Einzelbild herunterladen
 

* Durch Beschluß des Landesausschusses ist für das Etatsjahr 1906 wiederum, wie für das Vorjahr, die Ec- hebung einer B e z t r k s st e u e r von 7,8 Prozent des be- zirksabgabenpflichiigen Steuersolls in Aussicht genommen. p. Hersfeld, 12. Februar. (Luft!) Durch Versuche an Mäusen ist sestgestellt worden, daß schon ein Kohlen säuregehalt von 1,2 bis 1,4 v. H ausreicht, um die Tiere zu töten und zwar auch wenn dieser Kohlensäuremenge ein Strom frischer Lust beigemengt wurde. Ein Schlafzimmer, in dem zwei bis drei Personen bei verschlossenen Fenstern die Nacht verbringen, ist am Morgen mit Kohlensäure ge­schwängert. Manche Leute wundern sich, daß sie morgens mit eingenommenem Kopse aufwachen und merken nicht, daß das von dem Schlafen in ungenügend erneuerter Luft kommt Nun denke man sich gar ein Zimmer, in dem eine ganze Familie wohnt, arbeitet und fchläfl und in dem womöglich noch gekocht wird, und das noch im Winter wegen der Wänne, im Sommer wegen der Hitze und der Fliegen bei geschlossenen Fenstern! Daher rührt es zum großen Teile, daß die Frauen der unteren Stände so schnell verblühen, und daß ste bleich und abgezehrt aussehen. Ihre Männer sind wenigstens den Tag über in anderer Luft, die Frauen aber hatten stch mit geringen Unterbrechungen Tag und Nacht in dieser Atmosphäre auf, die man nicht besser bezeichnen kann als mit dem Ausdrucke : Schleichendes Gift! Ein altes Sprichwort sagt nicht umsonst: Oeffnet die Fenster in eurem Haus, so fliegen Apotheker und Arzt hinaus!

Caffel. 12. Februar. Die Vollversammlung der CassUer Handelskammer, welche am 7. d. MtS. stattfand und sich lediglich mit den gegenwärtig dem deutschen Reichs­tage zur Beratung vorliegenden Steuerprojekten beschäftigte, hat eine Resolution angenommen, in der sie die Notwendig­keit, die Finanzen des Reiches auf gesicherte Grundlage zu stellen, anerkennt. Jedoch spricht sie sich dagegen aus, daß die notwendigen Steuerlasten fast ausschließlich auf die Schultern der gewerbetreibenden Bevölkerung gelegt werden. Die Kammer lehnt sowohl die Bier- und Tabak steuer und die Zrgarettensteuer als auch sämtliche Verkehrs­steuern ab als einseitige Belastung von Handel und Ge­werbe, und spricht sich dafür aus, daß die neuen Steuern von allen Klassen der Bevölkerung im Verhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit zu tragen sind.

Fronhattsen, 10. Februar. Im nahen Argenstein soll sich ein 28 Jahre altes Mädchen namens Kaletsch der Kindestötung schuldig gemacht haben. Die Leiche des neu­geborenen Kindes wurde im Strohsack versteckt gesunden.

Frantenberg, 11. Februar. Der Zug 472, welcher von Marburg kommend, 7.10 hier aukommen muß, Halle 2V2 Stunden Verspätung dadurch, daß unweit Berndorf die Maschine im Schnee stecken blieb, wo dieselbe durch Arbeiter wieder frei gemacht wurde. Von hier wurde eine Maschine mit Schneeschlitlen nach der Stelle abgesandt, um den Schnee von den Schienen zu verdrängen.

Keffelstadt bei Hanau, 11. Februar. In hiesiger Gemarkung erschoß sich der frühere Postamtsgehilfe Martin Siebert, gebürtig aus Weimar, Landkreis Eassel. Er war vor kurzem aus dem Postdienst ausgeschieden und vorher beim Postamts Bad Orb tätig gewesen.

