Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Yersfeld vierteljährlich
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herchlder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 135.
Donnerstag, den 16. November
190£.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 14. November 1905.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher werden hierdurch nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die StaatS- sowie Gemeindefleuerlifien für das Steuerjahr 1906 bestimmt bis zum 20. ds. MtS. fertiggellellt fein muffen. Die Listen sind sofort nach Fertigstellung an die Vorsitzenden der einzelnen V orein s ch ätzungS bezirke abzugeben und nicht mir einzusenden.
Der Vorsitzende der Einkommenstener-Veranlagungs-Kommisfion von ® r u n e l i u e , RegierungSaffessor.
Hersfeld, den 10. November 1905.
Die dem Fteischbeschauec Prötsch in Sieglos unterm 25. November 1879/11. März 1882 erteilte Bestellung als Vieh» und Fletsch- (Trichinen-) Beschauer für den Gemeinde- bezirk SiegloS und Eitra ist zurückgezogen worden. I, 7914. 1. Der com. Landrat
von ® r u n e l i u 6, RegierungSaffessor.
Hersfeld, den 13. November 1905.
Von dem Landessekretär O. Thele zu Gaffel ist eine Tabelle zur Berechnung der Beitrogswochen für die Jn- vaiidenveificherung für die Jahre 1891 bis 1914 heraus- gegeben worden.
Da die Benutzung der Tabelle wesentliche Erleichterungen bei der Berechnung der Wartezeiten, Beitrags- und KrankheitSzeiten in Renten-, Beitragserstattungs- und sonstigen Jnvalidensachen, sowie für die BeitragSentrichtung bietet, kann dieselbe zur Anschaffung empfohlen werden. Der Preis der im Selbstverläge des Herausgebers erschienenen Tabelle beträgt für 1 Stück 45 Pfennig, l0.Stück 4 Mark 50 Stück 15 Mark.
V. 716. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsaflessor.
Königliche Fachschule für die Kleineisen- und Stahlwaren- Jndustrie zu Schmalkalden.
Die Anstalt beginnt zu Ostern 1906 einen neuen Unter» richtskursus und nimmt hierzu Schüler auf.
Sie bietet befähigten jungen Leuten Gelegenheit, in Musterwerkstätten eine sorgfältige und vielseitige, der modernen Technik entsprechende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverarbeitung mit besonderer Berücksichtigung der Werkzeugschlofferei zu erlangen und durch einen ge-
Morsch.
Roman von Friedrich Jacobsen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie gab das „Du" nicht zurück, aber sie entgegnete noch halb atemlos:
„Mein Gott, Joseph, wie kommen Sie hierher — mitten zwischen die Dünen?"
Die beiden stiegen neben einander zu dem Schutzhause einpor und standen jetzt gegen den Wind geschützt vor der offenen Tür.
„Ich habe das Schiff versäumt," sagte Joseph.
„Also doch fort — ohne Abschied?"
„Wußtest du das nicht, Lene?"
Sie trat in die Hütte und legte ein kleines Bündel aus der Hand. Dann warf sie das Tnch vollends zurück und begann ihre Haare zu ordnen.
„Vater sagte, daß Sie ausgezogen wären," entgegnete sie endlich mit einem tiefen Erröten. „Aber ich dachte, Sie würden in Westerland bleiben, bis das Bad geschlossen ist. Die Geige steht auch noch bei uns —"
„Hast du den Zettel nicht gefunden?"
„Nein! Es ging in den letzten Stnndcn alles so durcheinander."
Er sah nun erst, daß sie ihre besten Kleider trug, das Mieder mit den Silberknöpfen, den kurzen Faltenrock und weiße Strümpfe mit Zwickelschuhen.
„Du willst and) fort," sagte er.
„Ach ja, mir müssen es für ein paar Tage. Drüben auf Amrum lebt eine Schwester von meinem Vater, und wir bekennen ein Telegramm, daß sie krank geworden ist, vielleicht geht es zum Ende."
Lene setzte sich auf den Rand der leeren Bettstelle und legte die Hände in den Schoß.
„Vater kommt mit dem Boot hierher, und ich bin voraus- gegangen. Von hier aus kann man daS Segel sehen, wenn
orvneten Unterricht jene zeichnerischen, fachtheoretischen und wirtschaftlichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebes für zukünftige Vorarbeiter und Werkmeister oder für selbstständige Gewerbetreibende in der Metallwaren- und Werkzeugindustrie unbedingt erforderlich Rnb.
