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herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 141.

Donnerstag, den 30. November

1905.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für

den Monat Dezember von allen Postanstalten, Landbriefträgern, sowie von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 25. November 1905.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises werden oeran» laßt, die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung der Herrn Landesbauinspektors hier über den Verding der Landwege- Unterhaltungsmaterialen für das Jahr 1906 alsbald auf ortsübliche Weise zur Kenntnis der Ortsangehörigen zu bringen.

!. 8539. Der com. Landrat.

J. V.:

Thamer.

Bekanntmachung.

Zum Verding der Landwege - Unterhaltungsmaterialien für das Etatsjahr 1906 im Kreise Hersseld find nachfolgende Termine festgesetzt:

Hersseld, Montag den 4. Dezember 1905 vormittags 10 Uhr in der Engelhardt'schen GastwirtschaftKliftSschenke" am Linggplatz für die Ortschaften: HerSfeld, Allmershausen, Asbach, Aua, Biedebach, Bingartes, Domäne Eichhof, Fried­los, Gitteradorf, Hof Hählgans, Hsenes, Kathu«, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar, Obergei«, Oberhaun, Hof Oberrode, Pelersberg, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotenfee, Sorga, Sieglo», Tann, Untergeis, Unterhaun, Domäne Wilhelmshof. Niederaula, Mittwoch den 6. Dezember 1905 nachmittags 3 Uhr in der Stein'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften Nieder- aula, Allendorf, Beiershausen, Hof Engelbach, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilperhausen, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshaufen.Reckerode, Reimboldshausen, Rotterte- robe, Solms, Stärklos, Willingshain.

Morsch.

Roman von Friedrich Jacobsen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Je weiter, desto besser, ich glaube Ihnen das. Sie haben wohl selbst gemeint, daß die Lene noch ein Kind sei, und sie haben mit ihr gealbert, wie junge Leute das. tun. Aber ich sah heute früh die rote Flamme über ihr Gesicht gehen, und es war nicht die Sonne, denn die Sonne stand hinter den Wolken. Es war das Blut, und wenn das ins Gesicht kommt, dann ist es an der Zeit. Sie soll einen von der Insel haben und keinen Fremden. Aber nun gehen Sie ja weit fort."

Mit der schlichten Ruhe eines Mannes, der immer und überall die nackte Wahrheit sagt und auch an der Rede anderer nicht mäkelt, so kamen diese Worte über die Sippen des Fischers, und dann legte er das Steuer herum und lugte in den Wind.

Das ist eine bessere Fahrt als heute vormittag," sagte er dann nach einer Pause. Zwischen dem Südende von Sylt und der Amrumer Untiefe kam die See scharf herein, und es war eine tüchtige Mütze voll Wind, die darüber hinging. Meine Lene ist was gewohnt, und eine natürliche Sache bringt sie nicht leicht in Angst, aber sie war doch man was blaß, als wir kreuzen mußten und nicht auskommen konnten."

Dann hat sie wohl nicht viel geredet" entgeg- nete Franz mit einem bedentsamen Blick aus seinen Ge­fährten.

Kein Sterbenswort, Herr es wurde mir bald wunder­lich dabei. Aber wir an der Wasserkante sind mit den Worten auch rar, wir haben es wohl von den stummen Fischen. Ich weiß nicht, wie es kommt, daß ich selbst in dieser stillen Nacht so viel erzählen tue, aber ich denke immer an das Mädchen, wie sie nun so allein bei der kranken Frau sitzt, und ich habe doch ein Dach für sie und Raum genug."

Sie fuhren unter einem hellen Nachthimmel zwischen Baken

Schenklengsfeld, Freitag den 8. Dezember 1905 vormittags 10 Uhr

in der Steinhauer'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften Schenklengsfeld, Ausbach, Conrode, Dünkelrode, Hilmes, Landershausen, Malkomes, Motzfeld, Oberlengsfeld, Rans- bach, Schenkfolz, Unlerweifenborn, Wehrshausen, Wippers- Hain, Wüstfeld.

Friedewald, Freitag den 8. Dezember 1905 mittags V2I Uhr in der Zinn'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften Friede­wald, Bengendorf, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen, Hillartshausen, Kleinensee, Lautenhausen, LengerS, Philippsthal, Röhrigshöfe, Hof Thalhausev bet Philipps­thal, Unlerneurode, Widdershausen, Wölfershausen.

