Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für k;ersfeld vierteljährlich

1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, ro

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10psg., im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 psg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^svs^s^s

herrfelder UreiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 15L Sonnabend, den 23. Dezember 1905.

KF Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

@rftto Statt.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 21. Dezember 1905.

Am 20. d. Mts. fand im Sitzungssaale im Landrats­amtsgebäude dahier eine Kreistagssitzung statt. Zu derselben hatten sich außer dem Herrn Vorsitzenden 18 Abgeordnete (ein Abgeordneter war durch Erkrankung am Erscheinen verhindert) und außerdem die Herren Bürgermeister a. D. Nuhn aus Asbach, in seiner Eigenschaft als Kreisausschußmitglied, sowie später die Herren Landes- und Geheimer Regiernngsrat Stiehl und Regierungsrat Schumann aus Cassel eingefunden. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der Herr Vorsitzende die erschienenen Herren Abgeordneten seinerseits und gedachte dabei des unerwarteten Heimgangs des früheren Vorsitzenden, des am 5. September d. Js. verstorbenen Königlichen Landrats Herrn Geheimen Regierungsrats Freiherrn von Schleinitz, dessen langjähriges und segenreiches Wirken im hiesigen Kreise hervorhebend, sowie des ebenfalls verstorbenen Kreistagsabge­ordneten, Herrn Tuchfabrikanten Eduard Braun aus Hersseld. Die Anwesenden erhoben sich auf Ersuchen des Herrn Vor­sitzenden zum Andenken an die Verstorbenen von ihren Sitzen.

Im Anschlüsse an die Begrüßung des Herrn Vorsitzenden ergriff der erste Kreisdeputirte Herr Bürgermeister a. D. Braun von hier das Wort und hieß den Herrn Vorsitzenden im Namen aller Anwesenden herzlich willkommen, dabei die Hoff­nung aussprechend, daß das Wirken des Herrn Vorsitzenden im hiesigen Kreise, dessen Vertreter ihm mit vollem Vertrauen entgegenkämen, nicht nur ein vorübergehendes sein möge.

Sodann wurde in die Beratung und Beschlußfassung über die einzelnen Gegenstände getreten.

Das Ergebnis wird in Nachstehendem zur allgemeinen Kenntnis gebracht.

Zu Punkt 1 der Tagesordnung wurden die Mehrausgaben für den Landwegebau im Rechnungsjahr 1904 in Höhe von 27094,51 Mk. einstimmig nachträglich genehmigt.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurden die zu der Rechnung der Kreiskommunalkasse für das Jahr 1904 gezogenen Revisionsbemerkungen nach einer eingehenden Be­sprechung als erledigt angesehen und wurde die Rechnung selbst sodann in allen Teilen für richtig befunden; auch wurde dem Rechnungsführer Entlastung erteilt.

Ein Auszug aus der Rechnung ist hierun­ter abgedruckt.

Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurde das Projekt zur Verlegung des Landwegs HersfeldKirchheim innerhalb der Gemarkung Reckerode begutachtet. An demselben fand sich nichts zu erinnern. Dabei wurde beschlossen, die Bewilligung der Hälfte der Kosten aus communalständischen Mitteln als Unterstützung für die Gemeinde Reckerode zu be­antragen; ferner wurde die Aufnahme der projektirten Wege­strecke in den Landwegebauverband und Ausscheidung der ab­fällig werdenden Strecke aus demselben beschlossen. Eine Beschlußfassung über das Gesuch der Gemeinde Reckerode um Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskommunalkasse wurde vorläufig ausgesetzt.

Zu Punkt 4 der Tagesordnung ließ sich die Versammlung die von dem Herrn Vorsitzenden über den gegen­wärtigen Stand der Verhandlungen wegen Uebernahme der Kosten der Schweine-Jmpfung auf den Kreis gemachten Mit­teilungen zur vorläufigen Kenntnis dienen.

Ueber das Gesuch des Pfarrers Martin und a. Personen in Heringen um Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskommunalkasse zu den Kosten der Erbauung eines Ge­meindehauses in Heringen (Punkt 5 ber Tagesord- nung) wurde die Beschlußfassung vorläufig ausgesetzt, weil vorerst noch weitere Ermittelungen dieserhalb angestellt werden möchten. Zu den Kosten der Unterhaltung der Diakonissen- station in Heringen wurde eine Unterstützung von 100 Mark aus der Kreiskommunalkasse bewilligt.

Zu Punkt 6 der Tagesordnung wurden von dem Herrn Vorsitzenden eingehende Mitteilungen über die Ausführung des Kreistagsbeschlusses vom 8. Oktober 1904 betreffend das Projekt einer normalspurigen Kleinbahn von Hersseld nach Heimboldshausen gemacht.

