Sie ÄWW in SnSIoni).
Nach der vorübergehenden Niederlage, welche die Aufständischen in Moskau am letzten Sonnabend erlitten hatten, haben Re einen umfassenden und anscheinend wohlorgani- sierten Kampf gegen die Truppenmacht begonnen, dessen Ausgong noch ungewiß genannt werden muß. Sie Rnb offensichtlich entschlossen, es zum Aeußersten kommen zu lassen, und auch die Regierung ist sich klar darüber, daß hier der Entscheidungskampf um ihre Existenz geführt werden muß.
Moskau, 27. Dezember. Die Front der revolutionären Miliz erstreckt stch vom Kafanbahnhof in einer Länge von etwa 10 Kilometer. Durch die große Ausdehnung der von Barrikaden eingenommenen Rayons wird den RegierungStruppen das Vorgehen erschwert. Gegen die Aufständischen, die bereits den vierten Tag die Stadt im Belagerungszustand halten, war bis in die ersten Nachmittagsstunden Artillerie in Tätigkeit. Fortgesetzt entstehen Barrikaden an neuen Punkten und umschließen die Stadt. Im Alexandergarten am Kreml tauchten plötzlich Revolutionäre auf und wechselten Schüsse mit den Soldaten, wobei 2 Soldaten und 3 Revolutionäre fielen.
Petersburg, 28. Dezember. Das Semenowsche Leibgarde-Regiment, das nach Moskau abging, steht unter General Stackelberg, der auch wichtige Befehle an den dortigen Generalgouverneur Admiral Doubaso mit- nahm. Das Semenowsche Regiment führt auf drei Tage Propiant mit, ferner 195 000 Patrone». Der Aufstand bat jetzt auch die Umgegend von Moskau ergriffen, das Militär ist teilweise total erschöpft, viele Offiziere müssen das Kommando niederlegen, da Re von Nerven- erschütterungen befallen werden. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Revolution niederzuschlagen. Die Zahl der bewaffneten Revolutionäre ist immer noch sehr bedeutend, vier Maschinengewehre englischer Konstruktion gehören ihnen und find unaufhörlich tätig. Gestern wurden 30 Häuser demoliert. Die Stadt brennt an verschiedenen Stellen infolge des furchtbaren Artilleriefeuers. Ein großer Teil der Einwohner ist in den Flammen umgekommen; wem die Rettung gelang, der wurde unter einen Kugelregen genommen, wobei zahlreiche Opfer fielen. Die Kanonade dauerte den ganzen gestrigen Tag an. Raub und Plün, derung find an der Tagesordnung.
Warschau, 28. Dezember. In der Nacht zum 27. Dezember organisierten die Revolutionäre einen bewaffneten Ueberfall auf die Staatskreiskasse in der Kreisstadt Wyfokie- Mozowieckie, Gouvernement Lomscha. Währeud der Ausführung der Tat wurde der ganze Markt durch 80 Mann besetzt gehalten. Die Polizei flüchtete, Militär war nicht anwesend, nachdem am 24. d. M. die einzige Rotte, welche bisher die Garnison der Stadt aurmachte, nach Riga aus- marschiert war. Den schwachen Widerstand, den einige Nachtwächter leisteten, brachen die Revolutionäre mit Waffengewalt. Die Kaffentür wurde mit Pyroxilin in die Luft gesprengt und 486 000 Rubel geraubt, davon 20 000 in Gold, 300 000 in Papiergeld, 160 000 in Silber. Dann flüchteten die Täter in fünf verschiedenen Richtungen, teils mit der Bahn, teils zu Pferd». Ein Polizist, der einer von ihnen verfolgte, wurde getötet. Die Telegraphenleitungen waren vorher durchgeschnitten worden.
Aus > und Ausland.
Berlin, 29. Dezember 1905.
