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hersselder Armblatt

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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 22.

Donnerstag, den 22. Februar

1906.

Amtlicher CeiL

HerSfeld, den 19. Februar 1906.

Unter dem Hühnerbeftande der Witwe des Landwirt- Heinrich Schuch zu Willingshain ist die Geflügelcholera ausgebrochen.

J. I. Nr. 1400. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher CeiL

Reichstag.

Das Haus ist zu Beginn der Sitzung am Montag außerordentlich schwach besetzt. In der Fortsetzung der Beratung des Etats des Reichsamts des Innern beim Kapitel Reichsverstcherungsamt" erklärt sich Abg. Freiherr von Richthofen-Damsdorf persönlich gegen die Abschaffung oder Kürzung der kleinen Renten unter 20 pCt. Abg. von Gerlach (Hoip. der Frs. Vgg.) wünscht eine Besserstellung der Bureaubeamten im ReichsversicherungSamt und kritisiert abfällig eine Verfügung des Präsidenten des ReichSver- sicherungsamts, wonach die Subalternbeamten nicht den­selben Eingang und dieselbe Treppe benutzen dürfen, son­dern durch das EinsahrtSportal ihren Weg nehmen müssen. Abgj,Körsten (Soz.) hält seine Behauptung vom Sonnabend aufi.Ht, daß das Berliner Schiedsgericht an einem Tage sün!^ i Sachen verhandelt habe. Im Durchschnitt werden in iggtr Stunde 16 Sachen verhandelt. Abg. Froelich (wir,,ich. Vgg.) führt Beschwerde über die Praxis einiger landwirtschaftlicher BerusSgenossenschaften bei Auszahlung der Renten und wünscht eine Vereinfachung der Versicher- ungsgesetze im Interesse der Landwirtschaft. Abg. Stadt- Hagen (Soz.) erklärt es für eine schreiende Ungerechtigkeit, daß nach einem Urteil des Reichsgerichts Arbeiter keinen Anspruch auf Rente haben, wenn der Unternehmer aus Fahrlässigkeit das Kleben von Marken unterlassen hat.

Der Reichstag nahm am Dienstag den Deutsch« Abessintschen Handelsvertrag in erster und zweiter Lesung ohne wesentliche Debatte an und setzte dann die zweite Beratung des Etats für das Reichsamt des Innern fort. Beanstandet wurde nur die Forderung von 200 000 Mk. für den Ausbau der Hohkönigsburg. In der Diskussion holte sich der sozialdemokratische Abg. Levebour einen Ord­nungsruf für die Aeußerung,man sei es gewohnt, daß die Versprechungen der Könige nicht erfüllt würden." Die Forderung wurde schließlich mit großer Mehrh-it ange­nommen, dagegen stimmten die Sozialdemokraten, Frei­sinnigen und ein Teil des Zentrums.

Zeelenrätsel.

Roman nach dem Englischen von J. P i a.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Aus der Schule?" fragte er verwundert und rückte seinen Stuhl etwas näher.

Ja", sagte sie,ich sollte eigentlich in der Schule sein ich bin davon gelaufen und und man wird Hungrich, da dachte ich, es wäre am besten, hier ein- zutreten."

Gewiß," sprach er,warum auch nicht?"

Ich bin stets mir selbst sehr viel überlassen worden," fuhr die junge Dame, auf ihr Hauptziel lossteuernd, lebhaft fort,mein Vater ist sehr viel auswärts, um Eisenbahnen zu besichtigen, unb meine Stiefmutter kann ich nicht leiden, fo daß ich möglichst wenig zu Hanse bin. Sie haben doch gewiß von meinem Vater gehört, Herr Acton North?"

Jetzt war sie zufrieden, nun mußte er ja wissen, wer sie war, und sie erwartete, daß er seinen Stuhl wieder zurückschieben und weiter frühstücken würde. Das, tat er aber nicht.

