Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^2^^vs
herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 15.
Dienstag, den 6. Februar
1906.
Amtlicher teil.
Verzeichnis der bei den evangelischen Einwohnern des Kreises Hersfeld im Jahre 1906 zur Erhebung gelangenden Hauscollekten.
£
d
Collekteninhaber.
Anfangstermin der Collekte.
Bezeichnung der Kirchspiele, in welchen die Collecten erhoben werden.
Sammel tage.
Zu lfd. Nr. 1—9
1
Anstalt für Epileptische Bethel bei Bielefeld
10.—12. Januar
Philippsthal
2
Tage
2
3
Reserviert
Hessisches Diakonissenhaus zu Cassel
10.—12. Februar 10—12. März
Ransbach Schenklengsfeld Hilmes
2
4
2
4
Gustav Adolf-Verein
10.—12. April
Wippershain Hersfeld
1
12
5
Hessisches Siechenhaus zu Hofgeismar
10.—12. Juni
Mecklar
1
6
Reserviert
10.—12. Juli
Rohrbach Obergeis
1 „ lx/a „
7
Anstalten Hephata bei Treysa
10.—12. August
Kirchheim Frielingen Niederaula
2
8
Verband von Rettungshäusern im Großherzogtum Hessen
10.—12. October
2
4
und der Provinz Hessen-Nassau
Niederjossa
1
9
Diözesan-Verein für innere Mission
10.—12. Novemb.
Kerspenhausen Kruspis
3 „
1V2 „
Indem ich vorstehendes Verzeichnis zur öffentlichen Kenntnis bringe, ersuche ich die Ortspolizeibehörden des Kreises, genau zu kontrollieren, daß die obigen Termine innegehalten werden. Die sämtlichen Collekteu werden durch die kirchlichen Organe erhoben. Verschiebungen um 3 Tage sink zulässig. Die Herren Geistlichen werden den Ortspolizeibehörden von der Abhaltung der Kollekte vorher Kenntnis geben. Die von ihnen mit der Sammlung Beauftragten müssen mit einem Ausweise versehen sein.
Hersfeld, den 3. Februar 1906.
Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 2. Februar 1906.
Unter dem Schweinebestande 1. des Landwirts Conrad Heinrich Waldeck, 2. der Witwe Haas zu Oberhülsa, Kreis Homberg, ist die Schweineseuche ausgebrochen. I. 909. Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Der Reichstag setzte am Sonnabend die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern beim Kap. 7 Tit. 1 der fortdauernden Ausgaben (Gehalt des Staats
Auf den Klogen des Schicksals
Novelle von A. Peters.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Des Arztes Worte schüchterten den Menschen sofort ein, und seine Stimme klang fast kläglich wimmernd, als er erwiderte: „Es ist wirklich hart, wenn man sich so behandeln lassen muß. Da ist nun die ganze Vorstellung unterbrochen, weil es einem albernen Geschöpfe beliebt, sich krank zu stellen und den Arzt kommen zu lassen. Sie ist eben so gesund, wie ich; sie will nur ihre Rolle nicht spielen nnd legt sich ins Bett, um mich zu ärgern. Sie soll mich schon kennen lernen, wenn sie erst wieder heraus ist I"
„Wird sie das?" rief der Doktor scharf; „woher haben Sie das Kind? Das ist vielleicht eine Frage, die zu beantworten Ihnen nicht gerade angenehm ist. Das Gesetz wird festsetzen, welche Rechte Sie an dem armen kleinen Ding haben, bevor sie wieder in Ihre Nähe kommt."
Das war ein Schuß aufs Geratewohl, der aber besser traf, als Doktor Lester zu hoffen gewagt hatte. Der Mann wechselte die Farbe, stammelte, fluchte und machte Kehrt nach der Bude zurück. Der Doktor lächelte, rief einen Knaben herbei, der in seiner Nähe stand, und sagte ihm, er solle nach seiner Wohnung gehen und den Kutscher mit dem Wagen hierher bestellen. Der Knabe tat, wie ihm geheißen, in der Hoffnung auf einen guten Botenlohn, und der Arzt kehrte an das Krankenbett des Kindes zurück. Dieses hatte die Bettdecke über das Gesicht gezogen und zitterte wie Espenlaub, trotz der ermutigenden Worte Ann's, die ihr von neuem versicherte, der abscheuliche Baynes dürfe sie nicht anrühren, der Herr Doktor werde sich ihrer annchmen, und sie werde es auch nicht zulassen." Versicherungen, welche der Frau nur schwer von den Lippen gingen, da sie recht gut wußte, wie machtlos sie war.
