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herrftlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernfprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 142.

Sonnabend, den 2. Dezember

1905.

Amtlicher teil.

Cassel, den 23. November 1905.

Nachdem die Rotzkrankheit der Pferde wiederholt aus­getreten ist, erachte ich es für notwendig, auf dies» den Pferdebeständen sehr gefährliche Krankheit besonder» hinzuweisen:

Von sachverständiger Seite ist in mehreren Fällen fest- gestellt worden, daß die Seuche in der chronischen versteckten Form auftritt, welche ste sowohl für Pferde, als auch für Menschen, welche leicht davon angesteckt werden können, be­sonders gefährlich macht.

Zur wirksamen Bekämpfung der Seuche ist es deshalb erforderlich, daß die Besitzer über die bet ihren Pferden (auch Eseln und Maultieren) austretenden Krankheitser- scheinungen, welche den Verdacht der Seuche erregen können, die gesetzlich vorgeschriebene Anzeige bei der zuständigen Polizeibehörde unverzüglich erstatten und daß sie bei den geringsten Anzeichen des Verdacht« ihre Pferde von der Berührung mit anderen fremden Pferden fernhalten.

Zu den verdächtigen Erscheinungen gehört namentlich nußfarbener Nasenausfluß, der meist einseitig ist, Schwel­lungen derKehlgangSlymphdrüsen, rauhe Beschaffenheit des Haarkleides, Abmagerung trotz guter Pflege, vermehrter Husten, knötchenförmige Hautausschläge, Anschwellung ein­zelner Gliedmaßen und oft auch Atembeschwerden.

Diese Erscheinungen treten nicht immer gleichzeitig auf. E» muß aus die Anzeigepflicht (§§ 9 und 10 des Reichs- , . , . 23. Juni 1880 viehseuchengesetzes vom ^ um so nachdrücklicher hingewiesen werden als der Besitzer, falls er die Anzeige unterläßt oder länger als 24 Stunden nach erhaltener Kenntnis von dem Ausbruche oder dem Verdacht der Seuche verzögert, sich nicht nur strafbar macht, sondern auch nach § 63 Ziffer 1 des gen. Gesetzes im Falle der Tötung seine« Pferdes des Anspruchs auf eine Entschädigung verlustig geht Ich ersuche, dieses in geeigneter Weise zur KcnnlniS der Beteiligten zu bringen und die Pferdebesitzer aus die Pflicht rechtzeitiger Anzeige aufmerksam zu machen.

Ferner ersuche ich, in den bei mir zu stellenden Anträgen auf Tötung von Pferden nach vorheriger Einholung eines kreistierärztlichen Gutachtens ausdrücklich anzugeben, ob der Besitzer die vorgeschriebene Anzeige rechtzeitig erstattet hat oder sie absichtlich oder fahrlässig verzögert hat.

Der Regierungs-Präsident.

Graf Bernstorff, An die Herren Landräte des Bezirks. An die Herren Polizei-Direktoren hier, in Fulda und Hanau. A. III, 4434.

*

Hersfeld, den 29. November 1905.

Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Ortspolizei- behörden des Kreises mit der Veranlaffung, die Pserdebe- sitzer hiernach zu bescheiden und auf die Pflicht rechtzeitiger Anzeigen bet dem Auftreten rotzverdächtiger Erkrankungen aufmerksam zu machen.

Bei etwa zu stellenden Anträgen auf Tötung rotzverdäch tiger Pferde ist der Schlußsatz obiger Verfügung zu beachten. I. I. 8654. Der com. Landrat.

I V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 29. November 1905.

Mit Einzahlung der am l 8. d. M t 6. fällig gewesenen III. Kreissteuerrate sind noch mehrere Gemeinden und GutS- diztrke im Rückstände. Die betr. Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden daher veranlaßt, für schleunige Ein­zahlung der Beträge bet der Kreiskommunalkasse hier Sorge zu tragen.

Der com. Landrat.

I. 93.:

Thamer.

Hersfeld, den 30. November 1905.

In Anbetracht des gesteigerten Geschäftsverkehr«, nament­lich im Papierhandel, wird die Geschäftszeit im Handel«- gewerbe für Sonntag den 11. Dezember d. J. auf 10 Stunden, jedoch nicht über 7 Uhr abends hinaus, ver­längert.

I. I. 8655. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 28. November 1905.

Der Bürgermeister Georg Groscurth in Hallendach ist als solcher für einen am 31. Dezember 1905 beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum wiedergewählt worden und hat diese Wiederwahl meine Bestätigung gesunden.

I. A. 3443. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

HerSfeld, den 1. Dezember 1905.

Die Herren Bürgermeister des Kreise« werden hierdurch an die Erledigung meiner Verfügung vom 14. April 1893 Jrl. I. 2205, Kreisblatt Nr. 46, betreffend Einreichung der tabellarischen Auszeichnung über die Ergebnisse der polizei­lichen Maaß- und Gewichtarevisionen erinnert. Ich sehe der Erledigung derselben bis zum 10. Dezember v. I. bei Meidung von 3 Mark Strafe entgegen.

