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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

M. M o

Donnerstag, den 1. Februar

1906.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für

den Monat Februar 1906

von allen kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Umllicher teil.

Hersseld, den 26. Januar 1906.

Die Zusammenkellung über die Jahresergebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau ist für die Fleischbeschauer, wenn ste sich nicht Liften anlegen, in die sie die vorge­kommenen Schlachtungen fortlaufend einzeln eintragen, mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Zur Behebung dieser Schwierigkeiten hat das Formular-Magazin von W. Beitels« Mann in Bielefeld zweiHilfslisten entworfen und drucken lassen: XIII 419. Hilfslifte für die Fleifchbefchauftatiftik (ge­mäß Rundschreiben des Statistischen Bureaus vom 10. 12. 1904) für ein Jahr in Aktendeckel geheftet, 1 Stück Mk. 0,50, 10 Stück Mk. 4,50.

XIII 42». Hilfslifte zur Zusammenstellung B der Er­gebnisse der Schlachtvieh- und Fleischbeschau bei Schlacht­ungen im Jnlande. Für nicht tierärztliche Beschauer. In Aktendeckel geheftet mit Gebrauchsanweisung 1 Stück Mk. 0,50, 10 Stück Mk. 4,50.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden veranlaßt, den Fleischbeschauern die Hilfsliften zur Anschaffung zu empfehlen.

I. I. Nr. 616. Der com. Landrat.

I. B :

Tbam e r.

Aonigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

AuSschreiben.

Am Abend des 26. Januar ist der Kriminalschutzmann Trott in der hiesigen Herbergezur Heimat" durch

Der Sonnenfaiter.

Von M. v. B u ch.

(Schluß.)

Der Herr Kapitän von Jaschinsky ist leider nicht et= schienen," sagte sie, sich direkt an ihren Sohn wendend, andernfalls hätte ich ihn gern an diese Tafel plaziert, da ich weiß, daß Sie sich gern mit ihm unterhalten."

Friedrich runzelte die Brauen.

Ich bitte Ew. Majestät, den Namen nicht mehr zu erwähnen," entgegnete er, und als er bemerkte, wie die Königin stutzte und erstaunt zu ihm aufsah, fuhr er fort: Dokumente sind verschwunden, sie beziehen sich auf Ver­träge, die ich mit meinen Bundessürsten im geheimen ge­schlossen, und enthalten wichtige Artikel für den Fall eines Krieges . . ."

Und diese Papiere sind abhanden gekommen?" fragte Sophie Dorothea.

Sind aus dem Geheim-Archiv verschwunden, und der Verdacht, sie entwendet zu haben, fällt aus tausend Gründen, die ich jetzt nicht näher explizieren kann, auf niemand anderes, denn auf Jaschinsky."

Die Königin konnte einen Ausruf des Schreckens nicht unterdrücken.

Jaschinsky ein Dieb?" begann sie.Ein Dieb, Ciel, welch' eine ungeheure Anklage für einen Mann, der sich bis­her des Vertrauens Eurer Majestät erfreute I Und mein Sohn irrt sich wirklich nicht?"

Nein," sagte Friedrich kurz,und da sich der saubere Patron von dem Verdachte in keiner Weise zu reinigen vermochte, habe ich kurzen Prozeß gemacht. Er ist kassiert, und ich glaube, daß er zu dieser Stunde vielleicht schon die Grenze meines Landes passiert, um nie wiederzu- kehren ..."

Die Königin blieb stumm, da begann ihr Sohn von neuem:Man irrt sich in den Menschen. Aus Jaschinsky hätte ich gebaut, wie wie einst aus einen anderen. Aber auch er war falsch."

einen Revolverschuß schwer verletzt worden. Der Täter ist der Heizer Wilhelm Flaudergan, geb. am 30. 12. 1877 zu Köln, 180 cm gross, blonde Haare und blonder starker Schnurrbart. In seiner Begleitung befand sich der Metzger Carl Huber geb. 10. 11. 1881 zu Trippstadt bei Kaiserslautern, 160 cm groß. Die Genannten stehen im dringenden Verdacht mehrere hier und in der Umgegend vorgekommene EtnbruLsviebstähle verübt zu haben. Flau­dergan trug am 26. Januar Metzgerkapps, braun gestrickte Metzgerjacke mit weißen Hornknöpfen. Huber grauen Anzug, braune gestrickte Metzgerjacke mit weißen Horn­knöpfen. Sie haben vermutlich die Kleidung inzwischen gewechselt. Bei einem hierher mitgeteilten (in der Nacht vom 26. zum 27. Januar) vorgekommenen EinbruchSdieb- stahl, der möglicherweise von den Genannten ausgeführt worden ist, sind folgende Gegenstände gestohlen wordens: ein dunkelgrauer Uederzieher, weiß gesprenkelt mit schwarzem Seidenfutter, ein weißes Taschentuch gez. F. W., 2 Paar braune Glacehandschuhe, ein Schlafwagenbillet Berlin- München; ferner ein Havelock au» grauem Stoff, am Auf­hänger ist die Firma Schulze-München bezeichnet; ein brauner weicher und ein schwarzer steifer Filzhut, letzterer gezeichnet mit der Firma Seidel-München, ein braunlederne» Portemonnaie mit 18 Mark Inhalt und eine alte silberne Zylinderuhr mit römischen Ziffern, ohne Sekundenzeiger.

