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hersMer Urekblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 116.

Dienstag, den 3. Oktober

1905.

Bestellungen

auf das

Bersfelder Kreisblatt

werden für

das vierte Quartal

von allen Postanstalten, Landbriesträgern, sowie von der Ex­pedition angenommen.

Amtlicher Ceil

Hersfeld, den 28. September 1905.

Der seitherige Bürgermeister der Gemeinde Unterneurode Johannes Malkomes zu Unterneurode ist für einen am 16. Oktober 1905 beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum gewählt und bestätigt worden.

I. 2896. Der com. Landrat

von Grunelius,

RegierungSasieffor.

Hersfeld, den 25. September 1905. Unter den Schafen der Schafherde zu Obergeis ist die Räude ausgebrochen. I. 6720. Der com. Landrot

von Grunelius, RegierungSasieffor.

Hersfeld, den 28. September 1905.

Die unter dem Schwetnebestande des Valentin Karpen- stein in Asbach ausgebrochene Schweinepest ist erloschen. I. 6805. Der com. Landrat

von Grunelius, RegierungSasieffor.

Hersfeld, den 28. September 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Hülfsbahnwärters Peter Blum in Mecklar ausgebrochene Schweinepest ist erloschen.

I. 6804. Der com. Landrat

von Grunelius, RegierungSasieffor.

Das Glück

Novelle von F. Su t a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Huh, es ist kalt!" tönte Evas Helle Stimme jetzt, denn diese war auch nochmals herbeigekommen.

Gute Nacht, gute Nacht", rief man noch einmal von draußen herein, dann schloffen sich die Türen.

Auch die Hausgenossen sagten sich gute Nacht, und nur Leonore kehrte in den Salon zurück, um noch, wie sie es stets tat, die bei Tafel gebrauchten Silbersachen wegzuschließen und die Lichter auszulöschen. Mechanisch verrichtete sie diese Obliegenheiten, und als sie die Arbeit beendigt, warf sie sich wie erschöpft auf einen Lehnstuhl und legte die Hand vor die Augen.

Was hatte sie getan! Ein Mann, der höher stand wie viele, viele andere, hatte so warm, so eindringlich um ihre Liebe gefleht, und sie hatte die treue Hand, die sie aus ihren ver­wirrten Lebenswegen zu Frieden unb Ruhe geleiten wollte, zurückgewiesen. Und warum? Warum? Weil sie Doktor Erichs Liebe nicht voll und ganz erwidern zu können glaubte und weil ihr Herz zuweilen von einer unglückseligen Neigung erfüllt war.

Als die guten, aufrichtigen Worte des jungen Gelehrten an Leonorens Ohren geklungen, da war es ihr gewesen, als sei sie aus schwülem Traum erwacht, als würden ihr plötzlich die traumumfangenen Augen geöffnet, daß sie sehen mußte, wie ihr ganzes Sein unselig mit dieser alten Neigung verstrickt war. Und darum hatte sie es nicht vermocht, ein so reines, edles Leben wie das des Doktors Martin Erich mit dem ihren zu verflechten, es wäre ein unsühnbares Unrecht gewesen. Sie hätte dunkle Schatten der Lüge und des TrugS aus sein Leben geworfen. Nein, nein, das durfte nicht geschehen, cS war genug, daß sie schon elend und unglücklich war. Der edle Doktor Erich sollte nicht auch noch unglücklich durch sie werden.

Die ganze Gefahr und unheimliche Tendenz ihres Traumes

nichtamtlicher Ceil.

8M|t Zeichen.

Ein Ausspruch, der sich irgendwo findet, besagt, daß die einzig wirkliche Lehre, die uns die Geschichte darbiete, die sei, daß die Völker aus der Geschichte nichts lernen. Wer den Jenaer Kongreß der Sozialdemokratie verfolgt hat und nunmehr die Verhandlungen des Vereins für Sozialpolitik in Mannheim liest, wird die Wahrheit dieses Spruches bestätigt finden. Der Kongreß von Jena mußte auf jeden Unbefangenen wie ein blutrotes Signal wirken, er bedeutet für jeden, der zu sehen vermag, die offene Entfaltung des Revolutionsbanners und trotzdem unmittelbar danach diese unverhohlene Begünstigung sozial- demokratischen Treibens seitens auserlesener Kreise des Bürgertums, wie sie in Mannheim zutage getreten ist! Wahrlich, die Geschichte ist dazu da, daß ihre Lehren un­beachtet bleiben.

Den zweiten Punkt der Tagesordnung der diesjährigen Versammlung des Vereins für Sozialpolitik bildeten Verhandlungen über «Das Arbeitsverhältnis in den größeren Privatbetrieben." Das Hauptreferat hierzu lag in den Händen des Münchener Professors Lujo Brentano, dessen Manier, die Wissenschaft in den Dienst radikal­politischer Tendenzzwecke zu stellen, sattsam bekannt ist. Diesmal aber hat sich der genannte Herr geradezu selbst übertroffen.