Der com. Landrat.

I. 58.:

Thamer.

Hersfeld, den 29. November 1905.

Bet den Schweinen des Fabrikarbeiters Johs. Seelig zu Kathu« ist die Rotlausseuche festgestellt worden.

1. 8637. Der com. Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 29. November 1905.

Nach einer Mitteilung des Königl. Landratsamtes zu Rotenburg a/F. ist unter der Schafherde Nr. II zu Königs- wald die Räude ausgebrochen.

I. 8638. Der com. Landrat.

J. 58.:

Thamer.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die parlamentarische Saison im Reiche hat mit der Er­gs f n u n g des Reichstages am Dienstag ihren An­fang genommen. Der Kaiser hat die Eröffnung mit einer bedeutsamen Thronrede persönlich vollzogen. Selten hat in einer derartigen Kundgebung die Wahrheit einen so ernsten und freimütigen Ausdruck gefunden. Es geht wie ein leise« Klirren von Erz durch die Darlegungen de« kaiserlichen Redner« über die auswärtige Lage. Er wies auf die drohenden Wolken hin, die den politischen Horizont für Deutschland verdüstern u.sprach von derfortdauerndenVerkenn- ung deutscher Sinnesart und Vorurteilen gegen die Fortschritte deutschen Fleiße»/ Dann gab er auch in der ganzen helden­haften Art seiner Persönlichkeit unserer festen Entschlossen- Heit zur Abwehr kraftvollen Ausdruck. Wir wollen hoffen, daß die kaiserlichen Worte im Auslande wie im Jnlonde die rechte Wirkung tun werden. Im Auslande möge man daraus einen Anlaß zur Zügelung unberechtigter Angriffs­lust entnehmen, im Inlands ober mögen sie als Mahnung dienen, unser Schwert allezeit scharf und unser Pulver trocken zu halten.

Wie recht Kaiser Wilhelm hat, wenn er von Verkennung und Vorurteile uns gegenüber spricht, dafür legen wiederum einige Vorgänge der neuesten Zeit deutliche» Zeugni» ab. Er erscheint selbstverständlich, daß die Ernennung der Dele­gierten zur Marokkokonferenz unter dem Gesichts­punkte der größtmöglichsten Sachverständigkeit in marokka­nischen Angelegenheiten geschieht. Frankreich hat denn auch diesem Gesichtspunkte Rechnung getragen, indem es R e v o i l, seinen anerkannt besten Kenner marokkanischer Dinge, zum Delegierten für die Konferenz in AlgeciraS bestimmte. Nachdem nun aber die deutsche Regierung da« Gleiche ge­tan und den Grafen von Tattenbach als zweiten Delegierten Deutschlands für die Marokkokonferenz auser­wählt Hot, ist darüber in einem nicht geringen Teil der Pariser Presse sofort heftiger Lärm geschlagen worden. Dieser Preßlärm ist aber um so erstaunlicher, als es nie­mandem bei uns eingefallen ist, wegen der Ernennung Revoils zum französischen Vertreter in Algeciras auch nur ein Wort zu verlieren. Es zeigt sich Hier eben wieder aufs neue, welche Fülle de» Mißtrauens und der Feindschaft ungerechtfertigterweise in weilen Kreisen bes Auslandes gegen uns ausgespeichert ist.

Einen nicht minder deutlichen Beweis für die Wahrheit der kaiserlichen Worte liefern die andauernden Lügen von einer beabsichtigten deutschen Einmischung in die russisch- polnischen Angelegenheiten. Trotz unzwei­deutiger Feststellungen von deutscher Seite. und amtlicher russischer Erklärungen wird da» Lügengewebe fortgesetzt. Auch auf dem Moskauer Semstwokongreß ging da« Gespenst einer geplanten deutschen Einmischung um. Allerdings erscheint die gesamte Handlungsweise dieser Versammlung der Vertreter de« russischen Landadel» der­artig pathologisch gefärbt, daß man sich kaum noch über etwa», was dort passiert, zu wundern vermag. Während das Lebensinteresse der Semstwomttglieder verlangt, daß sie sich fest um Witte scharen, um ihn bei der Erfüllung seiner dornenvollen Aufgaben zu unterstützen, ergehen sie sich Schulter an Schulter mit Sozialisten und Anarchisten in den wahnwitzigsten freiheitlichen Forderungen, und der­weilen sengen, plündern und morden die Bauern, und

treibt der Aufruhr im Heer sein schändliche» Wesen. Führ- wahr, wen Gott verderben will, den straft er zuvor mit Blindheit.

Aus dem politischen Leben unserer Verbündeten im Dreibünde sind zwei bemerkenswerte Ministerkundgebungen zu verzeichnen. In Italien hat sich der Ministerpräsi­dent F o r t i » eingehend über da« Programm der Regierung geäußert. Mit Recht konnte Forti« auf die durchaus be­friedigenden Ergebnisse der bisherigen Wirksamkeit seines Ministerium« hinweisen. E« lehren diese Ergebnisse auf« deutlichste, welche Fortschritte Italien binnen kurzer Frist in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht zu «rächen imstande ist, wenn alle berufenen Faktoren diesem großen Werke ihre Unterstützung leihen. Im österreichischen Abgeordneten- Hause ferner hat Ministerpräsident Freiherr v. G a u t s ch sich eingehend über die geplante Wahlrechtsreform geäußert. Er erklärte, daß die Regierung spätesten« im Februar dem Hause einen hieraus bezüglichen Entwurf vorlegen werde, Hoffentlich läßt nun das Demonstrationsfieber in dieser Angelegenheit etwa« nach.

