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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für kjersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. va

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herchl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 118. Sonnabend, den? Oktober 1905.

Beiteilungen

auf das

Bersfeider Kreisblatt werden für das vierte Quartal

von allen Postanstalten, Landbriesträgern, sowie von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher teil.

Verordnung.

Für den Umfang des Regierungsbezirks Cassel wird auf Grund des § 3 des Wildschongefetzes vom 14. Juli 1904 (Ges. S. S. 159) die Schonzeit für R e h k ä l b e r aus das ganze Jahr ausgedehnt.

Cassel, den 28. September 1905.

Der Bezirksausschuß.

Graf Bernstorff. * * *

Wird veröffentlicht.

Hersfeld, den 6. Oktober 1905.

Der com. Landrat.

I. V.

T h a m e r.

Hersfeld, den 3. Oktober 1905.

Von der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlen bei Steglitz ist ehr Flugblatt Nr. 35, betiteltbet amerikanische Mehltau des Stachelbeer­strauches, eine für Deutschland neue Pflanzenkrankheit" herausgegeben worden, das für Behörden, Körperschaften und Vereine sowie in einzelnen Abzügen auch für Privat­personen durch die vorgenannte Anstalt unentgeltlich zu beziehen ist.

Interessenten des Kreise« können durch diesseitige Ver­mittelung dieses Flugblatt beziehen.

J. I. 6933. Der com. Landrat

von Gruneliu«,

Regierungsasseflor.

Hersfeld, den 4. Oktober 1905.

Die Schulstelle in Niederjoffa wird vom 1. November d. I«. ab frei. Bewerber um dieselbe wollen ihre MeldungS- gesuche nebst Zeugnissen bis zum 2 4. d. M t«. bei dem Unterzeichneten einreichen.

Das Einkommen besteht neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchendienstvergütung, während der Einheitssatz der Dienstalterszulage 120 Mark beträgt.

Der Königliche Schulvorstand von Gruneliu«,

I. 6862. Regierungsaffeflor.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, sich innerhalb der nächsten 4 Wochen auf dem Katasteramt einzufinden, um die diesjährigen Gebäudesteuersachen münd­lich zu erledigen.

Sämtliche Baurisse der neuerbauten und veränderten Gebäude sind mitzubringen.

Hersfeld, den 28. September 1905.

Königliches Kotasteramt: gez. Schweißer.

* * *

Hersfeld, den 5. Oktober 1905, Wird veröffentlicht.

I. 6859. Der com. Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Königliches Landratsamt.

Sprechstuttver Täglich von 912 Uhr

an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Noch ist der große Bergarbeiterstreik diese» Jahre« in frischer Erinnerung, und schon wieder spielt flch in unserm gewerblichen Leben ein gewaltiger Machtkampf ab. Die

Stätte diese« Kampfes ist die Reichshauptstadt und der von dem Streik betroffene Gewerbezweig die Elektrizi- tät»-Jndustrie. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch bei diesem Streik nicht eigentliche Arbeiter­forderungen, die der Erlangung besserer Lohn- und Arbeits- bedingungen dienen, das treibende Motiv find, sondern daß es sich um eine glatte Machtfrage handelt. Die sozialdemo- kratisch verhetzte Arbeiterschaft spürt nicht übel Lust, die Probe auf die Theorie des Generalstreiks oder doch des politischen Massenstreiks zu machen. Man wollte durch Stillegung der großen elektrischen Krastzentralen den ge­samten öffentlichen Verkehr der Reichehauptstadt unterbinden. Der geplante Schlag aber ist zum ®lüJ nicht gelungen. Wieweit diese» Mißlingen dem Eingreifen der Staats­behörden zuzuschreiben ist, entzieht sich der Feststellung. Jedenfalls aber wird der weitaus überwiegende Teil der Bevölkerung in und außerhalb Berlins es den Behörden Dank wissen, wenn sie nicht dulden, daß zugunsten einer streikenden Arbeiterschicht das gesamte Verkehrsleben der Hauptstadt zum Stillstand gebracht wird. Hier kommen öffentliche Interessen in Frage, und es ist Pflicht der staatlichen Organe, diese Interessen nach Kräften wahrzu­nehmen.

