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hersMer Kreisblatt
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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. ISO. Donnerstag, den 12 Oktober 1905>
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Amtlicher teil.
Berlin W. 64, den 8. September 1905.
Nach der Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers (Reichsamt des Innern), betreffend die wechselseitige Benachrichtigung der Militär- und Polizeibehörden über das Auftreten übertragbarer Krankheiten Dom 22. Juli 1902 (Ministerialblatt für Medizinal- und Medizinische Unter« richtSangelegenheilen 1902 S. 246) sind die von den Landesregierungen zu bezeichnenden Behörden oder Beamten der Karnisonorte und derjenigen Orte, welche im Umkreise von 20 km von Garnisonorten oder im Gelände für militärische Uebungen gelegen sind, in Preußen die Ortspolizeibehörden, verpflichtet, über das Auftreten und den Verlauf gemeingefährlicher Krankheiten den Kommandaten, bezw. Garnison- ältesten Mitteilung zu machen.
Mit Rücksicht auf hervorgetretene Zweifel bemerke ich im Einverständnis mit dem Herrn Reichskanzler (Reichsamt des Innern), daß im Sinne der Bekanntmachung auch solche Orte, in welchen lediglich ein Bezirkskommando steht, als Garnisonorts anzusehen und die bezüglichen Mitteilungen an die betreffenden Bezirkskommandeure zu richten sind.
Der Herr Kriegsminister wird die in Betracht kommenden Bezirkskommandos anweisen lassen, vorkommenden Falles die gleichen Mitteilungen über Erkrankungen bei dem Personal der Bezirkskommandos an die Ortspolizeibehörden ihres Standortes zu richten.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. I. A. gez.: Förster.
An die Herren Regierungs-Präfidenten, den Regierungs- Präsidenten von Alleniiein in Gumbinnen und den Herrn Polizei-Präsidenten in Berlin. (M. Nr. 14177.)
Cassel, den 29. September 1905.
Abschrift übersende ich unter Bezugnahme auf meine Rundverfügungen vom 28. September 1901 (A. II. 10879), 9. Januar und 30. September 1902 (A. II. 14820 und
Das Glück
Novelle von F. S u t a u.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
„Ich bin ein Schatten, ein Schemen unter all den lebensfrohen Menschen hier", sagte sich Leonore oft selbst und empfand fast Heimweh nach ihrer märkischen Heimat, nach den öden Heideflächen mit den Ginstersträuchen und den dunkeln melancholischen Fichtengruppen. Dort einsam zu sitzen, in gedankenlosen Träumen anszuruhen von allem Leid, das dünkte ihr jetzt verlockender wie das bewegte, anregende Leben, das sie umgab.
* *
Die Wogen des Rheins hatten sich nach unb nach beruhigt und waren in die ihnen von der Natur angewiesenen Bahnen zurückgekehrt. Steinweg war unermüdlich tätig, die Verheerungen, welche die Wasserwogen verursacht hatten, zu beseitigen. Es war, als ob er jede Erinnerung an jene Tage so schnell wie möglich tilgen müsse.
So kam allmählich alles wieder in die gewohnte Ordnung, auch die geselligen Zusammenkünfte in der Villa begannen wieder, es wurde vorgelesen und musiziert, ganz, wie man es vor der Katastrophe gehalten hatte.
Der Justizrat mit seinen Töchtern war auch wieder ständiger Gast in der Villa Steinweg. Ella, der Backfisch, aber vermißte schmerzlich den jungen Doktor Erich, den sie mit ihrer reizenden Naivität doch noch zu bezaubern und als Bräutigam zu erlangen hoffte, obgleich er bis jetzt ziemlich unempfänglich für Ellas Liebenswürdigkeiten geblieben war. Doktor Erich hatte sich überhaupt noch nicht entschließen können, an diesen Abenden wieder teilzunehmen, da er sich die Kraft nicht zu- traute, Leonore kalt und gleichgültig zu begegnen. Auch wollte cr sie nicht mehr sehen. Dann aber war er doch einmal den Zureden seiner Mutter und Schwester gefolgt und hatte sie hinaus begleitet nach der Villa. Er hatte Leonore nun wieder gesehen, war aber aufs Tiefste betroffen gewesen über
12092) und 9 Juni b. Js. (A. II. 5351) zur Beachtung.
Die Herren Landräte ersuche ich, die OitSpolizeibehörden mit der erforderlichen Anweisung zu versehen.
Der RegierungS-Präsident. J. V.: M e j e r.
An die Herren Polizei-Direktoren, Landräte, Kreisärzte und KretSaffistenzärzte des Bezirks. (A, II. 8269 ) * * *
Hersfeld, den 4. Oktober 1905,
Vorstehend abgedruckter Ministerialerlaß rc. wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Beachtung mitgeteilt. J. I. 6996. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsaffessor.