Auch solche junge Leute, die später die Stellung eines Maschinentechnikers, technischen Betriebsbeamten oder Kaufmannes in der Metallindustrie einnehmen wollen, können Rä in der Anstalt eine gute praktische und wissenschaftliche Vorbildung erwerben.
Aufnahmefähig sind junge Leute mit guter Elementarschulbildung nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Tätigkeit ist erwünscht, aber nicht Bedingung.
Die Kursuödauer beträgt mindestens 2 Jahre.
Absolventen, welche die Reifeprüfung abgelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit.
Minder bemittelten und würdigen Schülern preußischer Staatsangehörigkeit können Stipendien gewährt werden.
Nähere Auskunft gibt das Programm der Anstalt, welches auf Verlangen von dem Unterzeichneten unentgeltlich zuge- sandt wird.
Der Direktor der Königlichen Fachschule: Beil.
Hersfeld,^den 13. November 1905.
Unter den Pferden der Kriegsschule zu Hersfeld ist die Brustseuche ausgebrochen.
I. 8109. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierung-assessor.
Königliches Landratsamt.
Sprechfturive: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Ae WWW des Keiserdenkmals in Mriiters.
Zu den vielen herrlichen Denkmälern in Marmor und Erz, welche in den meisten deutschen Städten aus nationaler Dankbarkeit und erhebender Erinnerung dem Kaiser Wilhelm dem Großen und anderen großen Helden aus der Zeit der nationalen Erhebung Deutschlands errichtet worden Rnb, reiht sich seit dem 14. November auch noch das herrliche Denkmal, das an diesem Tage wiederum dem großen Kaiser
es um die Ecke kommt, dann habe ich noch Zeit genug, um an die Brücke zu laufen."
Joseph trat unter die Tür und sah hionus auf das Meer. —
Also das war die Lösung dieses Zusammentreffens, er war ein Narr gewesen, zu glauben, daß sie seiner Spur gefolgt sei, um ihn noch einmal zu sehen. Aber meint der Zufall sie hergeführt hatte, dann wäre es eine zweite Torheit gewesen, die günstige Gelegenheit vorübergehen zu lassen; der Boden brannte ihm unter den Füßen, und wer konnte wissen, ob morgen nicht alle Ausgäuge gesperrt waren, wie in einem Fuchsbau, den der Jäger umstellt hat.
„Würde dein Vater mich wohl mitnehmen," fragte er und deutete nach den Dünen von Amrum hinüber, die sich jetzt wieder scharf und leuchtend aus der bewegten Meeresfläche emporhoben.
„Dorthin ?" entgegnete das Mädchen und zuckte leise zusammen. „Was wollen Sie auf der kleinen Insel, es ist heute kein Wetter für eine Luftfahrt."
Joseph sah noch immer in die See hinaus — deren weiße Kämme sich unter dem zunehmenden Winde auf- bäumten.
„Wer sagt dir, Lene, daß ich zu meinem Vergnügen hinaus will? Ist denn eine Gefahr damit verbanden?»
„Ich weiß es nicht, man kann das nie voraussagen. Es ist schon mehr als einer in den Fischerbooten untergegangen."
„Aber du gehst doch hinaus!"
„Das ist etwas anderes," erwiderte sie ruhig. — „Wir sind am Strande geb wir denken nicht darüber nach."
Joseph setzte sich auf m Rand der Bettstelle und nahm die Hand des Mädchens zwischen seine fieberheißen Hände.
„Ich denke nicht darüber nach, Lene. Sich, das kannst du nicht verstehen, oder ich müßte dir alles erzählen, ma§ ich einsam mit mir herumtrage. Mitunter ist es mir, als ob du die einzige bist, der ich wirklich sagen kann, warum es mich forttreibt; denn ich glaube, du würdest mich niemals verraten.
Wilhelm I. in Nürnberg errichtet worden ist. Die Enthüllung und Einweihung dieses Katserdeukmale» hat aber für das deutsche Volk und besonders auch für das herrliche Land der Bayern noch eine große nationale Bedeutung, denn das Denkmal, errichtet in einer der berühmtesten Städte des alten Deutschlands und geweiht durch die Gegenwart des deutschen Kaiser«, des greisen Prinzregenten Luitpold von Bayern, des Kronprinzen von Deutschland, der Großherzos von Baden und der dem Throne des bayerischen KönigShauseS am nächsten stehenden Prinzen und hohen Würdenträgern bei der Enthüllung, legt ein hohes Zeugnis für die herrliche nationale Entwicklung des gesamten deutschen Vaterlandes ab, und gibt zugleich eine gute Bürgschaft für die Einigkeit der deutschen Volksstämme für alle Zukunft.