Auf die Ergreifung des F l a u d e r g a n ist von dem Herrn RegierungS-Präsidenten in Caffel eine Belohnung von 300 Mart ausgesetzt. Es wird um Nachforschung und Festnahme der Täter, sowie um telegraphische Benachrichtigung der unter­zeichneten Polizeidirektion ersucht.

Hanau, den 29. Januar 1906.

Königliche Polizei-Direktion, v. B e ck e r a t h.

nichtamtlicher Ceil.

Reichstag.

Der Reichstag setzte am Montag die allgemeine Debatte über die Novelle zum Unterstützungswohnsitzgesetz fort, nachdem er vorher die Vorlage betreffend die Ab­änderung mehrerer basischer und hessischer ReichStag-wahl- kreise, in zweiter Lesung debatteloS genehmigt hatte. Abg. Herzfeld (soz.) sprach sich mit aller Entschiedenheit gegen die genannte Novelle aus, wobei er in längerer Darlegung aussührte, daß ihre Bestimmungen lediglich den Gutsbe­sitzern zu gute kommen würden. Die Abgeordneten Schickert (kons), Gamp (Reichsp.) und Wolff (wirtsch. Ver.) stimm» ten im allgemeinen der Vorlage zu, koch wünschten sie ver­schiedene Verbesserungen derselben. Abgeordneter Zesche (soz.) äußerte allerlei Bedenken gegen die Vorlage, gegen welche auch die Abgeordneten Ablaß (fr. Volksp.) und

Er spielte auf Trenck an; Sophie Dorothea begriff es sofort.

Und von diesem anderen," warf sie halblaut ein,heißt es, daß Jaschinsky ihn verleumdet hat. Ist das auch wahr?"

Friedrich sah vor sich hin.

Jaschinsky hat ihn verdächtigt und mir derartige Be­weise erbracht, daß ich berechtigt war, an Trencks Schuld zu glauben. Ich meinte ihn für einen Spion halten zu müssen. Der Tollkühne hat sich dann in der Festung durch sein jeder Vernunft spottendes Betragen fast um jedes Recht gebracht. Sein Ehrgeiz war maßlos, seine Vermessenheit ohne Grenzen. Ich weiß jetzt, was ich bisher zu glauben mich sträubte, und werde es ihm nie verzeihen, daß der Verblendete seine Augen so hoch erhoben hatte, so hoch Sie wissen, worauf ich ziele, meine Mutter. Ich bedaure es, ihm meine Freundschaft geschenkt zu haben."

Ihre Freundschaft," schaltete Sophie Dorothea ein,war sein Verderben, sie hat ihn aus der Bahn der Alltäglichkeit gerissen weh ihm!"

Verzeihung, daß ich Ew. Majestät widerspreche," ent gegnete Friedrich.Meine Schuld war es nicht, die Schuld lag an ihm. Er hat zu viel begehrt, er war, wie ich vorher sagte, maßlos, ohne Grenzen in feinem Ehrgeize. Das alles hat sich bitter gerächt. Ein alltäglicher Mensch war er nicht. Einst habe ich ihn geliebt; dann, als ich meinte, an seiner Treue zweifeln zu müssen, habe ich ihn verachtet. Und jetzt? Ich glaube, ich könnte ihn hassen. War er ein Verräter? Ich weiß es nicht. Zuweilen meinte ich, Jaschinsky hat den verhängnisvollen Brief selbst geschrieben. Trenck war nicht so schuldig, wie ich glaubte annehmen zu müssen."

Er machte eine Pause und fuhr nach einer Weile fort:

Trenck gehörte zu den Naturen, die keine Grenzen aner­kennen, die kraft ihres Genies vermxinen, sich über alle Schranken Hinwegsetzen zu können. An dieser Ueberhebung mußte er zu Grunde gehen früher oder später."

Mitternacht war längst vorüber, als das Ballfest sein Ende erreichte. Nachdem sich der König mit verbindlichen

Schrader (fr. Verein.) sprachen. Regierungsseitig wurde die Vorlage vom Staatssekretär Grafen Posadowsky ver­teidigt, der sich namentlich bemühte, dem Vorwurfe ent- gegenzutreten, daß die Vorlage zum Schutze der notleiden­den Landwirtschaft bestimmt sei. Schließlich wurde die Vorlage an eine besondere Kommission verwiesen. Dann begann das Haus noch die erste Lesung des Gesetzent­wurfes über die Hilfskaffen, doch trat nach kurzer Debatte Vertagung ein.

