lich geworden. Rußland hat aber keine Miene gemacht, seine eigentümliche Stellung in der Mandschurei völkerrechtlich zu klären, und sich mit Japan, dem nächsten Neben- buhler in Ostasien, friedlich über den Handelsaustausch und die Verkehrsverhältnisse in der Mandschurei zu verständigen. Rußland spielte sogar den Oberherrn Ostasiens und wollte den Japanern den Handel und Verkehr in der Mandschurei und wahrscheinlich auch später in Korea verbieten. Und diese große und anmaßende Haltung gedachte Rußland in Ostasten mit einem kleinen Heere und etwa 20 Kriegsschiffen auf die Dauer gegen Japan durchzusetzen. Diese bodenlose Anmaßung und Verblendung Rußlands mußte zu einem Kriege mit Japan führen, denn während die Russen die Macht Japans zu Wasser und zu Lande offenbar vollständig unterschätzten, hatten die Japaner durch ihre Agenten und Spione in der Mandschurei und Port Arthur längst erfahren, daß die russtschen Kriegsmittel dort verhältnismäßig schwach und klein waren und daß Rußland große Schwierigkeiten haben würde, seine Heer-und Flolten- k^öste dort wesentlich zu verstärken. Anmaßung und Schwäche bei Rußland unv Schlauheit, Mut und große Kriegsmittel bei den Japanern erzeugten also den Krieg, der für Rußland so verhängnisvoll geworden ist. Und meistens sind neben Freiheitskämpfen solche Verirrungen und Verblendungen die Kriegsursachen, und die neue Friedenskonferenz sollte deshalb in ihren ersten Paragraphen eine ganze An- zahl politischer und militärischer Vorsichtsmaßregeln für die beteiligten Mächte enthalten. Die Anwendung solcher Klugheitsregeln liegt aber immer nur in den Händen der leitenden Staatsmänner, Kriegsminister und Generäle. Versäumen diese ihre hohen Pflichten, oder stellen sie sogar anmaßende Forderungen neben ungenügenden militärischen Mitteln auf, so ist die Gefahr eines Kriegsausbruches immer vorhanden. Vom Standpunkte der politischen Moral bleibt es ja im hohen Maße schätzenswert, daß das Friedensbe- dürfnis der Großmächte in einer neuen Friedenskonferenz zum Ausdruck gebracht werden soll, aber wie jeder Eigentümer sein Haus am besten selbst vor Feuer schützt, so kann auch jeder Staat sich nur selbst am besten vor dem Kriege schützen.
Aus > und Ausland.
Berlin, 29. September 1905.
Der Kaiser beabsichtigt auch in diesem Jahre auf der Rückreise von Rominten dem in Königsberg i. Pr. garni- sonierenden Grenadier-Regiment Nr. 3, deffen Chef der Monarch ist, einen kurzen Besuch abzustatten. — Die bisherige Jagdbeute des Kaisers im Romintener Forstrevier besteht aus insgesamt acht Hirschen. — Zur Teilnahme an der diesjährigen Hofjagd in Blankenburg wird der Kaiser am 27. Oktober nachmittags im dortigen Jagdschlösse eintreffen.
Zum Stande der deutsch-französischen Unterhandlungen verbreitet die Agence Havas nachstehende Mitteilungen vom 27, d.: „Dr. Rosen und Revoil widmeten ihre heutige Zusammenkunft der Feststellung der Texte. Man nimmt an, daß die Unterzeichnung morgen wird erfolgen können. Bezüglich der Verzögerung der Unterzeichnung des marokkanischen Abkommens wird versichert, daß keine ernstliche Schwierigkeit entstanden und daß die Verständigung als erfolgt anzusehen sei. Die noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten beträfen Detailpunkte, ferner Fragen der Abfassung des Textes, besonders bezüglich der deutschen Anleihe, und würden, wie man absolut überzeugt sei, leicht behoben werden."
