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hersfel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt' undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 7.

Donnerstag, den 18. Januar

1906.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 9. Januar 1906.

In Folge Ablebens des Schlachtvieh- und Trichinenbe» schauer« Johannes Münzel zu Hillartshausen wird die Ge­meinde Hillartshausen dem Schaubezirk Lautenhausen zugeteilt. In Verhinderungsfällen des Schlachtvieh-Be­schauers Malkmes ist der Beschauer Heiderich zu Geth » s e m a n e für die Gemeinde Hillartshausen zuständig.

Zum Stellvertreter des Beschauers Heiderich in Geth- semane, besten Stellvertretung in BehinderungSfällen bis pßt von Hillartshausen versehen wurde, wird der Beschauer Sitzmann in Ausbach bestellt.

Die betreffenden Ortspolizeibehörden haben die Beteiligten hiervon in Kenntnis zu setzen.

I. I. Nr. 228. Der com. Lsndrat

von Grunelius,

Regierungsasieffor.

Hersfeld, den 15. Januar 1906.

Die unter den Schweinen des Bürgermeisters Rüger in Unterweisenborn ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 371. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsasieffor.

Hersfeld, den 15. Januar 1906.

Unter den Schweinen des Landwirts Heinrich Fischer in Heimboldshausen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. 1. 338. Der com. Landrat

von Grunelius, RegierungSaffeflor.

Hersseld, den 15. Januar 1906.

Nach einer Mitteilung des Herrn Landrates in Homberg ist unter dem Schwetnebestande des Wirts Johs. Schade zu Niederhülsa die Schweineseuche ausgebrochen. I. 364. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsaffesior.

Asnigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 913 Uhr an den Wochentagen vormittags.

Gefundene Gegenstände:

Eine wollene Decke. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Solms.

Der Sonnentauen

Von M. v. B u ch.

(Fortsetzung.)

Amalie seufzte schwer.Entsetzlich," rief sie,entsetzlich, Und der Name der Unglückseligen? Nennen Sie mir ihren Namen, damit ich wenigstens für sie beten kann."

Die Königin war von dem Sessel aufgestanden und ging unruhig im Gemache auf und ab. Bei der Frage der Tochter sah sie auf und ging auf sie'zu^,,Du frägst nach dem Namen der Unglücklichen?"' meinte sie.Ich dächte, du hättest ihn erraten. Denk einmal ein wenig nach. Die Erzählung kann dir nicht ganz unbekannt sein ich dächte

Die Prinzeß wurde blaß.War die Aermste Ihre Mutter? fragte sie rasch.Ich entsinne mich, daß man mir von ihr erzählt hat. Nach dem Schlosse, in dem man sie gefangen hielt, nannte man sie die Prinzeß von Ahlden."

Die Unglückliche war meine Mutter," sagte die Königin hart,und ihr Jugendgefährte der Gras Christoph von Königsmarck, der am Hofe ihres Vaters, des Herzogs Georg Wilhelm von Braunschwcig-Lüucburg-Celle, ihr Spielkamerad war. Weißt du, warum ich dir .in dieser Stunde von ihr erzählt habe? Nicht? Du schüttelst den Kops. Sieh, mein Kind, ich will verhindern, daß du den Fußtapfen deiner un­glücklichen Ahne folgst, deinetwegen und seinetwegen. Als von Freundschaft sprachst, gedachte ich dich zu warnen. Es bringt kein Glück, Fürstentöchter zu lieben."

Mutter," rief die Prinzeß,Seien Sie nicht hart, nicht erbarmungslos. Haben Sie Mitleid."

Sophie Dorothea blickte sie durchdringend an.Ich hatte Mitleid, und darum sprach ich offen mit dir," sagte sie.Ich will nicht, daß du dich mit einem schwachen Herzen entschuldigst. Schwäche ist verächtlich und Freundschaft verderblich. Hast

«Ich habe verstanden," sagte das junge Mädchen mit matter

nichtamtlicher teil.

Zum 18. Januar.

Heil dir im Siegerkranz! Heil, Kaiser, dir!" so rauscht es am heutigen Tage in vollen Akkorden aus den Tiefen unserer Seele auf, und in ehrfurchtsvollem Stolz neigen wir uns vor dem greisen Helden, der sich 35 Jahre sind es her die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt setzte. An jenem 18. Januar des Kriegsjahres 1871 ward das alte deutsche Kaisertum unter dem ehernen Klang der Geschütze und dem Jubel der Fürsien, der Heerführer und der sieg­reichen Armee wieder aufgerichtet. Und der Glanz dieses Kaisertum« ging aus in alle Lande, und in Ehrfurcht und Bewunderung ward des neugekrönten Kaiser« und seiner großen Paladine Name im ganzen Erdenrund genannt.

Der große Kaiser und seine großen Mitstreiter ruhen längst den ewigen Schlaf. Aber der Zauber, der von ihnen auf unsere Herzen ausging, ist noch der alte, unvergängliche. Ihr Verharren in Goltverlrauen, in soldatischer Einfachheit und Selbstlosigkeit, in unbedingter Hingabe an die Pflicht jene Grundsätze, die Preußen und dann Deutschland nach schwerer Zeit wieder aufwärts führten, sie leuchten uns als die Leitsterne unseres Lebens.

