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*Vorau»bezahlteAnt Worttelegramme. Aus Anlaß eines Sonderfalles hat der Minister der öffent­lichen Arbeiten die Eisenbahndirekttonen daraus aufmerksam gemacht, daß unter ReichS-Telegraphenanstalten im Sinne eines bezüglichen Erlasses alle im Deutschen Reiche be« legenen Telegraphenanstalten zu verstehen sind. Es sind deshalb auch die von den bayerischen und württembergischen Telegraphenanstalten ausgestellten Scheine für voraus- bezahlte Antworttelegramme bei den Eisenbahn-Telegraphen- stationsn als gültig anzuerkennen.

* Ueber die Durchschnittspreise der wich­tigsten Lebensmittel im Kalenderjahre bringt die Etat. Korc. eine Uebersicht, aus der wir folgende» entnehmen- Die Preise für das Kalenderjahr 1905 zeigen gegen 1904 im Durchschnitt bei allen Verpflegungsmitteln, mit Ausnahme der Eßkartoffeln und des Weizenmehles, in der Mehrzahl erhebliche Preiserhöhungen. Die Preise für Roggen, Gerste und Hafer sind auf allen Märkten, aus­genommen in Aachen bei der Gerste, zum Teil recht er* heblich gestiegen, während für Weizen hauptsächlich nur im Westen höhere Preise zu zahlen waren, wogegen in den östlichen Provinzen auch mehrfach Preisrückgänge zu ver­zeichnen sind. Von den verschiedenen Fleischsorten erfuhren die Schwein-fleifchpreise die bedeutendste Preiserhöhung. Die Preise für Schweinefleisch und inländischen, geräucherten Speck zeigen eine ziemlich große Ungleichmäßigkeit der Preis­bewegung, während sich die Rind-, Kalb- und Hammel- flkischpreise in dem ganzen Zeitraum im allgemeinen un­unterbrochen aufwärts bewegen.

* (Eine für Hundebesitzer wichtige Ent­scheidung.) Besteht eine gesetzliche Verpflichtung für Hundebesitzer bei Verhängung der Hundesperre die Hunde festzulegen? Diese alle Hundebesitzer interessierende Frage entschied letzthin das Kölner Oberlandesgericht zu ungunsten der Besitzer. In Elberfeld und Umgegend ist seit zwei Jahren immer wieder die Hundesperre verhängt worden. Hausmeister Pütz in Elberfeld, der drei Hunde hält, war nun, weil er sie ohne Maulkorb im Freien hatte vmher- laufen lassen, wegen Uebertretung der polizeilichen Vor­schriften angeklagt, vom Schöffengericht wie auch in der Berufungsinstanz von der Strafkammer aber freigesprochen worden, weil der Angeklagte die ihm durch Verhängung der Hundesperre auserlegte Verpflichtung, die Hunde fest­zulegen, nicht vorsätzlich oder fahrlässig verletzt habe. Hier­gegen legte der Staatsanwalt Revision beim Oberlandes­gericht ein, welches das freisprechente Urteil der Strafkammer zu Elberfeld aufhob und die Sache zur anderwetten Ver­handlung an die Vorinstanz zurückwies. Wie aus der Urteilsbegründung hervorgeht, muß für die Dauer der Ge- fahr der Tollwutseuche dieFestlegung" aller in dem ge­fährdeten Bezirke vorhandenen Hunde polizeilich angeordnet werden, diese hat in Ankettung oder Einsperrung der Hunde zu bestehen. Der Angeklagte hat darin pflichtwidrig un­vorsichtig, also fahrlässig und damit schuldhaft gehandelt, daß er nicht für die Dauer des Aufenthaltes der Hunde auf dem Hofe das Hoftor verschlossen hielt oder halten ließ.

*(Migränin.) Das Kultusministerium macht im Staatsanzeiger" bekannt, daß das gegen Kopfschmerzen allgemein angewandte Heilmittel Migränin in die Liste der stark wirkenden Arzneimittel ausgenommen worden ist. Es darf fortan in den Apotheken nur auf Verordnung eines Arztes abgegeben werden.