Zur gestrigen Frühstück-tafel bei Ihren Majestäten im Neuen Palais waren geladen Staatsminister v. Tirpitz, Generalfeldmarschall v. Hahnke und DberiägermeiRet Freiherr v. Heintze. Nachmittags unternahm Se. Majestät der Kaiser einen Spaziergang. Abends begab Se. Majestät Sich im Automobil, Ihre Majestät die Kaiserin und die jüngeren Kaiserlichen Kinder mit der Eisenbahn nach Berlin, um der Vorstellung von Prinz Friedrich von Homburg im Königlichen Schauspielhause beizuwohnen, nach welcher die Majestäten nach Potsdam zurückkehrten. Heule vormittag empfing S e. M a j e st ä t der K a i s e r den neu ernannten russischen Militärattachs, General & la suite v. Tatischtschew, hörte die Vorträge des Kriegsministers und des Chefs des Militärkabinelts und empfing Herrn Alfred Veit aus London. — Zur FrühstückStofel bei Ihren Majestäten waren geladen Botschafter von Echoen, General v. Jacobi und Flügeladjutant Graf Lambsdorff.
Durch die Zeitungen geht das Gerücht von einem Ulti= matum, das der Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel bezüglich der S te u e r v o r l a g e n einem Parlamentarier gegenüber gestellt haben soll. Wir sind, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", in der Lage, diese Nachricht in ihrem ganzen Umfang als eine jeder tatsächlichen Unterlage entbehrende Erfindung zu bezeichnen. Auch der Reichsschatzsekretär, dem in erster Linie die Vertretung dieser Vorlage der verbündeten Regierungen obliegt, erblickt die Richtschnur und die Grenzen seiner Vertretungsbefugnisse ausschließlich in jenen Vorlagen und deren Begründungen^ Daselbst ist von einem Ultimatum keine Rede. Vielmehr heißt es in der Begründung zum Reformgesetze wörtlich folgendermaßen: „Die verbündeten Regierungen rechnen auf tie sachverständige Mitarbeit des Reichstags, sie werden jeden Aenderungsvorschlag objektiv prüfen und jeder wirklichen Verbesserung gern Folge geben." Diese hier in bestimmtester und loyalster Weise als erwartet bezeichnete positive Mitarbeit des Reichstags kann naturgemäß erst in den Kommissionsberatungen einsetzen. Schon diese Erwägung allein hätte, so weit man nicht auf dem einseitigen Standpunkte völliger Ablehnung steht, das Ungereimte der erwähnten Zeitungsnotiz aus den ersten Blick erkennen lassen sollen.
Der Gesamtvorstand des Deutschen Kriegerbun- d e s hatte in der Sitzung vom 23. Januar d. I. beschlossen, dem Kaiserpaar zur silbernen Hochzeit eine Festgabe zu überreichen, die dauernd den Wohlfahrtseinrich- tungen des Bundes, also denjeuigen Bedürftigen zu gute kommen soll, für welche der Bund sorgen will. Die vorgenom- menen Sammlungen haben, wie die Parole mitteilt, bisher rund 210 000 M. ergeben. Die Zinsen dieses voraussichtlich noch wachsenden Kapitals sollen zur weiteren Erziehung und Ausbildung der aus den vier Krieger - Waisenhäusern des Teutschen Kriegerbundes entlassenen Zöglinge verwendet werden. Vorbehaltlich der Allerhöchsten Genehmigung besteht die Absicht, die Kaiserin zu bitten, zu den jährlichen Entlassungs- terminen die Zinsen aus dem Kapital unter dem Namen Kaner- und Kaiserin-Spende als Erziehungsbeihülsen für die entlassenen Zöglinge zu verleihen.