Der Konflikt in der Berliner E l e k t r i z i t ä t s - Industrie, dessen Beilegung nach den Zugeständnissen der beteiligten Firmen vor kurzem noch möglich erschien, wenn die streikenden Arbeiter sich zur Annahme der Zugeständnisse bereit erklärten, hat sich noch mehr zugespitzt. Die ausständigen Arbeiter haben die Zugeständnisse abgelehnt, worauf die beteiligten Firmen erklärt haben, sie sähen sich in Folge dessen genötigt, demnächst 6 Fabriken zu schließen. Durch Ausführung dieses Beschlusses werden etwa 33 000 Arbeiter brotlos werden.
Bedeutende S t r a ß e n u o r u h e n find von den BudapesterSozialdemokraten inszeniert worden.
Am Dienstag abend veranstalteten etwa 1000 Sozialisten eine lärmende Kundgebung vor dem Unabhängigkeitsklub. Da sich die Nachricht verbreitete, die Sozialisten wollten in den Klub eindringen und die Abgeordneten insultieren sammelten sich etwa 150 Bürger vor dem Eingangstor. Er entspann sich ein Handgemenge, bei dem über 20 Personen durch Messerstiche verletzt wurden. Die Polizei zerstreute die Menge, die hierbei noch zahlreiche Schaufenster einschlug. Die Rettungsgesellschaft leistete mit sechs Aerzten den Verwundeten die erste Hilfe. — Wie später festgestellt wurde, sind 40 Personen verletzt worden, darunter acht schwer. Unter den Verwundeten befinden sich einige Sozialisten, die übrigen find Bürger und Hörer der Universität. Um 10 Uhr war die Ruhe vollkommen wieder hergestellt.
Die Engländer sollen nun auch die Annehmlichkeiten eines Eingeborenenaufstandes in Afrika zu kosten bekommen. Die Bafutos, deren einflußreicher Häuptling Lerothodi kürzlich gestorben ist, beginnen sich zu regen, und da die Wahl eines neuen Stammesführers noch nicht erledigt ist, auch fanatische Elemente den Haß gegen die Weißen eifrig schüren, kann diese Bewegung leicht einen großen Umfang annehmen. Ueber ihre Entstehung und bisherige Ausbreitung wird wie folgt berichtet: London, 28. September. Daily Mail meldet aus Kapstadt unter dem heutigen Datum: Die hier verbreitet gewesenen unrichtigen Nachrichten über eine Niederlage der Deutschen hat unter den Basutos große Unruhe verursacht. Alle jungen Anführer und Häuptlinge predigen eine Art heiligen Krieg, nicht so sehr gegen die Engländer, als vielmehr gegen die Buren. Der britische Resident in Maseru hat an den Oberkommissar eine dringende Botschaft gesandt, in der Einzelheiten über den unruhigen Zustand der Landes enthalten sind, und in der die Behörden ersucht werden, die Ansiedler an der Grenze von Basutoland zu bewaffnen. Eine fliegende Kolonne ist von Pretoria nach der Basutolandgrenze ausgebrochen. Weitere Truppensendungen sind verlangt worden.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Pfarrer Rüger zu Halsdorf zum ersten lutherischen Pfarrer in Geniünden, Klasse Rauschenberg. Bestellt: der Pfarrer ‘"m Hufschmidt aus Melsungen zum Gehilfen des Pfarrers Rabe in Gottsbüren. Beauftragt: der Regie- rungssekretär Gerke mit Wahrnehmung der Geschäfte des
Landrentmeisters. Versetzt: der Rendant der Regie- rungshauptkasse, Landrentmetster Cichos und der Regie- rungshauptkassenbuchhalter Kraft an die Königliche Regierung zu Allenstein, der Oberförster Bonfe in Germerode, Oberförsterei Meißner, auf die Oberförsterstelle in Rüdesheim, der Steuersekretär Bayer von Hofgeismar an die Einkommensteuer» VeranlagungS-Kommission des Stadtkreises Cassel. Ueber tragen: die Oberförsterstelle Meißner in Germerode dem Oberförster von Eschwege in Neu- Böddeken.