Das Gesetz, betreffend Abänderung einiger Reichstags Wahlkreise, wurde in der DienStagssitzung definitiv ange­nommen. In der Fortsetzung der Debatte über die Vorlage, betreffend die Hülsskaffen, erklärt Abg. Dr. Becker-Hessen (ntl.): Auch meine politischen Freunde haben gegen die Vorlage ernste Bedenken. Es wird Aufgabe der Beratungen in der Kommission sein, Mittel und Wege zu finden, um die Schwindelkassen zu treffen, die segensreich wirkenden Hülsskaffen aber zu erhalten. Mit diesem Entwurf wird die Beseitigung der Schwindelkassen viel zu teuer erkauft, wenn man nicht in der Kommission geeignete Vorschläge machen kann, durch die das Gute erhalten und das Schlechte ausgeschaltet werden kann. Direktor im Reichsamt des Innern Caspar: Mißstände bestehen bei den großen Kassen ebenso, wie bei den kleinen. Bei den großen Unternehmungen führt die Gewinnsucht, bei den kleinen der Mangel an Beschäftigung zu den beklagten Uebelständen. In einer großen Kasse in Hannover wurden z. B. 70 püt. der Be­träge an Verwaltungskosten ausgegeben. Die Vorlage be­absichtigt in keiner Weise die Beseitigung der freien Hülss- kassen, auch wird diese durch die praktische Handhabung dieses Gesetzes nicht erfolgen. Mit den gegenwärtigen Gesetzen können die Regierungen den Mißständen nicht begegnen, daher sahen sie sich zu diesem Entwurf veranlaßt. Abg. v. Brockhausen (k): Die großen Mißstände auf dem Ge­biete der freien Hülsskaffen find nicht zu leugnen, eine Revision der gesetzlichen Bestimmungen erscheint uns daher unumgänglich.

5er AM in LM-MUsi-Wka.

Hamburg, 29. Januar. Wie aus Swakopmund hierher telegraphiert wird, ertrank auf der Reede von Swakopmund infolge Kenterns des Landungsboote» in der Brandung ein Steward, ein Quaitiermeister und ein Matrose vom WörmanndampferEduard Wörmann".

Unruhen in HM-Wriks.

Daressalam, 29. Januar. Bezirksamtmann Graß meldet aus Mohoro, daß der Jumbs Ketsche-Ketsche, der Hauptanführer der aufständischen Kitschi-Leute, sich dem Bezirksamt gestellt hat. Oberleutnant Paasche meldet vom oberen Rufidji, daß die Leute von Nord-Kitschi sich unter-

Dankesworten von seiner hohen Mutter verabschiedet, zog sich diese mit den Damen ihrer nächsten Umgebung zurück. Dann brachen auch die übrigen Gäste auf. Bald darauf wurde es dunkel in den Prunksälen des Schlosses zu Monbijou, aber in dem Zimmer der hohen Frau bräunten noch lange die Kerzen.

Sophie Dorothea spürte keine Ermüdung, trotz der An­strengung, die ihr durch die Repräsentationspflichten auferlegt worden war. Sie wußte, daß sie noch keinen Schlaf finden würde, darum hatte sie sich von ihrer Kammerfrau ein warmes Nachtgewand umgeben lassen und sich dann an den Kamin gesetzt, in dem ein leichtes Feuer bräunte.

Sie dachte an das Gespräch, das sie kurz zuvor mit ihrem königlichen Sohne geführt und das sich auf Trenck be­zogen hatte.

Friedrich hatte zugegeben, daß sein ehemaliger Liebling von Jaschinsky verleumdet worden, und daß dieser vielleicht nicht so schuldig war, als sein Herr angenommen hatte. Dennoch hatte Friedrich nicht zugegeben, daß Trenck unrecht geschehen war. Er hatte von dem maßlosen Ehrgeize seines ehemaligen Günstlings, für den es weder Unterschiede noch Schranken gab, gesprochen.

Au diese Worte dachte die Königin, als es plötzlich leise an die Tür pochte. Sie hob das Haupt.

Entrez," rief sie, und als nach der erteilten Erlaubnis Prinzeß Anna über die Schwelle trat, sah sie durch­aus nicht erstaunt aus. Sie hatte im Anschluß an die mit ihrem Sohne geführte Unterredung so lebhaft ihres jüngsten Kindes gedacht, daß sie dessen Erscheinen nicht sonderlich wunderte. Sie begrüßte das junge Mädchen mit einem Kopfnicken und sagte mit einer einladenden Handbewegung auf den neben ihr stehenden Sessel:Komm setze dich, meine Tochter."

Und als diese ihrer Aufforderung ngchgekommen war, fragte sie:

Was führt dich zu mir mitten in der Nacht? Hast du ein Anliegen?"

Anna Amalie war bleich, aber die blauen Augen, die länger