Gewiß, wer hätte nicht von Herrn Acton North ge­hört? Ich freue mich, Ihnen einen kleinen Dienst geleistet zu haben. Vielleicht haben Sie auch von meinem Vater, von George Miller, gehört, der als Kaufmann ziemlich be­kannt ist."

Sie nickte mit dem Kopfe.

Inzwischen hatte man ihr endlich die gewünschte Austern- pastetc gebracht. Bald kam auch die Kotelette.

Darin haben Sie einen Fehler gemacht," sagte der junge Mann lächelnd.Wenn Sie in Eile sind, dürfen Sie nichts Besonderes bestellen, sonst müssen Sie stets lange warten. Darf ich fragen, welche Schule Sie verlassen haben?" fetzte er mit munterm Blick hinzu.

Fräulein Mains Institut in Camberwell. Ich wußte, daß sie mich ausweisen würde. Wir hatten ein kleines

Abgeordnetenhaus.

Am Montag wurde die Vorlage betr. das Kreis- und Provinzialabgadengesetz in zweiter Lesung erledigt, das nur von freisinniger Seite grundsätzliche Gegnerschaft erfuhr. Von den zahlreichen Anträgen aus dem Hause fand nur ein Antrag v. Dilfurt (kons.) Annahme, wonach durch die Steuerordnungen der Erwerb durch Erbgang, Vermächtnis und Altenteilsvertrag zwischen Verwandten auf- und ab­steigender Linie sowie durch Enteignung von der Umsatzsteuer freizulassen sind.

Am Dienstag fuhr man mit der zweiten Beratung des JustizetatS fort. In mehr als einstündiger Rede ver­breitete sich der Abg. Pallaske (konf.) über weitere Ver, Mehrung der Richterstellen, Beschäftigung von Referendaren und Assessoren und tadelte heftig den Ausgang des Plötzensee« ProzeffeS, bei dem durch skrupellose Demagogie und schranken­lose Rabulistik die Staatsgewalt lahm gelegt worden sei. Nachdem der Abg. EckelS (natl.) Spezialwünsche aus Hannover vorgebracht, und Abg. Brült (sreikons) über Verschleppung der Zivilprozeffe geklagt hatte, regte Abg. Pellasohn (srcis. Vgg.) eine Reform der Strafprozeßordnung bezüglich jugendlicher Gefangenen an. Ferner brächte er Beihilfen an Schöffen und Geschworene in Vorschlag und tadelte die neue Gerichtsvollzieher-Ordnung. Minister Dr. Beseler erklärte, daß auch nach seiner Ansicht der Plötzensee- Prozeß in sehr unbefriedigender Weise zu Ende geführt worden sei. Eine Reform der Strafprozeßordnung halte er ebenfalls für notwendig, namentlich auch nach der Richtung, daß Zeugen nicht mehr wie bisher in ungebührlicher Weise angegriffen werden. Bestimmungen, die zu einem beschleu­nigteren Verfahren der Gerichte führen sollen, seien in Vorbereitung. Er sei auch bereit, die neue Gerichtsvoll­zieherordnung einer nochmaligen Durchsicht zu unterziehen. Nach weiteren Bemerkungen des Abg. Kirsch (Zentr.) wird ein Schlußantrag angenommen und der TitelMinister- gehalt" bewilligt.

Sie SMMimftrtnj.

Für eine Verständigung in der Polizeifrage ist noch keine gemeinsame Basis gesunden worden. Es handelt sich nicht blos darum, in den Küstenplätzen eine Polizei im europäische» Sinne einzuführen. Für Marokko sind Polizei und Heer ein und dasselbe. Bei dem fanatischen und räuberischen Charakter der eingeborenen Stämme, ihren schwachen Begriffen von staatlicher Obrigkeit läßt sich die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht durch einfache Polizeiorgane, sondern nur durch eine in geschlossenen Haufen austretende Militärmacht verbürgen. Wer diese Macht zu leiten hat, besitzt einen großen politischen und administrativen Einfluß und die sogenannte Polizeifrage

Amüsement, als sie aus dem Zimmer war. Wir machten wohl etwas zu viel Lärm, und obwohl sie mir schon oft gedroht hatte, mich aus der Schule auszuweisen, ohne dem hinterher Folge zu geben, so sah ich ihr doch an, daß sie diesmal Ernst machen würde. Da zog ich vor, ihr zuvorzu- kommen und ging freiwillig! Was das heute für ein herr­licher Morgen zu einem Spaziergang ist?"