3^ Friedewald, 21. Januar. Heute nachmittag ver. breitete sich die Nachricht hierfelbst, daß an der allen Hersfelder Straße in der Nähe der Gießlingskirche ein Mann erschlagen liege. Die sofort angestellten Recherchen haben ergeben, daß es sich um den Schneider Zang aus Herfa handelt, welcher am vorigen Sonn­abend seine im Landkrankenhause zu Hersfeld bedienstete Tochter besucht hat und aus dem Rückwege auf der alten Hersfelder Straße im sogen. EckhardSgründchen, gerade da, wo der Weg nach der Gießlingskirche abzweigt, die Kurve in der Dunkelheit verfehlt hat und in den über 2 Meter hohen Kanal unterhalb der Straße gestürzt ist. Die rechte Schläfe zeigte eine klaffende Wunde. Im Fallen hat der Verunglückte jedenfalls nach den Reisern am Rande gefaßt, denn in der einen Hand hielt er krampfhaft abgestreistes Laub fest. Da nichts von feinen Gegenständen, als Porte­monnaie, Uhr rc. fehlt, erscheint ein Verbrechen so gut wie ausgeschlossen.

Melsungen, 18. Januar. Weil der Backofen nicht schnell genug die erforderliche Hitze gab, half ein hiesiger Bäckermeister in vorletzter Nacht dem Feuer mit Petroleum nach. Der Erfolg war der, daß eine große Flamme aus dem Ofen schlug und dem Davorstehenden Bart und Augen­brauen versengte und ihm im Gesicht eine nicht unbedeu­tende Brandwunde beibrachle.

Fulda, 20. Januar. Bei der Landtagsersatzwahl für den Wahlkreis Fulda wurde OberlandeSgerichtS-Präsident Dr. Spahn einstimmig wiedergewählt. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt worden. (C. T)

Marburg, 18. Januar. Im Innern zweier umge- stürzten Litfaßsäulen fand man heute früh je einen sanft schlummernden Studenten. In der letzten Nacht hat die Polizei übrigens mehrere Trupps Studenten dabei erwischt, als sie sich an diesen Säulen zu schaffen machten. Das Schöffengericht beschäftigte sich heute mit einem Studenten­ulk. Der Dienstmann Graß, ein in Studentenkreisen be­kannter Mann, war kurz vor Weihnachten am Hellen Tage mit einer Laterne und einem Plakat vor einem Studentenzug hermarschiert und war von der Polizei in eine Geldstrafe genommen worden. Er legte hiergegen Berufung ein und erzielte Freisprechung, weil es sich hier um einen in einer Universitätsstadt gewohnten studentischen Scherz ge­handelt hatte.

Bon der Lahn, 20. Januar. Mehrere junge Leute aus Kirschhofen fielen in Weilburg in betrunkenem Zu­stande Paffanten, darunter auch einen Gymnasiasten, an, welchen sie derart schlugen, daß er an einer Gehirn­erschütterung schwer krank darniederliegt. Ein anderer Gymnasiast, der dem Mißhandelten zu Hilfe eilte, erhielt schwere Fleischwunden. ImAugust-Stollen" des Scheide- tales wurde ein 17jähriger Bergmann namens Magnus- Ueberntal durch herabstürzende Gesteinmaffen getötet.

Hanau, 20. Januar. Der frühere Bürgermeister Kraut aus Sonborn wurde auf der Freigerichter Klein­bahn überfahren und getötet.

Main;, 18. Januar. Einen Selbstmordversuch machte gestern abenö der Bürgermeistereisekretär Müller in BischbosS- heim, indem er sich mit einem Revolver in die Brust schoß. Schwer verletzt wurde der junge Mann in das Rochus­spital gebracht. Die Gründe zu der Verzweiflungstat sind unbekannt.

