war Lenz am 5. Januar in Bascho in Kamerun an den Folgen einer Lebecerkrankung gestorben.
Haiger, 18. Januar. Auf der dem Staat gehörigen Grube „Eisenzeche" wurde der 19jährige Bergmann Heinrich Magnus aus Oberscheld von herabstürzendem Gestein verschüttet. Er konnte nur als Leiche geborgen werden.
Frankfurt a. M., 17. Januar. Gestern abend gegen 12 Uhr logierte sich der in Münster als Einjähriger dienende und von dort desertierte Erich Seligmann aus Halensee bei Berlin in einem Hotel am Hauptbahnhof ein. In das Fremdenbuch trug er stch als Kaufmann von Hamburg ein. Heute früh um 8 Uhr ließ er stch wecken, begab sich aber wieder auf fein Zimmer. Gegen 11 Uhr schoß er sich mit einem Smillimetrigen Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe und blieb bewußtlos und vollständig angekleidet auf dem Bette liegen. Die requirierte Rettungswache brachle den Lebensmüden sofort in das Militärlazarett nach Bockenheim. Auf dem Tische seines Zimmers hatte Seligmann eine Karte zurückgelaffen, die Angaben über feinen Namen und den Wohnort seiner Eltern enthielt.
Darmstadt, 18. Januar. Ein Raubanfall, der aus die Sicherheit im hiesigen Stadtwald kein günstiges Licht wirft, ereignete sich gestern abend kurze Zeit nach 6 Uhr im westlichen Teil des Waldes. Um diese Stunde ging der 16jährige Gymnasiast Clemm, der Sohn des in der Rheinstraße wohnhaften praktischen Arztes Dr. Clemm, spazieren. Plötzlich kam ihm ein anscheinend dem Arbeiter- stand angehöriger Mann entgegen, stürzte sich aus ihn und riß den vor Schreck erstarrten Gymnasiasten zu Boden. Dann steckte der Räuber dem jungen Mann einen Knebel in den Mund und, als der Schüler Miene machte, sich zur Wehr zu setzen, feuerte jener aus einem Revolver einen aus das Herz gerichteten Schuß ab; die Kugel prallte an der linken Rippe ab und traf die Lunge. Nachdem der Uebersallene auf diese Weise wehrlos gemacht worden war, nahm der Täler dem jungen Mann die Uhr und das Portemonnaie aus den Taschen; letzteres enthielt nur wenige Mark. Als der Räuber sein Opfer nach weiteren Wertsachen durchsuchen wollte, näherten sich zwei Soldaten, die von dem nahegelegenen Schießplatz des Leib-Garde-Regiments zu- rückkehrten; der Täter floh, und die Soldaten, die sofort die Situation übersehen hatten, nahmen seine Verfolgung auf. Bisher ist es jedoch nicht gelungen, eine Spur von dem frechen Räuber aufzufinden. Der junge Clemm wurde in tre Wohnung seines Vaters gebracht, der die ärztliche Behandlung des Schwerverletzten übernahm. Es steht zu hoffen, daß der junge Mann nach einem operativen Eingriff mit dem Leben davonkommen dürfte.
Höchst, 16. Januar. Mit starkem Knall explodierte gestern abend gegen 7V* Uhr in der Alizarinfabrik der Farbwerke ein schmiedeeiserner Alizarin,Ichmelzkeffel, wobei der vermutlich an dem Apparat oder in der Nähe desselben beschäftigte ältere Vorarbeiter PleineS aus der Kolonie Unterliederbach feinen Tod fand. Gleichzeitig wurde das Dach durchschlagen und das Gebälk entzündet. Der Brand wurde von der Feuerwehr der Farbwerke binnen einer Viertelstunde gelöscht, der Schaden ist immerhin bedeutend.
