Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na
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Herzfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 150.
Donnerstag, den 21. Dezember
1905.
Abmmknls-kiMWg
auf das ßersfelder Kreisblatt.
Das Hersfelder Kreisblatt bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen des Königlidjen Landratsamtes dahier sowie zahlreicher anderer Behörden zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der
Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und den nachbargehieten.
Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte spannende Romane,
Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Teil des Lesestoffs.
Die Abonnenten erhalten unentgeltlich jede Woche ein Illustriertes Sonntagsblatt und alle j$ Tage eine von besten Fachmännern bediente Illustrierte landwirtschaftliche Beilage, jm Laufe des Monat. Mai erhalten die Abonnenten einen Auszug aus dem
Eisenbahnfahrplan, sowie bei Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender und märkteverzeichnis.
Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. vierteljährlich.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Expedition des Hresfelder Kreisblattes.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 15. Dezember 1905. Der Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer Wiegand
Morsch.
Roman von Friedrich I a c o b s e n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Du weißt, daß der Mann, dessen Tod dir nützen soll, ein krankes Herz hat, und daß eine einzige Erschütterung ihm die Adern zerreißen wird; es war dein Plan, urplötzlich in erschreckender Form vor ihn hinzutreten und dem Zufall das weitere zu überlassen.
Laß andere die Arbeit machen.
Wenn man einen Mörder dingt, so beredet man mit ihm die Tat; man gibt ihm die Waffe, mit der er zustoßen soll, und man bezeichnet ihm die Stelle, wo er hinstoßen soll. Es ist ein gemeinsames Handeln, und es ist häßlich und brutal.
Und mit deinem überlegenen Witz machst du seinem stumpfen Verstände klar, daß er einmal in seinem Leben die Hand nach fremder Habe ausstrecken muß.
Freilich, du verschweigst ihm, daß er im Grunde genommen nur dein Werkzeug ist, daß er für dich ausführen soll, was du selber nicht tun magst, weil es deine Hände beschmutzen könnte. Du schließest deine Augen vor dem Erfolg, und heute in dieser Stunde, wo der einzige Freund sich von dir gewendet hat, heute siehst du dennoch den Erfolg mit einer nackten Klarheit.
Du hörst, wie die Scheibe leise klirrt und wie der Einbrecher ins Zimmer tappt; du hast ihm verschwiegen, daß der tottranfc Mann von einem treuen Wächter behütet ist, daß sein wildschlagendes Herz ihn selber behütet vor dem ahnungslosen Schlaf.
Du siehst alles, wie es kommen muß, und der Zufall wirb zu einem Sklaven deines Willens.
Was ist das? Es ist keine Anstiftung zum Morde, den die Gesetze als solchen bestrafen können, aber es ist eine Tat, die vielleicht noch niemals ausgesonnen wurde, und das Ber.
Ruppel zu Kirchheim hat sein Amt niedergelegt. Bis aus Weiteres ist der Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer H. Stange daselbst zur alleinigen Versetzung der Schlachtvieh- und Fleischbeschau einschließlich der Trichinenschau für die Gemeinde Kirchheim berechtigt.
I. I. Nr. 9125. Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
An der Schule in Friedewald wird vom 1. Januar 1906 ab eine Lehrerstelle frei. Der Grundgehalt derselben beträgt 1100 Mk., der Einheitssatz der Alterszulage 130 Mk. Freie Dienstwohnung. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Zeugnissen bis zum 10. Januar 1906 bei dem Unterzeichneten melden.
Hersfeld, am 18. Dezember 1905.
I. 9150. Der Königliche Schulvorstand.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 19. Dezember 1905.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 14. November 1901 J. I Nr. 6349, Kreisblatt Nr. 136, betreffend Einsendung der Kotasterblätter an den Herrn Gewerbeinspektor in Eschwege erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben bis zum 1. Januar 1906 bestimmt entgegen.
Der com. Landrat von Grunelius, RegierungSassessor.
Herrfeld, den 18. Dezember 1905
Die unter den Schweinen der Arbeiters Heinrich Hartwig I in Unterbaun ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 9184. Der com. Landrat
von Grunelius, RegierungSassessor.
