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Herzfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 6.

Dienstag, den 16. Januar

1606.

Amtlicher teil

Hersfelb, den 15. Januar 1906.

Zur Vermeidung von Zweifeln mache ich daraus auf» merksam, daß die Jagd aus Hasen nach § 2 des Wildschongesetzes vom 14. Juli 1904 mit Ablaus des 15. Januar geschloffen iS. 1 375. Der com. Landrat von Grunelius, RegierungSafleffor.

Hersfeld, den 12. Januar 1906.

Die unter den Pferden der Kriegsschule zu Hersfeld ausgebrochene Brustseuche ist erloschen. I. 9401. Der com. Landrat

von GruneliuS, RegierungSafleffor.

Hersfeld, den 12. Januar 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Oberpostaffistenten Renke in Hersfeld ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. 1. 265. Der com. Landrat

von GruneliuS, RegierungSafleffor.

Bekanntmachung.

Die Interessenten der Ludolph'schen Familienstistung werden auf die diesseits in dem Amtsblatt der Königlichen Regierung in Cassel heute erlassene Bekanntmachung, be- liessend Anmeldung der Ansprüche an den Zinsengenuß der Stiftung, hierdurch aufmerksam gemacht.

Das jährlich zu verteilende Zinsenauskommen beträgt ungefähr 200 Mark.

Rotenburg a. F, den 10. Januar 1906.

I. Nr. 138. Der Königliche Landrat.

I. V Schäfer, Kreissekretär.

Königliches Landratsamt. '

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

3m Konferenz in Algesiras.

In ausländischen Blättern, namentlich dem Teil der italienischen Presse, der unter französtschem Einflüsse steht,

Der Sonnenfaiter.

Von M. v. B u ch.

(Fortsetzung.)

Es war spät am Abend in Schloß Monbijou.

Königin Sophie Dorothea befand sich in ihrem Ankleide- zimmer; sie hatte die Kammerfrau, die ihr steife Brokat- Gewand abgenommen und sie in einen weichen, mit Pelz ge­fütterten Schlafrock gehüllt hatte, zu Bett geschickt. So war sie allein. Im Kamin war von neuem kein Feuer entzündet worden, die Winternacht war bitter kalt, und die Königin fröstelte.

Auf dem Spiegeltische standen zwei vierarmige Leuchter, aber das Licht, das sie verbreiteten, genügte kaum, um den großen Raum notdürftig zu erhellen. In den Ecken lagerten Schatten.

Die hohe Frau erhob sich und ging im Zimmer aus und ab. Man sah, daß sie erregt war. Einige Sekunden blieb sie nachdenklich stehen.

Ob sie noch wach ist?" murmelte sie.Ich möchte sie rufen lassen; eine Aussprache mit ihr würde das beste fein."

Da kam es der Fürstin zum Bewußtsein, daß sie die Kammerfrau zur Ruhe geschickt hatte, und während sie über­legte, ob sie dieser schellen und sie zu sich bescheiden sollte, wurde plötzlich an die Türe gepocht.

Entrez!"

Prinzeß Anna Amalie erschien im leichten Nachtkleide, über den schönen, blonden, des Puders beraubten Haaren ein weißes Spitzentuch geschlungen, das das reizende, heute ein wenig blasse Gesicht wirkungsvoll umrahmte. Die großen blauen Augen schimmerten in feuchtem Glänze.

Meine königliche Mutter noch auf?" fragte sie mit leiser Stimme. Das trifft sich gut; ich fürchtete, Sie hätten bereits Ihr Lager ausgesucht, und ich käme zu spät."

Wie du siehst, bin ich noch wach," sagte Sophie Dorothea.Es ist mir lieb, daß du kommst, ich stand näm­lich im Begriff, dich rufen zu lassen, da ich mit dir ein Wort lm Vertrauen zu sprechen habe. Komm, setze dich hier an

wird mit einer gewissen Geflissentlichkeit behauptet, Deutsch» land werde auf der Konferenz in Algestros isoliert sein. Man verweist dabei hauptsächlich auf die günstige Stellung, die Frankreich durch seine Abkommen mit England, Spanien und Italien erlangt habe.

England ist durch den Vertrag vom 8. April 1904 Der» pflichtet, Frankreich in Marokko freie Hand zu lassen und es bet feinen marokkanischen Bestrebungen diplomatisch zu unterstützen, aber doch nur so weit, als die Selbständigkeit des marokkanischen Reiches dadurch nicht berührt wird. In England mehren sich die Stimmen, die betonen, daß der englische Handel gerade so wie der deutsche gegen eine Monopolwirtschast in Marokko interessiert sei. In Spanien steht die öffentliche Meinung mehr und mehr unter dem Eindruck, daß der Geheimvertrag mit Frankreich für Spanien nicht vorteilhaft sei, und daß ein Generalmandat an Frankreich zur Reform von Polizei und Heer in Marokko den legitimen Einfluß Spaniens auf das marokkanische Nachbarland vollends reduzieren würde. Was endlich Italien betrifft, so ist es durch feine Stellung im Dreibünde mit ihren großen Vorteilen für das Königreich mindestens ebenso gebunden, wie durch geheime Zustcherungen früherer Ministerien an Frankreich. Das natürliche Interesse der einen wie der anderen Mittelmeermacht spricht entschieden gegen jede Art von französischer Tunisterung Marokkos, und natürliche Interessen sind immer stärker als papierne Verpflichtungen.