Hersfeld, den 10. Oktober 1905,
Am Sonntag, den 15. Oktober d. Js. wird der LandwirtschaftSlehrer Herr Eluckmann von Fulda im hiesigen Kreise folgende amtliche Vorträge halten:
Nachmittags 1 Vs Uhr in F r i e l i n g e n (Thema: „Aussichten und Arbeiten in der Landwirtschaft für den Winter.") Um 5V2 Uhr i» Kirchhsim (Thema: „Die Viehhaltung und ihre Bedeutung fürs ganze Volk").
Die Herren Ortsvorstände des Amtsgerichtsbezirks Nieder- aula wollen Vorstehende» in den Gemeinden alsbald auf ortsübliche Weise bekannt machen lassen.
I. 7137. Der com. Landral
von Grunelius, Regierungsasseffor.
Hersseld, den 6. Oktober 1905.
Die in dem Hühnerbestande des Lehrers Müller in Niederaula ausgebrochene Geflügelcholera ist erloschen. I. 7050. Der com. Landrat
von Grunelius, Regierungsasseffor.
Hersfeld, den 7. Oktober 1905.
Die unter den Herden der Schäfer Johannes Schmer- mund und Heinrich Schmidt zu Oberjoffa ausgebrochene Schafräude ist erloschen. I. 7076. Der com. ßanbrat
von Grunelius, Regierungsasseffor.
Hersfeld, den 7. Oktober 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Freund iU Oberhülfa ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen, .. 7072. Der com. Landrat
von Grunelius,
Regierungsasseffor.
die Veränderung, die in den wenigen Wochen mit ihr vorgegangen war.
Hatte der Todesengel, der bei dem Unglück seine kalte Hand nach ihr ansgestreckt, diese Spuren in ihren Zügen zurückgelassen, daß dieselben so marmorkalt, so teilnahmlos gegen das Leben um sie her geworden waren? Oder war irgend ein dunkles Schicksal über sie herausgezogen und hatte sie so seltsam verwandelt?
Voll innigem Mitleid ruhte Erichs Blick auf ihrem Antlitz, einmal begegneten sich ihre Blicke, und in ihren dunklen Augen lag es fast wie eine schüchterne Bitte, als müsse sie um seine Verzeihung flehen, als hätte sie gegen ihn etwas gut zu machen.
Erich beseligte dieser eine Blick, und wie alle Liebenden knüpfte er unbestimmte Hoffnungen daran.
Der Tag, der diesem Abend folgte, war einer jener milden Spätherbsttage, an welchen es wie längst verwehte Lenzesgrüße dnrch die stille Lnft zieht.
Golden ruhte das Sonnenlicht auf dem Rhein und auf dem gelben Laub der Bäume. Wandervögel zogen mit leisem Flügelschlag vorüber, dem Süden zu, und die Spaziergänger, die das milde Wetter zahlreich hinausgelockt ins Freie, schauten ihnen träumerisch nach.
Auch Doktor Erich hatte heute die Mauern der Stadt verlassen und stieg jetzt langsam den Hügel in die Höhe, auf welchem die Tannen standen; dort setzte er sich auf den alten Baumstamm und dachte an Leonore.
Hier hatte sie damals im Sommer neben ihm gesessen, es war ihm, als vernähme er wieder ihre tiefe, melodische Stimme, wie sie ihm von ihrem Leben, ihren Schicksalen erzählt hatte. Wie reich, wie schön war ihm an jenem Abend das Leben aufgegangen, und nun — nun — schien ihm das Leben leer. Was war aus ihm geworden seitdem? Ein müßiger Träumer, der nicht die Kraft hatte, sich aufzuraffen aus diesem elenden Zustand, der vergessen zn haben schien, daß das Leben doch andere Dinge von einem Manne verlangt, als daß er all sein Denken und Sinnen auf ein Mädchen richtet, das seine Liebe, sein Werben doch zurückgewiesen hatte.
Er seufzte tief auf und dann schaute er betroffen empor;
nichtamtlicher teil.
Aue WmsW unseres Volkes
Nicht viel Kunde dringt zu uns aus dem fernen Südwestafrika über die heldenmütigen Kämpfe unserer tapferen Truppen, in der Hauptsache unr kurze amtliche Mitteilungen, traurige Verlustlisten und hin und wieder Briefe von Mitkämpfern an die Lieben in der Heimat oder die Hinterbliebenen eines gefallenen Kameraden. Aber auch sie sprechen keine laute Sprache; denn alle, die da drüben in dem heißen Sand und zwischen den glühenden Klippen Südwestafrikas für Deutschlands Ehre fechten, haben keine Zeit, ihre Leistungen mit der Feder ins rechte Licht zu setzen und wohl noch weniger Neigung zu einer Selbst- beräucherung. Sie tun einfach ihre Pflicht und schweigen. Gerade daß es an solchen Schilderungen fehlt und daß nur kurze, knappe Kunde von den Geschehniffen zu uns dringt, ist ein Beweis dafür, wie hart die Pflicht ist, die unsere Truppen zu erfüllen haben und wie sie darin aufgehen.