Ja," entgegnete er etwas betroffen,aber aber was gedenken Sie nun zu tun?"

Das weiß ich noch nicht. Mir das zu überlegen, habe ich reichlich Zeit, wenn ich in der Stadt bin. Ucbrigens weiß ich schon, wohin ich gehe," setzte sie rasch entschlössen hinzu.In der Schule ist ein Mädchen, das mich ebenso lieb hat, wie ich sie, die wohnt mit ihrer Mutter, Frau Warrener, bei ihrem Onkel, Herrn Drummond, in der Lon­doner Vorstadt Camberwell Grove, nahe der Schule. Die, weiß ich, nehmen mich gern auf, es sind freundliche Leute, und dahin gehe ich. Wohin sollte ich auch sonst? Mein Vater ist in Jorkshire und mit meiner Stiefmutter würde ich mich am ersten Tage zanken."

Inzwischen war sie fertig mit ihrem Frühstück und stand auf, um zu gehen.

Ich hoffe, es ist nicht das letzte Mal gewesen, daß wir Zusammentreffen," sagte er, ihr beim Abschied die Hand reichend, mit einem Ernst, der sie überraschte, und über den sie, als sie in einer ruhigen Ecke im Eisenbahnwaggon saß, nachdenklich grübelte. In London angelangt, schritt sie direkt aus Herrn Drummonds Haus zu.

Drittes Kapitel.

Lilla ging durch den Garten um das Haus herum, und fand Herrn Drummond in einem bequemen Stuhl auf der Veranda sitzen. Aus einer langen Tonpfeife rauchend, hing er müßig seinen Gedanken nach. Er war ein hagerer, wenig hübscher Mann, mit eigentümlich unregelmäßigen Gesichts­zügen, deren Ausdruck keine zwei Sekunden derselbe blieb, und doch hatte sein Gesicht etwas Anziehendes und die klugen, offenen, sanft und freundlich blickenden Augen ließen keinen Zweifel über seinen Charakter. Scjn Beruf bestand darin,

ist daher in höherem Grade Machtfrage, als es das Wort anzeigt.

Die Aufgabe der Konferenz ist es, bestimmte innere Reformen in Marokko einzuführen. Darin liegt schon eine gewisse Beschränkung der Souveränität des Sultans, die in dem Maße größer wird, in dem nur eine Macht, und zwar gerade diejenige, die ohnehin durch ihr Uebergewicht im Osten des Reichs eine besondere Stellung einnimmt, mit der Ausführung der Reformen betraut würde. Statt sich mit dieser von Deutschland anerkannten Vorzugsstellung zu begnügen, geht Frankreich in Algeciras darauf aus, alle anderen Mächte, außer Spanien, das durch einen wahr­scheinlich die Teilung Marokkos vorsehenden Geheimvertrag an Frankreich gebunden ist, von der Teilnahme an der Polizeiorganisation auszuschließen. Zwar hat der französische Delegierte Revoil auf die Forderung eines französisch­spanischen Doppelmandat» verzichtet, der Sache nach aber gegenüber dem deutschen Vorschläge, wonach der Sultan auf Instrukteure der kleineren Mächte beschränkt oder solche aus allen Nationalitäten frei wählen sollte, doch denselben Vorzug für Frankreich und Spanien verlangt. Nach dem Revoilschen Gegenvorschläge soll der Sultan keine anderen Instrukteure für die Küstenplätze wählen können als fran­zösische und spanische, b. h. die Konferenz soll den politischen Einfluß Frankreichs auch an der Küste zu dem maßgebenden machen. Wie dabei dafür gesorgt werden könnte, daß die französischen Offiziere nicht im national-französischen sondern im internationalen Sinne tätig wären, ist ganz unklar.