Heiligenstadt, 17. Januar. In Struth ist die Zi- garrenfabrik von Engelhard u. Co. völlig niedergebrannt. 120 Arbeiter sind brotlos.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
Am Berliner Getreidemarkte herrschte während der am 17. Januar beendeten Bertchtswoche ziemlich rege Kauflust für handelsrechtliche Lieferung. Zweifellos bildet den Hauptgrund für diese Erscheinung die Annahme, daß die Inlandspreise bis zum Inkrafttreten der Zollerhöhung die dann gegebene Parität mit den Weltmarktspreisen erreicht oder doch sich ihnen weiter angenähert haben werden. Die Notierungen für Mai- und Julilieferung von Weizen und Roggen stellten sich jetzt schon um 8 bis 12 Mk. über den Wert sofort greifbarer Ware. Ob aber obige Voraussetzung zutrifft, bezw. ob in den ersten Monaten nach dem 1. März die erhöhten Preise sich werden aufrecht erhalten lassen, wird im wesentlichen davon abhängen, wie hoch sich die mit Rücksicht aus die bestehende Zollerhöhung von der Landwirtschaft zurückgehaltenen Vorräte belaufen und wie große Mengen ausländischen Getreides bis zu dem gegebenen Zeitpunkte zu den alten Zollsätzen werden ins Land ge> schafft sein. Auch werden die dann schon mit Sicherheit zu beurteilenden Ernteergebnisse Argentinien«, Australiens und Indiens sowie die Ernteaussichten Europas und Nordamerikas wesentlichen Einfluß ausüben. Politische Befürchtungen wegen der Marokkofrage sowie Bedenken hinsichtlich der sich für Abschluß eines Handelsvertrages mit Nordamerika bietenden Schwierigkeiten trugen dazu bei, den Markt in fester Stimmung zu halten, und am letzten Tags der Berichtswoche war es hauptsächlich die günstigere Beurteilung der politischen Lage, welche eine Ermattung herbeiführte. Roggen wird auch hoch gehalten, weil bei unbefriedigender Qualität der inländischen Ernte das ausländische Angebot ungenügend ist. Sehr fest wird die Marktlage für Hafer geschätzt; trotz bedeutender Einfuhr macht sich ein starker Jnlandsbegehr geltend, während das Angebot der einheimischen Landwirtschaft in diesem Artikel bei hohen Forderungen äußerst knapp bleibt. In Mai« war das Geschäft recht rege. Sofort abzuladende und schwimmende Ware wurde in größeren Mengen erworben. Die Preise für handelsrechtliche Lieferung per Mai stellten sich am letzten Tage der Berichtswoche wie folgt: Weizen 191,50 Mk., Roggen 176,50 Mk., Hafer 165,50 Mk., Mais 131,25 Mk.
Merkwürdige Winter.
„Der Winter ist ein rechter Mann, kernfest und auf die Dauer." Jedoch nicht in jedem Jahr zeigt er sich als der harte felsenfeste Mann. Zuweilen scheints als mache ihm fein hohes Alter doch schon zu schaffen. Dann ruht er in seinem Stammschloß im hohen Norden auf weichem Schneepfühl und schickt, um uns wenigstens ein Lebenszeichen zu geben, einen seiner Gesandten, dem e« aber auch nur wenig behaglich ist. In der Nacht nur wagt er sich hervor, und tagsüber verbirgt er sich ängstlich vor den Blicken der Sonne. In solchen Jahren ist es dem Frühling ein leichte«, den Boten des Winters zu vertreiben; und früh treten dann Blütenduft und Sonnenschein ihre Herrschaft an.
Zu allen Zeiten hat es solche schwächliche, milde Winter gegeben, und die Chronisten haben nicht versäumt, sie in ihren Annalen der Vergessenheit zu entreißen.
So schreibt der thüringische Chronist BicharduS in seiner 1613 erschienenen Chronik: „Anno 1186 war ein warmer und linder Winter, denn es war bald im Anfänge des neuen Jahres so schönes, warmes Wetter, daß die Bäume
im Januar anfingen zu blühen, und im Hornung waren, die Aepfel allbreit so groß, wie ziemliche welsche Nüsse. Gleicher Gestalt blühte der Wein und dar Getreide auch gar zeitlich, und weil keine Kälte noch Frost daraus erfolgte, sondern immer ein seiner, beständiges fruchtbares Wetter blieb, war es der Früchte halber ein sehr gutes Jahr. Im Maimonden war Ernte in Thüringen, da man doch sonsten kaum im Ausgang des Monden Juli pfleget an den Schnitt zu gehen. Vmb. SixtuStag (im Anfang August) hatte man allenthalben, wo nur Weinwachs war, newen Most, und war Korn und Wein dieses Jahr in Uebeifluß
Anno 1420 ist der Winter so linde und warm gewesen, daß eS männiglich wunder nahm, am 7 Aprilus, auf welchen Tag der Ostertag fiel, waren schon alle Hecken voll Rosen, und fand mitten im April schöne zeitige Kirschen und Erdbeeren, dergleichen blüten schon AuSgang des April die Weinreben, das man angehend Mai Weinbeeren fand in ziemlicher Größe, aber es kam auf den 8. Juni ein Reis, welcher alle Früchte hinterstellig machte.
