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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 9.
Dienstag, den 23. Januar
1906
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 18. Januar 1906.
Nach einer Mitteilung des Herrn Landrat« in Homberg ist die unter dem Schweinebeftande des Landwirts Jacob Jber zu Oberhülfa ausgebrochene Schweineseuche erloschen. 1. 432. Der com. Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 18. Januar 1906.
Nach einer Mitteilung des Herrn Landrates in Roten« bürg a/F. ist unter der vereinigten Schafherde des Konrad und Friedrich Helmerich in Rotenburg o/F. die Räude ausgebrochen.
I. 431. Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Im Jahre 1906 finden an der Röntgt. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau zu Geisenheim a/RH. folgende Unterrichtskurse statt: 1. Oeffentlicher Reblauskursus vom 22. bis 24. Februar 1906. 2. Obstbaukursus in der Zeit vom 22. Februar bis 14. März 1906. 3 Baumwärter- kursus in der Zeit vom 22. Februar bis 14. März 1906. 4. Obstbau- 5. Baumwärter- (NachkurfuS vom 6. bis 11. August 1906 ) 6. Obstverwertungskursus für Männer vom 13. bis 25. August. 7. Obstverwertungskursus für Frauen vom 27. August bis 1 September. 8. Hefekursus in der Zeit vom 5. bis 17. November 1906. 9. Analpsenkursus i» de- Zeit vom 19. November bis 1, Dezember 1906.
Das Unterrichtshonorar beträgt: für Kursus 2: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen (auch Lehrer) 30 Mk., Preußische Lehrer stnd frei. Personen, die lediglich am Nachkursu» (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 Mk., Nichtpreußen 12 Mk., für Kursus 3: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 Mk., wenn sie nur am NachkursuS (Nr. 5) teilnehmen 5 Mk., für Kursus 6 u. 7 : für Preußen 6. Mk., für Nichtpreußen 9 Mk., für Kursus 8 u. 9: für Preußen 20 Mk., für Nichtpreußen 25 Mk. Außerdem für Reagentien 20 Mk., für Bedienung 1 Mk. Kursus 1 ist frei.
Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 2 bis 7 an die Direktion, bezl. des Kursus 8 an den Vorstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation und bezügl. der Kursus 9 an den Vorstand der önochemischen Versuchsstation. Wegen Zulassung zum Reblauskursus wende man sich an den zuständigen Herrn Oberpräsidenten. Geisenheim, den 28. Dezember 1905.
Der Direktor: Pros. Dr. Wortmann.
Der Sonnenfaiter.
Von M. v. B u ch.
(Fortsetzung.)
Prinzessin Amalie las die Depeschen und freute sich, freute sich doppelt, wenn das Regiment, in dem sie den Freund wußte, sich irgendwie ausgezeichnet hatte. In der Schlacht von Hohensriedberg, in dem das Dragoner-Regiment Bay- reuth unsterblichen Ruhm gewann, hatten' auch die tapferen Garde-du-Corps sieben Standarten und fünf Fahnen erbeutet. Den Tag nach der Schlacht erhielten alle Offiziere den Orden pour le merite.
Mit innerer Genugtuung und größter Befriedigung vernahm sie, daß der Freund wieder beständig in der Gesellschaft des Königs weilte; Friedrich hatte, wie er sagte, alles vergeben und vergessen und war gegen den ehemaligen Liebling voller Gnade und Güte.
Es kamen Zeiten, da die Prinzeß meinte, sie habe zu schwarz gesehen, sie habe umsonst gezittert und gesorgt. Dem Frennde hatte sie anvettraut: sie fürchte, sie beide, sie und Trenck, hätten das Schicksal herauSgejordert und würden dafür büßen müssen. Vielleicht war das doch nicht wahr. Vielleicht würde alles gut werden, was sie gemeint hatte, es müsse ein schlimmes Ende nehmen. Ob sie noch einmal die Sterne befragen sollte? —
Nach der glorreichen Schlacht von Hohensriedberg hatte sich der österreichische Heersührer Prinz Karl von Lothringen nach Böhmen zurückgezogen, um dort neue Kräfte zu sammeln. König Friedrich rückte ihm nach, ging jedoch nicht tiefer nach Böhmen hinein.