Von den Ereignissen der auswärtigen Politik, die für die Berichtswoche zu verzeichnen sind, ist für Deutschland das wichtigste bet glückliche Abschluß bet deutsch- französischen Verhandlungen über d i e Marokko-Konferenz. Die Bedeutung dieser Tat­sache liegt nicht so sehr in dem Abkommen an sich wie in der Wandlung unserer gesamten Beziehungen zu Frankreich, die sich darin dokumentiert. Die Spannung, die durch die Delcaflssche Politik zwischen Deutschland und Frankreich erzeugt war, ist gelöst und damit die Bahn für ein fried­liches Handinhandgehen und Zusammenwirken der beiden Länder freigemacht. Fürst B ü l o w hat mit dem Zu­standekommen dieser Wandlung in der politischen Konstella- Hon den vielen bisherigen Erfolgen seiner Diplomatie einen neuen besonders glänzenden hinzugefügt, der für die er­sprießliche Gestaltung der europäischen Angelegenheiten in der Zukunft von höchster Bedeutung ist. Aber auch der französische Ministerpräsident Rouvier hat große floate« männische Einsicht und klaren Blick für die Erfordernisse der Zeitlage bewiesen. Hoffentlich bleibt es ihm recht lange vergönnt, das Staatsruder Frankreichs zu lenken.

In Oesterreich steht zur Zeit wieder der Nationali- tätenhader in Heller Blüte. Den Ausgangspunkt für die neu entfachten Streitigkeiten zwischen Deutschen und Tschechen bildete der deutsche Volkstag inBrünn. Derselbe stellte eine überaus imposante Kundgebung de« ge­samten Deutschtums in Oesterreich dar und erregte deshalb den Zorn des Tschechentums. Er wurden aus der ganzen Umgegend von Brünn die Tschechen mobil gemacht und in Brünn selber wüste Exzesse gegen die Deutschen verübt. Dabei haben die tschechischen Parlamentarier alsdann noch die Stirn besessen, im Reichsrale die Schuld an diesen Exzessen den Deutschen in die Schuhe zu schieben. Es wäre dringend zu wünschen, daß die österreichische Regierung mit fester Hand den Anmaßungen und Ausschreitungen bes Tschechentums entgegenträle; denn nur so wird e» ge­lingen, die Quelle des unseligen NationalitätenhaderS zu verstopfen.

Der Zar hat die Verdienste Wittes um das Zu» standekommen des für Rußland so günstigen Friedens­schlusses mit dessen Erhebung in den Grofenstand und einem äußerst huldvollen Anschreiben belohnt. Ganz naturgemäß richten sich jetzt in Rußland die Blicke auf Witte als den Retter auch aus der inneren Not. Zwei Ausgaben gilt es besonders zu lösen: die Beseitigung der anarchistisch, revolutionären Bewegung in den Grenzmarken und aus­reichende Fürsorge für die hungernden Bauern. Die weiteren Ziele hat der Petersburger Adel jüngst einsichtig und maßvoll in einer Adresse an den Zaren formuliert. Es werden in dieser Adresse gefordert Organisation eines ver­antwortlichen Ministerium«, gleichmäßige, von der Ver. waltung unabhängige Rechtsprechung, obligatorische Elemen- tarbildung, bessere Bildung und ausreichende Besoldung der Geistlichkeit, Regelung der Preß- und Versammlungsfreiheit, endlich freiere Gestaltung der Selbstverwaltung. Alle diese Punkte fallen wahrscheinlich auch in Witte» Programm. Inzwischen find die Vorbereitungen der Wahlen zur ReichSduma schon im Gange. E» ist dringend zu wünschen, daß bei der Wahlkampagne von beiden Seiten, sowohl von der Verwaltung wie von den Wählern, die gesetzlichen Schranken eingehalten werden, «damit der erste Schritt, den Rußland zum Verfassungsstaate macht, sich nicht unter ungünstigen Zeichen vollziehe.

At StRtrono in iltn Seiitsch-srmzösisiiit» BMuiW.

Der erfolgreiche Abschluß der in Pari» geführten mühe, vollen und langwierigen Verhandlungen zwischen den Ver­