Nach längerer Debatte wurde ein Antrag des Herrn Bürgermeisters Strauß hier dahin gehend:

In Anbetracht der Zwangslage, in die der Kreis durch den staatlichcrseits beabsichtigten Ausbau des Bahnhofs Hersseld gekommen ist, beschließt der Kreistag:

den Betrag von 20 000 Mark zur Verfügung zu stellen behufs Ausführung der durch die Einleitung der Linie HersseldHeimboldshausen in den Bahnhof Hersfeld erforderliche Erweiterung der Wegeüberführung einschließ­

lich Mehrkosten für Rampenschüttung, sowie für Grund­erwerb. Diese Summe wird zum speziellen Nachweis bewilligt, und es ist der Versuch zu machen, die Kosten nach Maßgabe der Vorschläge des Herrn Geheimen Bau­rats Stiehl in Cassel zu ermäßigen. Wegen der finanziellen Deckung ist dem Kreistag weitere Vorlage zu machen", einstimmig angenommen.

Ein weiterer Antrag des Herrn Gutsbesitzers Adolf Rein­hard aus Unterweisenborn dahin gehend:

Der Kreistag wolle beschließen, den Herrn Geheimen Baurat Stiehl zu beauftragen, nunmehr für die Linie HersfeldSchenklengsseldRansbach durch den Schwär- zelsbachgrund ein spezielles Projekt auszuarbeiten und vorzulegen und zu diesem Zweck einen Betrag von zu­nächst 12000 M. zur speziellen Verrechnung zur Ver­fügung zu stellen; er erwartet wegen Aufbringung dieser Summe weitere Vorlage.

Die weitere generelle Ausarbeitung des Projekts HersfeldSchenklengsseldFriedewald Heimboldshau­sen soll vorläufig ausgesetzt werden, (vergl. Beschluß des Kreistags vom 8 Oktober 1904)."

wurde ebenfalls einstimmig angenommen;

desgleichen der Antrag des Henn Vorsitzenden:

Der Kreistag wolle beschließen, für die Deckung der Kosten der Ausstellung des allgemeinen Projekts einer Kleinbahn HersseldSchenklengsseldRansbachHeim­boldshausen nebst einer Stichbahn nach Friedewald noch einen weiteren Betrag von 3000 M. zur Verfügung zu stellen."

Auszug

aus der Rechnung der Kreiskommunalkasse in Hersfeld für das Rechnungsjahr 1904.

A. Einnahme.

Titel I. Kassenbestand ans voriger

Rechnung . . . 9767 M. 78 Pf.

II. Aus nutzbarem Kreisvermögen 4935 35

III. Aus gemeinnützigen Einricht­

ungen und Anstalten des Kreises . . . . 45 80

IV. Dem Kreise überwiesene Ge­bühren .... 2902

V. Dotationen . . . 11848 VI. Kreisabgaben . . . 49719 57 VII. Zurückerstattete Borschüsse . 402 11 VIII. Insgemein (Sonstige Einnah­men) .... 1582 07

IX. Eingegangene u. zurückgezahlte

Kapitalien . . . 48500

X. Eingegangene Rückstände . 1238

XI. Für die Unterhaltung der Landwege . . . 14299 87

XII. Für Eisenbahnbauten (Rech­nung ist besonders geführt) Summa der Einnahmen . 145240 M. 55 Pf.

B. Ausgabe.

Titel I. Zur Verstärkung des Betriebs­fonds . . . . M. Pf.

II. Kreisverwaltungskosten . 5399 82

III. Für das Jmpfwesen . . 915 85

IV. Kosten der technischen Revi­sionen der Maße und Ge­wichte . . . . 314

V. Zu gemeinnützigen und wohl­tätigen Zwecken . . 17588 56

VI. Leistungen an den Bezirksver- band . 12908 70 VII. Vorschüsse . . . . 402 11 VIII. Insgemein . . . 1131 80

IX. In Abgang zu stellende Soll- Einnahmen . . . X. Rückstände . . . .

XI. Für die Unterhaltung der Landwege . . 57177 47

XII. Für Eisenbahnbauzwecke 38143 40 Summa der Ausgaben - 133981 M. 71 Pf.

Abschluß!

Die Einnahme beträgt . . . 145240 M. 55 Pf.

Ausgabe . . . 133981 71

Mithin Kassenbestand . . . 11258 M. 84 Pf.

Dazu der Kassenbestand des Eisenbahn bansonds GerstungenVachaHün- seld mit. . . . . 8824 16

Somit Gesamt-Kassenbestand . . 20083 Der Vorsitzende des Kreisausschusses v o n Grunelius,

A. 3775. Regicruugsasscssor.

Hersseld, den 19. Dezember 1905 Auf die Einiichlungen derDeutschen Dichler-G-dächt-

nis-Stistung" zu Hamburk-Großborstel, deren Benutzung namentlich kleineren Volksbibliotheken aufs wärmste zu empfehlen ist, mache ich hierdurch besonders aufmerksam.

