Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für k)ersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. r*a
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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 3.
Dienstag, den 9. Januar
1906.
Bestellungen
auf das
Bersfelder Kreisblatt
werden für
das erste Quartal 1906
von allen Kaiserlichen poftanftalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 4. Januar 1906.
In Gemäßheit des § 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
i. in dem Zeitraum vorn 1. Januar 1886 bis ein- sA>Uesslick 31. Dezember 1886 geboren sind,
r. dieses Hiter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer €rsatz-Behörde zur Musterung bezwse. Hushebung gestellt,
3. Ficb zwar gestellt, aber über ihr JMilitärverhält- ni& noch keine endgültige Gntscheidung erhalten haben,
fid) in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. zur Rekrutiruuas-StammroNe zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militärverhältnis enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monate folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu erlassen.
„Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht erteilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei dem Ortsvorstande seines Wohnortes zur Rekrutirungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.
Für solche Militärpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Hufent- baltsort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr, Brod- oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze an= gebrühten Nachteile."
Der Sonnenfatter.
Von M. v. B u ch.
(Fortsetzung.)
Hingerissen von seinen Gefühlen sank der junge Mann vor Amalie auf die Knie, und sie, die er die Sonne seines Lebens nannte, und die in diesem Augenblicke bei der feurigen Huldigung eines liebenden Herzens alle Sorgen vergaß, legte in seliger Selbstvergessenheit die schöne Hand auf sein Haupt und hauchte einen Kuß auf die hohe Stirn des Freundes.
„Schirme dich der Himmel, dich, mein Sonnensalter, dich mein Glück," flüsterte sie. —--
Mitternacht war vorüber und die Demaskierung erfolgte. Es hatte viel Kurzweil gegeben, als die Schäfer und Schäser- innen, Götter und Göttinnen die Masken abgelegt hatten und sich die Träger der phantastischen Kostüme allesamt als alte Bekannte begrüßten.
Auch die Königin Sophie Dorothea, die Heiterkeit und Frohsinu liebte, hatte über die scherzhaften Verkleidungen herzhaft gelacht. An der Seite ihres Gemahl, des strengen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelms I., hatte sie schwere Zeiten durchlebt, so erfreute sie sich doppelt an den heiteren Seiten des Daseins.
Leicht auf den Arm ihrer jüngsten Tochter, der einzigen, die noch im Hanse der Mutter weilte, der Prinzeß Anna Amalie, gestützt, unternahm die hohe Frau einen Rundgang durch den Saal.
„Sieh da! Herr von Jaschinsky," redete sie den Türken an, „welch ein Kostüm hat Er sich erwählt! Ein Pascha!
Welch ein gefährlicher Mensch! Unsere Damen mögen sich in acht nehmen, daß er sie nicht in seinen Harem entführe !"
Der Kommandant der Garde-Eskadron, Herr von Jaschinsky, verbeugte sich lächelnd, erfreut und geschmeichelt von so viel königlicher Gunst.
„Majestät sind zu gütig, meine Wenigkeit zu bemerken," replizierte er.
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) auszustellenden Rekrutirungs-Stammrollen pro 1886 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutirungs-Stammrollen der Jahre 1884, und 1885 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der Bezeichnung „Militaria“ einzureichen.
Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgendes zu beachten.
Die Einträge sind, wie in § 46 2 der W. O. vorgeschrieben, genau in alphabetischer Reihenfolge zn machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein, so bedarf es der Aufnahme in die Rekrutirungs-Stammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurkunde des zuständigen Standesbeamten beigefügt wird.
Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die Stammrollen sauber aufgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig ausgefüllt werden, insbesondere ist anzugeben, ob die Eltern des Militärpflichtigen noch leben oder nicht und muß der Stand des Letzteren sowie des Vaters desselben bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 I. II. Nr. 247, im Kreisblatt Nr. 13, veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten). Bei Militärpflichtigen, welche nicht im diesseitigen Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem derselbe gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifelhafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden, sondern die betreffende Spalte ist alsdann überhaupt nicht auszufüllen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände pp. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aushaltenden, zum einjährig freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in das militärpflichtige Alter eintreten, bezwse. eingetreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des § 93 pos 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatz-Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
J. M. 12. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsassessor.
Hersseld, den 6. Januar 1906.
Die Herren Ortsvorstände werden an die Einsendung der Erhebungsblätter zur Ermittelung der Hagelwetter-, der Hochwasser- und Ueberschwemmungsschäden im Jahre 1905 bis spätestens z u m 10. d. M t s. erinnert.
I. 1. 131. Der com. Landrat
von Grunelius,
Regierungsassessor.
„Nun, nun," meinte die Königin gut gelaunt, „ein Mann wie Er, der gut und gern seine sechs Fuß mißt, ist am Ende nicht leicht zn übersehen. Von einer Wenigkeit kann da keine Rede sein."
Nun bemerkte Sophie Dorothea Frau von Jaschinsky, die, wie wir wissen, sich in das Kostüm einer Juno gehüllt hatte.
Auch sie wurde von der hohen Frau mit einer gnädigen Ansprache beglückt — die Prinzessin hingegen blickte über das Paar hinweg in die Luft, als existiere dieses nicht für sie.
„Was hast du gegen diese beiden?" fragte Sophie Dorothea im Weiterschreiten ihre Tochter. „Warum warst du so abweisend.
„Ich? Ich bitte, erlassen Sie es mir, meine Abneigung in Worte zu fassen," sagte die Prinzeß. „Ich weiß ja, daß meine königliche Mutter im geheimen so denkt wie ich, und darum ..."