Um so unrechter ist es, daß das deutsche Volk in der Heimat so wenig seiner Söhne in der Ferne gedenkt, die doch allen Anspruch darauf haben, bei der harten Kriegsarbeit unter schwierigen äußeren Bedingungen einem grausamen, hinterlistigen Feinde gegenüber von der Liebe und der Dankbarkeit ihrer Volksgenossen getragen zu werden. Die Mühen und Kämpfe, bei denen sie zu Ehren Deutschlands ihr Leben in die Schanze schlagen, würden ihnen leichter sein, wenn sie wüßten, daß man in der Heimat ihren Taten Anerkennung zollt, auch wenn ihnen glänzende äußere Erfolge versagt find. Oder find, um nur eins herauszugreifen, die tagelongen Kämpfe der Abteilung Meister gegen einen weit überlegenen Feind in fast unangreifbarer Stellung, unter der glühenden Sonne Afrikas und bei einem Wassermangel, daß die Mannschaften vor Durst fast wahnsinnig wurden, keine Heldentaten?
Gerade in solchen schweren Zeiten braucht die Truppe das Bewußtsein, daß wenigstens mit dem Herzen das ganze Volk bei ihr weilt. Nicht eitele Ruhmsucht treibt den Deutschen in den Kampf, aber auf das Gedenken und die Dankbarkeit des Volke» hat jeder Anspruch, der zu des deutschen Namens Ehre fein Blut verspritzt.
Mitten in Europa gelegen, von allen Seiten von fremden Völkern umgeben, muß das deutsche Volk, mehr als jedes andere, den Heldensinn seiner Väter wach erhalten. Wie aber soll ein Volk Helden erzeugen, wenn eü in seinen breiten Massen zu genußsüchtig, zu verfault und zu gleichgültig ist, um auch nur im Geiste bei den Vorkämpfern seiner nationalen Ehre zu verweilen? Freilich gibt es auch Ausnahmen, seltene Ausnahmen. Eine solche ist der Kriegertag auf dem Kyffhäoser am 17. und 18 Erp-
Leonore stand Plötzlich vor ihm. Sie grüßte ihn und setzte sich dann ueben ihn auf den Baumstamm.
„Ich kann nicht mehr weiter", sagte sie, wie um sich zu entschuldigen, „die Luft macht so müde."
Erich erwiderte nichts, aber es war ihm plötzlich ganz selbstverständlich, daß Leonore hier neben ihm saß, im Schatten der Tannen, wie an jenem Sommerabend.
„Es ist mir, als wäre ich Ihnen einige Aufklärung schuldig", begann Leonore dann wieder nach einer Pause, „es drängt mich fast dazu, Ihnen alles zu erzählen. Wollen Sie meine Beichte hören?"
„Wenn es Ihnen eine Erleichterung ist, gewiß", erwiderte Erich, — und dann begann sie zu erzählen von ihrer Heimat, von ihrer Bekanntschaft mit Steinweg, ihrem Wiedersehen. Es war wie eine Beichte, sie verschwieg ihm nichts.
Doktor Erich war anfangs betroffen, erregt und verwirrt über das alles, was er da aus Leouorens Munde wie im Traume hörte. Er vermochte sich in diese Tatsachen, die da die schöne Beichtende ihm so rückhaltlos mitteilte, nicht so schnell hineinzufinden. Als sie geendet, sah sie ihn bang fragend, fast bittend an.
„Sie verachten mich", sagte sie dann leise, „es kann ja nicht anders sein, Sie müssen mich ja verachten, Herr Doktor!"
In Erichs Zügen war jedoch nichts von Verachtung zu lesen.
„Nein, Fräulein Leonore, ich verachte Sie nicht", sagte er warm. „Ich" — ein schönes Rot flog über sein Gesicht, — „ich kann Ihnen nichts weiter antworten, als daß ich Sie liebe, Leonore, trotz ollcdem! Mein ganzes Leben lang werde ich es wohl nicht anders können, als Sie lieben, wenn auch wohl hoffnungslos." —
Leonorens Antlitz war wie in Glut getaucht, als sie jetzt die großen Augen zu ihm ausschlug, in denen Tränen schimmerten.
„Nicht hoffnungslos!" sagte sie erregt. „Ich — ich wollte — ich könnte —", sie stockte, das demütige hingehende Wort, das da auf ihren Lippen schwebte, dünkte ihr hoch snrchtbar schwer auszusprechen. Aber Erich las es in ihren