Hersfeld, den 18. Dezember 1905.
Unter den Schweinen des Oberpostaffistenten Renke in Hersfeld ist die Schweineseuche ausgebrochen. I. 9185. Der com. Landrat
von Grunelius,
RegierungSassessor.
Amtliche Bekanntmachung der Landwirtschaftskammer.
StkrlftmieOc zu Fulda.
Mittwoch, den 3. Januar 1906 beginnt an der Lehr- schmtede zu Fulda ein neuer dreimonatlicher LehrkursuS. An den LehrkursuS schließt eine Prüfung an, deren Bestehen die Ausstellung der zum Betrieb des Hufschlaggewerbes befähigenden Zeugnisse zur Folge hat.
brechen, welches noch keiner beging, stempelt seinen Erfinder zum Scheusal!" —
Also sprach die Stimme mit großer Klarheit.
Und wenn in dieser Stunde auf dem Korridor des allen Baues einer von denen vorüberging, die da wußten, daß das Haus mehr als einen Verbrecher barg, dann mußte er zu dem Wirt hinunterlaufen und ihm melden, daß in dem letzten dunklen Zimmer des langen Ganges gerade jetzt ein Verbrechen begangen wurde; denn er habe darinnen das Fallen von Möbeln vernommen und das Stöhnen einer Stimme, die kaum noch einem Menschen angehörte.
Franz Schubert war aufgesprungen und hatte den Tisch dabei umgeworfen.
Er lief durch das Zimmer wie ein wildes Tier, dem die Erinnerung an seine Freiheit und die Erkenntnis seiner trostlosen Gefangenschaft gekommen ist; er fürchtete zu ersticken und riß endlich die Fenster auf, um seine Lungen mit der elenden Luft zu sättigen, die in dem dumpfen Hofe gleich ihm gefangen war.
* *
Wilhelm Marxen hatte eine sehr schlechte Nacht hinter sich, und er war keineswegs der tröstlichen Erwägung zugänglich, dvß die guten Geister des Sonntags dazu berufen sind, alle schlimmen Geister der Finsternis in ihr unheimliches Reich zurückzubanuen.
Er spürte ihr Nähe vielmehr sehr deutlich uud seine grämlichen Gedanken kämpften an eine Stunde des gestrigen Abends, in der sie zu ihm gekommen sein mußten.
Das war sehr seltsam gewesen.
Er hatte wie fast immer allein am Schreibtisch gesessen und einer Beschäftigung obgelegen, die den meisten Menschen angenehm und behaglich zu sein pflegt; die fetten Zahlen seines Vermögens waren ihm durch die Hände gegangen, und er hatte gefunden, daß seine Habe wiederum angewachsen sei.
Große Pläne waren ihm durch den Sinn gezogen.
Der Ehescheidungsstreit mußte nun bald ein günstiges Ende erreichen und ihm die vollkomnene freie Verfügung über seine Millionen zurückgeben, er konnte als kinderloser und
Der Unterricht ist unentgeltlich, die Prüfungsgebühr trägt die Kasse der Lehrschmiede. Für den Kurststeo, der das beste Prüfungsresultat erzielt, steht eine Prämie von 50 Mark zur Verfügung. Außerdem erhält jeder Kurstst ein wöchentliches Taschengeld von 1 Mk. Für Wohnung und Kost hat jeder Teilnehmer selbst zu sorgen. Mitzu- bringen sind: ein Schurzsell, ein Hushammer, ein eng» ltscheS Rinnmesser, ein Falzhammer, ein Stempel; nach Angabe des Setters der Lehrschmiede ist ein Lehrbuch zu verschaffen.
Anmeldungen sind bis 31. Dezember 1905 an den Leiter der Lehrschmiede, Herrn KreiStieraizt Weber in Fulda, ein» zureichen. Der Anmeldung sind beizufügen: Geburtsurkunde, Unbescholtenheitszeugnis, Nachweis, daß der Aufnahme- suchende drei Jahre ordnungsmäßig das Schmiedehandwerk erlernt hat.