Die Bedingungen und Steinmengen werden in den Terminen bekannt gemacht.

Hersfeld, den 25. November 1905.

Der Landesbauinspektor: L y l a n d e r, Baurat.

Hersfeld, den 27. November 1905,

Das Gesetz, betreffend die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten, vom 28. August d. Js. ist in Nr. 38 der Gesetz- Sammlung zum Abdruck gelangt und zufolge der Allerhöchsten Verordnung vom 10. Oktober d. Js. am 20. Oktober in Kraft getreten.

Die von dem Herrn Minister der geistlichen, Unterrichts­und Medizinal-Angelegenheiten unterm 7. Oktober d. Js. er­lassenen Ausführungsbestimmungen hierzu werden in Kürze durch das Regierungsamtsblatt veröffentlicht werden. Von den nach § 4 der Allsführungsbestimmungen vorgeschriebenen Kartenbriefen und Listen pp. wird den Ortspolizeibehörden der Landgemeinden des Kreises demnächst je eine Anzahl, gegen Erhebung der Selbstkosten, zum dienstlichen Gebrauche zugestellt werden. Bei weiterem Bedarf dieser Formulare ist sich an die Waisenhausbuchdruckerei zu Cassel zu wenden, welche dieselben vorrätig hält.

Auf die besonderen Bestimmungen über Diphtherie, Körner- krankheit und Scharlach (§ 6 letzter Absatz und § 25 des Gesetzes sowie der Ausführungsbestimmungen hierzu zu § 6, Absatz 9 und 12) mache ich die Ortspolizeibehörden noch besonders aufmerksam. Hiernach hat die Polizeibehörde die ersten Krankheitsfälle ärztlich feststellen zu lassen, wenn sie nicht von einem Arzte angezeigt sind.

J. 1. 8492. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

und eingesteckten Weidenruten und Schubert tauchte die Hand in das Wasser.

Es ist hier nicht tief, man könnte fast wohl hindurch­waten ?"

Ein gutes Boot ist besser," entgegnete der Alte.Seien Sie froh, daß die Planken zwischen uns und dem blanken Hans sind, es würde ihnen wohl ein bischen über den Kopf schlagen. Bei Ebbe ist hier das Schlicklaufen Mode, und ich habe es auch oft genug gemacht, aber einmal wäre es mir fast schlecht bekommen. Ich war zu weit draußen, und die Flut kam mir auf die Hacken. Was ich damals gerannt bin, das können Sie sich gar nicht vorstellen. So läuft sonst nur einer, dem die Polizei auf dem Nacken ist."

Einbrecher oder Ausbrecher," nickte Franz.Das habt Ihr nicht gesehen, Alter, die gehen mit langsamen Schritten und haben die Hände in den Taschen. Ist das schon Land?"

Man sah einen dunklen Strich über dem Wasser und ein paar blinkende Lichter.

Hoher Schleuse," bestätigte Rasmus Jvers.Das Licht, was Sie sehen, kommt von dem Bahnhof, wo die Nacht- laternen trennen, aber wenn Sie weiter wollen, so hilft Ihnen das doch nichts, es geht kein Zug vor heute früh."

Sie kamen endlich in daS Siel und zuletzt an die Brücke. Der Fischer ließ seine Fahrgüste auSfteigen und schien jetzt erst zu bemerken, daß sie kein Gepäck mit sich führten.

Das dünkte ihm doch wunderlich.

Man reist doch sonst mit einem Koffer," sagte er,und Sie haben rein gar nix. Wenn dieses bloß eine Fahrt zum Pläsier gewesen ist, dann haben sie sich eine sonderbare Zeit ausgesucht. WaS soll ich sagen, wenn jemand drüben nach Ihnen fragen tut?"

Es lag ein Mißtrauen in den Worten, das erst jetzt aus der Tiefe dieses langsam denkenden Hirns heraufkroch, und Franz Schubert reichte dem Fischer die Hand.

Wenn jemand Sie fragt, so könnte es nur die Dünen- hege sein. Sie wohnt im Hotel Miramare und hat keine roten Haare, sondern sie ist schwarz wie die Nacht. Ihr

Bekanntmachung.