Schlücktern, 10. Februar. Außer dem Bürgermeister Weizenbach zu Obersinn ist nun auch der Beigeordnete wegen Unterschlagung amtlich anvertrauter Gelder verhaftet worden.

Frankfurt a. M., 10. Februar. Der Schmied in Meilbach verwaltet die Posthilfsstelle und ist verpflichtet, die ihm telephonisch ungesagten Wetterberichteanzupappen". Eines Tages wird ihm zudiktiert:Lokale Niederfchläge, zunehmende Bewölkung, mäßig warm." Und was hat er daraus auf seinem Zettel gemacht?Im Lokale wieder Schläge, zunehmende Bevölkerung, mehr Schandarm!

Frankfurt a. M., 10. Februar. Der rätselhafte Vorfall bei Groß-Gera, wo, wie wir kürzlich meldeten, der Biersahrer Schmidt mit erheblichen Kopf-und anderen Ver­letzungen als Leiche vorgefunden wurde, hat jetzt seine Aufklärung gefunden. Die gestern stattgehabte Sektion der Leiche hat keinen Anhalt dafür ergeben, daß ein Rauban­fall oder Mord vorliegt. Auch die Möglichkeit, daß, wie ursprünglich angenommen wurde, Schmidt von einem Auto­mobil überfahren und die Leiche von den Insassen des Kraftwagens ins Feld geschleppt worden sei, um den An­schein eines Verbrechens zu erwecken, ist nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Darmstadt, die die Untersuchung führt, völlig ausgeschlossen. Schmidt ist wahrscheinlich im Schlafe von seinem Fuhrwerk gestürzt und sodann von diesem über- fahren und getötet worden.

EberbaK i. O«, 9. Februar. Drei schulpflichtige Knaben im Alter von 1012 Jahren hatten einen Re­volver mit Kugeln geladen und manipulierten dabei so leichtfertig, daß der Schuß losging und eine Kugel dem zwölfjährigen Jakob Knaub, Sohn eines hiesigen Fischers, in den Leib drang. Magen und Gedärme sind durchbohrt. Der Junge dürfte kaum mit dem Leben davonkommen.

Mainz, 8. Februar. Der einzige Sohn der Witwe und Hausbesitzerin Kamper, der 19jährige Metzger Jakob, verübte gestern abend einen Mordversuch auf seine Mutter. Kamper ist seit längerer Zeit beschäftigungslos. Trotz der Einwirkung seiner Mutter, sich um eine Stellung umzu- sehen, unterließ er es und trieb sich in leichtsinniger Ge­sellschaft umher. Kürzlich sollte er auswärts eine Stellung antreten, das Reisegeld, das er von seiner Mutter erhielt, verjubelte er. Gestern nachmittag äußerte er in einem dem Hause seiner Mutter benachbarten Laden auf der Rheinstraße, er werde seine Mutter umbringen und nach vollbrachter Tat sich in den Rhein stürzen. Gegen 5V2 Uhr kam er nach Hause und erklärte seiner Mutter, er wolle zu Bette gehen. Als seine Mutter ihm den Rücken kehrte, zog er ein langes Dolchmesser aus der Tasche und stürzte sich aus seine Mutter, die er festhielt und den Dolch mit dem Worten in ihre Brust stoßen wollte:Jetzt mußt Du sterben !" Die Frau war resolut genug, ihrem ungeratenen Sohn die Hand, in welcher er den Dolch hielt, sesizuhallen und den gefährlichen Menschen dann in die Ecke zu fchleudern, woraus sie aus dem Hause eilte und auf der Polizei die Anzeige erstattete. Ein Schutzmann begab sich hieraus in die Wohnung der Witwe, woselbst der Sohn in­zwischen wie ein Wilder gehaust hatte. Sämtliche Gegen­stände in der Wohnung hatte er teils zertrümmert, teils auf die Erde geschleudert, ferner hatte er alle Fensterscheiben zerschlagen. Als er den Schutzmann gewahrte, ging er auf diesen mit dem gezückten Dolche los, der Beamte ent­waffnete ihn aber und legte dem Menschen Fesseln an, worauf er in Haft kam

Offenbach, 10. Februar. Ein 16jähriger Kaufmanns­lehrling von hier, der sich eine Geringfügigkeit in einer hiesigen Fabrik hatte zu schulden kommen lassen, stürzte sich

in den Main und ertrank. Vorher hatte er noch in einem Briefe an die Firma Kenntnis von seinem Vorhaben ge­geben.

