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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 1.

Donnerstag, den 4. Januar

1906.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für

das erste Quartal 1906

von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 28. Dezember 1905.

Nachstehend bringe ich eine von dem Herrn RegierungS- Präsidenten erlassene Anordnung über die Prüfung der Entwürfe zu kommunalen Wasserleitungen zur Kenntnis der Herren Bürgermeister des Kreises mit dem Ersuchen, gegebenen Falles hiernach zu verfahren.

J. I. Nr. 9354. Der com. Landrat

von Grunelius, Regierungsasseffor.

* *

Anordnung über die Prüfung der Entwürfe zu kommunalen Wasserleitungen.

'.Sobald eine Gemeinde die Anlegung einer Wasser­leitung und die Benutzung bestimmter Quellen oder sonstiger Wasserentnahmestellen für diesen Zweck beschlossen hat, ist vor weiteren Maßnahmen vom Bürgermeister dem Landrat über das Unternehmen Anzeige zu erstatten.

2. Der Landrat hat den Kreisarzt zu veranlassen, die durch den § 74 der Dienstanweisung für die Kreisärzte vorgeschriebenen Untersuchung über die Quellen und ihre Umgebung, namentlich im Hinblick auf die Möglichkeit einer Verseuchung, ferner über die Beschaffenheit und Ausgiebig- feit des Wassers vorzunehmen, soweit letzteres ohne be­sondere Vorarbeiten möglich ist, und ein Gutachten über den Befund abzugeben. Die weitere bautechnische Aus­arbeitung des Entwurfs ist von dem Ausfall dieses Gutachtens abhängig zu machen.

3. Falls die Gemeinde da« Wafferleitungsprojekt durch Privatunternehmer ausarbeiten lassen oder diesen die Bau­leitung übertragen will, hat sie den mit dem Unternehmer über die Ausarbeitung des Projekts abzuschließenden Ver­trag im Entwurf dem MeliorationSbauamte zur Begut­achtung zu übersenden.

4. Bei der Ausarbeitung des Projekts ist nach Möglich­keit auf das Feuerlöschwesen Rücksicht zu nehmen.

Der Sonnenfalter.

Von M. v. B u ch.

Man befand sich in der lustigen Karnevalszeit des Jahres 1745. König Friedrich II. von Preußen hatte im Herbst deS vergangenen Jahres seinen zweiten gloriosen Krieg gegen Kaiserin Maria Theresia begonnen. Der Winter hatte jedoch den Feindseligkeiten ein Ende bereitet, und Friedrichs Truppen hatten die Winterquartiere in Schlesien bezogen. Der König aber, seine Brüder und viele Offiziere der Garde waren vom Kriegsschauplatze aus Böhmen nach Berlin zurückgeeilt, um sich nach den Strapazen des Krieges, der sich so glücklich für die preußischen Waffen angelassen hatte, zu erholen und um für die kommende Kampagne, die, wie jedermann wußte, un­vermeidlich war, neue Kräfte zu sammeln.

Berlin, der Hof, die Gesellschaft hatten die glücklchen Sieger mit Jubel willkommen geheißen und suchten sie auf alle nur mögliche Weise zu feiern.

Und Friedrichs heldenmütige Offiziere waren es wohl zu­frieden, gefeiert zu werden. Es war, als berauschten sie sich selbst an ihrem jungen Ruhme. Mit den Lorbeeren, die man auf blutigen Schlachtfeldern, bei der ruhmwürdigen Belagerung und der Einnahme von Prag gepflückt, konnte man sich vor­teilhaft für die Schönen, die man in den Ballsälen traf, schmücken. Mars war nicht der einzige Gott, dem man Opfer bringen konnte. Auch Bacchus und Venus waren Götter, denen zu huldigen es sich wohl lohnte. Und wer weiß, wie lange man ihnen noch huldigen durfte. Wie hieß es doch in dem alten Reiterliede:

Bald, wenn die Trompeten blasen, Dann muß ich mein Leben lassen, Ich und mancher Kamerad I

Ein Narr, wer nicht zugreist, wenn der schäumende Becher winkt! Narren aber waren sie nicht herzhaft griffen sie zu, faßten die Kelche, die sich ihnen entgegen- streckten, und tranken mit vollen Zügen die Freuden des Lebens.--

Im Schlosse zu Monbijou, in dem die Königin-Mutter«

5. Da« ausgearbeitete Projekt ist dem Landrat zu über» senden. Dieser läßt e« zunächst dem Kreisarzt zugehen, welcher an der Hand seine« früher abgegebenen Gutachten« zu prüfen hat, ob sich Anlaß zu Ausstellungen bietet. Ist dies nicht der Fall, bedarf es keine» weiteren Gutachtens, es genügt vielmehr ein kurzer Prüfungsvermerk auf dem Projekt.