I. 9223. Der Vorsitzende
der Landwirtschastskammer für den Reg.-Bez. Caffel:
H. E. von Stockhausen.
I Asmgliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags. —^1—■——J
nichtamtlicher teil.
Zur Reichsfinanzreform.
Die Stempelabgaben.
Um dem Reiche neue Einnahmequellen zu erschließen, ist von der Regierung auch eine Aenderung des gellenden Reichsstempelgesetzes in Vorschlag gebracht worden. Die Aenderung soll einmal in einer Ausdehnung des bereits für den Seeverkehr bestehenden FrachturkundenstempelS auf den übrigen Schiffsfrachtverkehr und den Landfracht- verkehr und sodann in der Neueinführung einer Fahrkarten- abgabe, einer Quittungssteuer und einer Automobilsteuer bestehen. Die geplante Besteuerung der Personenfahrkarten erstreckt sich sowohl auf den Eisenbahn- wie auf den Dampf- schiffsverkehr, und zwar ist eine Abstufung der Steuersätze nach den einzelnen Wagen- bezw. Fahrklaffen vorgesehen. Im Eisenbahnverkehr soll der Satz für die 1. Wagenklaffe 40, für die 2. 20, für die 3. 10 und für die 4. 5 Pfennige betragen, während im Dampfschiffsverkehr, falls nur eine Fahrklasse geführt wird, 10 Pfennige, falls mehrere vorhanden sind, für die niedrigste 10 und für die höheren gleichmäßig 20 Pfennige erhoben werden sollen. Was die geplante Automobilsteuer anbetrifft, sollen künftig der Beförderung von Personen auf öffentlichen Wegen und Plätzen
alleinstehender Mann daran denken, seiner Vaterstadt große Stiftungen zu vermachen und sich damit das Anrecht aus einen Straßennamen, auf ein Denkmal, vielleicht sogar auf einen Sitz im Senat zu erwerben.
Die einzige Torheit seines Lebens, jene Eitelkeit, mit einer schönen Frau prunken zu wollen, war von ihm abgesallen, und er kehrte in das ureigenste Wesen eines wandelnden Geldschranks zurück — was wollte es demgegenüber besagen, daß in der letzten Zeit sein Herz einige Unregelmäßigkeiten zeigte und daß er bisweilen mit einer seltsamen Unruhe zu kämpfen hatte!
Aber da war sie gekommen, diese Unruhe mit einer doppelten und dreifachen Kraft.
So gegen Mitternacht, als alles ringsum den tiefsten Frieden atmete. Ohne jede Veranlassung, wie Marxen bestimmt zu wissen glaubte; denn selbst die Dogge, dieses treue und feinsinnige Tier, war keinen Moment aus ihrer Ruhe cmpvr- geschreckt worden, sie hatte sich nur einmal erhoben, um ihren Herrn mit teilnehmenden Augen anzusehen.
Ungefähr so, als wenn sie hätte sagen wollen: „Armer Herr, es geht sachte mit dir ^^m Ende, ich glaube, daß nicht einmal dein Geld dir daran helfen kann!"
Darauf hatte Konsul Marxen sich nach der Tür des anstoßenden Schlafzimmers umgewendet, und es war der Wunsch in ihm rege geworden, daß irgend jemand zu ihm herein- komnien möchte.
Vielleicht eine weiße freundliche Gestalt, die das Licht mit der Hand schirmte.
Es war aber niemand gekommen und Wilhelm Marxen hatte sich in sein sehr einsames Gemach zurückziehen müssen, denn er wollte doch nicht die halbe Nacht am Schreibtisch sitzen, wo man ihn obendrein vom Garten aus sehen und beobachten konnte.
Das Bett war sonst sein Freund; er hatte keine schlimmen Nachtgedanken.
Aber als er jetzt in den Kissen lag, da waren sie ihm zu hoch unter dem Kops und drückten ihm den Brustkasten zusammen und wie er das Pfühl wegschlendertc» da hatte er ein Gefühl, wie wenn alles Blut ihm in daS Gehirn strömte.