Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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herrfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 133
Sonnabend, den 11. November
1905
Amtlicher teil
Hersfeld, den 3. November 1905.
Im Selbstverläge von L. Schwitz in Meiderich am Nieder« rhein ist in zwei Bänden erschienen: „Die Eheschließung im nationalen Verkehr", herausgegeben von L. Schmitz, Standesbeamten in Meiderich und A. Wichmann, Kanzletrat im Justizministerium in Berlin.
Der I. Band behandelt die Erfordernisse der Ausländer im Deutschen Reich, insbesondere in Preußen. Der Preis für das gebundene Exemplar beträgt 3 Mk., postfrei 3,20 Mk.
Der II. Band enthält das in den Drucksachen zu den Haager Protokollen nachgewiesene amtliche Material über die Eheschließungsrechte der Vertragsstaaten in französischer und deutscher Sprache und meist die einzelnen Eheschließungs- rechte der meisten Kulturstaaten der Erde sowie die einzelnen Rechte, betreffend die Legitimation unehelicher Kinder nach. Der Preis für das gebundene Exemplar beträgt 6 Mark, postfrei 6,30 Mark.
Das Werk empfiehlt sich durch die Auswahl und Anordnung des Stoffs besonders für den praktischen Gebrauch der Standesbeamten.
Ich verfehle nicht, die Herren Standesbeamten des Kreises hierauf aufmerksam zu machen.
I. 7826. Der com. Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nach dem mit Verfügung vom 2. November 1899 M- d. J. I. A. 3787./M. f. Ldw. 1. A. 5739. mitgeteillen Allerhöchsten Erlasse vom 11. Oktober 1899 haben die darin bezeichneten Forstbeamten der Kommunalverbände rc. unter anderem Achselschnüre von grauem Kameelgarn anstatt der grünen der Staatsforstbeamten zu tragen.
Zur Behebung von Zweifeln wird darauf hingewiesen, daß unter grauen Achselschnüren solche von der vorschrists- mäßigen grau und grün melierten Farbe (hechtgrau) für die Walduniform zu verstehen sind.
Wir ersuchen dies in geeigneter Weise zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen.
Berlin W. 9, am 14. September 1905.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
I. A.: gez. W ° s e n e r.
Der Minister des Innern. J. A. gez. v. Kitz in g.
* *
*
Hersseld, den 7. November 1905.
Wird veröffentlicht.
1. 7151. Der com. Landrat.
I V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 8. November 1905.
Die Herren Ortevorstände des Kreises haben dafür Sorge zu tragen, daß im Anschluß an die Kanäle der Landstraßen und Landwege die F l u t g r ä b e n vor Eintritt des Winter« und zwar spätestens bis zum 25. d. M ausgehoben werden. Auch sind die Ueberfahrtskanäle vom Flutschutt frei zu machen.
I. I. 7947. Der com. Landrat.
I. V:
T H a m e r.
Hess. Nass. landw. Beruss-
Genossenschaft.
Sektion Hersseld.
Tagebuch A. Nr. 3243.
Hersseld, den 9. November 1905.
Die Einsendung der Veränderungs-Nachweisungen über die im l. I. bis jetzt eingetretenen Betriebs-Veränderungen bringe ich mit Frist bis zum 2 0. d. M. in Erinnerung.
von Grunelius,
RegierungSassessor.
Hersfeld, den 9. November 1905.
Der Schneider Gustav Ratonde >us Hersfeld hat zwecks Reise nach Nordamerika um Erteilung eines Reise-Passes dahier nachgesucht.
I. 8026. Der com. Landrat.
von Grunelius,
Regierung-assessor.
Hersfeld, den 8. November 1905.
Von dem Vorstand der Landesversicherungsanstalt zu Cassel ist ein Flugblatt über die Vorteile der Weiterversicherung weiblicher Versicherter herausgegeben worden, welches den Standesämtern im Bezirk der Versicherungsanstalt zur unentgeltlichen Abgabe an Brautleute in geeigneten Fällen über« sandt werden soll.
Den Herren Standesbeamten des Kreises wird in den nächsten Tagen je eine Anzahl Abdrücke dieses Flugblattes
zugesandt werden. Ich ersuche, in geeigneten Fällen je ein Exemplar den Brautleuten gelegentlich der Eheschließung zu übergeben. Bei weiterem Bedarf ist der LandeSversicher- ungsanstalt entsprechende Mitteilung zu machen.
I. V. 785. Der com. Landrat.
J. V.:
T y a m e r.
Gefundene Gegenstände:
Ein Portemonnaie mit Inhalt. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Obergei«.
Aörrigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr
an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Deutschland erfreut sich zur Zeit de« Besuches König« A l f o n § XIII. von Spanien, der als Gast Kaiser Wilhelms am deutschen Kaiserhofs weilt. Von der Bevölkerung der Reichshauptstadt ist dem spanischen Monarchen ein äußerst sympathischer Empfang bereitet worden, und seine Ausnahme am Kaiserhose trug einen überaus herzlichen Charakter. Es entspricht dies ganz dem Bande aufrichtiger Freundschaft, das die Dynastie der Hohenzollern und das spanische Herrscherhaus seit lange schon verknüpft. König Alsons ist entschlossen, zu allen Mächten loyale Beziehungen zu pflegen und die Interessen Spanien» durch ein freundschaftliches Verhältnis mit den fremden Staaten zu wahren. Seine Bestrebungen in dieser Richtung begegnen sich mit denen der deutschen Politik. Wir wünschen dem jungen Könige eine lange gesegnete Regierung und hoffen, daß er von Deutschland und seiner Hauptstadt, vom Kaiserhause und vom deutschen Volke eine freundliche Er« innerung mit nach Hause nehmen wird.
In Rußland herrscht zur Zeit leider ein H^xen- sabbath sondergleichen. Das Zarenmanifest, das dem russischen Volke alle Rechte und Freiheiten bietet, die es in der gegenwärtigen Lage nur verlangen kann, ja vielleicht mehr als dies, hat die erhoffte beruhigende Wirkung nicht ausgeübt. Von der Sozialdemokratie wird die Reichsduma überhaupt verworfen und an ihrer Stelle eine konstituierende Versammlung gefordert, mittels derer dann die sozialistische Republik eingeführt werden soll. Aber auch die Vertreter der bürgerlichen Intelligenz, die nicht anarchistisch-sozial- demokratischen Ideen huldigen, zeigen sich bedauerlicherweise von dem Wahnsinnstaumel erfaßt, der gegenwärtig ganz Rußland beherrscht. Auch sie verwerfen die gemachten Zugeständnisse und bestehen auf der Forderung der Konstituante und der sofortigen Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes. Inzwischen erhebt hinter der organisierten Arbeiterschaft und bürgerlichen Intelligenz bereits die Pöbel- herrschaft drohend ihr Schreckenshaupt, und zugleich schickt sich die Kontrerevolulion an, ihren Gegenzug zu beginnen. In zahlreichen Orten aber finden Massenplünderungen und Massenmorde der Juden statt. Das ist die Nemesis dafür, oa6 Juden die Hauptanstifter der russischen Revolution waren und bis zum heutigen Tage sind. Die Geister, die das Judentum gerufen, die wenden sich jetzt gegen den Rufer selbst. Wie all dieser Wirrwar und all dieses blutige Elend noch enden mag, wer will es sagen? Hier gilt es abzuwarten und die göttliche Vorsehung zu bitten, daß sie unserm so schwer heimgesuchten Nachbarlande ihre schützende und helfende Hand nicht entziehen möge.
Auch in Oesterreich macht sich ernstes Wetterleuchten bemerkbar. Was von der Logik der Tatsachen zu erwarten war, ist eingetreten. Man konnte annehmen, daß die Frage des allgemeinen gleichen Wahlrecht«, die von der Regierung selber aus taktischen Erwägungen für die ungarische Reich«. Hälfte zu einer brennenden gemacht worden war, auch auf die österreichische Reich-Hälfte übergreifen würde. Ministerpräsident von Gautsch hat dies vorausgesehen und bei Zeiten seine warnende Stimme erhoben, aber umsonst. Zu dem Anreize von Ungarn aber gesellte sich auch noch der Reflex der russischen Revolution, um die Sozialdemokraten und Radikaltschechen Oesterreichs für die Eroberung des allgemeinen gleichen Wahlrecht» in Bewegung zu setzen. Schon ist es au« Anlaß dieser Bewegung zu blutigen Exzessen in Wien und besonders in Prag gekommen, wo die gewalttätigen Instinkte des tschechischen Pöbels sich in ihrer ganzen abschreckenden Form offenbarten. Schon geht das Schlagwort durch die Massen, man müsse mit der Regierung „russisch" reden. Nun, österreichische Zustände sind noch lange keine russischen, und man wird nur hoffen
dürfen, d«ß die österreichische Regierung die Zügel recht kräftig anzieht, und dem bewährten Grundsätze: „Den Anfängen leiste Widerstand!" volle Beachtung schenkt.