Auf Grund des rechtskräftigen Planseststellungsbeschlusses des hiesigen Bezirksausschusses vom ^Mmbec 1904 13 0 " 14. September 1905 4946

B. A. 3Q3^, des rechtskräftigen Planseststellungsbescheids desVor,

sitzenden des hiesigen Bezirksausschusses vom 4. November 1905 B. 81.3697 und der Bescheinigung des Herrn Regierungspräsidenten vom 15. August 1905 A II 6783 sollen die zum Bau der Nebenbahn GerstungenVachaHünfeld in der Gemarkung Philippsthal erforderlichen Grundflächen, soweit sie nicht freihändig haben erworben werden können, enteignet werden.

Die Verzeichnisse der zu enteignenden Flächen und ihrer Eigentümer liegen in der Zeit vom 1. bis einschl. 10. k. Mts. auf dem Bürgermeisteramt zu Philipps- thal während der Dienststunden zu Jedermanns Einsicht offen.

Von dem Herrn Regierungs-Präsidenten zum Enteignungs­kommissar ernannt, habe ich zur kommissarischen Verhandlung mit den Beteiligten zwecks Feststellung der Entschädigungen für die zu enteignenden Grundflächen gemäß § 25 Absatz 1 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 Termin aus

MM Den 13. Lezember 6. U,

vormittags 9 Uhr,

Zusammenkunft in der Zinn'schen Gastwirtschaft zu Philippsthal anberaumt.

Zu diesem Termin werden alle Beteiligten gemäß § 25 Absatz 4 a. a. O. mit der Aufforderung geladen, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.

Diese Ladung erfolgt unter der Verwarnung, daß beim Ausbleiben der Geladenen ohne ihr Zutun die Entschädigungen werden festgestellt weiden, und wegen Auszahlung oder Hinter­legung der Entschädigungen verfügt werden wird.

In dem Termin ist jeder an den zu enteignenden Grund­stücken Berechtigte befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Entschädigungen sowie ihrer Auszahlung und Hinterlegung wahrzunehmen.

Auch etwaige Anträge auf vollständige Uebernahme von teilweise in Anspruch genommenen Grundstücken sind von den Beteiligten in dem Termin anzubringen. Spätere Anträge dieser Art sind unzulässig.

Ueber den Besitztitcl haben sich die Beteiligten in dem Termin auszuweisen.

Eine Besichtigung der zu enteignenden Flächen wird, falls erforderlich, zu Beginn des Termins vom Terminlokale aus vorgenommen werden.

Cassel, den 25. November 1905.

Der Gnteignungskommifsar.

Schumann,

A II 9844II. Regierungsrat.

könnt sie an der Schönheit erkennen, es kommt ihr darin keine andere gleich. Sagen Sie ihr, es wären diese Nacht zwei Vögel über das Wasser geflogen, ein Falke und eine Taube. Und die beiden Vögel wären frei, man könnte fast meinen, daß sie vogelfrei feien"

Er faßte Josephs Arm und ging mit ihm die Brücke entlang.

Rasmus Jvers aber blickte den Verschwindenden nach und schüttelte den Kopf.

Sie sahen ihn wieder das Steuer richten nnd die Heim­fahrt beginnen. Das weiße Segel ging langsam wie eine flügellahme Möve über das Wasser hin, und Joseph seufzte tief auf.

Die See flimmert," sagte Franz, das Schweigen unter­brechend.Du sollst nicht so lange in diesen Märchenspiegel hineinschauen, die Nixen sind für uns verloren, aber wir haben festes Land unter den Füßen.

Weißt du, wohin wir uns wenden werden?"

Mit leeren Händen?"

Franz lachte.

Mein lieber Junge, ich sehe, daß es genau ebenso ist wie damals, ich muß die Führerrolle wieder übernehmen und daS ist wohl auch der Grund, weshalb ich deiner Spur so treu gefolgt bin. Eine Narrheit habe ich in meinem Leben be­gangen, glaubst du wirklich, daß ich auch noch die größere Hinzufügen werde?

Und eS wäre sogar Tollheit ohne hinreichende Mittel die Flucht fortzusetzen!"

Du bist im Besitz von Geld?" fragte Joseph erstaunt und dann setzte er halblaut hinzu:

Von ihr?"

Nein, nicht von iljr, entgegnete Franz finster.Sie ist imstande, sich selbst zu verschenken, aber den Mammon würde ie nie hergeben. Du weißt doch, daß ich selbst ein kleines 'Vermögen besitze, zehntausend Gulden, die aus der Landesbank in Innsbruck liegen?

DaS ist mir bekannt, ich selbst habe ja auch Geld in Wien stehen, aber wir konnten doch nicht daran kommen, ohne uns selbst zu verraten."