Ueber dir Aerzte Deutschlands im Jahre 1905 mawt in der neuesten Nummer der Deutschen Medizinischen Wochenschrift Dr. G. Hermann, Hülstarbeiter am Statistischen Amt der Stadt Berlin auf Grund des neuesten Jahrganges des Reichs-Medizinal-Kalenders folgende Angaben: Die
Zahl der deutschen Aerzte ist im Jahre 1905 wieder mehr gestiegen als im Vorjahre. Allerdings war die Zunahme ganz erheblich geringer als in den Jahren vor 1904. Die Zahl der Aerzte im Deutschen Reiche betrug im Jahre 1905 31 041 oder 584 = 1,9 pCt. mehr als Ende 1904; in den sieben vorhergehenden Jahren war die Zunahme 460, 864, 959, 800, 653, 932, 884 gewesen. Die Ziffern ergeben eine Zunahme der Arztezahl an und für fich in den einzelnen Staaten und den meisten preußischen Provinzen.
Die spanische Regierung wird sich ohne Verzug mit den fremden Botschaftern ins Einvernehmen setzen, um endgültig den Zeitpunkt für den Beginn der Marokko» Konferenz festzusetzen, die bestimmt in AlgeciraS statt- finden wird.
Die gegen die Fremden gerichtete Bewegung in China breitet sich aus. Der Erfolg der Boykot« tierung amerikanischer Waren hat mehrere Zeitungen veranlaßt, wegen des Verhaltens der englischen Beamten in Schanghai einen Boykott gegen indisches Opium zu empfehlen.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Einstellung der Sonntags-Poketbe-
R e 11 u n fl.) Abgesehen vom WeibnachtS-, Oster- und Pfingstverkehr, wird vom Februar 1906 ab bei sämtlichen Postanstalten des Reichspostgebiets an Sonntagen und an reichlichen Feiertagen eine Paketbestellung nicht mehr statt- inben. Durch Eilboten zu bestellende Pakete werden na- ürlich nach wie vor abgetragen, auch bleibt den Einholern Überlassen, ihre Pakete während der Schalterdienstzeit ab= zufordern, und endlich soll es den Nichtabholern gleich, mäßig gestattet werden, ihre Pakete Sonntags abzuholen, "ofern keine Unzuträglichkeiten daraus entstehen. Fallen wei Feiertage (oder Sonn- und Feiertag) dicht hintereinander. so bestimmen die Oberpostdirektionen, an weichender leiden Tage die Paketbestellung stattfinden soll.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Pfarramtskandidat Roos auf erfolgte Präsentation zum P arrer in Breitenbach a/Hzbg. Klasse Neukirchen, den Hilsssörster Paul in Oberkausungen zum Förster unter Ueberlragung der Försterstelle Ahlberg, Oberförsterei Gahrenberg, der Gerichlsvollzieheramtsanwärter Galonske zum GerichlSvoll- ieher bei dem Amtsgericht in Volkmarsen, der Gerichtsvollzieher traft Auftrags Streit zum Gerichtsvollzieher bei >em Amtsgericht in Kirchhain. Versetzt: der Hilsssörster 3ra6el zu Louisendors, Oberförsterei Frankenau, nach Har- leShausen, Oberförsterei Kirchditmold, die Gerichtsvollzieher Eckold in HilderS und Becker in Frankfurt a. M an das Amtsgericht in Cassel. Verliehen: dem Oversteuerkontrol- leur Stäbe in Fulda der Amtstitel Steuerinspektor.
* Die Kriminalität der Jugendlichen hat m Jahre 1904 trotz der allgemeinen Zunahme der Verurteilten weiter, wenn auch nur um Geringes abgenommen. ES würde aber, bemerkt hierzu die Voss. Ztg.. voreilig sein, darin schon eine durchgreifende Wirkung der zur Bekämpfung )er Verwahrlosung der Jugendlichen getroffenen Maßregeln, nsbesondere deö Fürsorgeerziehungsges-tzeS zu erblicken. Zielmehr hängt diese Abnahme $umciR einmal mit dem durch die Besserung der ErwerbSverhältnisse verursachten allgemeinen Rückgänge der Bestrafungen wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Vermögen, an denen die Jugendlichen besonders stark beteiligt zu sein pflegen, sodann mit der sehr bedeutenden Zunahme der Verurteilungen wegen Vergehen gegen die Gewerbeordnung und verwandte Ge- etze, die naturgemäß nur in sehr seltenen Fällen zur Ver» urteilung jugendlicher Personen führen, zusammen. Das neue Gesetz, betr. die Kinderarbeit vom 30. März 1903 hat im Jahre 1904 fast 2000 Verurteilungen veranlaßt, und unter sämtlichen Verurteilten befindet fich kein Jugend- icher. Dadurch allein schon ist eine merkliche Verschiebung in dem Verhältnis zwischen jugendlichen und erwachsenen Verurteilten hervorgerufen.