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sowie Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz sind am Montag abend um 10 Uhr 5 Minuten von Wildpark nach Nürnberg abgereist, und dort heute früh 9 Uhr 5 Minuten eingetroffen. Sie wurden vom Prinzregenten und den in Nürnberg anwesenden Mitgliedern des bayerischen KönigShauseS am Bahnhof feierlich empfangen. Kurz vorher waren der Großherzog und die Großherzogin von Baden eingetroffen.
Auf dem Bahnhof-platze und auf dem ganzen Wege zur Burg hatten Tausende von Einwohnern und herbei- geströmten Fremden Ausstellung genommen. Schulen und Kriegervereine bildeten Spalier. Im ersten vierspännigen k la Daumont bespannten Wagen nahmen der Kaiser und der Prinzregent Platz. Vor und hinter dem Wagen eskortierte eine Schwadron des Kaiser-Ulanenregiments in Bamberg. Im zweiten Wagen folgte die Kaiserin mit der Prinzessin Ludwig. Dann kam das Kaiserliche Gefolge. Der Kronprinz und die badischen Herrschaften folgten in weiteren Equipagen. Unter Glockengeläute und unter begeistertem Jubel der Bevölkerung fuhren die Majestäten zur Burg.
Nürnberg, l4. November. Um HVa Uhr wurde aus dem Egidienberg das von Professor Rümann in München geschaffene Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms des Großen enthüllt. Rechts und links von der granitenen Plattform, auf der sich das Denkmal erhebt, standen die Fahnen und Standarten der vier zu» sammengszogenen Regimenter. Auf der Plattform halte eine kleine Deputation von Schülern und Schülerinnen hiesiger Schulen mit fchwarz-weiß-roten und blau-weißen Schärpen Aufstellung genommen. Ein vieltausendköpfiges Publikum umkränzte den Platz, Fenster und Dächer der Häuser waren dicht besetzt. Unter Hurrarufen und unter den Ehrenbezeigungen einer Ehrenkompagnie nahten die Fürstlichkeiten, der Reichskanzler, die Minister und die Herren und Damen des Gefolges, sodann der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Kronprinz und endlich der
Wir sind hier ganz allein, und es ist kein Lauscher in der Nähe, willst du, daß ich mich in deine Hände gebe?"
Er hatte die letzten Worte fast hastig geflüstert, und wie ein Mensch, der es satt hat, die Last des Geheimnisses mit sich allein herumzuschleppen; als aber das Mädchen schwieg und ihn furchtsam anblickte, da rückte er noch näher heran und berührte fast mit seinen Lippen ihr Ohr.
„Lene," sagte er — „es ist etwas Furchtbares. Nicht was ich getau habe; denn ich habe nichts verbrochen gegen die Gesetze oder gegen einen Menschen; aber was die Leute mir zugefügt haben, das ist nicht auszureden und auszu- denken, und ich muß es dir dennoch beichten, sonst drückt es mir das Herz ab. WaS die Richter mir antaten, Lene. Denn ich habe vor Richtern gestanden, vor zwölf Geschworenen, die alle gelobt hatten, die Wahrheit zu finden, und sie haben die Lüge gefunden. Dann sperrten sie mich in daS Zuchthaus."
Ein Schrei unterbrach den Sprechenden. Das Kind des Fischers war aufgesprungen und machte eine Bewegung, als wenn sie die Flucht ergreifen wollte, das einige Wort von dem Zuchthaus hatte es ihr ungetan, und alles, was daneben herging, war in diesem Augenblick für sie ausgeloschen.
' Aber sie flüchtete doch nicht, sondern ihre großen Augen, die jetzt wieder den ratlosen Ausdruck des Kindes angenommen hatten, ruhten angstvoll auf dem Manne, der wochenlang mit ihr dasselbe doch geteilt hatte und mit dem sie jetzt allein war in dieser Sturmeinsamkeit.
„Jetzt mochtest du fortlaufen," sagte Joseph bitter. „Vor einem Wort, dessen Klang dir schrecklich ist. Ich bin auch davongelaufen, Lene, aber nicht vor dem Gedanken an das Zuchthaus, sondern aus seinen Mauern und über seine Mauern. Sie suchen mich, und sie wollen mich wieder einfangen und darum muß ich von einem Ort zum anderen, immer weiter, so groß die Welt ist. Du kannst mir helsen, ein Stück weiter zu kommen. Du mußt nur keinem Menschen etwas davon sagen, und du mußt lügen können, wenn die Leute dich danach fragen. Kannst du lügen, Lene?
„Nein", sagte sie tonlos.
ES war das erste Wort, welches sie zu ihm sprach, und