Die Festung Kosel wurde zurückerobert und Oberschlesien von den letzten Oesterreichern gesäubert. Die letzte große Entscheidung aber blieb dem Glücke vorbehalten.
Kaiserin Maria Theresia hatte es durchgesetzt, daß ihr Gemahl Prinz Franz von Lothringen zum Kaiser gekrönt worden war: in ihren Augen war und blieb König Friedrich, da er die Waffen gegen sie erhob, ein rebellischer Untertan, den man züchtigen müsse, koste es, was da wolle.
nichtamtlicher teil.
Sie realen FMensintmffen zwischen inglanh unh Seutitbianb.
Wenn man nach dem wahren Grunde der englischen Gegnerschast inbezug auf Deutschland forscht, so wird man in erster und letzter Linie immer mehr aus die Sorge der Engländer stoßen, daß in Deutschland ihnen infolge der gewaltigen Fortschritte seiner Industrie und seines Handels in den nächsten Jahrzehnten den Welthandel entreißen könnte. Viele Engländer glauben also für die Erhaltung der englischen Großmacht eine politische Feindschaft gegen Deutschland unterhalten zu müssen. Mit dieser Tatsache muß deshalb Deutschland auch auf alle Fälle bei sämtlichen politischen und wirtschaftlichen Aufgaben und Konflikten rechnen. Aber die Bedeutung des Welthandels ist gerade für die beiden größten handeltreibenden Nationen Europas, für England und Deutschland, auch gewiffer- . maßen eine solidarische, eine den beiderseitigen Handel wechselseitig so unbedingt stützende, daß die gemeinsamen Handelsinteressen Englands und Deutschlands im Grunde genommen den Frieden zwischen England und Deutschland fordern. Diese gegenseitige Stütze des englischen und des deutschen Handels wird jetzt auch in England mehr und mehr gewürdigt und in statistischen Werken beleuchtet. Deutschlands Einfuhr aus Großbritannien stieg von rund 833 Millionen Mark im Jahre 1903 auf rund 961 Mill. Mark im Jahre 1904. Einer der aufnahmefähigsten Märkte war für Großbritannien das deutsche Zollgebiet. Ein Blick auf die hervorragendsten Einfuhrartikel aus Großbritannien zeigt, daß durch die Möglichkeit, den Export nach Deutschland zu steigern, für eine Reihe von Gewerben in England die ungünstige Situation einigermaßen gemildert werden könnte. Vor allem gilt dies für den Kohlenbergbau sowie für das Eisen- und Maschinengewerbe. Von 51,9 Millionen Doppelzentnern im Jahre 1902 stieg die Kohleneinfuhr im Jahre 1903 auf 53,9 und im Jahre 1904 auf 58,1 Millionen Doppelzentner. Ganz beträchtlich ist auch angesichts der Marktlage in Deutschland die Einfuhr von englischem Roheisen gestiegen. Sie war um 93 461 Doppelzentner größer als im Jahre 1903 und stellte sich auf 1 429 719 Doppelzentner. Die Einfuhr von Baumwollspinnmaschinen verdoppelt sich fast. Sie stieg von 63 991 Doppelzentnern im Jahre 1903 auf 126 045. Auch für die Zunahme in der Position „Maschinen zu industriellen Zwecken, anderweitig nicht genannt“ stieg die Einfuhr erheblich, und zwar von 53 942 auf 85 180 Doppelzentner. Bei manchen Textilfabrikaten fanden gleichfalls ausgiebige Steigerungen statt, so vor allem in eindrähtigem Baumwollgarn, in Leinengarn, während die Einfuhr von
Der Kurfürst von Sachfen und König von Polen Friedrich August stand ganz auf feiten der Kaiserin. Ihr mutiges Vorgehen hauchte auch ihm Mut ein und ließ ihn hoffen, daß es den verbündeten Mächten gelingen werde, den Gegner zu werfen.
