für die bevorstehenden Ent­behrungen der Fastenzeit schadlos zu halten, seit frühester Zeit mit Gelagen, den FastnachtSschmäusen, Possen, den Fastnachtsspielen, Tänzen und Maskeraden. Je nach Volk und Land, Sitte und Zeit besamen unsere deutschen Städte in der Blütezeit des 14., 15. und 16. Jahrhunderts ihre besonders ausgeprägten Fastnachtsfeiern, die freilich nicht mehr einen, sondern mehrere Tage dauerten. Volksbelustig. ungen aller Art, Fastnachtsschmausereien, der einzelnen Zünfte, Auf- und Umzüge, Maskeraden, theatralische Auf­führungen erhöhten die Stimmung. Auf den Straßen herrschte die ausgelassenste Lustbarkeit, die ganze Einwohner­schaft wurde von einem wahren Festtaumel erfaßt, unb^eine Zunft suchte die andere an Glanz der Kostüme und Pracht der Aufzüge zu überbieten. Als schließlich das Treiben gar zu bunt wurde, sahen sich die Väter mancher^Stadt genötigt, die Fastnachtsfestlichkeiten ganz zu verbieten; und j,tzl haben sich in den deutschen Städten, etwa Köln mit seinem Karneval ausgenommen, die allgemeinen Fastnachts­feiern völlig verflüchtet. Unsere großen öffentlichen und privaten Maskenbälle repräsentieren die letzten Ausläufer und Ueberreste der alten Fastnachtsfeiern, denen sich einst auch im kühleren Norden unseres Vaterlandes arm und reich, hoch und niedrig, alt und jung voller Freudigkeit und übermütiger Lust vorübergehend hingab. Aber der Fast­nacht folgt Aschermittwoch auf dem Fuße, eine Mahnung, wie schnell im Menschenleben Leid auf Freude folgt. Unb doch fällt auch in den stillen Ernst der nun folgenden Fastenzeit ein heiterer Schimmer von froher Hoffnung und wahrer Herzensfreude, eine Vorahnung der fröhlichen Osterzeit.

Caffel, 24. Februar. (Generaloberst v. Wit, t i 6 f.) Wie aus Würzburg gemeldet wird, ist dort der frühere Kommandeur des XI. Armeekorps in Caffel, Seine Exzellenz Herr General-Oberst und General-Adjutant Seiner Majestät bes Kaisers Adolf von Wittich gestern plötzlich am Herzschlag gestorben. Mit dem Verstorbenen ist einer der hervorragendsten Generäle unserer Armee dahingegangen. Er hatte eine langjährige verdienstvolle und erfolgreiche Dienstzeit hinter sich, im Verlaufe deren er vom Kaiser mannigfach, so insbesondere durch Ernennung zum General­adjutanten und durch Verleihung des Schwarzen Adler- ordens ausgezeichnet wurde, beides Beweise für die Hoch­schätzung, die der Monarch seinem einstigen Lehrer in der Kriegskunst stets entgegengebracht hat. Er war am 1. Mai 1855 als Sekondeleutnant in die Armee eingetreten. Be­reits nach fünf Jahren erfolgte seine Beförderung zum Premierleutnant, am 6. Februar 1866 wurde er zum Hauptmann, am 20. Juli 1870 zum Major, am 3. Juli 1875 zum Oberstleutnant und am 11. Juni 1879 zum Obersten befördert. Die Ernennung zum Generalmajor erfolgte am 16. Sept. 1885 und drei Jahre später, am 19. September 1888, diejenige zum Generalleutnant. Wäh­rend dieser rasch auswärlsführenden Laufbahn finden wir o. Wittich in den Jahren 77/78 als Chef des General- stabes des IV. Armeekorps, dann als AbteilungSchef im Kriegsministerium, 1885 als Kommandeur der 12. Infan­terie-Brigade, später als Kommandant des kaiserlichen Hauptquartier«. Als Nachfolger des Generals v. Grol- mann wurde Exzellenz von Wittich am 11. August 1892 zum kommandierenden General des XI. Armeekorps ernannt.

