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Hersfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 3

Sonnabend, den 6. Januar

1906.

Beiteilungen

auf das

Bersfeider Kreisblatt

werden für

das erste Quartal 1906

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 3. Januar 1906.

Die Herren Bürgermeister derjenigen Landgemeinden des hiesigen Kreises, in welchen eine gewählte Gemeindevertretung besteht, mache ich hierdurch darauf aufmerksam, daß zum 1. April d. I ein Drittel der Gemeindever- ordneten ausscheidet und eine Ergänzung der Ge­meindevertretung durch neue Wahlen zur erfolgen hat.

Die hierzu erforderlichen Vorbereitungen haben alsbald zu geschehen. Ich nehme dieserhalb auf den Inhalt der dies­seitigen Verfügungen vorn 3. Januar 1899, I. A. Nr. 24, im Kreisblatt Nr. 3, vom 9. Januar 1900, J. A. Nr. 55, im Kreisblatt Nr. 4, vom 9. Januar 1902, J. A. Nr. 96, im Kreisblatt Nr. 5 und vom 14. Januar 1904, J. A. Nr. 179, im Kreisblatt Nr. 7 Bezug.

Nach diesen Bestimmungen und den Bestimmungen der Landgemeindeordnung vom 4. August 1897 hat zunächst die Berichtigung der Liste der Gemeindeglieder und sonstigen Stimm­berechtigten und Anfertigung der Wählerliste (Abteilungs­liste) wie auch Offenlegung der Letzteren in der Zeit vom 15. bis 3 0. Januar 1 906 in einem vorher zur öffentlichen Kenntnis zu bringenden Raume zu Jedermanns Einsicht zu erfolgen.

Nach Ablauf der Offenlegungsfrist ist die Wählerliste ab- zuschließen und mit der Bescheinigung zu versehen, daß Ein­wendungen nicht erhoben, oder daß solche in ordnungsmäßiger Weise erledigt sind.

Die E r g ä n z u n g s w a h l e n, zu welchen die Wahl­berechtigten gemäß § 30 der Landgemeindeordnung min­destens eine Woche vor dem Wahltage in ortsüblicher Weise einzuladen sind, und deren Ergebnis so­fort nach Beendigung auf ortsübliche Weise bekannt zu machen ist, sind in d e r Z e i t v o m 1. b i s 6. M ä r z d. J. v o r z u n e h in e n , damit durch die zweiwöchige Frist, innerhalb welcher gegen die Gültigkeit der Wahlen Einsprüche erhoben werden können, und die nach Ablauf dieser Frist als­bald zu erfolgende Beschlußfassung der Gemeindevertretung über die Gültigkeit dieser Wahlen (§ 37 Abs. 1 Ziff. 2 der Landgemeindeordnung), zu welcher Sitzung die Mitglieder der Gemeindevertretung nach Maßgabe der Vorschrift im § 68 Abs. 3 der Landgemeindeordnung besonders einzuladen sind, nicht verhindert wird, daß die neu gewählten Mitglieder, welche von dem Bürgermeister in der nach dem 1. April d. I. stattfindenden ersten Sitzung der Ge- memdevertrelung in die Letztere einzuführen und durch Hand­schlag zu verpflichten sind, a m 1. A p r i l d. I. i h r A m t a n t r e t e n können.

Das erforderliche Formularpapier zu den Wählerlisten, Wahlprotokollen u. s. w. ist in der L. Funk'schen Buchdruckerei in Hersfeld zu haben.

Bis sp ätest ens zu m 30. März d. I. ist mir so­dann über das Ergebnis der stattgehabten Ergänzungswahlen entsprechender Bericht zu erstatten. Aus demselben muß zu ersehen sein, welche Gemeindeverordnete ausgeschieden und welche Personen an deren Stelle als Gemeindeverordnete gewählt sind.

Von den Herren Bürgermeistern der in Betracht kommenden Gemeinden darf ich wohl auch jetzt wieder bestimmt erwarten, daß sie sich mit den diesbezüglichen Bestimmungen der Land- gemeindeordnung und der dazu erlassenen Ausführungsan­weisung gehörig vertraut machen, damit Verstöße gegen die ge­setzlichen Bestimmungen nicht vorkommen.

I A. 17. Der com. Landrat von Grunelius, Regierungsassessor.

Hersseld, den 5. Januar 1906.

Zur Erleichterung des Verkehrs ist das Königliche L a n d r a t s a m t unter Nr. 133 an das Telephon netz an­geschlossen worden.

Diejenigen, welche sich mit dem Königlichen Landratsamt telephonisch in Verbindung zu setzen wünschen, bitte ich, dies in der Zeit zwischen 10 und 12 Uhr vormittags zu tun.