Dagegen besteht die Stärke Deutschlands gerade darin, daß es auf der Konferenz keine Sondervorteile verlangt und vielmehr die Rechte aller handeltreibenden Länder ver­tritt. Es erscheint von vornherein ausgeschlossen, daß nicht die Vereinigten Staaten von Amerika, mögen ste auch für die politische Bedeutung der Marokkofrage wenig Inte­resse haben, ganz ebenso wie Deutschland den Grundsatz der offenen Tür vertreten werden. AehnlicheS gilt für andere kleinere Signatarmächte der Madrider Konvention. In Paris kennt man diese Stärke deutscher Stellung sehr wohl und wird stch deshalb hüten, durch übertriebene For­derungen eine Verständigung zu vereiteln. Was wir ver­langen, ist volle Freiheit der Beteiligung an der wirt­schaftlichen Entwickelung Marokkos. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

* *

*

Die Dauer der Konferenz in Algesiras, die ursprünglich aus höchstens sechs Wochen veranschlagt wurde, dürste sich nicht unerheblich verlängern. Graf Tattenbach, der deutsche Delegierte zur Marokkokonferenz, der gestern mittag mit seiner Gemahlin von Paris nach Madrid weiterreiste, hat nämlich einigen französischen Journalisten erklärt, daß die Konferenz mindestens zwei Monate dauern werde. Die Wichtigkeit der zu beratenen Gegenstände erheische eine sehr gründliche W ürdigung; je

meine Seite und dicht an das Feuer. Ich bemerke, daß du fröstelst," fuhr sie nach einer kleinen Pause fort, in der die Prinzeß von einem leichten Schauer geschüttelt wurde, oder bist du krank?"

Anna Amalie schüttelte stumm den Kopf und setzte sich auf den von ihrer Mutter bezeichneten Platz.

Die Königin betrachtete sie schweigend eine Weile.Hast du geweint?" fragte sie plötzlich.

Das junge Mädchen zuckte zusammen; alles Blut stieg ihr ins Gesicht, sie wurde glühend rot.Meine Mutter," flehte sie,Erbarmen, ich, ich . . ." sie stockte und brach plötzlich in Tränen aus.Wie unglücklich ich bin," stammelte sie,wie unglücklich!"

Die Königin vernahm das konvulsivische Schluchzen ihres jüngsten Kindes, aber sie machte keine Miene, es zu trösten. Sie wartete, bis sich die Arme ein wenig gefaßt hatte. Dann, als die Tränen allmählich versiegten, ergriff die Königin das Wort. Fast hart erklang die Stimme, da sie sagte:Seit dem Maskenbälle ahnte ich dein Geheimnis, seit heute weiß ich darum. Beim Souper, als wir erfuhren, daß Trenck vom Könige in Arrest geschickt worden war, hast du mir deine Gefühle verraten;ich hoffe, daß sie wenigstens unserer Umgebung verborgen geblieben sind. Törichtes Kind! was, töricht? mehr als das, verblendet . . . Mon dieu, wie soll ich nur die Worte wählen, um dir meine Meinung zu sagen?" Und sie rang verzweifelt die Hände.

Mutter," schluchzte die Prinzeß,haben Sie nicht Mit­leid, keine Entschuldigung für mich? Ich bin jung, mein Blut ist warm, mein Herz ist weich."

Törichtes, verblendetes Kind," sagte die Königin. Sie sah, wie das junge Mädchen zitterte und bebte, wie es litt, allein sie tat nichts, um ihre Teilnahme an dem Ausbruche des Schmerzes zu bezeigen.Schwankendes Rohr wird von jedem Windhauche bewegt," fuhr sie fort,aber ich habe einem starken, mannhaften Geschlechte das Leben gegeben; du sollst dich nicht mit einem weichen Herzen entschuldigen. Ich verbiete eS dir."

Die Lichter flackerten trübe. Schweigen herrschte im Ge­mache, nur das Feuer, das mit einem frischen Holzscheite ge­

länger die Beratung dauere, desto wahrscheinlicher sei die Behebung aller Schwierigkeiten,

Kill offenes 8irt.