tretern Frankreich» und Deutschland» über Marokko ver­spricht eine Periode gefestigter aufrichtiger Beziehungen zwischen der französischen Republik und dem deutschen Reiche zu zeitigen, worüber alle Freunde eines guten gegenseitigen Einvernehmens der beiden großen Nachbarländer gewiß nur Genugtuung empfinden können. Bereit» in gewissen Aeußerlichkeiten, welche dem Zustandekommen des Marokkover­trages in Paris unmittelbar nachfolgten, zeigte sich die neue deutsch-französische Annäherung. So stellte Präsident Loubet dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin und dem deutschen Gesandten für Marokko, Dr. Rosen, seine Loge in der großen Oper zur Verfügung. Ferner gab Minister­präsident Rouvier am Mittwoch ein Frühstück zu Ehren des Fürsten Radolin und des Dr. Rosen, an welchem u. a. die sämtlichen französischen Minister teilnahmen. Spiegelt sich schon in derartigen Vorfällen die erfreuliche Wendung im deutsch-französischen Verhältnisse wieder, so gilt dies doch noch mehr von den Aeußerungen, welche Reichskanzler Fürst Bülow gegenüber einem von ihm in Baden-Baden empfangenen Parifer Journalisten betreffs des Marokkoabkommens und der deutsch-französischen Be­ziehungen getan hat. Aus den Aeußerungen des Kanzlers seien namentlich die folgenden Sätze wiedergegeben: Frank­reich zeigte die Absicht, sich eine Sonderstellung in Marokko zu schaffen. Dies war unvereinbar mit der Unabhängig­keit Marokko», die durch international» Verträge bekrästigt war, und auch mit der wirtschaftlichen und handelspolitischen Freiheit, kurz eine ernste Lage war da» Ergebnis, und es schien schwer, aus dieser Lage herauSzukommen, ohne daß die Würde eines der beiden Länder darunter litt. Man hat absichtlich vergessen, daß die Politik Deutschlands seit langem den Wunsch hegte, die Beziehungen mit Frankreich zu verbessern. Nicht, daß wir uns darauf beschränkt hauen, in Marokko das Regime der offenen Tür zu sichern. Wir haben uns beeilt, die besondere Situation Frankreichs anzuerkennen und im Vertrauen auf seine Loyalität haben wir zugegeben, daß die Konferenz sich nicht mit der Polizei- frage an der algerisch-marokkanischen Grenze zu beschäftigen habe. Frankreich wiederum hat den Abschluß nebensächlicher Geschäfte, die zwischen dem Maghzen und deutschen Bankiers und Unternehmern vereinbart wurden, anerkannt. Bezüg­lich der Marokkofrage selbst haben wir es gleichfalls und mit Rücksicht auf aEe irgendwie beteiligten Nationen der Konferenz überlassen, diese Frage zu studieren und Abhilfe zu finden.

Diese Worte bes leitenden deutschen Staatsmannes be­kunden ein solches versöhnliches und freundschaftliches Ent­gegenkommen gegenüber Frankreich, daß man sich ihrer Wirkung weder in den Pariser Regierungskreisen noch in der französischen Nation schwerlich wird entziehen können. Auch im weiteren Verlauf seiner Darlegungen betonte Fürst Bülow nochmals, wie die deutsche Regierung in allen Fällen entschlossen sei, die offene Politik zwischen Frank­reich und Deutschland aufrecht zu erhalten und zu befestigen. Wenn auch die leitenden Kreise jenseits der Vogesen sich zu diesem Grundsätze bekennen, so kann es gar nicht fehlen, daß sich hieraus eine nachhaltige Annäherung zwischen Deutsch­land und Frankreich entwickelt, die gewiß nicht nur beiden Ländern zum Segen gereichen würde. Vielleicht sind die Gerüchte verfrüht, welche von einem vertragsmäßigen Zu- sammenschlusse Deutschland«, Frankreich« und Rußlands zur gegenseitigen Wahrung der Interessen dieser Staaten in Ostasien angesichts des englisch japanischen Bündnisses wissen wollen. Aber es ist nicht ausgeschlossen, daß es noch dahin kommt, ist doch schon nach dem japanisch-chine­sischen Kriege der vielgenannteDreibund" zwischen Deutsch­land, Frankreich und Rußland hervorgetreten; jedenfalls würde eine solche erneute Vereinigung nur zur intimeren Gestaltung des deutsch-französischen Verhältnisses und hier­mit zur Stärkung bes Weltfriedens beitragen.

Unruhen in IM-Wfnka.

In Deutsch-Ostafrika hat der Aufstand in der unmittel­baren Nähe der Regierung-Hauptstadt Dar es Salam einen sehr ernsten Charakter angenommen. Der Niederbrennung einzelner Dörfer haben die rebellierenden Neger wiederholte, scharfe Angriffe auf eine deutsche Abteilung folgen lassen. Sie wurden glücklich abgeschlagen; größere Detachement« setzen sich heule zur Niederwerfung dieses Aufstandes in Marsch.

Dar es Salam, 5. Oktober. Soeben marschiert Bezirksamtmann Bäder mit fünfzehn Askaris und sieben Wahehe-Hilsskriegern nach Wikindo, 15 Kilometer von Dar es Salam, ab. Sergeant Holzhausen traf, von Kiflangire kommend, gestern abend in Wikindo ein, nachdem er unterwegs verschiedentlich hestig angegriffen worden war und dabei fast seine ganze Munition verschossen hatte. Er schlug die Aufständischen glänzend zurück. Der Sergeant wurde selbst leicht verwundet. Ein Askari fiel, drei wurden verwundet. Siebzig Rebellen blieben auf dem Platze tot. Nachmittag folgt eine Kompagnie von 150 Askaris und acht