* (Urlaubsfahrten auf Schnellzügen.) Bisher wurde die Benutzung der Schnellzüge durch beur- aubte Soldaten auf Militärfahrkarten nur gestaltet, wenn Re einen nur kurzen Urlaub (weniger als 8 Tage) und mehr als 300 Kilometer bis zu ihrem Ziele zurückzulegen hatten, sowie ferner, wenn die Reise nicht an dem Tage vor ober nach dem Weihnacht-feste ober an dem Feste selbst angetreten wurde. Diese Bestimmung ist nun dahin abge. ändert worden, daß den Unteroffizieren bei Urlaubsreifen auf Entfernungen über 300 Kilometer außerhalb der Fest- zeiten die Benutzung der dritten Wagenklasse der Schnellzüge auf Militärfahrkarten auch dann erlaubt ist, wenn die Dauer ihres Urlaubs bis zu 14 Tagen beträgt. Die bisherigen Vorschriften bleiben daher bezüglich der Urlaubs- grenze nur für die Mannschaften bestehen. Bei Benutzung von O Zügen Rnb Platzgebühren zu entrichten.
):( Hersfeld, 29. Dezember. Die eingehenden gewöhnlichen Briefe und Postkarten werden am 31. Dezember und am 1. Januar mit einem Ankunftsstempel nicht bedruckt. — Am 31. Dezember Rnb die Schalter für die Briefannahme und Ausgabe sowie den Markenverkauf geöffnet von 8 Uhr Norm. bis 1 Uhr Nachm. unb von 2 Uhr Nachm. bis 8 Uhr Nachm.
Hersfeld, 29. Dezember. (Ei n Wort für die Neujahrskarte!) Um die Weihnachtszeit ergeht viel- sach durch Wohltätigkeit-vereine rc. die Aufforderung, sich durch eine Geldspende für die Armen von der Versendung von NeujahrS-Glückwunschkarten abzülösen. Seitens des Vereins deutscher Steindruckereibesitzer wird hierzu bemerkt: Er wird eine Anregung gegeben, die ohne Zweifel gut gemeint ist unb nur Anerkennung verdienen würde, wenn deren Befolgung nicht mit einer äußerst empfindlichen Ec- werbsschädigung für eine sehr große Zahl von Gewerbetreibenden und Arbeitern, die bei der Herstellung und dem Vertriebe von Glückwunschkarten beschäftigt Rnb, verknüpft wäre.