Das alte Heldengeschlecht ging dahin. Aber was es geschaffen mit Blut und Eisen, .die stolze Burg des neuen Reiches ragt festgefügt in die Lüfte. Solange sie, die Gründer de« Reiche« unsere Lehrmeister bleiben, solange da« Heer in allen jenen Tugenden die große Schule für das deutsche Volk bleibt, solange, aber auch nur dann, können wir jeder­zeit auf den RufFeinde ringsum" zuversichtlich antworten mit dem anderenGott mit uns !*

Seit dem großen Kriege ist da« deutsche Volk gewaltig an Zahl gewachsen. Damals waren es 40 Millionen, jetzt vereint die Fahne schwarz-weiß rot mehr denn 60 Millionen. Wie die Volkszahl hat Industrie und Handel einen ungeheuren Aufschwung genommen, wie er kaum seinesgleichen hat. Die deutschen Künste und Wiffenschasten stehen im Reigen der Völker mit in erster Linie. Die einheitliche Zusammenfassung der deutschen Stämme ermöglichte die Schaffung einer Reichs­flotte, die Begründung einer Kolonialmacht.

Am 7. April 1852, nach der schmachvollen Versteigerung der deutschen Flotte durch Hannibal Fischer, schrieb einst Prinz Wilhelm, der spätere erste Kaiser:Die Flottenfrage ist freilich kläglich für Deutschland, aber großartig für Preußen ausgefallen. weil e« sich auch hier wieder zeigte, daß ohne Preußen die großen Dinge in Deutschland nicht gehen: Nun haben wir eine Flotte, und sie wird da« Fundament einer deutschen einst werden, da« ist klar!" Der Enkel des Manne«, der die« schrieb, ist am Werke, auf diesem Fundament eine starke deutsche Seemacht auszubauen. In immer weitere Kreise bringt die Ueberzeugung, die

Stimme, erhob sich, küßte der Mutter die Hand und verab­schiedete sich.

Sie ging, und die Königin blickte ihr lange nach.Ich habe gewarnt," murmelte sie,ich tat, was ich konnte. Ich will nicht, daß sich daS Drama noch einmal wiederhole. Törichte, verblendete Kinder, die sie beide sind. Sie ahnen nicht, daß sie nachtwandelnd vor einem Abgrunde stehen. Meine Tochter habe ich geweckt. O, mein Gott!"

Sie seufzte schwer und starrte düster ins Fener. Sie hatte mit ihrer Erzählung viel schlimme Erinnerungen geweckt, und die schlimmen Erinneruugen verscheuchten den Schlaf. Es ward für Sophie Dorothea eine schlimme Nacht.

* *

Ueber Freiherrn von der Trenck war durch Machtspruch des Königs die Freiheitsstrafe verhängt worden.

Er saß zu Potsdam im Gefängnis, das sich dicht bei der Langen Brücke befand. Er wurde nicht gar zu streng ge­halten. Man hatte ihm erlaubt, Bücher mitzunehmen, auch durfte er Besuche empfangen, und Besucher kamen genug. Die Kameraden sprachen vor, um ihm die Zeit zu vertreiben und ihn zu trösten. Der Arrest, meinten sie, würde nicht ewig dauern; sobald die Schuld verbüßt, sei ihm auch die Gnade Seiner Majestät gewiß. Seinem Lieblinge würde der König aus die Dauer nicht zürnen. Und Trenck, der im ge­heimen derselben Meinung war, ließ sich trösten. Auch er glaubte bestimmt, sein königlicher Gebieter würde nicht lange zürnen wegen eines immerhin nur unbedeutenden Vergehens. So ertrug er die Wochen im Gefängnisse mit leidlicher Fassung.

Da erschien eines TageS der Garde-Kapitän von Ja- schinsky. Trenck, der Besuch von verschiedenen Kameraden hatte und den Herren in hohen frügen schäumendes Potsdamer Bier präsentieren ließ, bat Jaschinsky, Platz zu nehmen und an der Kollation teilzunehmen. Dieser, dem die Aufforderung sehr gelegen kam, ließ sich nicht zweimal nötigen, reihte sich dem Kreise der jungen Leute ein und trank wacker mit.

Man sprach von den Kriegsaussichten, der Weltlage. Die Herren, die JaschiuSky gegenüber zuerst eine gewisse Reserve behaupteten, ließen die Zurückhaltung fahren. Die Unter­haltung wurde lebhast, sehr lebhaft.