Der ganze Vortrag des Münchener Professors strotzte förmlich von Ungerechtigkeiten gegenüber den Arbeitgebern und einseitiger Parteinahme für die organisierte Arbeiter­schaft. Nach seiner Ueberzeugung «unterliegt es gar keinem Zweifel, daß die Auffassung der Arbeitgeber sehr oft mit der bestehenden Rechtsordnung in hellem Widersprüche steht." Wer einen so schwerwiegenden Vorwurf erhebt, dem liegt doch auch wohl die Verpflichtung ob, Beweise dafür beizubringen, das aber hat der Herr Professor zu tun unterlassen. Die Organisationen der A'beiter wurden, wie von dem Manne, der so recht eigentlich die blinde Schwärmerei für Gewerkvereine und Arbeitergilden auf deutschen Boden verpflanzt hat, nicht anders zu er­warten stand, über den Strich gelobt, die Arbeitgeber­organisationen aber mit verächtlicher Handbewegung als «Kulturhemmnisse" abgetan. Wo bleibt da die Ge­rechtigkeit, Herr Professor? Die Arbeitswilligen ferner sind nach Brentanoscher Auffassung die verächtlichste Menschenklasse, und der einstmalige gesetzgeberische Versuch ihres Schutzes wurde noch nachträglich ganz im Stile der sozialdemokratischen Hetzpresse als «Zuchthausvorlage" be­kämpft. Den Gipfel verhängnisvoller Begriffsverwirrung aber erstieg der Münchener Universitätsprofeffor unstreitig mit feiner Polemik gegen die Wohlfahrtseinrichtungen der

stand auch jetzt Plötzlich so klar und drohend vor ihr, daß sie erkannte, daß es nicht so weiter mit ihr gehen konnte. Wie sollte denn das Leben für sie hier enden? In Nacht und Grauen oder in einer heimlichen Flucht bei Nacht und Nebel. Solche schrecklichen Gedanken bewegten Leonorens hoch klopfende Brust und ihre fliegenden Gedanken suchten nach einem Rettungsanker.

Draußen brauste inzwischen der Stürm heftiger, unter­brochen von dem dumpfen Rollen des Rheins. Leonore schauerte zusammen, sie fröstelte, -ein Fensterflügel war vorhin vom Sturme aufgeflogen und der scharfe Zugwind, der da hereingeströmt, hatte das Licht ausgelöscht. Sie erhob sich, um jetzt das Fenster zu schließe» und das Licht wieder anzu- zünden. Mitternacht war wohl längst vorüber und hohe Zeit, ihr Lager auszusuchen. Plötzlich schreckte sie zusammen und blieb mitten im Zimmer stehen. Es war ihr, als hätte sie draußen an der Tür, die nach dem Garten führte, und die sie eben verriegeln wollte, einen dunklen Schatten gesehen und Tritte gehört. In demselben Augenblicke wurde auch schon die Tür aufgerissen und Steinweg stürmte herein. Sein Gesicht war totenblaß, seine Augen funkelten seltsam und daS schwarze Haar hing ihm wirr um die Stirn. Tief aufatmend stand er jetzt vor dem zitternden Mädchen. Er blickte Leonore an wie ein Wahnsinniger und flüsterte verworrenes Zeug, dessen Inhalt sie nicht verstand, dann schien er einige Augenblicke klaren Geistes zu sein und sagte leise mit seltsamer Betonung:

Verzeihen Sie, daß ich Sie jetzt so erschrocken habe. Ich habe eine bedrückende Angst und einen bohrenden Kopfschmerz." Dabei drückte er die Hände vor die Stirn.Ich hatte keine Ruhe mehr ich war noch draußen im Garten" stieß er dann abgebrochen heraus.Als ich das Licht hier ausflammen sah, da wußte ich, daß Sie noch hier waren. Und nun frage ich Sie, lieben Sie ihn wirklich, haben Sie ihn erhört?"

Leonore war einen Schritt zurückgetreten, sie umklammerte krampfhaft, als bedürfe sie einer Stütze, eines Haltes, die Lehne deS ihr zunächst stehenden Stuhles. Mit starren, erschrockenen Augen blickte sie auf zu dem Manne vor ihr. Großer Gott,

Arbeitgeber. Sie sind ihm durch die Bank «nicht ein Mittel, dem sozialen Frieden zu dienen, sondern ein Kampfmittel, das den sozialen Kamps zu verschärfen ge­eignet ist, deshalb müssen wir uns gegen sie wenden". Es bedarf in der Tat der ganzen Höhe des sozialen Pflicht­gefühls unserer Arbeitgeberschaft, um angesichts solcher Kundgebungen öffentlichen Undankes auch aus bürgerlichen Kreisen dennoch unbeirrt in der Fürsorge für das Wohl ihrer Arbeiter fortzusahren.