Doktor Lester zog die Decke von dem Lockenkopfe, und das Herz blutete ihm, als er die arme Kleine so heftig zittern sah, und sie, die Augen ängstlich zu ihm ausschlagend, in flehendem Tone rief:
sekretärs) fort. Adg. Patzig (nl.) stimmte in gewissem Umfange den von den bisherigen Rednern vorgebrachten Beschwerden zu, daß bei der großen Anzahl bet uns vorgelegten Gesetzentwürfe die Sozialpolitik etwas zu kurz ge. kommen sei. Insbesondere würden wir dankbar sein, wenn wir beruhigende Erklärungen über die Ausgestaltung des Statistischen Amtes zu einem Reichsarbeitsamt, über Arbeitskammern und über den Entwurs, betreffend die Ver- leihung der Rechtsfähigkeit an die BerufSvereins, erhalten könnten. Es ist ferner notwendig, daß wir an eine Regelung des HeimarbeitSwesenS und an eine Ausdehnung des KrankenverstcherungSwesenS auf die Heimarbeiter sowie an eine Revision des KrankenkaffenwesenS herantreten. Dankbar muß ich den Fleiß anerkennen, mit dem im Reichsamt des Innern die Prioatbeamtenverstcherung bearbeitet wird. Erst wenn diese und die Witwen- und Waisenversicherung
„Gehen Sie nicht fort, Herr Doktor, bleiben Sie bei mir. Er schlägt mich noch tot! Ach, nehmen Sie mich mit, — nur fort von hier 1"
Seine Hand legte sich weich und kühl auf des Kindes brennende Stirne, und sein ernstes, ruhiges Antlitz beugte sich liebevoll über sie, während er sagte: „Still, still, liebe'Kleine ich nehme dich mit mir und werde Dich beschützen, nur sei ruhig und vertraue mir.“
„Ja, ich will ganz ruhig sein," schluchzte das Kind, sich krampfhaft an ihn klammernd und das Gesicht an seiner Brust bergend, während ihr kleiner Körper vor Angst und Entsetzen bebte. „Ich will fort — nach Hause. Mama,' Mama, — ach bringen Sie mich zu meiner Mama; ich will ja nie wieder unartig sein."
Doktor Lester schaute bei den letzten Worten des kleinen Mädchens überrascht zu der Frau hinüber.
„Ich glaubte von ihnen verstanden zu haben, ihre Mutter sei tot," sagte er. „Wessen Kind ist sie? Wie heißt ihre Mutter?"
Die Gefragte wurde rot und schaute erschrocken drein, während sie hastig erwiderte: „Ich weiß wirklich nichts näheres über das Mädchen. Herr Baynes brächte sie in London eines Tages mit nach Hause und sagte, ihre Mutter hätte sie ihm übergeben, damit er sie zur Kunstreiterin ausbilde. Wir dürfen ihn nicht fragen; mir scheint sie aber kein gewöhnliches Kind zu sein, obschon sie nur in Lumpen gehüllt war, als er sie heimbrachte. Damals sprach sie immerzu von ihrer Mama; sie war ja noch ganz klein, und Herr Baynes schlug sie, sobald sie weinte und nach ihrer Mama verlangte, da unterließ sie es mit der Zeit."
„Ich dachte es mir fast," murmelte der Arzt vor sich hin und beugte sich wieder zu dem Kinde nieder, um e§ von neuem durch freundliche Worte und Liebkosungen zu beruhigen, wobei seine Stimme zitterte und seltsam heiser klang, berührten doch die kleinen ihn umschlingenden Arme die unaufhörlich blutende Wunde in des 'beraubten Vaters Herzen.
Plötzlich ließ sich dasMollen eines Wagens hören, und des Doktors leichtes Gefährt mit den beiden Apfelschimmeln
in straft getreten sein werden, werden wir ein Bild für eine Vereinfachung und Vereinheitlichung des sozialrefor- matorischen WohltätigkeitSwesens gewinnen können. Eine solche Vereinheitlichung wird immer dringender angesichts der ständig steigenden VerwaltungSkosten.