Höchst a. M., 9. Febc. Vor dem hiesigen Schöffen­gericht wurde ein Milchpantscher aus Haltersheim, der die Milch mit einem allzugroßen Wasserzusatztaufte", zu einem Monat Gefängnis und 200 Mk. Geldstrafe verurteilt.

Königstein i. T., 9. Februar. Auf der Limburger Straße wurde gestern der Sohn der Witwe Flügel von einem großen Schlitten überfahren und schwer verletzt. Kurze Zeit hierauf ereignete sich auf derselben Straße ein noch bedauerlicherer Fall. Eine aus 12 Personen bestehende Gesellschaft junger Leute fuhr mit Handschlitten die Straße herunter. An einer Ecke wurde der den Vordersitz ein­nehmende Bauzeichner Stamm gegen eine Telegraphenstange geschleudert und der Schlitten mit den anderen Insassen ging über ihn hinweg. Er wurde schwer verletz! und be­wußtlos in seine Wohnung gebracht.

Aus Westfalen, 9. Februar. Bei ein m Zusammen­stoß zwischen Wilderern und einem Forstschutzbeamten im Gemeindewalde Weil wurde ein Wilddieb tödlich verletzt. Auf Anrufen des Försters antwortete der Wilderer namens Kasper Rückert aus Wert mit einem Doppelschuß, der glücklicherweise sein Ziel verfehlte. Hierauf schoß der Be­amte eine Kugel ab, welche Genanntem die Brust in un­mittelbarer Nähe des Herzens durchschlug. In Hilbeck ereignete sich ein Unglücksfall, dem ein in der Blüte stehen­der Mann zum Opfer fiel. Der Gutsbesitzer B. war damit beschäftigt, das Eis auf dem am Hofe liegende Teiche los- zuschlagen. Hierbei muß der Bedauernswerte wohl das Gleichgewicht verloren haben, denn kurze Zeit nachher wurde er von feiner Frau mit dem Kopfe unter der Eisdecke als Leiche ausgefunden.

Heiligenstadt, 9. Februar. Die Strafkammer ver­urteilte heute den 12 Jahre alten Schulknaben Anton Schmidt aus Breitenbach, der mit anderen noch nicht in strafmündigem Alter stehenden Knaben die Opferstöcke der dortigen Kirche beraubt und noch andere Diebstähle be­gangen hat, zu 6 Monaten Gefängnis.

GöttiNgen, 8. Februar. Wegen vorsätzlicher Brand­stiftung stand der fünfzehnjährige Tischlerlehrling Heinrich Fahlbusch aus Spanbeck vor der hiesigen Strafkammer. Weil er von seinem Lehrmeister eine Ohrfeige bekommen hatte, steckte er diesem, wie man zu sagen pflegt,das Haus überm Kopf an", indem er eine zum Heuboden füh­rende Lücke mit Hobelfpähnen ausstopfte und diese in Brand setzte. Das Feuer konnte rechtzeitig gelöscht werden. Fahlbusch wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.

Dieburg, 9. Februar. Der Gastwirt Köllisch jr. hier geriet heute nacht beim Kartenspiel mit seinem im Hause wohnenden Bruder A. Köllisch in heftigen Streit, der als­bald in Tätlichkeiten überging. Der junge Wirt holte im Verlaufe des Streites einen Revolver und gab auf seinen Bruder drei scharfe Schüsse ab, die ihn in der Herzgegend lebensgefährlich verletzten. Im Rochushospitale wurde eine sehr schwierige Operation voraenommen, indem man das verletzte Herz vernähte. Die Operation nahm einen ver­hältnismäßig sehr guten Verlauf, doch besteht noch immer große Gefahr für das Leben des jungen Mannes. Gast­wirt Köllisch wurde verhaftet.