q. Hersfeld, 29, Dezember. (Jahreswende.) Vergangenheit, Gegenwart unb Zukunft, alle drei drängen fich in dem einen Augenblicke zusammen, wenn an der Jahreswende der Milternachtsruf mit lautem, ernstem Ton unseren Glocken entflieht. Verrauscht ist nun wieder eines Jahre« Lauf; Lust unb Leid hat er in bunten Reigen gebracht, mit gemischten Gefühlen, ahnungsvoll und Hoffnung«- froh, stehen wir bei dem zwölften Glockenschlage in der Silvesternacht wohl alle eine Weile still unb horchen bewegt der Botschaft, welche die Glocken in die klare Winternacht hinausrufen. Und wenn die ehernen Klänge der Mitternacht, welche die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahre bildet, über die Lande Hallen, dann tönt in den machtvoll ernsten Ruf der Glocken der silberne Klang der Gläser unb fröhlicher Ruf beS Jubels au« tausend von Menschenkehlen hinein; denn e« ist eine alte, gute deutsche Sitte, daß wir bei so wichtiger Zeitwende den
Becher zur Hand nehmen und Lethe trinken für alles, was wir vergessen und verschmerzen wollen. Doch nicht nur )en Lethetrank schöpfen wir aus der üblichen Silvesterbowle, te füllt uns auch den Becher freudiger Hoffnung. Ein neues Jahr, ein neues Hoffen! Die Zukunft hat ein gütiges Geschick mit undurchdringlichem Schleier uns ver-- füllt; dafür hat es die nie versiegende Hoffnungsseeligkeit n die Menschenbrust gepflanzt, und gerade an der Jahreswende drängt sie übermütig und allbsglückend hervor mit bren Träumen und Plänen auf Gelingen und Vollbringen. Wohl hat jeder Mensch sein Päckchen zu tragen; und wenn das private Leben des einzelnen im verflossenen Jahre hin und wieder nicht ganz sonnumstrahlt gewesen ist, so soll er nicht murren. Wenn sein Päckchen im Jahre 1905 ein wenig schwerer als gewöhnlich geraten war, so wird es dafür im neuen Jahre desto leichter. Und ein wesentlicher Faktor, der auch die schwerste Last tragen und leicht machen hilft ist eben die Hoffnung, die nicht zuschanden werden äßl. Darum die dampfenden Punschgläser zur Hand, ein Uller Trunk den Toten, ein volles GlaS dem neuen Jahr, und
Froh in die Zukunft Die Blicke gewandt, Das Schifflein der Hoffnung Treib' lustig vom Strand! Auf flatterndem Wimpel Steht deutlich und klar: Dem mutigen Schiffer Ein glückliches Jahr!
Hersfeld, 29. Dezember. (Einkauf von Frei« marken.) Beim Herannahen des Jahreswechsels ist wiederum darauf aufmerksam zu machen, daß es sich dringend empfiehlt, den Einkauf der Freimarken für Neujahrs- niese nicht bis zum 31. Dezember zu verschieben, sondern chon früher zu bewirken, damit der Schalterverkehr an dem ,«nannten Tage sich ordnungsmäßig abwickeln kann. Ebenso liegt es im eigenen Interesse des Publikums, daß die Neujahrbriefe frühzeitig zur Auflieferung gelangen, und daß nicht nur auf den Briefen nach Großstädten sondern auch auf den Briesen nach Mittelstädten die Wohnung des Empfängers angegeben werde Für Berlin ist außerdem die Angabe des Bestell-PostamtS dringend wünschenswert.
Heimbolshaufen, 25. Dezember. Ein Rudel Hirsche wurde dieser Tage in unserem angrenzenden Forste beobachtet. Das Wild wurde eingekreist, ehe jedoch genügend Schützen zur Stelle waren, brachen die seltenen Gäste durch. — Am 21. b. M. erlegte Herr Bürgermeister Lotz von LengerS einen kapitalen Sechszehnendec, der das respektable Gewicht von ca. 2 Zentnern aufwies. (R Z.)
Cassel, 29. Dezember. Am dritten WeibnachtSfeiertage waren in hiesiger Stadt Einbrecher am Werke und zwar erbeuteten Re bei einem einzigen Koup annähernd 20 000 Mark. Sofort wurde die Kriminalpolizei von dem Einbruch verständigt, die bann auch die umfassendsten Ermittelungen anstellte, welche erfreulicherweise am Donnerstag morgen zur Festnahme der Einbrecher führten.
Homberg, 27. Dezember. In der Kunstgärtnerei von Wilh. Schade hier ereignete sich am vergangenen Sonntag ein sehr bedauernswerter Unglücksfall. Ein Gehülfe hantierte mit einem geladenen Revolver und zeigte den in demselben Raume befindlichen 25jährigen Sohne die geringe Sicherung der Waffe. Während letzterer bat, den Revolver wegzulegen, ging der Schuß los. Die Kugel traf^ven Sohn über dem Auge in den Kops; infolgedessen miiNe die Uebelführung in die Marburger Klinik angeordnet werden. Heute traf die Nachricht ein, daß die Kugel entfernt und jede Gefahr hoffentlich ausgeschlossen sei. Der Vorfall ist wieder eine Warnung, mit Schußwaffen nicht leichtfertig umzugehen.