Schon die einfache Tatsache, daß die Polizei in aus­schließlich französische Hände an der atlantischen Küste käme, würde die Wirkung haben, daß in den Augen der Marokkaner selbst Frankreich als die Schutzmacht angesehen würde, wo­bei die Durchführung des Grundsatzes der offenen Tür bald zu kurz käme. Es wird also eine andere Kombination gefunden werden müssen, wenn die Konferenz ein positives Ergebnis in der Poltzeifrage liefern soll.

*

Algeciras, 19. Februar. In der von Deutsch­land erteilten Antwort wird der Vorschlag Frank­reichs, nach dem die von dem Sultan auszuwählenden Offiziere Franzosen und Spanier sein sollen, a b g e l e h n t. Deutschland erklärt, daß der Vorschlag Frankreichs dem Prinzip der Jnternationalisierung und Gleichberechtigung aller Mächte in Marokko zuwiderla ufe.

Ar Aiisstn) in IM-MM-Wka.

Eine erfreuliche Nachricht ist heute aus Windhuk einge­troffen: der Häuptling der Bethanier, nächst Jakob Morenga der einzige Revellenführer, der bis jetzt unseren Truppen in Südwestafrika immer noch ernsten Widerstand entgegensetzte,

daß er hin und wieder einen Artikel für ein wissenschaftliches Blatt schrieb.

Ohne fein Vermögen von sechshundert Pfund jährlichen Einkommens würde er vielleicht mehr Trieb zu einer regel­mäßigen Beschäftigung gehabt haben, da er aber zum Glück jenes genannte Vermögen besaß, so beschränkte er sich darauf, philosophischen Träumereien nachzuhängen, anderen die staubige Rennbahn zu Ruhm und Ehrenstellen freilaffend, und genoß seinen Tag als ein zufriedener Mann. Neben der Liebe und Achtung, die Lilla North für ihren Freund hegte, empfand sie bisweilen auch eine gewisse Scheu vor ihm.

Lächelnd sprang er auf, als er sie jetzt kommen sah.

Nun, Fräulein Lilla," begrüßte er sie,wie ich höre, haben Sie heute einen munteren Morgen gehabt?"

Ja," entgegnete sie mit verlegenem Lachen,wir waren recht munter, glaub' ich."

Und was gedenken Sie nun zu tun?"

Das weiß ich nicht."

Und kümmern sich auch vielleicht nicht viel darum."

Wohl möglich."

Er zuckte die Achseln. Da kam seine Schwester, Frau Warrener, aus dem kleinen Wohnzimmer auf die Veranda. Frau Warrener hatte die mutige, 'lustige, aufrichtige Schul- freundin ihrer Tochter lieb gewonnen, ' aber des Mädchens Uebermut und Trieb zu mutwilligen Streichen flößten ihr manches mal ernste Besorgnis ein.

Lilla", sprach sie,wo sind Sie die ganze Zeit über ge­wesen, was können wir für Sie tun?"

Nicht viel fürchte ich," lautete die kleinlaute Antwort.

Offenbar begann Fräulein Lilla sich ihrer Heldentat zu schämen, und doch lag ein halb verlegener, komischer Aus­druck auf ihrem Gesicht, der wieder nicht von großer Reue zeigte.

Soll ich Sie nach Hause bringen?" fragte Herr James Drummond,und Ihre Eltern veranlassen, ein gutes Wort für Sie einzulegen?"

Nein", entgegnete sie,der Versuch wäre nutzlos, mein Vater ist in Jorkshire."