Aus Thüringen, 10. Februar. Beim Hornerschlitten- fahren den Tod gesunden hat in Altenfeld auf dem Thü­ringerwald der 14jährige Sohn des Geschirrhalters Wilhelm Sauerteig. Der Knabe wollte einen steilen Berg hinab fahren, verlor aber die Gewalt über den Schlitten und fuhr so heftig gegen einen Gartenzaun, daß ihm das Ge­sicht entsetzlich verstümmelt wurde. Nase und Unterkiefer waren vollständig zertrümmert, beide Backen hingen samt der Nase über das Gesicht herunter, außerdem waren ihm beide Beine gebrochen. Der so schwer Verletzte wurde in das Krankenhaus nach Arnstadt eingeliefert, wo er bald darauf von seinem Leiden durch den Tod erlöst wurde.

Erfurt, 10. Februar. Die Stadtverordneten bewil- ligten^anläßlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares 50,000 Mark für eine VolkserholungSstätte und stellte dem Magi­strat anheim, zur Unterstützung bedürftiger städtischer Ar­beiter eine jährliche Summe in den Etat einzustellen.

Vermischtes.

EineH e x e n g c s ch i ch t e" fand vor dem Schöffen- geliebt zu Straßburg i. E. ihren Abschluß. Der Sachver- Halt ist kurz folgender: Dem Tagner Debus aus Schiltig« heim (Vorort von Straßburg) ging es immer schlechter und schlechter. Sein Vieh ging in kurzer Zeit zu Grunde, er verlor sein Vermögen. WaS war natürlicher, als daß sein Vieh, sein Vermögen usw.verhext" sei? Wer sollte aber dieses getan haben? Durch einegelehrte Kartenlegerin" ersuhr der arme Mann, daß eine 84jährige Witwe in Schiltigheim das Unglück über ihn gebracht habe. Debus glaubte daher im vollen Rechte zu sein, wenn er die alte Frau schwer mißhandelte und auf offener Straße höhnte, DieHexengeschichte" fand ihr gerichtliches Nachspiel. Die Verhandlung endete damit, daß Debus wegen schwerer körperlicher Mißhandlung zu sechs Wochen Gefängnis, außer­dem wegen groben Unfugs zu einer Woche Haft verurteilt wurde. Straferschwerend waren das hohe Aller der Miß­handelten und die Roheit der Tat, strafmildernd der Um­stand, daß der Angeklagte unter der Wahnvorstellung stand, die Frau Sch. sei eine Hexe und habe ihm und seiner Familie viel Böses zugesügt. Die Verhandlung bewies, wie tief der Aberglaube noch im Volke wurzelt.

Leipzig. Bei der allgemeinen Deutschen Kre­ditanstalt wurde gestern entdeckt, daß ein Beamter namens Helm die Bank durch betrügerische Manipulationen um etwa 25 000 M. geschädigt hat. Helm ist geständig und wurde in Haft genommen.

(U n d e r b e r g . B 0 0 n e k a ni p.) Eine sehr wich­tige Entscheidung fällte die Strafkammer des Königlichen Landgerichts Bielefeld in ihrer Sitzung vom 3. Februar er. Ein Destillateur hatte für den von ihm fabrizierten Boone- kamp ein Etikett verwendet, welches die bekannte Anordnung des für die Firma H. Underberg-Albttcht patent-amtlich geschützten Etikett« (Stempel zu beiden Seiten des Textes) trug. Trotzdem sich der Destillateur daraus berief, daß er seinem Etikett an mehreren Stellen seinen Namen bezw. seine Firma angebracht habe, und daß er dieses Etikett schon seit Jahrzehnten benutze, wurde er wegen Verletzung der Warenzeichenrechte der genannten Firma zu einer Geld­strafe von 300 Mk. verurteilt; außerdem wurde der Firma H. Underberg Albrecht die Befugnis zugesprochen, das Urteil auf seine Kosten in vier Zeitungen zu veröffentlichen. In der Begründung hob der Vorsitzende hervor, daß es ganz unerheblich sei, wie lange der Angeklagte sein Etikett tat­sächlich in Benutzung habe, da das Gesetz nur den in der