Marburg, 19. Februar. Interessante Submission»- blüten stellten sich bei der Ausschreibung der Arbeiten für

die Auffüllungsarbeiten bei Neubaustraßen hier heraus. Im Südviertel, wo 39 000 Kubikmeter Bodenmasse ungefähr 1200 Meter weit transportiert werden muß, beträgt die Höchstsorderung 57912 Mark und die Mindestforderung 30128 Mk. Im Nordviertel mit 17 000 Kubikmeter Boden­masse und 1000 Meter Transportweite stellt sich die Höchst­sorderung aus 30 975 Mk. und die Mindestforderung auf 14 650 Mk.

Marburg, 24. Februar. Zwecks Immatrikulation im nächsten Semester haben die Herren Studierenden an fol­genden Tagen in den Vormittagsstunden von 1012 Uhr ihre Papiere auf dem Universiläts-Sekretariat behufs vor­läufiger Eintragung abzugeben und zwar die Theologen am 17., 23, 27. April und 3. Mai, die Juristen am 18., 24., 30. April und 4. Mai, die Mediziner am 19., 25. April, 1. und 7. Mai, die Philosphsn am 20., 26. April, 2. und 8. Mai. Außerdem haben sich die an den vorstehenden Tagen Eingetragenen zur endgültigen Immatrikulation am Sonnabend, den 19. Mai, vormittags 11 Uhr, in der Unb versttäts-Aula einzufinden.

Hanau, 24. Februar. In Bischofsheim bei Hanau wurde der Vorarbeiter Weidemüller verhaftet, der seine Frau und seine drei Kinder mit Arsenik zu vergiften ver­sucht hatte.

Hanau, 23. Februar. Die Stadtverordnetenversamm­lung lehnte den MagistratSantrag ab, aus Anlaß der Silber­hochzeit des Kaiserpaares 30 000 Mark für den Fonds zur Bekämpfung der Kindersterdlichkeit zu bewilligen. Es wurde beschlossen, den vorhandenen 28 000 Mk. betragenden Fonds für Kriegsleiden unb deren Folgen auf 50 000 Mk. zu er­höhen und daraus einen Ehrensold bedürftigen Hanauer Kriegsveteranen zu gewähren. In 25 Jahren soll der Fonds aufgebraucht sein. (C T.)

Uslar, 23. Februar. Die Insassen der von Göttingen nach Adelebsen fahrenden Frühpost erblickten heute in dir Nähe der Raub'schen Gastwirtschaft die im Chausseegraben liegende Leiche eines unbekannten Mannes. Der Tote, dessen Identität noch nicht festgestellt werden konnte, lag mit dem Oberkörper im Wasser.

Frankfurt a. M., 25. Februar. (Amtlich.) Heute früh 7 Uhr 25 Min. fuhr eine Vorheizmaschine in den aus« fahrenden Zug Nr. 321 Frankfurt-Wiesbaden. Der Pack­wagen des Zuges 321 sowie die Vorheizmaschine entgleisten. Beide Hauptgleise waren gesperrt. Personen wurden nicht verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. Der Ver­kehr wurde über Griesheim geleitet. Von 9 Uhr ab wurde eingleisiger Betrieb nach Höchst ausgenommen. Beide Geleise waren um 12 V« Uhr wieder fahrbar.

Wiesbaden, 22. Februar. Die Frau des Kaufmanns Wilhelm Wegner von hier litt feit längerer Zeit an ner­vösen Anfällen und befand sich aus diesem Grunde in einer Nervenheilanstalt. Gestern gelang es ihr, sich unbemerkt zu entfernen. Heute nachmittag lief von Erdenheim die Nach­richt ein, daß sich eine Frau in den mittleren Jahren vor den Zug geworfen habe, der 1 Uhr 51 Min. von Niedern- Hausen kommend, dort eintreffen sollte. Die Besichtigung der in drei Teile zermalmten Leiche ergab, daß es sich um die unglückliche Frau handelt, die auf diese Weise ihrem krankhaften Zustand ein gewaltsames Ende bereitet hat.