Während dieser Stunden wird ein Beamter zur Entgegennahme der Telephongespräche zur Verfügung stehen.

Der com. Landrat von Grunelius,

Regierungsassessor.

Hersfeld, den 4. Januar 1906.

Das Verzeichnis der nach § 1 der Wahlordnung für die Handwerkskammer zu Cassel vom 17. August 1899 (Amts­blatt Seite 266) wahlberechtigten Handwerker-Innungen rc. liegt vom Montag den 8. Januar d.Js. ab acht Tage lang zur Einsicht der Beteiligten im Geschäftslokal des Landratsamtes während der Dienststunden offen. Etwaige Beschwerden über die Aufstellung des Verzeichnisses sind inner­halb einer Frist von 14 Tagen dahier einzureichen. I. 124. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsassessor.

Hersfeld, den 3. Januar 1906.

Die für das Kalenderjahr 1906 nachgesuchten Wander­gewerbescheine sind erteilt und können bei denOrts - steuerhe bestellen in Empfang genommen werden. I. III. 2506/05. Der com. Landrat m 4/06. von G runeliuS,

Regierungsassessor.

Hersseld, den 27. Dezember 1905.

An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters KehreS in PeterSberg ist der Landwirt Heinrich Ritz daselbst als Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und am heutigen Tage eidlich verpflichtet worden. A. 3819. Der com. Landrat von Grunelius, Regierungsassessor.

Hersfeld, den 3. Januar 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Konrad Schütrumpf in Leimbach ausgebrochene Schweinepest ist erloschen. I. 5. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsassessor.

Hersseld, den 3. Januar 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Maurers Konrad Fahls in Tann ausgebrochene Schweinepest ist erloschen. I. 7. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsassessor.

I ASnigliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Das neue Jahr hat begonnen. Da ist es naturgemäß, daß sich die Blicke rückwärts auf das abgeschlossene Jahr und vorwärts in die Zukunft richten. Wünsche und Hoff­nungen mancherlei Art regen sich auch auf politisiern Ge­biete. Vor allem dürste wohl der Wunsch allgemein sein, daß uns auch fernerhin der Frieden erhalten bleiben möge. Sodann wird von allen patriotischen Kreisen sehnlichst ge­wünscht, daß die Lösung der großen gesetzgeberischen Auf­gaben, die der inneren Politik Deutschlands für die nächste Zeit gestellt sind, restlos gelingen möge. Insbesondere gilt dies von der Reichsfinanzreform. Die Regierung wird sicherlich nicht hartnäckig darauf bestehen, daß die Lösung ganz genau in der von ihr vorgeschlagenen Form sich vollzieht, sondern sie ist zu Kompromissen mit der Volksvertretung gern bereit und wird jeden gangbaren Weg, wie dieser sonst auch geartet sein mag, gehen. Aber die Finanzen des Reiches müssen endlich einmal geordnet werden; die Lösung dieser Frage duldet keinen weiteren Ausschub. Da» Jahr 1905 hat uns die endgültige Verabschiedung bes Zolltarife« gebracht, möge das Jahr 1906 in der inneren Politik dadurch ausgezeichnet fein, daß es uns die dringeud notwendige Reichsfinanzreform bringt.

In Rußland ist der Generalausstand kläglich ge- scheitert. Mit der revolutionären Wunderkraft des poli­tischen Massenstreiks ist es also nichts, und bas Frohlocken der internationalen Sozialdemokratie in dieser Hinsicht hat sich als verfrüht erwiesen. Ueberhaupt gewinnt es den Anschein, als ob in Rußland allmählich wieder die Kräfte

der Ordnung und der Staatserhaltung den Sieg über die Revolution davonzutragen beginnen. Immer allgemeiner wird der Unwille über das terroristische Treiben der Revo­lutionäre, und immer stärker macht sich das Bedürfnis nach der Rückkehr ruhiger und geordneter Zustände geltend. Und wie sollte es auch anders sein? Man mag die Sün, den der russischen Bureaukratie, ihre Habsucht, Willkür und Verderbtheit noch so scharf verurteilen, aber sie wiegen federleicht gegenüber den Freveln, die die russischen, pol­nischen, lettischen und jüdischen Genossen in Rußland verüben und gegenüber dem Unheil, das diese über unser östliches Nachbarreich heraufbeschworen haben. In der Tat, es ist hohe Zeit, daß der Volkswille sich gegen die Urheber dieses Unheils wendet und das Revolutionsfeuer erstickt.