Darmstadt, 19. Januar. Bezüglich des gemeldeten Vorsalls in der städtischen Tanne ist nach den angestellten

Untersuchungen mit Sicherheit anzunehmen, baß es sich um einenSelbstmordversuch des krankhaft erregtenKnaben handelt.

Bon der Nahe, 18. Januar. In Bretzenheim an der Nähe waren mehrere Arbeiter mit dem Zerkleinern von Sprengpulver beschäftigt. Plötzlich entzündete sich die Masse, und zwei Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt. Außerdem wurde die Wohnung teilweise zerstört.

Altenbeken, 20. Januar. Bei dem Erdsturz, welcher sich gestern im Altenbekener Tunnel ereignete, sind wie ge. meldet, drei Arbeiter verschüttet worden. Die RettungSar- beiten waren erfolglos. Einem vierten an derselben Stelle beschäftigten Arbeiter war es möglich, sich mit Hilfe anderer Arbeiter zu retten. Trotz des plötzlichen heftigen Sturzes der Erbmassen hielt an der Einbruchstelle das bereits fertig­gestellte Gewölbe vollständig Stand. Etwa 35 italienische Arbeiter haben alsbald nach dem Bauunfall die Arbeit niedergelegt und Altenbeken verlassen. Etwa 6070 der übrigen 200 Arbeiter haben heute morgen mit der Forde­rung auf Lohnerhöhung und Arbeitsverkürzung die Arbeit niedergelegt; der Unternehmer verhandelt mit ihnen, wie es scheint, mit Erfolg, wenigstens ist heute Abend die Nachtschicht in Arbeit. Ersatz für die Italiener hat der Unternehmer bereits einberufen.

Weimar, 20. Januar. Gegen die Kindertänze wendet sich ein soeben vom Großherzogl. Staat-ministerium belannt gegebener Erlaß an sämtliche Schulvorstände der Groß- Herzogtums. Nach diesem sollen bei allen Kinderfesten und dergl. die Kindertänze als für die Schuljugend unpassend unter allen Umständen fortsallen, und die Schulvorstände haben auf die Befolgung des Erlasses streng zu achten.

Eifenach, 19. Januar. Die Karlsplatzszene anläß­lich der Reichstagsstichwahl am 17. November vorigen Jahres fordert immer weitere Opfer. Heute verurteilte die Strafkammer des hiesigen Landgerichts den Arbeiter Heß aus Fehrenbach wegen Teilnahme an einem Auflauf und Beamtenbeleidigung zu drei Monaten Gefängnis und dessen Ehefrau zu zwei Monaten Gefängnis und zwei Wochen Haft, beiden Angeklagten wird ein Monat Untersuchungs­haft angerechnet und ihnen die Kosten des Verfahrens auf erlegt. Der Staatsanwalt hatte 7 resp. 2 Monate Ge­fängnis beantragt.

Erfurt, 20. Januar. Aufsehen erregt eine in Langen salza erfolgte Entdeckung einer gesährlichen Kirchenräuber- bande, die seit vier Monaten in vielen Kirchen des Re­gierungsbezirks Erfurt schwere Einbrüche verübte. Drei Personen wurden verhaftet, darunter als Rädelsführer der Zimmermann Dünnebeil. Weitere Verhaftungen stehen bevor.

Bom Eichsfelde, 20. Januar. Ungeschicktes Han­tieren mit einer Schußwaffe hat in Weißenborn (K-eis Worbi«) ein schweres Unglück gezeitigt. Der auf der Domäne Gerode beschäftigte 15jährige Heinrich Rißland schoß sich aus Unvorsichtigkeit eine Kugel in den Leib In schwerverletztem Zustande wurde der unglückliche Schütze noch gestern abend in die Klinik nach Göttingen geschafft Es besteht nur geringe Hoffnung auf Erhaltung des Lebens.

Göttingen, 20. Januar. Der Zimmerlehrling Benkert tötete einen Schulknaben auf offener Straße nach kurzem Wortwechsel durch Messerstiche.