Friedrich August trug sich mit dem Gedanken, die polnische Königskrone in seiner Familie erblich zu machen. Um diesen Plau zu verwirklichen, mußte er daran denken, einen Verbindungsweg zwischen Sachsen und Polen zu schaffen.
Am besten und einfachsten konnte dies auf Kosten Preußens geschehen. So hatte er das lebhafte Interesse daran, diesen Markgrafen von Brandenburg gedemütigt zu sehen, aus daß er steigen könne.
Oesterreichs Heer war durch sächsische Truppen vermehrt worden, das preußische war aus sich allein angewiesen.
König Friedrich hatte außerdem verschiedene Korps als Deckung nach Sachsen und Schlesien gesandt. So bestand feine Armee nur aus 8000 Mann.
Prinz Karl von Lothringen wußte das sehr wohl. Er, der die Stärke eines Heeres nur nach der nummerischen Stücke beurteilte, beschloß, Friedrichs Truppen zu umzingeln und aufzureiben. Der König von Preußen befand sich gerade bei Trautenau, als er von diesem Plane Kenntnis erhielt. In aller Stille traf er seine Vorbereitungen, um dem Feinde zuvorzukommen.
Es war ein schwüler, heißer Tag gewesen, obwohl man sich tief im September befand. In der Nacht darauf kühlte es sich ein wenig ab, in der Ferne hörte man das dumpfe Grollen des Donners. Im Lager der Preußen waren die Feuer im Erlöschen, da ward es bereits im Zelte des Königs lebendig. Bald nach Mitternacht erhob sich der Herrscher, ließ den Reitknecht daS Pferd satteln und ritt, nur von Trenck begleitet, durchs Lager, um alles für den erwarteten Angriff des Feindes vorzubereiten.
Gegen 4 Uhr waren die Truppen kampfbereit: die Pferde, gesattelt, standen zum Aufsitzen ber.it, die Mannschaften befanden sich in den Zelten. Die Vorposten, die man gegen das Gebirge ausgestellt hatte, waren zurück
Wollengarn einen Rückgang erfuhr. Deutschland ist somit der größte und beste Kunde Englands. Dazu kommt, daß auch Deutschlanos Ausfuhr nach England immer mehr ge« wachsen ist. Deutschland« Ausfuhr nach Großbritannien stieg von rund 887 Millionen Mark im Jahre 1903 auf rund 995 im Jahre 1904. Da der deutsche Export nach Großbritannien zum Teile nicht in England bleibt, sondern im englischen Handel anderweitig auSgeführt wird, bedarf es keiner langen Darlegung, um zu zeigen, welche schweren Wunden sich England selbst schlüge, wenn es durch eine kriegerische Verwicklung den Handel Deutschlands schädigte. Die innige Verknüpfung der Handelsintereffen beider Länder weist beide Staaten mit zwingender Notwendigkeit darauf hin, friedliche Beziehungen aufrecht zu erhalten.
Sie Mmkk-Äonfemz.