Der Zusammentritt der Marokko-Konferenz in Algeciras um die Mitte des kommenden Monats darf als gesichert gelten. Nach einem Madrider Telegramm unterhielt sich der spanische Minister beS Auswärtigen Herzog von Almodovar bei dem diplomatischen Empfang mit den anwesenden Diplomaten über die Vertagung der Marokko-Konserenz. Aus den Aeußerungen des Herzogs geht hervor, daß der Tag des Zusammentritts der Konferenz offiziell noch nicht festgesetzt worden ist. Die Arbeiten zur Herrichtung des Konferenzsaales in AlgeciraS sollen vor dem 16. Januar zu Ende geführt sein. Post-, Telegraphen- unb Telephondienst sind eingerichtet. Der Verkehr mit Gibraltar ist durch Schnelldampfer gesichert.

In Rom ist ein Weißbuch des Vatikans über die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich ausgegeben worden. Es besteht aus einem Expos» und 47 Belegen. Das Expos» enthält eine Vorrede und neun Kapitel nebst einem Anhang. Wie zu der gleichen Frage ferner aus Rom berichtet wird, ist man im Vatikan ent- schlössen, der Opposition gegen die Annahme des französischen TrennungSgesetzes, die sich in einem sehr großen Teile des Klerus und der Katholiken Frankreichs kundgibt, in keiner Weise Rechnung zu tragen. Der Heilige Stahl werde selbstverständlich nicht ausdrücklich erklären, daß er das Gesetz acceptiere, aber die Mitglieder des französischen Epis­kopates würden die Weisung erhalten, sich dem Gesetze zu unterwerfen, wenn auch nicht sofort und gleichzeitig, so doch nach und nach. Diese Stellungnahme des Vatikans sowie andere Umstände deuten darauf hin, daß ein lebhafter Kampf zwischen Regierung und Klerus in Frankreich kaum zu erwarten sein dürste.

In verschiedenen Blättern endlich ist die Besorgnis laut geworden, der neue italienische Minister des Aeußern Marchese San Giuliano würde in den Balkanfragen eine zu der Haltung Oesterreich-Ungarns in Gegensatz stehende Politik einschlagen. Man hat sich dabei aus gewisse Veröffentlichungen bezogen, die von dem Marchese San Giuliano im Jahre 1902 ausgegangen sind. Wir teilen diese Besorgnis nicht, sondern haben volles Vertrauen zu der Loyalität des neuen italienischen Ministers des Aeußern und sind gewiß, daß die Richtschnur seiner Politik die Nämliche sein wird, wie die seines Vorgängers, getreu dem Geiste des Dreibundes. w

Sie Vorgänge in ROM.

Moskau, 3. Januar. Der Stadtteil PreSnja ist nach dreitägigem Bombardement fast völlig eingeäschert; eine Reihe von Fabriken sind zerstört, 15 Wohnhäuser dem Erdboden gleichgemacht. Zahllose Menschen, meist friedliche Bürger, wurden getötet; viele Flüchtlinge, die sich aus den brennenden Häusern oder aus Kellerräumen an die Ober­welt hervorwagten, erschoß oder erstach das Militär. Haufen von Leichen lagen mehrere Tage lang auf den Straßen und dem Eise bes Moskwa-Flusse» umher. 410 Arbeiter der Prochorowschen Tuchfabrik ergaben sich den Polizeirevieren und etwa 500 Arbeiter lieferten freiwillig die Waffen ob. Während bet vergangenen Blutwoche sind in die städtischen Krankenhäuser ausgenommen 375 Verwundete, darunter 25 Kinder, 15 Soldaten und 7 Polizisten. Private Heilan. stalten und Verbandplätze registrieren noch 174 Gelötete und 885 Verwundete, darunter 239 Frauen, 97 Kinder. Die offizielle Verlustliste vom Militär lautet: 9 getötete, 51 verwundete Soldaten. Von Gendarmen sind 4 gelötet und 5 verwundet; von Polizisten 21 getötet und 30 ver­wundet.

Ueber die Ermordung derDragonerinRiga werden folgende Einzelheiten berichtet: 40 letttische Re­volutionäre drangen von der Flußseite her in die Fabrik Prowodnik ein, wo 26 Dragoner stationiert waren. Diese waren am frühen Morgen von einem Patrouillenritt er­müdet zurückgekehrt und hatten sich zur Ruhe gelegt. Die Revolutionäre überfielen die Wächter und Torhüter der Fabrik und töteten sie. Darauf drangen sie in die Schlaf­stube der Schutzsoldaten ein und e r s ch o s s e n 11 schlafende Dragoner, 14 Dragoner wurden verwundet; auch der Fabrikbeamte Maurach wurde getötet. Von den Mördern