Weitaus bedenklicher aber, als das Referat Brentanos erscheinen noch der Beifall und die Zustimmung, die dieses Referat bei der übergroßen Mehrheit der Mannheimer Versammlung finden konnte. Die wenigen abweichenden Stimmen kommen demgegenüber nicht in Betracht. Ja, der Brentanosche Standpunkt wurde in der nachfolgenden Diskussion von professoralen und nicht Professoraten Red­nern mehrfach noch übertrumpft. Das Unglaublichste leistete wohl Professor Max Weber-Heidelberg. Er be­schimpfte die Arbeiter der Saarreviers, die zur Zeit der Reichstagswahlen öffentlich versichert hatten, daß sie nicht für eine bestimmte Partei, worunter doch wohl nur die Sozialdemokratie gemeint sein kann, gestimmt hätten, als Kanaillen" und stellte den Satz auf, daß die Sozialdemo- tratie, wenn sie nicht da wäre, zum Schutze der Gewerk­schaften erfunden werden müßte. Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode.

Es ist klar, daß solche Kundgebungen Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie find, und derVorwärts" hat sich denn auch beeilt, seinen Getreuen die kräftigsten Schlager der Herren Brentano, Weber, Naumann u. s. w. alsbald im Fettdruck mitzuteilen. Wahrlich, es ist hohe Zeit, daß das deutsche Volk mit deutlich vernehmbarer Stimme gegen eine derartige in Popularitätshascherei ver­sunkene, jedes politischen und nationalen Verantwortlich- keitsgefühls bare Kathederweisheit Stellung nimmt. An­derenfalls dürfte das Wort an uns in Erfüllung gehen: Wen Gott verderben will, den schlägt er zuvor- mit Blindheit. Unleugbar zeigt der Horizont der Gegenwart manche dunklen Punkte. Zu ihnen aber gehört mit an erster Stelle das Spielen bürgerlicher Kreise mit dem revo­lutionären Feuer, wie sich solches zu Mannheim so drastisch offenbart hat. Dieses frevle Spiel zu verhindern, ist zweifel­los eine der Hauptaufgaben, die patriotischer Einsicht in unseren Tagen gestellt sind. w.

Unruhen in Leutsch-Mrike.

Dar es Salam, 30. September. Bezirksamlmann Lambrecht meldet, daß nördlich des großen Karawanenweges im Bezirk Mrogoro alle» ruhig ist. Im südlichen Teil hat Hauptmann Fönk die Ruhe hergestellt. Hauptmann Hasse aus Mahsuge meldet, daß die Benediktiner-Missionare und der Tiermaler Kuhnert wohlbehalten auf der Militärstation

wie war er verwandelt! Was hatten die letzten Wochen und Tage, oder gar nur die letzten Stunden einer großen seelischen Erregung aus Steinweg gemacht? War er wahnsinnig vor Freude oder vor Schmerz geworden, als er heute gesehen, daß Doktor Erich um Leonore Worden geworben, und daß die, deren Liebe er erst vor langen Jahren besessen und die so lange so verlassen und elend war, nun durch die Liebe eines der edelsten Männer beglückt werden sollte.

Als Leonore nicht antwortete und scheu vor ihm zurück- wich, leuchtete es in Steinwegs Augen unheimlich.

Leonore! Ich will Antwort!" rief er jetzt finster und faßte mit eisernem Griff ihre Hand. Wäre es nicht tausend mal besser gewesen, sie hätte ihm jetzt antworten dürsen:Ja, ich bin die Braut des Herrn Doktor Erich!" Die Besinnung würbe dann Steinweg wohl sofort zurückkehren; Evas Bild in all seiner holden Lieblichkeit würbe vor seinen Blicken auf­tauchen, sein Herz würbe sich ihr wieder zuwenden und das häusliche Glück würde seine Seele vor dem Wahnsinn bewahren. Blitzähnlich zuckten solche Gedanken durch Leonorens Hirn, während Steinwegs Augen in banger Frage auf ihr ruhten. Aber nur die Wahrheit konnte Leonore in diesen furchtbaren Augenblicken sagen.

Ich bin noch frei, ich bin Doktor Erichs Braut noch nicht", stieß sie endlich hervor. .Einen solchen Schritt für das Leben kann man sich schon überlegen und kann sich fragen, ob man die Liebe eines ebetn Mannes . . . ."

Leonore stockte und hielt beide Hände vor die Augen, um das selbst im Gesichte zu verbergen, was sie nicht zu sagen wagte.

Da liebst Du wohl gar mich noch, Du schöne, falsche Schlange", zischelte Steinweg im Tone des Wahnsinnes. Nun ja, wenn es einmal so ist, so eile in meine Anne. Freilich hier und in der ganzen Welt ist kein ehrliches Plätzchen mehr für unsere Liebe, aber drüben, ties int Rheine, der heute so schön groß und tief ist, da winkt uns ein goldenes Zauberschloß, und dort hinein wollen wir fliehen. Komm, komm, Leonore!"

Steinweg wollte sie mit beiden Armen fassen, aber sie cmih'b ihm und eilte hinaus aus ihr Zimmer. Da erklang auch jetzt