Kaiser Wilhelm in die Worte kleidete:Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser!" Unsere Flotte muß ausgebaut werden, wenn Deutschland seine Stellung als Großmacht im Rate der Völker bewahren, wenn es feine Erfolge in Handel und Industrie nicht schließlich preiSgeben will. Welt­macht ist Seegewalt. Und auch für uns muß da« Wort des Präsidenten der Vereinigten Staaten gelten: An der Flotte sparen ist Verrat am Vaterland! Soll deutsche Art und deutsche« Wort in der Welt etwas gelten, müssen wir uns dieser Aufgabe mit der äußersten Anstrengung unter­ziehen. Für die Größe, für die Unabhängigkeit und Sicher­heit, für eine machtvolle Weitirentwickelung unseres Vater­landes darf uns kein Opfer zu groß sein.

Deutschland, Deutschland über alles, Ueber alles in der Welt, Wenn es stets zu Schutz und Trutze Brüderlich zusammenhält!

8ehe« wir in her Frage her ReiWnanz- Resam einer Krisis entgegen?

Kein Wort braucht mehr darüber verloren zu werden, daß für das Deutsche Reich eine Finanzreform durch Ein­führung neuer Steuern eine Lebensfrage geworden ist, aber die versuchte Lösung dieser Frage erzeugt allmählich einen bösen Konflikt zwischen Regierung und Reichstag, sowohl inbezug auf die Art der neuen Steuerforderungen als auch hinsichtlich der Art der Behandlung der Steuervorlagen. In der Begründung der fünf Steuervorlagen mit acht neuen Steuern heißt es, der Reichstag könne zwar Abänderungs­vorschläge machen, die von den Regierungen wohlwollend geprüft würden, aber der Reichstag dürfe nicht einzelne von den Steuern ablehnen und nur einen Teil derselben annehmen. Weiler heißt e« in der Begründung: Die Regierungen halten mit aller Entschiedenheit an den fünf Vorlagen fest. Und die Entschiedenheit war zum Beginn der Beratungen über die Finanzresorm noch so groß, daß Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel dem Sinne nach zum Reichstage sagte:Lösen Sie einen Stein aus diesem Gebäude heraus, so stürzt da« ganze Gebäude zusammen, da e« aus mühsam zusammengetragenen Kompromissen zwischen den einzelnen Regierungen besteht." Am 11. Jan. schränkte zwar Frhr. v. Stengel diese Drohung ein wenig ein, indem er sagte, er habe nur ausdrücken wollen, daß bei Herausnahme der einen oder der anderen Vorlage der Reichstagriskiere," daß das ganze Gebäude einstürze. Der nationalliberale Abgeordnete hatte in seiner Rede vom 9. Januar mit aller Entschiedenheit da« Ansinnen der Re­gierung an den Reichstag, acht neue Steuern ohne weiteres anzunehmen, abgewiesen und die Rechte des Reichstage«, die vorliegenden Entwürfe nach reiflicher Prüfung eventuell auch abzulehnen, scharf betont. Da« Geld- und Steuer-

Auch Trenck vergaß Kummer und Gram und beteiligte sich an den Gesprächen. Er besaß ja einen leichten Sinn und glaubte immer lieber das Gute, denn das Schlimme; so war es ihm gewiß, daß sich ihm auch die Zuneigung seines königlichen Herrn wieder zuwenden müsse. Warum sollte er trauern? Den Mut sinken lassen? Der Krieg stand in Sicht neue Lorbeeren winkten ihm und mit ihnen auch die Hoffnung. Und die Hoffnung trug die Maske der schönsten Frau. Wie sich das alles gestalten sollte, war ihm unklar, aber er wollte jetzt auch gar nicht klar sehen.

Jaschinsky faßte den Bierkrug, hob ihn empor und ließ ihn gegen Trencks stoßen.Es lebe die Zukunft!" rief er.

Trenck gab Bescheid:Und unser aller Glück!" meinte er.

Trenck, wenn Sie nicht Glück haben," wurde ihm ge­antwortet,so hat's eben niemand mehr! Haben Sie nicht in der kurzen Zeit, da Sie der Armee angehören, eine Karriere ohnegleichen hinter sich?"

Der junge Arrestant lachte, und er rief nicht ohne Bitterkeit:Eine Karriere, die mich ins Gefängnis geführt hat! Beneidet man mich auch um die entzogene Freiheit?"

Wie lange wird sie Ihnen noch entzogen sein? Pah Sie haben keinen Grund zur Klage," mahnte ein Potsdamer Offizier, und Jaschinsky rief:Trenck, sind Sie gerüstet zum neuen Feldzuge, will sagen, genügend equipiert?"

So ziemlich," meinte dieser.Ein paar gute Pferde will ich mir noch kaufen. Aber ich habe mich augenblicklich nicht darum kümmern können. Ich will sie mir allein aus­suchen, verstehen Sie ..."

Pah mein Bester, es geht nichts über ungarische Pferde," sagte Jaschinsky.Halt da kommt mir ein Ge­danke ! Wissen Sie was, schreiben Sie an Ihren Vetter den in österreichischen Diensten, daß er Ihnen ein paar ungarische Gäule besorge, und lassen Sie mir auch eins mit- kommen, wollen Sie?"

Trenck horchte hoch auf.Mein österreichischer Vetter soll mir Pferde besorgen?" fragte er erstaunt.Warum das?"