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herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 124. Sonnabend, den 21. Oktober 1905.
Beiteilungen
aus das Bersfelder Kreisblatt
werden für
das vierte Quartal von allen Postanstalten, Landbriesträgern, sowie von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Der Minister der geistlichen, Unterrichtsund Medizinal-Angelegenheiten.
Berlin W. 54, den 4. Oktober 1905.
Außer den regelmäßigen amtlichen Mitteilungen über choleraverdächtige Erkrankungen und Todesfälle sn Cholera finden sich in der Tagespreise fortwährend Nachrichten über choleraverdächtige Krankheitsfälle, welche sich sehr bald als harmlose Brechdurchfälle herausstellen. Mit Rücksicht auf die hierdurch veranlaßte unnötige Beunruhigung der Bevölkerung ersuchen wir Euere Hochwohlgeboren ergebenst, gefälligst zu veranlassen, daß seitens der Ortepolizeibehörden nur solche Krankheitsfälle als choleraverdächtig bezeichnet und bekannt gegeben werden, bezüglich deren der beamtete Arzt der Polizeibehörde gegenüber die Erklärung abgegeben hat, -.daß der Berdacht der Cholera begründet ist.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten.
Im Austrage. gez. Förster.
Der Minister des Innern. Im Auftrage, gez. v. Kitzing.
An die Herren Regierungs-Präsidenten, den Herrn Regie- rungS-Präsidenten v. Allenstein in Gumbinnen und den Herrn Polizei Präsidenten in Berlin. M. Nr. 24938. Min. d. Jnn. II» Nr. 7684.
* * •
Gaffel, den 12. Oktober 1905.
Abdruck lasse ich Ihnen mit dem Ersuchen zugehen, die Nachgeordneten Polizeibehörden entsprechend zu instruieren. Der Regierungs-Präsident. In Vertretung. M e j e r.
An die Herren Landräte des Bezirks. A. II. 8793.
* * Hersfeld, den 19. Oktober 1905.
Vorstehendes wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Nachachlung hierdurch mitgeteilt. I. I. Nr. 7356. Der com. Landrat von GruneltuS, RcgicrungSafleflor.
Hersfeld, den 17. Oktober 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Lorenz Jber zn Niederhülsa (Kreis Homberg) ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 7261. Der com. Landrat
von G r u n e l i u s, Regierungsassessor.
Bekanntmachung.
Aus Grund des rechtskräftigen Planfeststellungsbescheids des hiesigen Bezirksausschusses vom 30. Juni d. J. — B. A. 2451 — soll zur Erweiterung des Bahnhofs Hersseld von dem Grundstück der Eheleute Maschinenbauer Hermann Ratende und Etise, geb. Reith, zu Hersfeld Kartenblatt FNr.289/107 der Gemarkung Hersfeld, Wohnhaus pp, 15 ar 87 qm groß, eine Fläche von 2,10 ar, die freihändig nicht erworben werden konnte, enteignet werden.
Von dem Herrn Regierungs - Präsidenten zum Euteig- nungskommissar ernannt,, habe ich znr kommissarischen Verhandlung mit den Beteiligten zwecks Feststellung der Entschädigung für die zu enteignende Grundfläche gemäß § 25 Absatz 1 des Enteignungsgesetzes vom 11. Juni 1874 Termin auf
SonnerhS. Den 26. Wer i. X
Nachmittags 4^ Uhr
— Zusammenkunft bei dem Ratoude'schen Grundstück — anberaumt.
Zn diesem Termin werden alle Beteiligten gemäß § 25 Absatz 4 a. a. O. mit der Aufforderung geladen, ihre Rechte im Termin wahrzunehmen.
Diese Ladung erfolgt unter der Verwarnung, daß beim Ausbleiben der Geladenen ohne ihr Zutun die Entschädigung wird fcstgcstcllt werden, und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der Entschädigung verfügt werden wird.
In dem Termin ist jeder an dem zn enteignenden Grundstück Berechtigte befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Entschädigung, sowie ihrer Auszahlung und Hinterlegung wahrzunehmen.
Auch etwaige Anträge auf vollständige Uebernahme des teilweise in Anspruch genommenen Grundstücks sind von den Beteiligten in dem Termin anzubringen. Spätere Anträge dieser Art sind unzulässig.
Ueber den Besitztitel haben sich die Beteiligten in dem Termin auszuweisen.
Eine gemeinschaftliche Besichtigung der zu enteignenden Fläche wird zu Beginn des Termins vorgenommen werden.
Cassel, den 9. Oktober 1905.
Der Enteignungskommiffar Schumann, Regierungsrat.