* Ein besseres Papier für Telegrammformulare wird die Reichspostverwaltung vom Oktober ab verwenden, und zwar gelbes und glattes Papier. Das alte Papier war zu rauh und zu löschpapierartig, so daß die Schriftzüge beim Schreiben sehr oft zusammenliefen und dadurch Telegrammverstümmelungen vorkamen. Außerdem sind die Postanstalten angewiesen worden, mehr Sorgfalt auf die Schreibpulte und Schreibgelegenheiten als bisher zu verwenden. Das Löschpapier der Schreibpulte soll stets ergänzt werden, sobald es unbrauchbar geworden ist, ebenso sollen stets frische Tinte und gute Federn vorhanden sein.
* Die Postkartenblocks, deren Einführung wir vor längerer Zeit angekündigt haben, gelangen jetzt zur Ausgabe. Sie enthalten je zehn einfache Postkarten zu 2 Pfg. oder zu 5 Pfg. und werden zum Nennwert verkauft. Zufammengehalten werden die Blocks dadurch, daß die Schnittfläche an den beiden Schmalseiten geleimt wird. Die Karten behalten so insbesondere in der Tasche, eine größere Festigkeit.
* Um den V o r b e r e i t u n g s d i e n st für die mittleren Stellen im Justizfach in größere Uebereinstimmung mit dem Vorbereitungsdienst für die mittleren Stellen im Finanzsach zu bringen, sind vom Justizministerium Blätter- meldunge» zufolge neuerdings die Bestimmungen über den Vorbereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber in verschiedenen Punkten modifiziert worden. Wer Gerichtsschreiber bei einem Amtsgericht oder Hülfrgerichtsschreiber bei einem Gericht oder Gehülfe der Staatsanwaltschaft werden will, muß wenigstens drei Jahre mit Erfolg im Vorbereitungsdienst beschäftigt gewesen sein und hiernach eine Prüfung bestanden haben. Zum Vorbereitungsdienst darf nur zugelassen werden, wer das Abgangszeugnis einer Realschule mit siebenjährigem Kurs besitzt oder den Nachweis der Reife für die Unterprima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule beibringt, gute Sittenzeugnisse besitzt, das 18. Lebensjahr vollendet hat und die Reichsangehörigkeit nachweist.
A Hersfeld, 28. September. Gestern fand in der hiesigen Stadtkirche die ordentliche Synode des Superintendenturbezirkes Hersfeld-Rots n b u r g statt, die sämtliche Pfarrer der Klassen Hersfeld, Rotenburg und Sontrs versammelte. In Gegenwart des Herrn Geheimen Ober-Consistorialrats Generalsuperinten- denten O. Lohr in Cassel wurde unter dem Vorsitz des Herrn Superintendenten Schafft über die vom königlichen Consistorium gegebenen Beratungsgegenstände verhandelt. Herr Pfarrer Martin-Heringen eröffnete die Aussprache über die Frage: Was kann seitens der kirchlichen Organe zur Bekämpfung der Alkoholgefahr in den Gemeinden geschehen? mit einer eingehenden Schilderung der Alkoholgesahr aus Grund ärztlicher Feststellungen und der Statistik der Zuchthäuser, Gefängnisse, Arbeitshäuser, Armen- Verwaltungen, Irrenhäuser und Krankenkassen, der er die Statistik des Alkoholverbrauchs gegenüberstellte. Die Ausgaben für alkoholistische Getränke