Göttingen, 19. Januar. Zwei französische Deserteure, von denen einer der Fremdenlegion in Algier entlaufen ist, wurden hier von der Polizei ermittelt. Die beiden im Alter von etwa 23 Jahren stehenden jungen Leute haben die Reise durch Deutschland zum größten Teil zu Fuß zurückgelegt. Sie beabsichtigen, sich nach England zu be= geben, um dort in das Landheer einzutreten.

Aus Südhannov-r, 19. Januar. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich gestern abend aus dem Bahnhof in Störten. Der Schaffner Bohnsack aus HildeSheim wollte von dem Viehzuge, der die Station ohne Aufenthalt pas­sierte, abspringen und geriet unter die Räder. DoS linke Bein wurde ihm abgefahren, auch erlitt er noch andere schwere Verletzungen. Aus dem Transport zur Klinik ver­starb der Unglückliche. Er hatte seine Frau, welche in Lenglern weilt, besuchen wollen.

Vom Harz, 19. Januar. Ein aufregender Vorfall ereignete sich in Thale. Ein 27jährigeS Mädchen hatte in seiner Wohnung eine Zusammenkunft mit feinem Bräutigam, mit dem es über die Zweckmäßigkeit einer baldigen Heirat sprach. Der Bräutigam soll es damit aber weniger eilig gehabt haben. Es kam zu einer ernsten Auseinandersetzung, in deren Verlaus bas Mädchen plötzlich einen Revolver zog und einen Schuß auf den jungen Mann abfeuerte. Zum Glück streifte die Ladung nur die Schulter des Mannes. Darauf richtete das Mädchen die Waffe gegen sich selbst und brächte sich eine Verletzung an der Stirn bei. Die Verletzungen der beiden sollen nicht lebensgefährlich sein.

vermischtes.

(Versteckte Erbschaft.) Vor 14 Tagen starb in Göllfchau bei Haynau eine Frau Hühner Sie hinter­ließ ein nicht unbeträchtliches Vermögen, welches testamen­tarisch an zwei Kinder der Tochter ihrer Schwester fiel. Bei Aufnahme des Inventars fand man, wie die Schief. Ztg. berichtet, in einer Hutschachtel und zum Teil in der Gar- nterung des Hutes selbst 21 000 M. in Wertpapieren, während die Verstorbene zum Verstecken des baren Geldes eine alte Lade gewählt hatte, zwischen deren Schätzen an Leinenwaren man drei Säckchen mit je 6000 M. in Zwan- zigmarkstücken und ein Söckchen mit 3000 M. in Zehn­markstücken, also nochmals 21 00 M. in Bargeld fanb.

Groß.? euer zerstörte die Ziegelei der Bunzlauer Werke (Firma Lengersdorff) in Bunzlau mit allen Ma­schinen und Oefen. Ein Hetzer wurde von einer einstürz- enden Mauer erschlagen. Der Schaden ist bedeutend Ferner brannten in Langwasser fünf Wirtschaften nieder.

Das größte Fernsprechnetz der Welt dürfte jetzt Berlin besitzen und seinen einzigen Rivalen in dieser Beziehung, New-Iork, überflügelt haben. Nach der Aufnahme beim Jahreswechsel, die für Bestimmungen der Bauschgebühren für das kommende Rechnungsjahr maß­gebend ist, zählt der Oberpostdirektionsbezirk Berlin nicht weniger als 92 669 Fernsprechanschlüsse.

München, 20. Januar. Der Lohgerbereibesitzer Gotz aus Erding hat das bei ihm bedienstete Hausmädchen, da« sich in anderen Umständen befand, durch Schläge auf den Hinterkopf betäubt und dann aufgehängt. Er wurde nebst feinem Sohne, der als Mittäter gilt, verhaftet.

In Pr. -Starga rd wurde am 17. d. M. Nach­mittags der vor den Artilleriebaracken in der Wilhelm- straße stehende Artillerieposten von zwei Männern Überfällen und mit dem eigenen Seitengewehr derartig zugerichtet, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird. Die Ablösung fand den Posten bewußtlos am Boden liegend. Leider sind die Unholde noch nicht ermittelt worden.