A. H. 7924 il.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die Enthüllungen über die Begleitumstände des Rücktrittes des frühern französischen Ministers des Auswärtigen Delcaffs haben der öffentlichen Meinung naturgemäß Stoff zu ausgiebigen Erörterungen geliefert. Den Kern dieser Enthüllungen bildete die Behauptung, England habe Frankreich militärischen Beistand gegen Deutschland angeboten. Die Wahrheit dieser Behauptung ist inzwischen durch eine freiwillige Mitteilung der englischen Regierung obgeleugnet worden. Im übrigen darf mit Befriedigung festgestellt werden, daß man auch in weiteren Kreisen der Bevölkerung Deutschlands den Vorfall mit großer Ruhe ausgenommen hat, wie die römische „Tribuna" vollkommen richtig hervarhebt, indem sie schreibt, die Berichte englischer Korrespondenten von angeblichem Engländerhaß in Deutschland seien Uebertreibungen. Im Gegenteil zeigten das deutsche Publikum wie die Presse bewundernswerte Gelaffenheit. Aus den Enthüllungen des Pariser „Matin" aber scheinen sich uns hauptsächlich zwei Schlußfolgerungen zu ergeben. Einmal folgt daraus die Richtigkeit unserer Marokkopolitik, durch die mit kraftvoller Hand das Gewebe der Zettelungen und Feindseligkeiten gegen uns zerriffen und ihr Haupturheber zum Rücktritte von der politischen Bühne genötigt worden ist. Sodann aber liegt in den Enthüllungen eine erneute Mahnung für uns, unser Pulver trocken zu halten und auch unsere Seemacht in Bälde zu einer wirksamen Schutzwehr auszu- gestalten.
Der russisch.japanische Friedensvertrag hat nunmehr mit der Unterzeichnung durch den Zaren und Mikado seinen Abschluß gefunden. Von dem Mikado ist diese Tatsache dem japanischen Volke in einem längeren bemerkenswerten Erlasse mitgeteilt worden, der gewissermaßen eine Rechtfertigung der Friedensschluffes darstellt. Auch enthält der Erlaß eine warme Danksagung an Heer und Volk für die während des Krieges bewiesene Tapferkeit und patriotische Opferwilligkeit. Zum Schlüsse aber wird dem Wunsche ungetrübter Zukunftsbeziehungen zu Rußland Ausdruck gegeben. Er heißt da wörtlich: „Rußland ist wieder der Freund Japans, und wir wünschen aufrichtig, daß die wiederhergestellten Beziehungen guter Nachbarschaft sich zu nahen und herzlichen gestalten mögen." Wer ein Freund des Friedens und der friedlichen zivilisatorischen Entwicklung ist, wird sich diesem Wunsche gewiß von Herzen anschließen.
In Ungarn ist Fejervary vom Kaiser wiederum zum Ministerpräsidenten ernannt und mit der Neubildung des Kabinetts betraut worden. Man vermutet, daß Fejervary nunmehr bestrebt sein wird, sich durch Auflösung des Parlaments und Neuwahlen eine Mehrheit zu verschaffen. Er müßte zu diesem Zwecke von den KoalitionSparteien mindestens 76 Stimmen in das liberale Lager hinüberziehen. Ob ihm dies selbst bei Verkündigung des allgemeinen Wahl- rechtrS gelingen wird, ist freilich sehr zweifelhaft.
Aus dem Welterwinkel Europas endlich ist zu berichten, daß die Pforte die Forderungen der Großmächte wegen Einführung einer internationalen Finanzkontrolle für Mazedonien zum dritten Male abgelehnt hat. Die Finanzdelegterten sind bereits seitdem t. Oktober in Mazedonien, es wird ihnen jedoch von der Regierung des Sultans kein freier Spielraum gewährt, um die Finanz- kontrolle zu verwirklichen. Hoffentlich aber lenkt die Pforte doch noch ein, ehe sich die Notwendigkeit eines schärferen Drucke» seitens der vereinigten Mächte ergibt.
3m Ktdmtstlilik in Kaiserin. (22. Oktober.)
Am heutigen Tage begeht im Kreise ihrer durchlauchtigsten Familie, an der Seite ihres hohen Gemahls
und getragen von der Liebe ihre» Volkes unsere erhabene Kaiserin Auguste Viktoria wiederum ihren Geburtstag. Glückwünschend naht sich da von neuem die ganze Nation, um die hohe Frau und ihr Hau» auch für das neu beginnende Lebensjahr der Gnade unsres Gottes zu empfehlen.