betragen in Deutschland zur Zeit jährlich rund drei Millionen Mark, ungerechnet die durch den Alkohol verursachte Mehrausgabe für Straf- rechtspflege und Armenfürsorge rc. aufgewandten Summen. Zur Bekämpfung dieser Gefahr in den Gemeinden seitens der Pfarrer und Kirchenältesten müsse das Beispiel ein- wandsfreister Nüchternheit die Hauptsache bleiben. Kon- sirmandenunterricht und Predigt müßten mehr Rücksicht auf die durch das übermäßige Trinken hervorgerufenen Jammer nehmen. Volksbildungsbestrebungen, Pflege der Volksunterhaltung und Jugendfürsorge müßten seitens der kirchlichen Organe alle Förderung erfahren. Es sei Pflicht derselben den Vereinen beizutreten, die Aufkärung und Kampf gegen den Alkoholmißbrauch ins Volk tragen wollen, besonders dem Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und auch den Erfolgen des Blauen Kreuzes und des Guttemplerordens Beachtung zu schenken. In der Debatte sprachen die Herren Generalsuperintendent D. L ohr, Pfarrer S ch r a d e r-Hersfeld, Pfarrer Heppe Ulfen, Bürgermeister Hess e-Sontra, Bürgermeister G e b a u e r - Heringen u. A. Es wurde beschlossen, das Kgl. Konsistorium zu bitten, dahin zu wirken, daß bei Neukonzessionierung von Schankstätten die Bedürfnissrage genau geprüft werde, und dem Presbyterium den Beitritt zum Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu empfehlen. Den weiteren Vortrag hielt Herr Metropolitan Marti n-Sontra über die Frage der Heranziehung der Frauenwelt zu christlicher Liebestätigkeit. Er betonte, daß viel Liebe in unbeobachteter Stille sich betätigs und daß die Verborgenheit stets die bewiesene Stätte der Liebe ist. In größeren Verhältnissen ist eine Organisation nötig. Am rechten Platze könne eine derartige Vereinigung stets der Mithilfe unserer Frauenwelt sicher sein. In der Debatte sprachen die Herren Pfarrer Feyerabend, Generalsuperintendent O. Lohr, Superintendent S ch a f f t u. A. Es wurde auf den Mangel an Diakonissen hingewiesen, während Kleinkinderschullehrerinnen nicht fehlten. Die Kleinkinderschule müsse mehr gefördert werden; da sie aus dem Lande der Verhütung der Feuersgefahr in hohem Maße diene, müsse man wie in der Provinz Sachsen auch unsere Landes, brandkaffe um Beihülfen angehen. Eine entsprechende Petition an den hessischen Kommunallandtag wurde angenommen. Ueber den Stand der äußeren Mission berichtete Herr Pfarrer Scheu k-2chenklengsfeld, über den der inneren Mission Herr Pfarrer Feyerabend-Hersfeld. — Bei den Wahlen zur Gesamtsynode wurden die früheren Mitglieder wieder- und Herr Pfarrer S ch r a d e r-Hersfeld neugewählt.
):( Hersfeld, 28. September. Nächsten Montag nachmittag 4 Uhr Sitzung der Stadtverordneten, Versammlung im Nathaussaal. — Tagesordnung: Ankauf und Verkauf von Grundeigentum. — Kostenbewilligungen. — Wahl von Beisitzern und Stellvertretern für die bevorstehenden Stadtverordneten-Ergänz- ungswahlen. — Fluchtlinien. — Sparkassen-Rechnung. — Verschiedenes.