Uns wird geschrieben: In heutiger Zeit, wo es überall gärt und kocht, wo sich die unlauteren Elemente zuiammen- fcharen, um Thron und Reich aus den Angeln zu heben, bilden die Kriegervereine einen festen Damm gegen die zersetzenden staatsfeindlichen Bestrebungen. Muß man sich da nicht wundern, daß noch viele sonst reichstreue Kameraden abseits stehen, sich keinem Kriegerverein anschließen, sondern ruhig zuschauen, wie die Dinge gehen? Die ehemaligen Soldaten begehen damit ein großes Unrecht und eine Nicht­achtung ihres dem Kaiser geschworenen Treueides.

Heutzutage sind die Kriegervereine nichts weniger als VergnügungSvereine, vielmehr haben sie ihre Ziele den Zeit- verhältnissen entsprechend erweitert und sich zu Vereinen ausgebaut, die neben anderen kameradschaftlichen Zwecken die Bekämpfung der staatsfeindlichen Bestrebungen auf ihre Fahne geschrieben haben und danach handeln. Heute gibt es kein tatenloses Hindämmern der Kriegervereins mehr, sondern es heißt handeln, Farbe bekennen, unbekümmert um da» Geschrei der Gegner. Diese kennen die Bedeutung, welche die Kriegervereine für den Staat haben, sehr wohl und darum verfolgen sie sie mit ihrem Haß. Das sollten die Kameraden, welche dem KriegervereinSwesen fernstehen, beherzigen. Sie sollten bedenken, welchen Verrat sie durch ihre Teilnahmlosigkeit an Kaiser und Reich, an allen, was dem Deutschen lieb und wert ist, wenn auch unbewußt, üben und welche Unterstützung sie damit den Gegnern der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung, wenn auch nur indirekt, bieten!

Die Zugehörigkeit zum Verein allein tut es freilich nicht, obgleich sie immer besser ist als nichts, vielmehr fordert die Gegenwart ganze Männer, welche die über­nommenen Pflichten in jeder Beziehung erfüllen. Die Kameraden sollen nicht nur in den Listen geführt werden und ihre Beiträge bezahlen, sondern sie müssen mitarbeiten an den hohen Zielen der Kriegervereine zum Wohle unseres geliebten deutschen Vaterlandes!

In Snfflonil in Itiitsch-FMeft-Asrikn.

Ueber neue erfolgreiche Kämpfe unserer Truppen liegt folgender amtliche Bericht vor:

Nach den letzten Meldungen des Obersten Dame war die Bande Morengas am Oranjefluß bei Hartebeestmund und Violsdrift festgestellt worden. Ihnen gegenüber standen, unter dem Kommando des Majors v. Estorff, die Abteilung des Hauptmanns v. Ecckerl südlich Warmbad, die Abteilung des HauptmannS v. Lettow Vordeck südlich Ukamas. Eine

nährt worden war, knisterte leise und ließ rote Funken auf­sprühen. Ein starker Windstoß fuhr draußen um die festen Mauern des Schlosses und ließ sich fauchend und stöhnend durch die Schlote hinab. Vom Dache fielen einige Steine krachend auf das Pflaster des Hofes.

Warum weinst du?" fragte die Königin.

Weil ich ihn liebe," hauchte die Prinzeß. Damit rückte sie ihren Stuhl aus dem Feuerscheine, so daß sie völlig im Schatten saß.

Weil du ihn liebst," wiederholte Sophie Dorothea, die sich in ihrem Sessel zu ihrer stattlichen Höhe emporrichtete, das ist eine Antwort, deren Richtigkeit du noch beweisen sollst. Wenn du ihn liebtest, müßtest du start sein und verzichten. So aber bist du ihm entgegengekommen. Wolltest du ihn verderben?"

Um Gott, nein, nein. Ihn verderben? Wie dürfen Sie mir das sagen !" rief die Prinzessin und sank der Mutter zu Füßen, ihr Haupt in deren Schoß bergend.

Du nennst mich grausam?" sagte die hohe Frau.Bin ich das? Nun wohl, dann hat es das Schicksal verschuldet. Ich war es nicht, nur besitze ich kein so schwaches Herz, wie meine Tochter."

Was soll ich tun? seufzte die Prinzeß.Man hat mir die »Nachricht gebracht, daß sich Trenck im Arrest be­findet. Ich weiß, weshalb ihm der König zürnt. Er ist am vergangenen Sonntage zu spät zur Parade erschienen."

War es deine Schuld, daß er sich verspätete?" fragte die Königin.

Amalie senkte schuldbewußt das Haupt.Ich hatte hier im Parke einen kleinen Spaziergang unternommen, als mir Trenck begegnete," sagte sie leise,und ihn das glaube ich wohl hatte die Hoffnung nach Monbijou getrieben, mich zu sprechen, mich zu sehen. Gemeinsam setzten wir den Spaziergang fort, an die Zeit dachten wir nicht. Ich hatte ja keine Ahnung, daß Stunden so schnell verfließen können . . . Mein Gott, meine Mutter," setzte sie klagend hinzu, glauben Sie mir, ich will ja nichts als sein Bestes."

Dann solltest du dich jedes weicheren Gefühls für ihn entschlagen," klang die Antwort zurück.