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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. IX Sonnabend, den 2X Januar 1906.

Noch windet nicht die ersten Kränze Des Frühlings neuerstand'ne Pracht, Und doch, gleich neuerwachtem Lenze Die Lust aus aller Herzen lacht: Des Kaisers Wiegenfest ist heute; Drum klinget hoch der Freude Lied Durchs deutsche Land wie Festgeläute, Das brausend durch die Lüfte zieht.

Wir Deutschen wissen nicht zu heucheln, Wir sind ein Volk, von Arbeit hart, Das, wo es liebt, nicht weiß zu schmeicheln Und mit den schönen Worten spart; Doch seh'n wir ihn in unsrer Mitte, So frisch, so mannhaft und so stark, Geschmückt mit ritterlicher Sitte, Füllt stolze Hoffnung unser Mark.

Die Macht, zufrieden zu genießen, Das Glück ein einig Volk zu sein, Auf dessen Feldern Saaten sprießen In holder Ruhe Sonnenschein;

Doch auch die Kraft, um zu zerschmettern Den Feind, der sich entgegenstellt: Wie von dem Blitzstrahl aus den Wettern Sei er vernichtet und gefällt! . . .

Der treue Hort des stillen Segens, Der Friede heißt in Volk und Flur, Die Lust des wackern Händeregens, Zum Kampfe nicht, zur Arbeit nur

Drum feiert auch an allen Orten In Nord und Süd, in Ost und West In Hellen, jubelnden Akkorden Das Volk heut seines Kaisers Fest. Gs fliegen Banner, Fahnen wehen Von allen Ormen ringsumher, Aus Tälern braust es und von Höhen: Heil, Kaiser, Dir vom Fels zum Meer!

Julius Pasig

Sei uns gegrüßt in alter Treue, O Kaiser, heut' und immerfort! Von Dir getragen glänzt aufs neue Der echte Nibelungenhort;

Kaisers Geburtstag.

Am heutigen Tage schließt sich wiederum ein JahreSring von dem Leben unsers vielgeliebten Kaisers und Königs. Das preußische Vaterland, das Deutsche Reich, alles, was weit über die Grenzen des Reiches hinaus deutsch denkt, deutsch fühlt, deutsche Treue hält, wird den heutigen nationalen Festtag feierlich und würdig begehen, zumal auch noch das 25jährige Ehejubiläum des KaiferpaareS bald darauf folgt. Es ist die Pflicht aller wahren Vater­landsfreunde, an Kaisers Geburtstag es sich und anderen zum Bewußtsein zu bringen, was für eine hoheitSvolle, bewundernswerle Persönlichkeit wir an unserm Kaiser haben. Wir bewundern an ihm die Selbstgewißheit, die Sicherheit, die seine Erfolge verbürgt, die Aufrichtigkeit, mit der er seinen Anschauungen Geltung verschafft; wir bewundern an ihm seine Treue denen gegenüber, denen er sich verbunden fühlt, sowie sein Gerechtigkeitsgefühl, dem auch seine Fürsorge für die arbeitenden Klaffen entspringt. Nirgends ist seitens des Staates auf sozialem Gebiete so viel geschehen wie bei uns; und wenn dem so ist, so danken wir ein gut Teil davon dem Kaiser. Er betrachtet eben sein hohes Amt nicht als eine unwillkommene Last, er fühlt seine Verantwortlichkeit gegenüber Gott und seinem Volke.

Die Monarchen haben heutzutage eine schwere Aufgabe; die Wünsche des Volkes sind nicht leicht zu erfüllen. Aber jeder muß zugestehen, daß alle die Handlungen unseres Kaisers stets eingegeben sind von einem strengen Pflicht­gefühle, einer warmen Begeisterung für fein Volk, von ernster Sorge für sein Wohl und Wehe, und eine solche Monarchie ist das rechte und einzige Mittel, die Spannungen auszugleichen. Das deutsche Volk kann sich glücklich schätzen, an der höchsten Stelle des Reiches einen ganzen Mann zu sehen, der in tiefer Gottesfurcht, erfüllt von nationaler Begeisterung, mit unermüdlicher Tatkraft und unendlicher Liebe für sein Volk das Vermächtnis Wilhelms des Großen beschirmt. Welches Land könnte sich einer Regierung rühmen, die wie die unsrige auf das Wohl aller Untertanen gleichmäßig bedacht ist, getreu dem Wahlspruche des Hohenzollernhauses : suum cuique (Jedem das Seine!) Wir würden nicht den Ehrennamen eines Deutschen verdienen, wollten wir vergessen, daß, wie seine Vorgänger auf dem Throne, unser Kaiser seinen Stolz dareinsetzt, im besten Sinne der Wortes ein Vater des Vaterlandes zu fein, zum Heile des Volkes über den Par­teien zu wallen, auch dem Kleinsten und Bescheidensten sein Recht zu geben und für die Armen, Schwachen und Bedrängten Einrichtungen zu schaffen, um die uns die ganze Welt beneidet.