):( Hersfeld, 28. Septbr. Mit der Schwank-Novität „Der Kilometersresser" wird am Sonntag abend Herr Direktor Herrmann seine hiesige T h e a t e r s a i s - n eröffnen. Ueber das Stück wurde bei einer Ausführung in
Siegen u. a. folgendes geschrieben: Die Idee, das Automobil und die Schwiegermutter von ganz eigenem neuen Genre auf die Bühne zu bringen, ist garnicht so Übel. Ein Stück von so urkomischen Verwickelungen, so wild, so ausgelassen, von stellenweise so zündenden Witzen dürfte seit langer Zeit nicht über die Bühne gegangen sein. Das Theater war außerordentlich gut besetzt, das Publikum spendete geradezu frenetischen Beifall. Den Darstellern schien ebenso wohl zu sein wie dem Publikum, wenn man einigen Aeußerungen der Damen, die man gelegentlich vernahm, Glauben schenken darf. Die Darsteller wetteiferten um den Sieg über die Lachmuskeln der Zuhörer. Es ist eine schöne Sache um das herzhaft lachen können. Mancher, der es bis jetzt nicht hat lernen können, lernt es vielleicht beim „Kilometerfresser", dessen Wiederholung ein ebenso volles Haus bringen dürfte. — Hoffentlich wird das Stück auch hier seine bewährte Anziehungskraft ausüben und ein vollbesetztes Haus erzielen. Allen Freunden eines fröhlichen Humors kann der Besuch der Vorstellung nur empfohlen werden.
Hersfeld, 29. September. Für unsere Herren Jäger und wohl auch für weitere Kreise dürfte es von Interesse sein, schreibt das „Caff. Tagebl.", einmal zu erfahren, welche reiche Ausbeute an Wild die Staatsforsten des Regierungsbezirks Cassel aufweisen. Die Zusammenstellung bezieht sich auf das Jahr 1903. Danach sind in den 88 Oberförstereien des Bezirks 171 Hirsche, 226 Mutterwild, 1253 Böcke, 685 Ricken, 311 Schwarzwild, 63 Auerwild, 3 Birkwild und 2 Fasanen zur Strecke gebracht worden. Die Gesammtfläche der Staatsforsten beträgt rund 207 000 ha. Das meiste Rotwild ward in den Kreisen Schlüchtern, Oberförsterei Salmünster 20 Stück, und Gelnhausen, Oberförsterei Burgjoß und Dorf Kassel 36 Stück, ferner in der Oberförsterei Oberkaufungen 55 Stück, Gahrenberg 33 Stück, Veckerhagen 33 Stück, Hornhausen 55 Stück erlegt. Auch in den Kreisen Frankenberg, Melsungen und Witzenhausen begegnet man noch Rotwild, das sonst fast ganz verschwunden ist. In der Oberförsterei Ehlen sind 3 Hirsche und 3 Stück Mutterwild, in der Oberförsterei Kirchditmold 1 Hirsch und 2 Stück Mutterwild erlegt. Dem meisten Rehwild begegnen wir in der Oberförsterei Neuenstein, Kreis Hersfeld, wo 30 Böcke und 24 Ricken erlegt sind, wie denn überhaupt die großen Staatsforsten bei Hers seid, Burghaun, Niederaula einen noch großen Wildreichtum aufweisen. Dem Auerwild begegnen wir im Süden unseres Bezirks, namentlich Burgjoß mit 6, bann in den Kreisen Fulda, Gersfeld, Hünseld, H e r s - selb, Rotenburg und Ziegenhain. Auch sind in Eiterhagen und Wellerode je zwei Stück Auerwild geschossen. Die Domäne für das Schwarzwild bietet der Reinhardswald und Kellerwald. Leider stehen über das im Privatbesitz befindliche Forstrevier keine Zahlen zur Verfügung, die obigen Notizen beweisen aber, wie sehr das herrliche Waibwerk in unserem Regierungsbezirk dank der unermeßlichen Wälder in Blüte steht. Die Staatseinnahmen aus der Jagd haben im Bezirk rund 43 300 Mark betragen.
(§) Mengshausen, 28. September. Wohl selten vergeht ein Herbst, in dem nicht traurige Unfälle bei der Dreschmaschine vorkommen. Auch der hiesige Ort wurde gestern durch die Kunde von einem Unglücksfall in Aufregung versetzt. Während die Maschine des Herrn Both zu Kerspenhausen auf dem Hofe des Nikolaus Jckler arbeitete, geriet der Ackermann Magnus Hofmann, der das Einlegen to> Frucht beschleunigen wollte, mit dem linken Unterarm in die Maschine, wobei der Arm vollständig zermalmt wurde. Hofmann wurde sogleich, nachdem ihn der Arzt von Niederaula verbunden hatte, in das Landkrankenhaus zu Hersfeld gebracht, woselbst sofortige Amputation des Armes vorgenommen wurde.