(Gewi ssenhafte Statistik.) Die Betrieb», leitung der Marienbader elektrischen Stadtbahn veröffent­licht soeben ihre Verkehrsstatistik für 1905. In dem mit großer Sorgfalt ausgearbeiteten Bericht findet sich folgen­der Passus: Ueberfahren wurden im Jahre 1905: 5 Spatzen, 3 Hunde, 1 Hahn; feit Bestehen der Bahn wurden überfahren: 16 Spatzen, 7 Hunde, 1 Katze, 1 Gans 2 Enten, 1 Hahn.

In Königrdahl um brachen Zigeuner Nachts in das Geschäftszimmer des Gemeindevorstehers Warnecke ein, raubten den Geldschrank, den sie auf eine Wiese schleppten, aufsprengten und nach Aneignung seines In­halts in einen Bach warfen. Es wurden nur vier Mit­glieder der Bande bei deren Verfolgung erwischt, die man nach HildeSheim in» Gefängnis brächte. Außer barem Gelde sind eine Anzahl Papiere, Wechsel, Urkunden usw. in Verlust geraten. Am Tage zuvor hatte der Gemeinde­vorsteher der Zigeunerbande noch die übliche schriftliche Be­scheinigung ausgestellt, daß sie sich während ihres Aufent­halt» in KönigSdahlum gut geführt habe undNachteiliges nicht über sie zu berichten" fei. Er sollte sie erst noch kennen lernen, diese braunen Söhne der Pußta.

Der Feldpostdienst für Südwestafrika besteht morgen zwei Jahre. In dieser Zeit hat die deutsche Feldpost insgesamt 4,536,000 Sendungen bearbeitet. Aus dem Ausstandsgebiet kamen insgesamt 3,005 000 Sendungen, dorthin ging, etwa» über die Hälfte davon, 1,531,000 Sendungen. Die braven Truppen schreiben also doppelt so viel nach Hause, als man ihnen antwortet. Es han­delt sich dabei wohl vielfach nur um Lebenszeichen auf Post­karten. Der Eingang aus Südwestafrika besteht fast aus­schließlich aus Briefen und Feldpostkarten, deren insge­samt 2,955,000 beim Marinepostbureau in Berlin ankamen. Außerdem trafen fast 50,000 Postanweisungen von dort ein. Nach Afrika gingen 1,434 840 Briefe, 90,000 Zei- tungsnummern und 18,000 Postanweisungen. Das Per­sonal der Feldpost in Afrika umfaßt jetzt 53 Beamte und 26 Unterbeamte. Von den Beamten ist einer Postdirektor, einer Ober-Postsekretär, einer Postmeister und 18 Assistenten.

Gent, 19. Januar. Der heute nachmittag 8 Uhr 50 Minuten von Ostende abgegangene, nach HerbeSthal be­stimmte Zug entgleiste in der Nähe von Gent. Der Post­wagen geriet in Brand und wurde mit seinem ganzen In- Halte, der von Dover gekommenen Post, vollständig zerstört. Die Post bestand aus 25 Säcken mit gewöhnlichen und ein­geschriebenen Briesen. Vier Zugbeamte sollen verletzt worden fein.

(Ein Zug derBrooklynerHochbahn ent­gleist) Auf der Hochbahn in Brooktyn entgleiste gestern ein Zug, wobei der hinterste Wagen, der mit Fah, gäben dicht besetzt war, aus einer Höhe von 35 Fuß auf die Straße hinunterfiel und vollkommen zertrümmert wu de. Die Trümmer gerieten in Brand, doch gelang es, die Fahrgäste zu retten, ehe sie den Flammen zum Opfer fielen. Bei dem Unfall sind zwölf Personen verletzt und eine ge­tötet worden.