Frankfurt a. M., 27, Dezember. (EinRäuber. S t i l l e b e n.) In dem hiesigen Stadtwalde wurde eine Diebeshöhle entdeckt, die mit einem Teppich, einem Waschtisch und sonstigen Geräten wohnlich eingerichtet war. Ein Förster verhaftete vier Leute, schwere Verbrecher, die bereits mehrfach vorbestraft waren und steckbrieflich verfolgt wurden. Sie gestanden ein, Einbrüche in Frankfurt, Hausen, Eschersheim und Jsenburg verübt zu haben.
Wiesbaden, 28. Dezember. Beim AuStrageu von Zeitungen stürzte der bejahrte Karl Schäfer in einem Hause die Treppe hinunter und erlitt einen doppelten Schädel brüt ; er starb nach einet Stunde im Krankenhause.
Erfurt, 25. Dezember. Sichselbst indieLuft gesprengt hat aus Nahrungssorgen der Steinmetz Schmidt in Neuhos (Regierungsbezirk Erfurt), indem er sich eine Dynamitpatrone in den Mund steckte und sie zur Explosion brächte. Er wurde völlig zerrissen.
Aus Westfalen, 27. Dezember. Vergangene Nacht wurde der Nachtwächter in Gerlingen (Kreis Olpe) von einem Automobil überfahren und getötet. Leider ist da« Automobil in der Dunkelheit entkommen. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und fünf unmündige Kinder.
Brilon, 25. Dezember. Der Arbeiter Wilhelm Schmitz wurde von dem Arbeiter Dodt durch einen Messerstich getötet. Der Täter ist entflohen.
Gilhenberg, 24. Dezember. In dem benachbarten Adelebsen wollte der Gutsknecht August Fiege einen Schlachte« lisch von einem dortigen Stellmacher abholen. Er stürzte mit dem Tisch über einen auf dem Hofe stehenden Tober und zog sich bei dem Sturz schwere innere Verletzungen zu. Er verstarb nach einer halben Stunde.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
Wegen der WeihnachlS-Feiertage war in der am 27. Dezember beendeten Berichtswoche am Getretdemarkte die Geschäftstätigkeit wenig rege. Weizen wurde nur wenig bei ganz bedeutend schwankenden Preisen gehandelt. Ware auf nahe Lieferung war eher billiger zu haben, während Mailieferung sich besser zu behaupten vermochte. Bestimmend für die Tendenz im Brotgetreide war die schlanke Ausnahme, welche am 23. und 27. Dezember der zur Erfüllung von Lieserungsverpflichtungen angestellte Roggen aus den Donau ■ gegenden fand. Es gelangte darin wiederum die Ansicht zum Ausdruck, daß es nicht ganz leicht sein dürste, genügend große Mengen dieser Frucht zur Befriedigung des Bedarfs heranzuziehen. Vielfach wurden infolgedessen Deckungskäuse für Lieserungsverpflichtungen per Dezember vorgenommen, was eine Preissteigerung von 1,75 Mk. bewirkte. Für Mai- lieferung gab sich gleichfalls in Rückwirkung dieser Verhältnisse eine feste Stimmung kund, der Wertstand blieb jedoch bei geringem Geschäft im wesentlichen unverändert. Im Gegensatz zu der guten Haltung bet Brotfrucht lag Futtergetreide entschieden schwächer. Die zur Lieferung gekommene Ware drückte ziemlich empfindlich auf den Dezemberpreis von Hafer, und auch die Notierung für Mailieferung blieb hiervon nicht ganz unbeeinflußt. Im Lokogeschäft blieb der