„Und darum?" wiederholte Sophie Dorothea.
„Verstehe ich es eben nicht, daß Sie von so viel Güte gegen diese Leute sind," schloß Amalie, die offenbar- erregt schien.
Die Königin antwortete nicht gleich auf diese Worte, die eine leichte Anklage enthielten. Nach einer kleinen Pause ent- gegnete sie dann - „Jaschinsky gilt viel bei deinem Bruder, dem Könige.
„So sagt man. Ist die Gunst, die er allerhöchsten Ortes genießt, für Ihr Empfinden maßgeblich?"
Die Königin zuckte die Achseln.
„Der König will ihm wohl, und da er es will, muß er einen guten Grund für seine Meinung haben. Man muß sich dem Kreise, dem man angehört, anpassen lernen, wenn man sich in ihm wohlfühlen soll," sagte sie leise. „Und dann hast du unrecht, wenn bu behauptest, daß mir Jaschinsky zuwider ist. Das ist er nicht. Er ist nicht schlecht, sondern nur eitel, maßlos eitel. Ich bitte dich, vergiß das nicht."
„Pah," lachte die Prinzessin. „Sie warnen mich vor ihm! Was kümmert mich seine Eitelkeit?" Und sie dachte
Hertfekd, bin 4. Januar 1906.
Die In der Schafherde des Schäfers Weppler in Nieder- joffa ausgebrochene Räude ist erloschen.
I. Nr. 6. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsaffeffor.
Gefundene Gegenstände:
Ein Geldbetrag. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Ransbach.
Nachrichten für diejenigen jungen Ceute, welche in die Unter- offiztervorschulen einzutreten wünschen.
1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeignete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unter« osfizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militärverwaltungs- bezw. Zivildienst wünschenswert ist. — Daneben wird der körperlichen Entwicklung und Ausbildung unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.
2. Die Ausbildung in den Unterosfiziervorschulen dauert in der Regel 2 Jahre.
3. Bei dem Uebertritt in die Unteroffizierschule hat der Freiwillige den Fahneneid zu leisten und steht dann wie jeder andere Soldat des Heeres unter den militärischen Gesetzen.
4. Nach der in der Regel 2 Jahre dauernden Ausbildung in der Unteroffizierschule werden die in den Unteroffiziervorschulen vorgebildeten Unterofstzierschüler an Infanterie, Jäger-, Marine- Infanterie- und Artillerie-Truppenteile, überwiesen, und zwar diejenigen Unteroffizierschüler, welche die Befähigung hierzu erworben haben, als Unteroffiziere.
5. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 141'2 Jahr alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund, persönlich bei dem für seinen Aufenthalt zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffiziervorschule vorzustellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen:
1) ein Geburtszeugnis,
I) den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,
3) ein Unbescholtenheitszeugnis der PolizesiObrigkeit,
4) etwa vorhandene Schulzeugnisse.
5) eine amtliche Bescheinigung, über die bisherige Beschäfti- gungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
6. Bei der Gestellung zum Eintritt in eine Unteroffiziervorschule müssen die Einberufenen mit einem paar guten Stiefel zwei neuen Hemden sowie mit 6 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.
Das zum Lebensunterhalt Notwendige wird unentgeltlich gewährt.
7. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirksfeldwebel eingesehen werden.
8. Die Erziehung findet unentgeltlich statt.
an die haßerfüllten Augen, die, während sie mit Trenck Menuette getanzt hatte, auf ihrem Partner geruht hatten, und sagte: „Es lohnt sich wahrlich nicht, über diese Art Leute soviel Worte zu machen. Ich verhehle ihm meine Geringschätzung nicht."
Und wieder lachte sie.
Unwillig schüttelte die Königin ihr Haupt und ließ sich dann, da der Rundgang beendet war, zurück auf die Estrade führen. Hier nahm sie vor Elisabeth Christine, der regierenden Königin, Platz und winkte ihrer Tochter, daß auch sie sich setze.
Unfern der Estrade, mit der Hofdame Fräulein von Kalkstein plaudernd, stand ein roter Domino, der sich tief vor den hohen Damen verneigte.
„Wer ist der Kavalier? Etwa der Leutnant von Köttritz ?" fragte die Königin.
„Gewiß, Leutnant von Köttritz, der, wie meine königliche Mutter weiß, ein Protege oder sagen wir, ein Freund Herrn von Jaschinskys ist."
A propos, Jaschynskv, meinte die hohe Frau. Ich finde, du warst sehr unfreundlich gegen den Garde-Kapitän. Ueber- lege es dir, würde dein unhöfliches Benehmen gegen ihn nicht ein wenig korrigiert sein, wenn du jetzt seinen Freund zur nächsten Polonaise befehlen ließest?"
„Die nächste Polonaise tanze ich mit Herrn von der Trenck."
„Das will heißen, du habest ihm deinen Befehl bereits zukommen lassen? Schadet nichts. Sende den Pagen zu ihm und laß ihm sagen, besondere Gründe zwingen dich, von deinem zuerst geäußerten Wunsche znrückzntretcn! Uebrigens," fuhr die Fürstin ein wenig nachdenklich fort, „meine ich, du hättest vorher bereits eine Menuette mit Herrn von der Trenck getanzt. Ich dächte ..."
Sie haben recht, meine Mutter. Mein Partner bei der Menuette war Herr von der Trenck. Er tanzt so gut und ..."
Der Einwurf wurde nicht beachtet.
„Mit so um besserem Rechte könntest du jetzt Herrn von Köttritz befehlen lassen," erklang die in ziemlich strengem Tone