(D e r .Kaiserlateiner.") Rosegger erzählt in seinem Heimgarten, daß der Vater d S Kaisers Franz Josef, E-zherzog Franz Karl, auf einem seiner einsamen GebirgSausflüge einmal bei Mariazell mit einem Aelpler gemütlich plauderte. Der Aelpler fragte endlich feinen Begleiter, den er für einen Wiener Bürgersmann hielt: Was ist denn nachher Dein Vater gewest?"Kaiser", antwortete der Erzherzog ruhig. Der Aelpler warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu und erwiderte dann ver­traulich:Sag das wenigstens nit so laut 's könnt a' Gendarm hör'n. Bei uns haben's neulich erst ein' oinge sperrt, weil er was vom Ka'ser gfjgt hat. Und wenn Du gar sagst, Dein Vater is Kaiser g'west . . ."Er ist auch Kaiser gewesen", erwiderte der Erzherzog.So", sagte jetzt mit pfiffiger Miene der Bauer,nachher hast g'wiß auch an Bruder oder a Schwester. Was find denn die?" Mein Bruder ist auch Kaiser", erwiderte der Erzherzog. Nun lachte fein Begleiter laut auf, und stehenbleibend fragte er;Hast a Kinder?"Gott sei Dank, ja," nickte der Erzherzog.Da ist gleich mein Franzl."Was ist denn der?" "Kaiser". Der Steterer lachte wieder auf und stemmte die Hände in die Hüften.Host no mehr solchene Kinder?"Freilich. Mein zweiter Sohn Max."Is auch Kaiser?"Das hast erraten. Der ist auch Kaiser."Na und was bist denn nachher du?"Wenn ich gewollt hätt'. könnt' ich auch Kaiser sein. Aber ich hab' keine Lust dazu gehabt." Der Bauer machte einen Lustsprung. 2116 er sich dann erholt hatte, klopfte er befriedigt seinem Be- gleiter auf die Schulter.Schad um di", sagte er,hätt'st a Jager werden sollen! Aber wenn m'r jetzt nach Maria- zell (Wallfahrtsort kommen, dann geh glei beichten du du Kaiserlateiner du!"

Charleston (Westvirginio), 19. Januar. In der Kohlenmine Paintereek sind durch die Explosion von Kohlenstaub 18 Personen getötet worden.

Ein Säbelduell zweierChansonetten wurde dieser Tage in Mailand ausgefochten. Die eine der Duellantinnen, eineBaronin" bei Fuoco, erhielt einen Säbelhieb ins Gesicht, während ihre Partnerin, eineSig- nora" della Vicosa, eine Hiebwunde am linken Oberarm davontrug. Das Streitobjekt der beiden Duellgegnerinnen war ein reicher Mailänder Industrieller.

Hetzte Nachrichten.

Als Staatssekretär des Auswärtigen ist der preußische Gesandte in Hamburg vonTschirschky undBögen - borff in Aussicht genommen.

Berlin, 21. Januar. Nach Telegrammen, die aus Breslau, Danzig, Dresden, Erfurt, Essen, Frankfurt am Main, Hannover, Kiel, Kottbus, Köln, Posen und anderen Städten des Reiches vorliegen, sind die am heutigen Tage abgehaltenen fozialdemokratischen Versammlungen unter einstimmiger Annahme der vom Parteivorgano vorge­schlagenen Resolutionen ruhig verlaufen, auch ist es nirgends zu Ruhestörungen gekommen.

Pari», 21. Januar. Nach hier eingegangenen Mel« düngen sind bereits in allen venezolanischen Hafenplätzen starke Besatzungen eingerückt. In La Guayra traf Castro Vorsorge, die Annäherung französischer Kriegsschiffe zu verhindern. Man glaubt, daß der französische Admiral Lapeyri^re beauftragt ist, mit seinem Geschwader von Trinidad sich einem venezolanischen Hafen zu nähern. Die Stimmung der Ausländer in Caracas ist infolge der von Castro inspirierten Hetzartikel keineswegs zuversichtlich.