In unserer inneren Politik herrscht noch verhältnismäßige Stille, die erst mit Beginn der Reichstags- und preußischen Landtags-Session einer ungleich bewegteren Zeit weichen dürfte. Infolge dieser relativen Ruhe finden auch Vorkommnisse wie der „Vorwärts"-Skandal eine größere Beachtung, als ihrer eigentlichen Bedeutung entspricht. Wohl hat sich an diesem Beispiele wieder der ganze Widerspruch zwischen sozialdemokratischer Theorie und Praxis In krassester Weiss enthüllt und ist dem denkenden Teile der Menschheit von neuem offenbar geworden, daß die angebliche Partei der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die Partei der brutalsten Vergewaltigung und größten In. Humanität ist, aber auf die Entwickelung der Dinge im sozialdemokratischen Lager haben derartige Fälle absolut keinen Einfluß. Der Revisionismus liegt zerschmettert am Boden und keine noch so rührenden Locktöne der Barth und Naumann können ihm neue Lebenskraft einhauchen. „Die Revolution marschiert" — dieses Leitmotiv eines der jüngsten Artikel des „Vorwärts" ist bezeichnend für den Geist, der die Sozialdemokratie gegenwärtig beherrscht. Die Ereignisse in Rußland haben auch den Drang nach revolutionärer Betätigung in der deutschen Sozialdemokratie außerordentlich erhöht, und wenn den Bebel und Genossen selbstverständlich auch jeder Versuch übel bekommen würde, so ist doch Wachsamkeit und Einigkeit auf feiten des deutschen Bürgertums heute mehr denn je geboten.
llmhen in LtillschMusrika.
Dar es Salam, 8. November. Oberleutnant von Grawert hat das Gelände nördlich und westlich des festen Lagers Kibalta in den Matumbi-Bergen ausgiebig gesäubert. Die Aufständischen, welche mehrere große Lager angelegt hatten, ergriffen bei Annäherung der Truppe regelmäßig die Flucht; gleichwohl erlitten sie starke Verluste. Eine Anzahl Gefangener konnte eingebracht werden. Nach ihren Aussagen foQ der bekannte Rebellenführer Abdullah Kitambi aus Mtumbei jetzt zur Unterwerfung raten.
Nach einem Telegramm der Kaiserlichen Gouverneur» von Kamerun ist der Angestellte der Firma A. und L. Lubcke-Hamburg, der Kaufmann Rogge in Welemakone im südlichen Teile des Ebolova-Bezirks von seinem eigenen Dienstpersonal ermordet worden. Die Mörder sind alsbald verhaftet, von der Station Ebolova zum Tode verurteilt und hingerichtet worden. Nach Ansicht des Gouverneurs ist die Tat ohne politische Ursachen und Folgen.
Ae Vorgänge in Mlack
Aus dem Innern Rußland» in Petersburg eingetragene Depeschen melden, daß R u h e im Reiche einlritt. Versuche, Plünderungen und Unruhen in verschiedenen Gegenven zu bewerkstelligen, werden sofort durch energische Maßnahmen unterdrückt. Die Stadtvertretungen von Moskau, Odessa und Noworossisk richteten einen Aufruf an die Bevölkerung, die Gewalttätigkeiten einzustellen, Der Prokurator des Appellgerichtshofes in Moskau forderte alle Zeugen ungesetzlicher Handlungen der Polizei und Aufhetzungen des Pöbels auf, ihre Beschwerden bei dem Gerichtshöfe oder dem besonders zu diesem Zwecke eingerichteten Bureau zur strengen Untersuchung niederzulegen. Dieselbe Aufforderung ist auch durch den Prokurator des Gerichte« in Odessa erlassen worden. In einigen Städten des südlichen Rußland» organisieren sich besondere Komitees zur Verbreitung friedlicher Gesinnungen, die e« sich zum Ziel gesetzt haben, Christen und Juden zu versöhnen.
Petersburg, 9. Noobr. Die heutige erste Nummer der den Arbeiterinteressen gewidmeten Zeitung Nawaje Schisn sowie die Nowoje Wremja melden als zuverlässig, daß die Demission Trepows gestern erfolgt sei; er werde zum Palaiskommandanten ernannt. Als Oberstkommandie- renden der Garde und des Petersburger Militärbezirks nennt die Nowoje Wremja den Großfürsten Nikolai Niko- lojewitfch.
Aus > und Ausland.
Berlin, 9. November 1905.
Zu der Parforcejagd auf dem Döberitzer Felde hatten ich am Mittwoch um 2 Uhr am Denkmal auf dem Hasen« jeibenbetge über 200 Herren und 9 Damen versammelt, ein so zahlreiches rotes Feld, wie kaum je zuvor. Ihre Majestäten der Kaiser und der König von Spanien trafen im Automobil von Berlin ein und liegen alsbald zu Pferde. König Alsons war einer der ersten beim Halali. Leutnant Gras Einsidel vom l. Garde- Dragonerregiment hob aus. Der Kaiser selbst erteilte den Fang und verteilte 201 Brüche an die Teilnehmer der