Anno 1613 hat der warme Winter, wie er im vorigen Jahre angefangen noch immer angehalten, also daß an et- lichenOrten und sonderlichen um die Gegend bei Saugerhausen und dem Wendelstein an der Unstrut die Pflaumen- und Kirschbäume, desgleichen der Winter Rübsamen geblüht haben.
Auch den Winter, die durch übergroße Strenge sich ausgezeichnet haben, hat der Chronist ein Denkmal gesetzt. Er schreibt:
Anno 763 war ein grimmiger kalter Winter, davon nicht allein die Menschen und das Vieh, sondern die Bäume Schaden genommen. Diese Kälte halte angefangen am 1. Tage Octobris, und hat gewährt bis Februarium, davon ist das Meer an etlichen Orten in hundert Meilen hinein gefroren, an etlichen Orten in die dreißig Ellen Dicke. Die Saale und Werra und andere große Wasser sind gar nahe bis auf den Grund ausgefroren. Daraus ein Schnee nach dem andern gefallen, an vielen Orten zwanzig Ellen hoch gelegen, und hat der Himmel von großer Kälte, als ob er von eitel Feuer brennete, gesehen.
Anno 1513. Dieses Jahr ist ein grausamer kalter Winter und groß Eis gewesen, welches nicht ohne Schaden im folgenden Jahre abgangen. Es währten die Fröste von Michaelis bis auf Lichtmeß. Und dieses Jahr ist der kalte Winter, davon unsere Voreltern zu sagen gewußt, und gemeinlich ihre Jahresrechnung danach gemacht, denn kein Mensch dergleichen Kälte zuvor gedacht hatte. Der Frost war so grimmig, daß 1514 vielen Menschen die Zehen an Füßen erfroren. Im Anfang des Jahres 1539 um Weihnachten und hernach ist großer Schnee gelegen, und daneben grausame Kälte gewesen, daß man Tauben, Sperlinge und andere Vögel auf den Gaffen hat tot gefunden. Den 21. September 1603 ist eine solche grausame Kälte eingefallen, daß, wie die Sage gangen, von der Ruhl an bis Weimar im Walde 24 Personen erfroren und umge- kommen sein sollen. Anno 1608 um den Tag der heiligen drei Könige ist eine schreckliche und bei Menschengedenken unerhörte Kälte angefallen, daß um den thüringer Wald viele Leute erfroren.
Daß diese Nachrichten nicht immer quellenmäßig beglaubigt sind, sondern zuweilen nur aus einer sehr unsicheren Tradition beruhen, bedarf wohl kaum der Erwägung.
vermischter.
— Hergatz, 18. Januar. Da« Luftschiff des Grafen Zeppelin wurde nach feiner gestrigen glatten Landung im Allgäu durch einen Orkan erheblich beschädigt. Wie die Besichtigung ergeben hat, sind weitere Flugversuche vorläufig ausgeschloffen.
— Unsinnige Kriegsgerüchte kursieren seit einigen Tagen auch in Mecklenburg, namentlich in der ländlichen Bevölkerung in der Umgebung von Parchim. Welchen Grad die Beunruhigung dort bereit« angenommen hat, beweist ein Fall, wo auf einem benachbarten Gute die Forstarbeiter kurzer Hand die Arbeit niederlegten, mit der Begründung, daß sie am nächsten Tage ja doch zu den Fahnen sich gestellen müßten, da der Krieg (gegen wen nur?) erklärt fei. Wer das unsinnige Zeug aufgebracht hat, war nicht zu ermitteln.
— (Ein Raubmord in Köln.) Heute morgen 6 Uhr wurde der Schankwirt Josef Sei» am Dönninger Weg aus der Straße von mehreren Eisenbahnbeamten ermordet aufgesunden. Die Hände des Getöteten waren zusammen- gebunden, der Schädel eingeschlagen, die Brust wie» mehrere Messerstiche auf. Anscheinend liegt Raubmord vor.
— Langenfeld, 17. Januar. Eine 25jährige Dame nahm gestern wegen Zahnschmerzen einige Tropfen verdünnter Karbolsäure. Augenscheinlich hatte sie einige Tropfen davon geschluckt, so ldaß man gezwungen war, schleunigst ärztliche Hilfe herbeizuholen. Ehe der Arzt ein» traf, war die Unvorsichtige gestorben.