patentamtlichen Rolle eingetragenen Zeichen Schutz verleihe; da die figürliche Anordnung des Underberg'schen Etiketts durch patentamtliche Eiintragung geschützt sei, mache sich jeder strafbar, welcher ein in der Anordnung ähnliches Etikett verwende, gleichviel ob er in Einzelheiten, wie Text, Firma usw. abweiche.

(Liebestragödie.) Der in Wallbach (Baden) wohnhafte Metzgermeister Siegfried Wunderlin suchte, wie die Breisgauer Zeitung schreibt, schon lange mit der ver­witweten, 42 Jahre alten Wirtin Anna Wunderlin in Mumps ein Liebesverhältnis anzuknüpfen, ohne das er­wünschte Entgegenkommen zu finden. Das brächte den heiß­blütigen Metzger so in Aufregung, daß er Sonnabend abend noch einen letzten Versuch machte, um die Liebe seiner An­gebeteten zu gewinnen. Er begab sich in die Wirtschaft der­selben das Gasthaus Zum Adler und traf die Wirtin in der Küche; hier wiederholte er seine Werbung nochmals eindringlich und flehentlich, aber wieder ohne Erfolg, und das brächte ihn in so rasende Wut, daß er seinen Revolver zog und die Witwe Wunderlin am Herd niederschoß; der Tod war sofort eingetreten. Die ebenfalls in der Küche an­wesende Tochter der Getöteten, auf welche der Attentäter auch mit sei er Schußwaffe zielte, konnte sich noch recht­zeitig flüchten. Der Mörder begab sich in das obere Stock­werk und erschoß sich ebenfalls.

(Im Simplontunnei überfahren.) Ein italienischer Erdarbeiter hatte sich eines Abends trotz der zahlreichen Bahnwächter in den Tunnel eingeschlichen, um sich darin in der Nacht nach Jselle zu begeben. Wahr- scheinlich aber hatte er die darin herrschenden intensive Hitze nicht ertragen können. An einer etwas holperigen Stelle war m dann ohnmächtig auf den Schienen zusammen­gebrochen. Als er wieder zu sich kam, hatte ihm eine von Jselle kommende Maschine den rechten Arm abgefahren. Halb verblutet hat man ihn ins Spital nach Brieg ge­schafft.

Gent, 10. Februar. Ein heftiges Unwetter ver­ursachte in ganz Flandern großen Schaden. Fünf Per­sonen wurden getötet, andere zahlreiche Personen töllich verletzt. Eine große Anzahl Häuser und Scheunen wurden zerstört. Der Schaden wird auf 100 000 Franks geschätzt.

Rotterdam, 10. Februar. Bei einem Gewitter in bet Provinz Zeeland wurden 4 Menschen vom Blitz er. schlagen.

Rom, 10. Februar. Leutnant Gantano Vinturi vom 7. Artillerie-Regiment in Pisa ging zu einem seiner Gläubiger namens Balestori und verlangte Prolongirung eines Wechsels über 500 Lire. B. weigerte sich ; es kam zu einem heftigen Wortwechsel, der damit endete, daß der Offizier den Halsabschneider niederschoß. Auf den Schuß eilte die Mutter B.'s herbei. Der Leutnant schoß sie durchs Herz. Er entfloh und wanderte nach Livorno, wo er ver­haftet wurde. Man glaubt es mit einem Irrsinnigen zu tun zu haben.