In unsrer Kaiserin verehren wir das Muster einer deutschen Frau. Wir danken ihr, daß sie ihrem erlauchten Gemahl eine Stätte schönsten Familienglücks gegründet hat, wo es jubelt von hellen, frohen Kinderstimmen und wo unser kaiserlicher Herr sich von den Mühen seines schweren HerrscherbernseS erholt. Das Bild traulichen Familienlebens, das die Bevölkerung immer von neuem im Hause des Kaisers vor Augen hat, ist ein unschätzbares Beispiel für olle Klaffen und Kreise. Aber nicht als vorbildliche Mutter bloß im eigenen Hause waltet unsere edle Kaiserin. Sie ist eine Landesmutter in des Wortes bester Bedeutung. Ihre jederzeit sich betätigende Barmherzigkeit hat der Kaiserin weit und breit die Herzen erobert. Ihre Fürsorge für die, welche mühselig und beladen sind, läßt sie nicht ruhen und rasten. Wo es gilt, Wunden zu heilen, ist unsre Kaiserin die erste. Darum werden der hohen Frau überall, wo sie sich blicken läßt, Liebe und Dankbarkeit entgegcn- gebracht, nicht nur in unserm Vaterlande, sondern auch in der Ferne.
Es ist das große Vorrecht der Trägerinnen des königlichen Diadem», daß sie ihrem Volke voranleuchten dürfen in dem Glänze der Majestät. Die Hohenzollernfrauen waren zu allen Zeiten treue Hüterinnen des ihnen anver- trauten Kleinods edler Weiblichkeit. Ihr Leben und Wirken erschöpft sich in ungezählten Werken der christlichen Nächstenliebe, menschlicher Tugendhaftigkeit, opferbereiter Hingabe an ihr Volk, und so hat auch die Kaiserin Auguste Viktoria die Pfade unermüdlicher Fürsorge für unverschuldetes Unglück, für sittliche Volkserziehung, für christliche Lebensführung als ihre Lebenswege gewählt.
Kaiserin Auguste Viktoria will eine stille, doch aufrichtige Dienerin des Allerhöchsten fein; ihr schlichter frommer Sinn sucht vor allem in der Umfriedung ihres Hauses und im Schoße der Familie eine Betätigung. Dort waltet sie als Christin, als Hausfrau und Mutter, und darum ist ihr Haus eine Stätte geworden, in dem der seelische Frieden, das Eltern- und Kinderglück, die reine Freude an dem menschlichen Dasein heimisch ist.
Ein Volk, das eine solche Kaiserin besitzt, steht glücklich unter den Nationen der Erde da. Es ist sichtbar begnadet von unserm Gölte. Es kann ihm nicht innig genug danken für die ihm gewährte Gunst. Aber wenn das deutsche Volk sich beffen bewußt wird, werden ihm auch ernste Pflichten auferlegt. Es soll sich würdig zeigen der göttlichen Gnade und würdig seiner Kaiserin und ihrer edlen Werke. Er soll ihr nacheisern in der Fürsorge für die wirtschaftlich und seelisch Schwachen, und eine Hauptaufgabe suchen in der Erfüllung der Pflichten, die das Christentum an jeden seiner Anhänger stellt. Es soll der hohen Frau auch aufrichtigen Dank zollen für ihr Tun und Sorgen, unMieS vermag es nicht besser zu tun als durch die Liebe und Treue zum Kaiserhaus, durch die volle Hingabe an da» Vaterland, und indem es unablässig bemüht ist, diese Liebe zum Vaterlande, zu Kaiser und Reich auch in die Herzen der Jugend einzuimpfen von frühester Kindheit an.
Möge Kaiserin Auguste Viktoria, deren Leben der treuen Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin und Mutter, sowie der religiösen, sittlichen und wirtschaftlichen Volkswohlfahrt gewidmet ist, auch ferner ein ungetrübtes und ungestörtes Familtenglück genießen! Gott segne und behüte unsre Kaiserin!
Aus > und Ausland.
Berlin, 20 Oktober 1905.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen vorgestern nachmittag vom Neuen Palais bei Potsdam einen gemeinsamen Spaziergang. Später arbeitete Se. Majestät der Kaiser allein. — Gestern vormittag ritten beide Majestäten aus. Von 10 Uhr ab hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Kriegsministers Generalleutnants v. Einem, des Generalleutnants v. Werneberg, Inspekteurs der Verkehrstruppen, und des Stellvertreters des Chess des Militärkabinetts Obersten v. Oeitzen und empfing den neu ernannten Militärattache in Washington Major Körner sowie den bisher beim 1. Garde Ulanenregiment in Dienst gewesenen türkischen Leutnant Reschid Bey.
Die Audienz des Vorstandes der deutschen Städtetages beim Reichrkanzler wird unterbleiben; denn, wie der „Allg. Fleischer-Ztg." aus München telegraphiert wird, hat Oberbürgermeister von Borscht ihrem dortigen Vertreter erklärt, daß, angesichts der durch den Bries des Reichskanzlers an den Oberbürgermeister Kirjchner geschaffenen Sachlage, die Bürgermeister auf den Empfang durch den Reichskanzler verzichten werden.