Offenbach a. M., 22. Februar. Der 35jährige Lage­rist Wildhiit, der in einer hiesigen Lederfabrik beschäftigt war, wurde gestern in seiner Wohnung erschossen aufge­sunden. Wie aus einem Briefe hervorgeht, hat er bereits am Sonntag Selbstmord verübt, kurz nachdem ihn seine Frau mit den beiden Kindern verlassen halte, um sich für immer von ihm zu trennen.

Offenbach, 23. Februar. Wie dieOffenb. Zlg." meldet, wurde gestern abend vor der Schuhfabrik von Her- wann Peters, deren Arbeiter seit vier Wochen streiken, der 21 Jahre alte arbeitswillige Schuhmacher Oskar Lamperts Überfällen und derart schwer verwundet, daß sein Auf­kommen ausgeschlossen ist. Die Totschläger sind noch nicht ermittelt.

Northeim, 23. Februar. Einen eigenartigen Unfall erlitt gestern vormittag der Knecht einer benachbarten Oeko- nomie in Hermannrode. Beim Einspannen der Pferde biß ihm das eine Pferd die Nase aus dem Gesicht. Der Un­glückliche mußte nach bet Göttinger Klinik geschafft werden.

Oberlahnsteitt, 23. Februar. Gestern abend ent­stand in der Druckerei von Schickel, in der dasLahn­steiner Tageblatt" gedruckt wird, Großfeuer, das die ganze Nacht wütete und großen Schaden an Gebäude und Ma­schinen anrichtete. Ein Feuerwehrmann wurde bei den Löscharbeiten schwer verletzt.

Langensalza, 20. Februar. Ein guter Bekannter Hendrik Wilbois, der Farmer Wilhelm Lösch, Sohn des Lehrers Lösch hier, ist vor einigen Tagen mit seiner jungen Frau aus Südwestafrika nach hier zurückgekehlt. Lösch be­saß eine Farm in Koes in der Nähe von Keetmannshop; er wurde beim AuSbruch des Aufstandes der Hottenlollcn von Hendrik Witboi und seinen Leuten angegriffen und in Koes belagert. Unserer Schutztruppe gelang es von Keetmanns­hop aus, die sehr Gefährdeten zu befreien und in Sicher- heit zu bringen. Hendrik Witboi war vor Beginn des Auf stande« häufig bei Lösche zu Gaste, hatte auch mehrmals Postkarten mit unterschrieben, die Lösch hierher gesandt halte. Lösch glaubte sich daher auch ganz sicher auf seiner Farm, sah sich aber bald, wie noch so viele andere, in Hend­rik sehr getäuscht.

Auf einem Neubau in Altona wurden zwei Ar, beiter durch einen einstürzenden eisernen Tiäger lebens­gefährlich verletzt.

Köln, 24. Februar. Die Genickstarre fordert in Westfalen immer noch zahlreiche Opfer. In Hörde starb ein 13jähriger Knabe, in Schwerte ist ein italienischer Ar­beiter hoffnungslos an Genickstarre erkrankt.

In der Krupps chen Fabrik wurden durch eine abstürzende Gießpfanne mit glühendem Stahl vier Ar» beiter tödlich und vier andere minder schwer verbrannt.

In einer Dachpappenfabrik in A l t o n a sind gestern zwei Arbeiter durch einen herabstürzenden Fahrstuhl er schlagen worden.

Bei dem Zusammenstoß zweier Straßenbahnzüge in Hamburg wurden sieben Personen schwer verletzt.

Jnsterburg, 23. Februar. In der Ortschaft Schroop ist ein von vier Arbeiterfamilien bewohntes Haus niedergebrannt. Sämtliche Kinder der Familie Wötk (zwei Mädchen und zwei Knaben von einem halben bis sechs Jahren) befanden sich bei Ausbruch des Feuers allein in der Wohnung und sind in den Flammen umgekommen.

Wien, 23. Februar. In einer hiesigen Bleicherei erfolgte heute früh infolge Demontierung der Zentrifuge eine Explosion. Zwei Arbeiterinnen wurden getötet, mehrere Personen verletzt. Der Sachschaden ist groß.