(EinPersonenzug in Flammen.) Ueber ein furchtbares Eisenbahnunglück wird aus New-Dork be­richtet : Bei einem Zusammenstoß auf der Bergbahn bei Helena in Montana am Montag wurden sechs Personen getötet, etwa 20 verwundet und vierzig Personen- und Güterwagen zerstört. Das Unglück hatte eine eigenartige Ursache. Ein Gülerzug verfehlte die Weiche und raste un­gehindert den steilen Abhang der Rocky Mountains hin- nunter und fuhr mit voller Geschwindigkeit in einen still- stehenden, vollbesetzten Personenzug. Der Anprall war so heftig, daß die Koppelung zwischen der Lokomotive und den Güterwagen des Personenzuges riß und so die Lokomotive vorwärts getrieben wurde. Um noch weiteres Unheil zu vermeiden, fuhr der Lokomotivführer mit voller Geschwin­digkeit vorwärts, während der Guterzug die sich entgegen- stellenden Wagen aus dem Gleise schleuderte und in rasen­dem Laus folgte. Die seltsame Jagd dauerte nur wenige Minuten, dann sprang der Güterzug bei einer Kurve aus den Schienen und endete seine tolle Laufbahn in einem Graben. Inzwischen waren in dem Personenzug die alt­modischen Oefen durch die Erschütterung umgestürzt und setzten alle Wagen in Brand. Die Passagiere, die in den Wagen eingeschlossen waren, machten verzweifelte Anstreng­ungen, sich in Sicherheit zu bringen. Ein Mann trug eine schwere Wunde davon, als er ein Fenster aufbrach, durch das er mit einigen anderen Personen sich mühsam rettete. Sechs Personen starken, ehe ihnen Hülfe gebracht werden konnte, vier Eisenbahnbeamte und zwei Reisende; sie wurden durch Holzteile festgehalten und buchstäblich zu Tode ge­röstet. Die Geretteten kamen mit verhältnismäßig leichten Verletzungen davon. Nur durch das tapfere Eingreifen des Stationsvorstehers und einiger Einwohner von Helena, die in der Nähe waren, waren die meisten aus den Flammen gerettet worden. Es war unmöglich, das Feuer durch Wasser zu bekämpfen, da der Schauplatz des Unglücks sehr weit von der Stadt entfernt war.

Johannesburg, 9. Februar. Ein schweres Unglück hat sich heute morgen auf der Mine South Rose Deep zugetragen, indem durch heftige Regengüsse die Grube unter Wasser gesetzt wurde, wobei 55 Eingeborene ertranken.

(Rezept zum G l ü ck l i 4 s e i n.) Wenn bu glücklich sein willst, hüte dich vor Zornesausbrüchen und Verdrießlichkeit. Erwirb jeden Tag ein kleines Stück Wissen. Versprich wenig und rede die Wahrheit. Füge dich allgemeinen Sitten, aber nicht allgemeinen Torheiten. Glaube das Böse nur vorsichtig, sei noch vorsichtiger darin, es weiter zu sagen. Habe den Mut, deine alten Kleider zu tragen, bis du neue bezahlen kannst. Erweise allen Menschen Gutes, damit du deine Freunde behältst und deine Feinde versöhnst. Zähle immer nach, wieviel Hülfsquellen dir offen bleiben, welchen Rückhalt du hast. Mache ausfindig, für welchen Beruf du begabt bist und dränge dich nie in eine Stellung, für die du dich nicht eignest.

Landwirtschaftliches.

Wischeter oiltr PmWim?

Bei dem jetzigen außerordentlich hohen Chilisalpeter- Preise ist es besonders ratsam, für die Sommerhalmfrüchte, Kartoffeln, Gemüse und Zuckerrüben vorzugsweise echten aufgeschlossenen Peruguano zu verwenden, umsomehr, da hierdurch der Frucht außer den wertvollsten Stickstoffarten zugleich auch die nötige PhoSphorsäure und Kali in innigster natürlicher Zusammensetzung zugeführt wird.

Peruguano wirkt zweifellos auch sicherer, besser und nachhaltiger als Chilisalpeter.

Um indeß vorzügliche Resultate erzielen zu können, ver wende man nur die nachweislich allein echte Ohlendorff'sche Füllhornmarke" und hüte sich vor allen minderwertigen nachgeahmten Marken!