In Norwegen hat das neuerwählte Königspaar nunmehr feinen Einzug in Christiania gehalten. Wir wünschen nochmal«, daß für die neue norwegische Dynasti, sowie für da« norwegische Volk mit diesem Tage eine Epoche bes Glücke« und der Zufriedenheit angebrochen sein möge. Im Südosten Europas endlich ist die Flotten- demonstration gegen die Türkei im Gange. Hoffentlich hat dieselbe bald den erwünschten Erfolg und veranlaßt die Pforte, sich den Forderungen der Mächte in der macedonischen Finanzfrage gefügig zu zeigen.

Advent.

Da» neue Kirchenjahr bringt uns die alte Botschaft; die Zeit bes Advent» ruft uns auf, an da« Kommen bes Herrn zu denken. Wie draußen in der Natur mit jedem Jahre derselbe Wechsel der Jahreszeiten sich einstellt und doch immer wieder, wenn der Frühling kommt, die Herzen bewegt werden, als käme ein neue» Glück über sie, so bringt auch bas Kirchenjahr zwar immer dieselben Zeiten und Feste; aber immer wecken sie in uns Stimmungen, die längst vorüber schienen, und erfüllen unsere Herzen mit neuem GlückSgefühl. Das Evangelium von der Gnade Gottes in Christo Jesu kann nie veralten; denn es ist ewige Wahrheit. Ob wir alt werden, ob in unserm Leben und Wirken immer deutlicher die Anzeichen des Niederganges sich bemerkbar machen, e» bleibt der Quell der Veejüngung, der Born frischer Kraft un« immer in dem treuen Gottes- worte erhalten. Mögen diesmal so manche, die mit uns in das letzte Kirchenjahr fröhlich eingetreten waren, den Gruß der Adventsglocken hier auf Erden nicht mehr ver­nehmen, die Glocken rufen uns doch die Mahnung zu: hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet.

Jeder Anfang bezeichnet das Ende eines vorhergegangenen Zustandes. Und es liegt in der Art unserer vergänglichen menschlichen Natur, daß die Vorstellung bes Endes von den düsteren Schatten der Vergänglichkeit umgeben ist, während der Anfang uns als ein sonniges und lachender Glück erscheint. So lange wir nur an dar natürliche Leben denken, ist bas ja auch ganz richtig; sobald uns aber klar geworden ist, daß da« natürliche Leben selbst noch garnicht eigentlich das Leben ist, so lernen wir, in seinem Ende vielmehr den Anfang eines neuen und zwar der wahren Leben» begrüßen; und aus dem Dunkel der Todes leuchtet strahlend hervor die Sonne der Ewigkeit, sodaß wir rühmen können: der Tod ist verschlungen in den Sieg. Davon gibt uns bas Leben der Natur nur unklare und doch der Sehnsucht unseres Herzen» so köstliche Vorzeichen. Wie jeder Winter un» in der Gewißheit befestigt, daß es doch Frühling werden muß, so trägt uns durch jede Nacht die Zuversicht, daß am nächsten Tag« die Sonne wieder scheinen wird. Nicht Dunkel und Tod find der Anfang und Ut- queU aller Dinge, in den sie am Ende wieder zurücksinken müssen; Licht und Leben ist bas Erste und wird das Letzte sein, und alle» strebt dahin, zum Licht und Leben zu gelangen.

Niemand, der ernstlich den Gang der Zeiten betrachtet, wird e» sich verhehlen können, daß bes Herrn Kommen heule nötiger ist, denn je. Der verschiedenen Geister und Bewegungen, die in der Geschichte aufkommen und wieder vergehen, find unzählige. Und zu allen Zeiten haben ihrer viele dem Lichte und der Wahrheit, dem Reiche Gottes und der Sache Christi entgegengearbeitet. Nur selten aber hat es Zeiten gegeben, in denen die christus- und gloubens- feindlichen Strömungen eine so unumschränkte Herrschaft über die Gemüter besaßen und so wenig Widerstand im öffent­lichen Leben fanden, wie in unserer Zeit. Wenn man die Mattherzigkeit, die Letsetreterei, die Grundsatzlosigkeit wahr­nimmt, mit der heute sich alle» vor dem Aberglauben bes modernen Bewußtsein» und den Vorurteilen bes Zeitge­schmäcke» beugt, so könnte man wohl bänglich fragen, ob denn die Fahne Christi von dem Kampfplatz« der Welt- geschichte verschwinden soll. Aber solche Bangigkeit steht dem Christen nicht an. Der Herr spricht: Siehe, ich komme.