— (Eine moderne Arche Noah.) Das Schiff „Kildonan Castle" traf am Sonnabend mit einer ungewöhnlich großen Tierladung in England ein. Unter der Ladung befanden sich 6 große Seelöwen, 60 Pinguine, 70 Schlangen, 2 Wölfe, 76 südafrikanische Felsenkaninchen, 750 afrikanische Vögel aller Art, 10 Antilopen, darunter Spring- böcke und Buschböcke, 17 Bienenvögel, 750 Schildkröten und 300 große, grüne Frösche. Eine große Zahl von Weißen und Eingeborenen ist monatelang auf der Jagd nach diesen Tieren gewesen.
— (Eine lustige Wahlgeschichte.) Au» dem Wahlkreise Jslington (London), wo der Wahlkampf wegen der gleichen Stärke der Parteien ein äußerst erbitterter ist, wird dem „Hann. Cour." eine lustige Wahlgeschichte berichtet. Ein konservativer Canvasser, d. h. einer der Agenten, die die Wähler in ihren Häusern aufsuchen, um sie zu veranlassen, dem betreffenden Kandidaten der Partei ihre Stimme zu geben, traf in der Wohnung eines Arbeiters diesen nicht zu Hause, wohl aber dessen Frau. Die Frau hörte da« Anliegen des konservativen Agenten mit Interesse an und legte besondere Genugtuung über die nach Einführung der fiskalischen Reform angeblich in Aussicht stehende Hebung der Lebensverhältnisse der Arbeiter an den Tag, sagte aber dann mit nachdenklichem Gesicht: „Ja, sehen Sie, meinem Mann ist schon von jemanden ein neuer Anzug versprochen worden, fall« er liberal wählen wollte." Dies war natürlich Wasser auf die Mühle des Konservativen, denn wenn sich der Nachweis erbringen ließ, daß ein liberaler Canvasser derartige Etimmenköderung betrieb, so würde die liberale Wahl eventuell ungültig gewesen sein. Der Konservative bat die Frau daher dringend, ihm den Namen dessen zu nennen, der den neuen Anzug versprach. Die Arbeiterfrau wollte sich dazu absolut nicht bewegen
lassen. Als ihr aber der Canvasser für die Namensnennung
1 Psd. St. versprach und im voraus aushändigte, sagte sie in freundlichstem Tone: „Sehen Sie, das swar ich. Ich habe meinem Alten einen neuen Anzug versprochen, wenn er liberal wählt, und jetzt habe ich schon 1 Pfd. St. dazu." Was der konservative Agent darauf sagte, darüber schweigen die Blätter.
— (Verbrecherische Liebe.) Ein in der Nähe von Paris wohnender Fabrikbeamter, Klaußmann, der eine schöne Frau hatte, beging die Unvorsichtigkeit, seinen Neffen Albert in sein Hau« aufzunehmen. Zwischen Tante und Neffen entspann sich bald ein Verhältnis, das die Grenzen verwandtschaftlicher Zärtlichkeit wett überschritt. Eine» Abends fand man nun Klaußmann neben einer Hecke schwer verwundet liegen. Er hatte einen Schuß in den Rücken erhalten. Der Täter war nicht zu entdecken. Der Verletzte genas nach einigen Wochen. Mehrere Monate verstrichen, bis eine Freundin der Frau Klaußmann diese als Täterin den Behörden anzeigte. Sie hatte die Nachricht von der schuldigen Frau selbst erhalten. Durch das Un- gestrastbletben ihres Verbrechens kühn gemacht, hätte diese vor ihren Freundinnen sich der Tat gerühmt. Sie war ihres Gatten überdrüssig geworden und stistete Albert an, ihn aus der Welt zu schaffen. Sie kaufte einen Revolver und postierte sich mit jenem hinter einer Hecke, an der Klaußmann vorbeiging, wenn er abends aus der Fabrik heimkehrte. Im letzten Augenblick jedoch, als der Onkel erschien, verlor Albert den Mut und ließ den Revolver sinken. Da ergriff die beherztere Frau die Waffe und drückte los. Aus Grund der Anzeige wurde zunächst der Neffe verhaftet, der ein vollständiges Geständnis ablegte. Frau Klaußmann entfloh rechtzeitig. Ihr Aufenthaltsort ist noch nicht entdeckt.