Hierauf nahm der Staatssekretär Graf Posadowsky das Wort, um seine oder die Stellung der Regierung zu den verschiedenen in der Diskussion berührten Fragen klarzu. legen. Danach ist von den Gesetzen, die die Volksvertretung wünscht, am ehesten das über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine zu erwarten; die Vorlage ist fertig und soll noch in dieser Session eingebracht werden, wenn — die Geschäftslage des Hauses ihre Verabschiedung erhoffen läßt. Der Abg. Dr. Mugdan, der nach dem Staatssekretär sprach, zog aus diesem Zusatz die Folgerung, daß es im Laufe der Session doch nichts wird. Der Vertreter der freisinnigen Volkspartei hielt eine zweistündige Rede, in der er sein Lieblingsthema, den Kampf gegen die Sozialdemokratie, unter wiederholtem lauten Beifall der Rechten sehr ausführlich behandelte. Ganz am Schluß erklärte er aber, daß seine Partei Ausnahmemaßregeln nicht wolle; in erster Reihe seien die nichtsozialdemokratischen Geweikschaften berufen, den Sozialdemokraten den Boden abzugraben, dazu müßten sie die Rechtsfähigkeit haben, und deshalb sei die Erklärung des Staatssekretärs zu bedauern. Nachdem noch der Abg. Dove mit kurzen Bemerkungen den Standpunkt der freisinnigen Vereinigung vertreten halte, vertagte sich das Haus auf Montag.
5it Mmkko-Änsemiz.
Der Schwerpunkt der Konferenz von Alge: ras liegt in den vertraulichen Besprechungen, die zwischen den deutschen und französischen Delegierten angebahnt sind. Die Einigung über die bisher von der Konferenz behandelten Gegenstände bereitete keine besonderen Schwierigkeiten. Diese Gegenstände waren der Waffenschmuggel und die Vermehrung der Steuereinnahmen Marokkos. Die schwierigen Fragen, nämlich die Ordnung der Polizei und die Organisation einer Staatsbank, wurden zurückgestellt, um Zeit für ihre Vorbereitung auf dem Wegs vertraulicher Besprechungen der meistbeteiligten Dtl-gierten zu lassen. Was dabei herauskommen wird, läßt sich noch nicht klar voraussehen.
Für die Polizeifrage sind mehrere Lösungen denkbar- Frankreich möchte am liebsten ein Generalmandat zur Ordnung des Polizeiwesens erlangen, hat es aber, da bekannt ist, daß Deutschland nicht zustimmen würde, bisher unterlassen, eine solche Forderung zu stellen. Der Widerspruch Deutschlands gründet sich darauf, daß mit einem General- mandat Frankreich in Marokko eine Stellung erlangen würde, bei der die Durchführung des Prinzips der offenen Tür in praxi gefährdet wäre. Wer die Polizei hat, hat in einem Lande wie Marokko auch den giöet n mntfd)aft=
kam schnell über die Wiese daher; auf des Doktors Geheiß winkte die Frau dem Kutscher zu, dicht vor der Türe des Verschlages zu halten, während er selbst das Kind auf den Arm nahm, — es war bis auf das schmutzige, weiße Musselinkleid, welches auf dem Stuhle lag, vollständig angekleidet — ihm einen Schal über den Kopf hing, der die ganze kleine Gestalt deckte, und es vorsichtig in den Wagen hineintrug. Dann bog er den Kopf noch einmal zum Fenster hinaus und rief der draußen stehenden Frau zu:
„Sagen Sie Herrn Baynes, daß er zu Herrn Doktor Lester kommen soll, wenn er etwas von dem Kinde will. Heute abend sende ich ihm diese Lumpen zurück. Nach Hause, Kutscher!"
Das Fenster schließend, setzte sich der Arzt in den Wagen zurück und war bald den Blicken der ihm verwundert nach- starrenden Alten entschwunden, während Ann in den nun leeren Verschlag zurückkehrte. Dicke Tränen rollten ihr die braunen Wangen herab, denn sie fühlte, daß das kleine Mädchen nun für immer von ihr genommen war.
Der folgende Morgen sah den Zirkus weit fort und die kleine Cecil im heftigen Fieber auf Doktor Lesters Be- sitzung.
2. Kapitel.
Der Arzt nahm die kleine Kranke in sein elegantes prächtiges Haus, trug sie die breite Treppe hinauf und öffnete nach kurzem Zögern das öde Kinderzimmer, wo er sie sanft auf das Bett legte, in dem seine kleine Ada allnächtlich geschlummert bis der Todesengel sie mit seiner kalten Hand berührt hatte. Ein herber Schmerz zuckle über feine Züge, als er das erhitzte Kindergesicht auf den so lange unbenutzten Kissen sah; dann wandte er sich ab und zog an der Klingel. Eine stille Frau von ungefähr vierzig Jahren mit glatt gescheiteltem, dunklem Haare und sanften grauen Augen folgte dem Rufe. Aus ihren Zügen malte sich Ueberraschung und leichter Verdruß.
„Frau Winter," sagte Doktor Lester kurz, „seien Sie so gut und machen Sie hier Feuer an, überziehen Sie sofort