Da der Redaktionsausschuß der Marokko-Konferenz die Ausarbeitung der bezüglich der Unterdrückung des WaffenschmuggelS zu machenden Vorschläge noch nicht beendet hat, wird die Konferenz erst am Montag zu einer Sitzung zusammentreten. Ja einer Unterhaltung mit einem französischen Politiker, von der die Agence HavaS zu berichten weiß, äußerte dieser, bisher fei absolut nichts Sensationelles, ja nicht einmal irgend etwas Neues aus den Konferenzverhandlungen zu melden; man könne sich, sozusagen, nicht« denken, was weniger Interesse errege, als die fünf ersten Tage der Konferenz. Es habe ja den besten Eindruck gemacht, daß der Herzog von Almodovar und Revoil gleich von Beginn an den Grundsatz der offenen Tür in kommerzieller Beziehung proklamiert hätten, damit seien doch aber die wirklichen. Schwierigkeiten nicht gelöst, und man habe den Eindruck, daß man in gemeinsamen Einverständnis zögere, an die wirklich schwierigen Fragen heranzutreten. Selbst die Frage des Waffen- schmuggels bleibe auch nach dem vorgestrigen Gedankenaustausch eine durchaus offene, und die vorgestrigen Beratungen hätten nicht einmal eine Andeutung darüber ergeben, welche Ansicht bezüglich der Ueberwachung des Innern und der Küsten Marokkos wohl den Sieg davon, tragen werde. Der französische Politiker kam dann auf die deutschen Delegierten zu sprechen und sagte, sie hätten ja einigen Journalisten gegenüber sich versöhnlich ausgesprochen, sie dürften sich aber wohl selbst bewußt sein, daß sie sich gar nicht anders hätten aussprechen können und daß ihre Erklärungen geradezu banal gewesen seien. — Der Schluß dieser Unterredung charakterisiert die Quelle, die davon berichtet.
Paris, 20. Januar. In einer gestern abend im Saale der Freimaurerloge Grand Orient unter dem Vorsitz des Akademiker» Anatole France stattgehabten überaus zahlreich besuchten Versammlung 'hielt saures eine Rede über die Konferenz in AlgeciraS, in welcher er zunächst
gezogen worden, um den Feind in seiner Vermutung, daß man des Königs Heer im Schlafe überrumpeln würde, zu bestäcken.
Auf einer Anhöhe, auf jener Seite, von der man den ersten Angriff des Feindes erwartete, hatte Friedrich acht Kanonen auffahren lassen, deren Feuerschlünde den Oesterreichern den ersten Gruß der Preußen bestellen sollten.
Mit Sehnsucht erwartete man den Tag, der noch immer nicht dämmern wollte. Silbergraue Schatten wallten von der Erde auf und schwanden in der Luft. In der Richtung, in der man die Oesterreicher vermutete, blieb alles still, — Ein erwartungsvolles Schweigen hielt die Welt umfangen.
König Friedrich, der bereits mehrere Stunden an der Arbeit war, zügelte jetzt sein Roß und ließ sich einen kleinen Imbiß reichen.
An der Seite des Königs hielt Trenck. Er sah, wie die Sterne erblaßten, und eine eigentümliche Stimmung ergriff ihn. Er dachte daran, was sie, die ihm teuer war, denn sein Leben, erzählt hatte. Prinzeß Amalie hatte einst um sein — Trencks — Schicksal die Sterne befragt, allein diese hatten ein geheimes Stillschweigen bewahrt. Was würde ihm die Zukunft bringen? Unwillkürlich mußte er an die Worte denken, die die Prinzeß beim Abschiede im Schloßgarten zu Monbijou gesprochen hatte. Hatte sie recht gehabt mit ihrer düsteren Ahnung?
Wieder sah Trenck gen Himmel, an dem allmählich die Sterne erblaßten, und seufzte leise. Kühler wehte der Wind, ein Frösteln überkam ihn. Da war es, als ob im Osten ein fahler Streif dämme te. Er wurde heller und heller. Im Lager wieherten freudig die Rosse, sie ahnten das Nahen des Tagesgestirns. — Plötzlich fuhr Trenck auf, er hörte die Stimme des Königs.
„Die Sonne will aufgehen," sagte der König, „wenn sie sich dem Untergänge neigt, ist mein Schicksal entschieden."
„Majestät," rief Trenck feurig aus, „es wird alles gut werden!"
„Ich hoffe es," sagte Friedrich gedankenvoll, „ich habe Tag und Nacht gearbeitet unt) meine Pflicht getan. Als