6. Alsdann ist das Projekt, falls eine Beihilfe von der Brandversicherungsanstalt gewünscht wird, dieser Anstalt zu übersenden.

7. Schließlich ist jede« kommunale WasserleitungSprojekt mir zur Nachprüfung vorzulegen und zur Entscheidung ba- rüber, ob da« Projekt selbst von dem Meliorationsbaubeamten zu prüfen ist.

8. Die über die Einholung der Bauerlaubnis bestehenden baupolizeilichen Vorschriften werden durch diese Anordnung nicht berührt. Zu bemerken ist hierbei, daß nach den Be­stimmungen der Baupolizeiordnungen vom 1. und 3. No­vember 1902 zur Anlegung von Wasserleitungen an sich eine Bauerlaubnis nicht erforderlich ist, daß aber sehr wohl die in Verbindung mit Wasserleitungen errichteten Baulich« feiten unter die baupolizeilichen Vorschriften fallen können.

HerSfeld, den 2. Januar 1906.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des hie­sigen Kreises werden gemäß meiner Verfügung vom 27. Juni 1899 I. A. Nr. 1977 Kreisblatt Nr. 76 an die sofortige Einsendung der Gemeinderechnungen für das Rechnungsjahr 1904/05 erinnert.

Der com. Landrat von Grunelius, RegierungSassessor.

HerSfeld, den 28. Dezember 1905.

Unter dem Schweinebestande des Bürgermeisters Arnold Rüger in Unterwetfenborn ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 9398. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 28. Dezember 1905.

Unter den Schweinen der Witwe Anna Katharina Schäfer in Untergeis ist die Schweinepest ausgebrochen. I. 9385. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 28. Dezember 1905.

Im Verlage von H. Chr. Schock in Fechenheim ist ein kleine« Werk erschienen mit dem Titel:Die ländliche Fortbildungsschule. Nach Wesen, Ziel, Notwendigkeit, Auf« aabe und Einrichtung dargestellt von Georg Maldfeld, Rektor." Preis 2 Mark. ,

Sophie Dorothea, residierte, war Bai masque angesagt. Bai masque, man denke! Die Feste in Monbijou standen in der Hofgesellschaft überhaupt in dem Rufe, daß man sich besonders gut aus ihnen amüsiere. Die königliche Gastgeberin, die Heiterkeit und Frohsinn liebte, pflegte dergleichen große Föten ganz nach ihren Intentionen zu arrangieren und nahm dabei besondere Rücksicht auf die Jugend. Und die Jugend war es auch, die diesen Ball mit Ungeduld ersehnt hatte, und die ganz besondere Hoffnungen qn das Fest, bei dem die Etikette verbannt war, knüpfte. Rang, Stand und Würde hob die Maskenfreiheit auf, ungehindert durfte das Herz seine Gefühle gestehen.

Der graue, trübe Januartag neigte sich kaum seinem Ende zu, als es in den Fenstern des Schlosses zu Monbijou hell wurde. Und die Helligkeit nahm in dem Maße zu, wie die Dämmerung, in die sich die Erde zu hüllen begann, bis, als der Abend völlig hereingebrochen war, sich Monbijon in ein wahres Lichtmeer venvandelt hatte.

Die Schloßdienerschast unter der Leitung der Haushofmeister eilte gehetzt treppauf, treppab, um die letzten Festvorbereitungen zu treffen. Es war auch Zeit. Auf den Straßen, die zum Schlosse führten, ward es lebendig. Die mit Einladung be­ehrten Gäste, lauter Träger berühmter Namen, erschienen. Alles, was in Potsdam und Berlin bei Hose vorgestellt war, alles wäs reich, vornehm und angesehen war, war geladen. Und was geladen war, kam . . .

Vor bem großen Mittelportalc hielten Sänften und Portcchaisen. Aeltere Damen, unter deren Gewicht die Träger gestöhnt hatten, entstiegen ihnen schwerfällig, nach­dem sie sorgsam die kostbaren Brokat- und AtlaSgewänder zusammengerafft hatten. Junge Mädchen in knisternden Seidenroben sprangen ihren gewichtigen Müttern leicht­füßig nach.

Ueber Treppen und Korridore drängte sich die geputzte Menge. Ueberall hörte man Kichern und Flüstern, hörte daS leise Klirren der Galanteriedegen und das Manschen von Fächern. Und über dem allen schwebte ein feiner Dust vou Puder und Parfüm, jener zarte Duft, der nur über dem

Da die Ausführungen der Verfassers sich im wesent­lichen mit den Grundsätzen der Königlichen Regierung decken, kann ich da« Buch den Herren SchulaufsichtSbeamten und Lehrern ländlicher Fortbildungsschulen sowie den Schulvor- ständen zur Beschaffung empfehlen.