— (Die Indianer auf dem KriegSpfad.) Aus New-Aork wird berichtet: Eine große Bewegung herrscht gegenwärtig unter den Winnebago-Jndianern im Nebraksa« Reservatgebtet, die durch die Erwartung eines indianischen „Messias", der im Frühling kommen und die verhaßten Weißen ins Meer treiben soll, in Aufregung versetzt werden. Die Indianer tanzen den „Mescal", einen milden Geister« tanz, und sie nehmen dabei eine so drohende Haltung an, daß man den Tanz durch Patrouillen verboten hat. Es handelt sich augenscheinlich um eine Wiederholung des großen Aufstandes von 1890, wo dieselben aufgeregten Tänze erbitterte Angriffe auf weiße Ansiedler einleiteten. Die WinncbagoS sind wegen der Haltung der Regierung in Sachen der Landansiedlungen und Lebensmittel empört. Die Anstifter und Leiter beim „Mescal" behaupten, der indianische „Messias" habe sich ihnen wiederholt offenbart und allen roten Stämmen befohlen, sich zusammenzutun und gegen die weißen Eindringlinge auf dem KriegSpfad zu ziehen. Eine Anzahl von ihnen hat auch das Reservatgebiet verlassen und zieht in kleinen Banden im Lande umher, um den „Messias" zu suchen, der in Gestalt eines Büffelochsen erscheinen soll.
— Ueber den Selbstmord eines ungetreuen Beamten meldet die Allensteiner Zeitung: Der Forst- kassenrendant Gudat wurde am Sonnabend bei einer Kassen« revision verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis gebracht. In der Nacht zum Sonntag erhängte sich Gudat. Die Höhe der von ihm veruntreuten Summe steht noch nicht fest. Man spricht von 10 000 M.
Letzte Nachrichten.
Hamburg, 18. Januar. Bei den Unruhen in der vergangenen Nacht sind außer zwei schwerverletzten Schutzleuten, von denen einer gestorben ist, während der andere sich im Krankenhause befindet, noch 15 berittene Schutzleute mehr oder minder schwer verletzt worden. Auch bei den Fußmannschasten sind mehrere, allerdings leichtere, Verletzungen vorgekommen. Die Anzahl der verwundeten Zivilpersonen konnte von der Polizei bisher noch nicht festge« stellt werden; sie scheint aber erheblich zu sein, da vielfach Apotheken, Aerzte, Heilgehilfen und auch die SanitätSwachen und die Feuerwehr von Verwundeten in Anspruch ge« nommen wurden. — Die Alsterdampfer haben ihre Fahrten heute wieder ausgenommen.
Pari», 18. Januar. Ministerpräsident Rouvier ließ infolge der Meldung, daß dem französischen Geschäftsträger in Venezuela, Taigny, vom Präsidenten Castro die Landung im Hafen von La Guayra untersagt wurde, dem hiesigen venezolanischen Vertreter Maubourgnet unverzüglich seine Pässe überreichen und ihn auffordern, noch heute das französische Gebiet zu verlassen.
Nach einer Meldung aus Petersburg fand der Bahnwärter der Nikolaibahn zwischen den Schienen der Hofzweigbahn, welche die Linien nach Zorskoje Sselo, Gat- schina, Peterhof und Kraßnoje Sselo verbindet, eine in ein weiße« Tuch gehüllte Kiste, deren Inhalt er, mit einer Kerze in der Hand, zu untersuchen begann. Da ertönte eine entsetzliche Explosion, durch welche das ganze Wächter« hau« in Brand geriet. Der Wächter und seine drei Söhne wurden getötet ein Arbeiter schwer verletzt. Die Unter« suchung stellte das Vorhandensein eines Dynamitgeschoffe» fest, welches geeignet war, jeden Eisenbahnzug injTrümmer zu schlagen.
Durch nachstürzende Gebirge wurden gestern drei beim Hinterpacken bes Gewölbe» beschäftigte Arbeiter im A l t e n« bekener Tunnel verschüttet. Es besteht keine Aussicht, sie zu retten.__
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 21. Januar.
Vormittags V2IO Uhr: Herr Pfarrer Werner von Wippershain.
Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagsschule.) Nachmittag« 2 Uhr: Herr Pfarrer S ch r a d e r.
Vormittags ValO Uhr: Gottesdienst in Petersberg Mittwoch den 24. b. Mt«. Abends 8 Uhr: Gottesdienst in der Stadtkirche.
Donnerstag den 25. Januar Abends 8 Uhr: Gottesdienst in der Hospitalskapelle.____________________________
Hierzu eine Beilage und 9ir. 3 des „Jllrrstrikten Sonntagsblattes".