£: Schenklengsfeld, 28. Septbr. Die vor einigen Tagen durch die Zeitungen gegangene Notiz, daß der Schacht der im hiesigen Amtsgerichtsbezirke belegenen Gewerkschaft Hattorf zu Philippsthal a, b. W. „zu Bruche gegangen sei", ist, wenn auch nicht gänzlich erfunden, so doch derartig stark aufgebauscht und entstellt, daß deren Richtigkeitsstellung am Platze sein dürfte. Das einzige Wahre an dem Tatbestände ist nur, daß ca. zwei Meter obere Erdschichten, welche wahrscheinlich infolge des ausgepumpten Wassers ausgeweicht waren, in den Schacht stürzten. Weder kann von einer hierdurch bedingten Lebensgefahr der Mannschaften noch eines jeden Materialschadens die Rede sein, zudem auch die zur Zeit bestandene 1 Meter hohe Ausmauerung des Schachtes völlig intakt blieb. In einem ganzen Tage war der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Gegenwärtig werden die ersten Maschinen und Pumpen montiert und schreiten die Ab- teufungsarbeiten unter der tüchtigen Leitung des in Berg- baukr.isen rühmlichst bekannten Herrn Bergwerksdirektor Koch rüstig voran. Verschiedene Zechengebäude sind bereits neu erstanden, einige gehen ihrer baldigen Vollendung entgegen und ist es zu verwundern, in welch verhältnismäßig kurzer Zeit die Arbeiten auf dem Zechenplatze gefördert worden sind. Die Lage des Bergwerks ist eine ausgezeichnete, direkt an der Landstraße und der Eisenbahn, wie solche wohl kein anderes Kalibergwerk der Thüringer Gruppe aufweisen dürfte.
Gaffel# 27. September. (Getreide-, Futter- und Düngermarkt.) Besuch gut. Angebot zurückhaltend. Tendenz fest. Wir notieren: Weizen von 16.70 bis 17.00 Mk., Roggen von 15.30 bis 15.60 Mk., Hafer von 14.50 bis 16.60 Mk., Gerste von 14.00 bis 15 00 Mk. Alles per 100 Kilo ab oder Parität Cassel bei Ladungen von 10 000 Kilo.
Fulda, 27. September. In der fahnengeschmückten Bonifatiusstadt nahm heute Abend die Zentenarfeier des hiesigen Gymnasiums, des Enkelkindes der altehrwürdigen, hochberühmten Klosterschule, mit einer Begrüßung der Gäste im Bürgerverein ihren Anfang. Zur Teilnahme an der Jubelfeier sind bereit« ehemalige Schüler der Anstalt aus nah und fern und in allen Lebensstellungen zahlreich eingetroffen. Unter den Festgästen befinden sich u. A.: Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident von Windheim.
Homberg, 28. September. Auf einem Standesamt unseres Kreises ereignete sich neulich folgender eigentümliche Vorfall. Ein Händler, der die Geburt eines Knaben angemeldet hatte, erschien einige Tage später abermals mit der Meldung, er habe sich geirrt, es sei nicht ein Knabe sondern, ein Mädchen geboren. Ein Antrag auf Genehmigung der Richtigstellung mußte nun erst an die Kgl. Regierung gehen. (C. T)
Ermschwerd» 23. September. Unter eigentümlichen Krankheitserscheinungen, die vom Naschen giftiger Beeren- sotten herrühren sollen, verstarb gestern hier das beim Kartoffelausmachen auf dem Felde alleingelassene 6 Jahr alle Töchterchen des Schreiners Hartmann hierselbst. Da»