I. I. Nr. 9406. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r,

Gefundene Gegenstände:

Eine Peitsche. Meldung des Eigentümers bei dem Bits, Vorstand in Frielingen.

nichtamtlicher teil.

NeOhrsfeier bei Hofe.

Auch der Neujahrstag in Berlin hatte gleich dem vor, hergehenden Silvestertage schönes, frostklare» Winterwetter. Schon von 7^2 Uhr Morgens an strömten Mengen von Schaulustigen nach dem Schlosse und seiner Umgebung. Punkt 8 Uhr wurden auf dem Schloß die drei Standarten ge­hißt, die Trompeter der Gardekürassiere bliesen von der Gallerie der Schloßkuppel die Choräle Allein Gott in der Höh' sei Ehr' und Nun danket alle Gott, und im inneren Schloßhof traten die Spielleute der 2. Garde-Jnfanterie- brigade und die Hoboisten des 4.GardeceqrmentS zum großen Wecken an. Dem Trommelwirbel folgten die Klänge des Kirchenliedes O daß ich tausend Zungen hätte.

Jnzwifcher fuhren bereits die ersten Wagen der zu Gottesdienst und Cour befohlenen Würdenträger zum Schloß.

Stürmische Hochrufe des Publikums kündigten an, daß, vom Neuen Palais kommend, Seine Majestät der Kaiser im Automobil sich nahte, ebenso Se. Kaiserl. und Königliche Hoheit der Kronprinz und seine Brüder und Se. Königl. Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen. Der Kaiser empfing alsbald nach seinem Eintreffen im Königlichen Schloß die Neujahrswünsche der übrigen Mit­glieder des Königlichen Hauses und der Hofstaaten. Ihre Majestät die Kaiserin war noch im Neuen Palais verblieben und traf erst am Nachmittag um 2 Uhr 41 Min. in Berlin ein.

In bet Schloßkapelle hatten sich unterdessen versammelt die Mitglieder des hohen Adels, der Reichskanzler und die Bundesratsbevollmächtigten, die Generalfeldmalschälle, Gene­ralobersten und Ritter des Schwarzen Adlerordens, die Generalität und Admiralität, die Kommandeure der Leibregimenter, die Staatsminister, die Präsidien der Parlamente, die Wirklichen Geheimen Räte unb die Räte 1. Klaffe.

Jahrhundert des Rokoko lagerte und von diesem ausging wie ein ganz eigener Zauber . . .

Zwei Kavaliere, die zu Fuß gekommen waren, und die die langen Mäntel, die ihre kostbaren Dominos vor dem Straßenschmutze geschützt, im Vestibül ihren Dienern über­geben hatten, sprangen die mit rotem Tuche belegten Treppen­stufen hinaus. Sie verfolgten mit großer Aufmerksamkeit eine junge Dame, die das kleidsame Kostüm einer Bergere trug. Es bestand aus einem Unterfteibe aus rosa Atlas, darüber sich ein Ueberwurf aus kostbaren gelblichen Spitzen legte, der hier und da mit roten Rosen gerafft war. Auf dem hochtoupierten, dick mit Puder überstäubtem Haare seiner zierlichen Trägerin schwebte ein Hütchen, das mit einer Brillantagraffe geziert war und von dem rosa Bänder herabflatterten. In der Hand hielt die Bergere einen Hirtenstab.

Diable, ist das nicht die schöne Kalkstein?" flüsterte der eine Kavalier seinem Gefährten zu. Und, mit einem kühnen Satze die Bergere einholend, wandte er sich ihr zu: Ma belle," begann er.

Prenez-garde," raunte der andere Kavalier, der einen roten Domino" trug, und zwang den Freund, durch eine Be­wegung, still zu stehen.An der Haltung des Kopfes habe ich sie erkannt, daS ist nicht die Hofdame, das ist die Prinzeß"

Die Prinzeß Torheit," sagte der erste und wollte der jungen Dame nacheilen. Und wieder hielt ihn der Freund zurück.

Ich versichere dir, das ist sie, das ist Prinzeß Amalie als Bergere! Nach der DemaSkierung wirst du einsehen, daß ich recht tat, dich zu warnen. Hast bu nicht gesehen, wie eS an ihrem Kostüm von Brillanten funkelte? In den Rosen, mit denen das Kleid gerafft war, hingen sie als Tau­perlen, sie glitzerten auf dem Hute, und von den Blumen, mit denen der Hirtenstab umwunden war, schoß ihr Glanz in wahren Strahlenbündeln herab. Fällt dir nachträglich die Fülle der kostbaren Steine auf? Ja? Weil ich dich darauf aufmerksam gemacht? Bon mon eher! Du wirft ein- sehen, daß ich recht hatte. Ich bitte dich, wer von die-