Wer wollte es leugnen, daß wir in einer ernsten Zeit leben. In Rußland, in Oesterreich und anderen Ländern

sehen wir Hader und Streit. Aber auch in unseren afrika. nischen Kolonien ist der Friede noch immer nicht ganz voll ständig, müssen wir noch immer edles deutsches Blut fließen sehen. Aber so sehr dies auch unsere Herzen betrüben mag. so können wir doch stolz unser Haupt erheben, wenn wir die Heldentaten, die unvergleichliche Ausdauer und Hingabe sehen, in der Offiziere und Mannschaften dort wetteifern Ja, der alte Geist lebt noch in der Armee! Das danken wir aber der Sorge und Arbeit unseres Kaisers für sein Heer! Und diese Gewißheit ist uns auch ein Trost, wenn die anderen Nationen mit scheelen und neidischen Blicken auf uns sehen. Wir brauchen aber unser Auge gar nicht über unsere deutschen Grenzen hinausschweifen zu laffen, auch im Innern unseres Vaterlandes sehen wir aus fast allen Gebieten: Religion, Wirtschaft, Politik manchen Hader und Zwist. Dadurch lassen wir uns aber nicht beirren, wir blicken auf die kraftvolle, männliche hehre Gestalt unsers kaiserlichen und königlichen Herrn und ver­trauen seiner Führung.

Es ist gut um ein Volk bestellt, das solches Vertrauen in seinen Herrscher setzen tann, der ein Vorbild ist in Treue und Arbeit. Aber es muß auch solchem Vor- bilde nacheisern. Wir haben große Zeitaufgaben zu lösen. Da heißt es, tätig sein ohne Ermüden, das Größte wollen, um Großes zu erreichen. Und während wir unsere ganze Persönlichkeit einsetzen für erhabene Ziele, müssen wir uns frei halten von Haß, Zwietracht, von unnützem Streite und kleinlichem Neide; denn das find schlimme Feinde eines Erfolges.

So find denn unsere Wünsche zu Kaisers Geburtstag zugleich ein freudiger Dank und eine stolze Hoffnung in Sachen des großen deutschen Vaterlandes. Wir bitten zu Gott, daß er das Auge unseres Kaisers klar erhalte, seinen Arm weiter stark mache, fein Herz weiter fülle mit Gott- vertrauen und Glauben und ihn uns noch lange am Leben erhalte. Es lebe der Kaiser!

Amtlicher Ceil.

Hersseld, den 25. Januar 1906.

Die unter dein Schwcinebcstandc des Landwirts Rüger in Kruspis ausgehrochene Schweinepest ist erloschen.

I. 688. Der com. Landrat

von G r u nc l i u s, Regierungsassessor.

Im Jahre 1906 finden an der Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a/RH. folgende Unterrichtskurse statt: 1. Oeffentlicher Reblauskursus vom 22. bis 24, Februar 1906. 2, Obstbaukursus in der Zeit

vom 22. Februar bis 14. März 1906 3 Baumwa ter kusuS in der Zeit vom 22. Februar bis 14. März 1906- 4. Obstbau- 5. Baumwä-ter- lNachkursus vom 6. bis 11 August 1906 ) 6 Obstverwertungskurius für Männer vom 13. bis 25 August. 7. Obstverwertungskurius für Frauen vom 27. August bis 1 September 8. Hefekursus in der Zeit vom 5. bis 17. November 1906. 9. An >lpsenkursus in der Zeit vom 19. November bis 1. Dezember 1906

Das Unterricht-Honorar beträgt: für Kursus 2: für Preußen 20 Mk., für Nichipreußen (auch Lehrer) 30 Mk-, Preußische Lehrer sind frei. Personen, die lediglich am NachkursuS (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk., für Kursus 3: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 Mk, wenn sie nur am NachkursuS (Nr. 5) teil­nehmen 5 Mk., für Kursus 6 u. 7 : für Preußen 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk., für Kursus 8 u. 9: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen 25 Mk. Außerdem für Rea­gentien 20 Mk., für Bedienung 1 Mk. Au fug 1 ist frei.

Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Au se 2 bis 7 an die Direktion, bezl. des Kursus 8 an den Vorstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation und bezügl. des Kursus 9 an den Vorstand der önochemischen Versuchs­station. Wegen Zulassung zum Reblauskursus wende man sich an den zustänoigen Herrn Oberpräsidenten. Geisenheim, den 28. Dezember 1905.

Der Direktor: Prof. Dr. Wortmann.

Hersseld, den 23. Januar 1906.

Der auf Donnerstag den 8. Februar d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt ge- gebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 7% Uhr morgens begonnen werden.

I. 596. Der com. Landrat.

. ^J. V.: Thamer.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

Der sogenannterote Sonntag" ist allenthalben im Lande und insbesondere auch in der Reichshauptstadt, wo man seinem Lause mit einiger Spannung entgegensah, ruhig verlaufen. Die Herren .Genossen" haben wohlweis­lich nach dem Grundsätze, daß Vorsicht der Tapferkeit bester Teil sei, gehandelt. Charakteristisch aber für den mora­lischen Tiesstand der S o z i a l d e m o k r a t i e ist die feige Heuchelei, mit der sie nunmehr ihre ursprünglichen Absichten zu verleugnen sucht. .Deutscher Arbeiter, nun ist die Reihe an dir I" so lautete der großsprecherische Refrain, der zur Einleitung der Demonstrationen in Presse und Volks-