Zu den bereits bestehenden Abteilungen der Stiftung, derBibliotheksobteilung" und derVerlagsabteilung," ist Anfangs dieses Jahres eine neue Abteilung, dieAbteilung zur Massenverbreitung guter Volksschristen", deren Zweck die Herstellung besonders billiger, dabei aber vorzüglich aus. gestatteter guter Bücher und ihr Massenvertrieb ist hinzu- getreten. Einzelne Exemplare der von dieser Abteilung herausgegebenen Volksbücher kosten geheftet 15 Pfg., ge­bunden 50 Pfg.

I, 9168. Der com. Landrat.

I. V.:

T T h a m s r.

Hersfeld, den 19. Dezember 1905.

Nach einer Mitteilung des Herrn Landrates zu Homberg ist unter dem Schweinebsstande des Landwirts J. Heß zu Oberhülsa die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 9208. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m s r.

Gefundene Gegenstände:

Eine wollene Pferdedecke und ein Paket Taschentücher. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Asbach.

Zugelaufen: Ein großer Hund (Zughund) mit weißen Beinen, dunklem Rücken und gelben Kopf. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Friedlos.

nichtamtlicher teil.

Zum Weihnachtsfeste.

Stille Nacht heilige Nacht! Dieser alte und doch wieder ewig neue WeihnachtSgesang webt, wenn am Abend des 24. Dezember Lichterglanz und Tannenduft durch die Prunkzimmer der Reichen und die bescheidenen Stäbchen der Minderbemittelten fluten, die Fäden zwischen dem in dem Tun des Alltags erstarrten Gemüte und der ergrei­fenden Poesie des Christfestes. Wenn auch leider die duftigen, zarten Gestalten des Weihnacht-zaubers das grelle Licht der Elektrizität fliehen, so wäre es doch ein Irrtum, den Pessimisten Glauben zu schenken, die uns beweisen wollen, daß die weihevolle Innigkeit der WeihnachtSpoesie zu schwinden beginne. In stiller, heiliger Nacht ist einst das Wunder der Gnade geschehen, und noch immer Heat ein duftiger Schleier, aus heilbringenden Lichtgedanken Gottes gewebt, über der Geburtsstunde Christi.

Man hört so oft sagen: Weihnachten sei recht eigentlich ein Fest der Kinder. Gewiß, man möchte den fröhlichen Jubel aus Kindermund nicht vermissen zur Weihnacht, doch ist er nur ein Ton, der mitklingt im vollen Akkorde der Christfestfreude. Ein Kinderfest ist es allerdings; der Mittelpunkt derselben sind jedoch nicht die über ihre Gaben freudig beglückten Erdenkinder, sondern: das eine Kind in der Krippe zu Bethlehem. Wie sehr bei den häuslichen Weihnachtsfeiern sich dieser Mittelpunkt verschoben hat, offenbart ein flüchtiger Blick da und dort in die WeihnachtS- stuben. Unter wie vielen Christbäumen fehlt jede Erinnerung an das Christkind im Himmel. Anderen wieder, und zwar einer ganzen Masse unseres Volkes ist Jesus nichts als der Sozialreformer. Wie wenig erfassen doch diese den wahren Geist Jesu! Gewiß durch seine Lehre von der Liebe wird Jesus zum sozialen Bahnbrecher.Kommet her zu mir alle, die ihr mühsehlich und beladen seid, ich will euch erquicken," lautet seine Einladung, aber er fordert die vollkommenste Selbstverleugnung, die höchste Opferwilligkeil für die Durch­führung des Wahren, Guten, Reinen. Nicht Haß und Neid predigt er, nicht das egoistische, habgierige Verlangen nach materiellen Gütern nach Genuß, nach Auskosten der zeitlichen Lebensfreuden, wie es die modernen Volksapostel unserer Zeit tun, fordert er, sondern auf den Himmel und seine Freuden verweist er. Seine Liebe ist eine sittlich ernste und dienende, und die Hebung des Ansehens jeder einzelnen, auch der geringsten Persönlichkeit geht bei ihm Hand in Hand mit der Unterordnung der Persönlichkeit unter das Wohl der Gesamtheit, der auch er selbstverleugnend dient. O daß doch unser Volk seiner Lehre in diesem seinen Geiste nachstreben möchte! Die Zeiten sind ernst und schwer. Wohl ist der Donner der Geschütze auf den Feldern Ost. afien« verstummt. Aber wenn wir aus unser Nachbarland Rußland blicken, und die inneren Wirren dort sehen, haben wir Deutschen allen Grund, an diesem Weihnachtsfeste Gott zu danken, daß er unter dem starken und toch alle Stände in Liebe umfassenden Regiments unseres Kaiser» die wohltuende Ordnung aufrechterhalten sein läßt, allen Grund, in unsere Weihnachtrgedanken die Mahnung klingen zu lassen, alles daran zu setzen, daß un« der innere und äußere Friede gewahrt bleibe.