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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Sernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nv. 114. Donnerstag, den 28. September 1905.

zuumnit-Eilüni

auf das ßcrsfelder Kreisblatt.

Das Hersfelder Areisblatt bringt außer den amtlichen Bekanntmachungen des Königlichen Landratsamtes dahier sowie zahlreicher anderer Behörden zuverlässige Mitteilungen über Ereignisse in der

Politik, Berichte aus dem Kreise, der Provinz und den nachbargebieten.

Reichhaltige Nachrichten vermischten Inhalts bringen alle sonstigen mitteilenswerten Ereignisse zur Kenntnis der Leser. Ferner bilden sorgfältig ausgewählte spannende Romane,

Erzählungen etc., die in jeder Nummer in Fortsetzungen erscheinen, einen weiteren Teil des Lesestoffs.

Die wichtigsten Ereignisse gehen uns durch Telegramme

zu und breitet.

Die

werden nötigenfalls durch Extrablätter ver-

Abonnenten erhalten unentgeltlich jede Woche ein Illustriertes Sonntagsblatt

und alle M Tage eine von besten Fachmännern bediente Illustrierte landwirtschaftliche Beilage.

Im Laufe des ZHonat Oktober erhalten die Abonnenten einen Auszug aus dem

Eisenbahnfahrplan, sowie bei Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender und märkteeerzeichnis.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen gratis und franko geliefert.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Das Glück Novelle von F. S u t a u.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Herr und Frau von Steinweg hatten sich nach einige» Wochen wieder in ihrer Häuslichkeit eiugelebt und das frühere gewohnte Leben in der Villa schien, seit auch die Frau Kommer- zieurätin zurückgekehrt war, seinen gleichmäßigen Fortgang zu nehmen. Es schien so, aber im Grunde war doch manches anders wie vor der Reise.

Evas Helles Lachen klang doch oft nicht mehr so herz­erfrischend wie früher, und bisweilen flog es wie dunkle Schatten über ihre lichten Züge. Der Gedanke, der ihr schon so manche Stunde auf der Reise verbittert, daß sie ihrem Mann in geistiger Hinsicht nicht genüge, verfolgte sie auch jetzt noch und raubte ihr ihren Frohsinn, ihre sorglose Heiterkeit.

Ihr ganzes Wesen bekam etwas Aengstliches, Unsicheres, denn die junge Frau wollte mit Gewalt ihr Wesen ändern, wollte geistreich und gelehrt werden, und sie eifernd dann, Wenn ihr doch, trotz aller Vorsicht, hin und wieder eine ihrer naiven Aeußerungen entschlüpfte, und zerbrach sich dann oft das Köpfchen, irgend ein geistreiches Wort zu finden. Es ßdang ihr aber nur selten und klang dann in der Regel von ihren rosigen Lippen oft eher komisch wie geistreich. Und als ihr Gatte einmal nach einem solchen wohl ersonnene« klugen Worte ihrerseits die unvorsichtige Aeußerung tat: Sie habe sich wohl die ätherische Frau Professor ginn Vorbild genommen, Würbe Frau Eva dunkelrot, als hätte man sie aus ein Unrecht ertappt und gab ihre fruchtlosen Bemühungen auf. Ihre reizende Ursprüuglichkeit aber ging ihr nach und nach verloren, und damit fast ihre schönste Eigenschaft.

Steinweg schien von allen diesen Sorgen nnd Kmnmer- "issen seiner kleinen Frau nichts zu bemerken. Er tändelte und icherzte mit ihr, wie man es eben mit einem reizenden Kinde tut, und wie er eS von jeher nicht anders gewohnt war.

Geistig anregende Unterhaltung suchte er im Gespräche mit

Amtlicher teil.

Wie bereits in den Jahren 1887 und 1888 durch da» Amtsblatt bekannt gegeben worden ist, gibt der deutsche Samariterverein, um die Kenntnis der zur Wiederbelebung Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, Blechtaseln, aus denen eine durch Zeichnungen erläuterte Anweisung zur Wiederbelebung anscheinend Er­trunkener abgedruckt ist, an alle Eigentümer und Führer preußischer See-, Fluß- und Binnenschiffe, die in der Empfangsbescheinigung stch zur Anheftung der Tafeln auf ihren Schiffen verpflichten, unentgeltlich ab. Vom 1. Januar d. Js. ab, werden diese Tafeln kostenlos nur noch an Königliche Behörden unter der Voraussetzung, daß in den Bestellungen die unbedingt notwendige Anzahl angegeben wird, und zugleich die Ortschaften oder Stellen namhaft gemacht werden, für die fle in Aussicht genommen sind, abgegeben; an Private dagegen erfolgt die Abgabe nur noch gegen Erstattung des Selbstkostenpreises.

Die Tafeln werden im nächsten Jahre in besserer Aus« Haltung hergestellt und durch eine Anweisung zur Errettung Ertrinkender ergänzt werden.

Anträge auf unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisse« zu beschränken haben, sind an die Königlichen Polizeidirektoren und Landräte des Bezirk« zu richten. (A. II. 7633.) Gaffel am 6. September 1905.

Der Regierungspräsident. J. B.: M e j e r.

Wird veröffentlicht. Hersseld, den 22. September 1905.

I. 6643. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h m ö r.

Hersfeld, den 23. September 1905.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, die mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. Februar 1880, J. I. Nr. 2182 KreiSblatt Nr. 18 betreffend Einzahlung des Loosholz gelbes noch im Rückstand« sind, werden an die sofortige Einsendung des frgl. Berichtes erinnert.

Der Königliche Landrat.

I. V.: .

T h a m e r

Berlin W. 64, den 28. August 1905.

Zur ordnungsmäßigen Durchführung der auf den 1. Dezember 1905 angesetzten allgemeinen Volkszählung ist eine möglichst rege Beteiligung der Beamten als freiwillige 3W« ---««>. 3t beauftrage d-h-, A^MA

^^^^ auf (alte S.ttfMuugt »»8- lichkeit hinzuwirken.

Leonore und diese sprach unbefangen mit Herrn von Steinweg über ernste Dinge. Sie sah durchaus keine Gefahr mehr darin, seit jenem Abend, wo sie das Ehepaar in so seliger Um­armung belauscht und gesehen hatte, daß dessen Eheglück auf festem Grunde ruhte. Auch Steinweg schien das Gefährliche solch einem Verkehrs mit einem so schönen und einst geliebten Mädchens nicht zn beachten.

Sie glichen beide sorglosen Wanderern, die auf schwindelnder Höhe seltene Blumen suchen, ohne die dunkeln gähnenden Ab­gründe zu bemerken, in welche ein einziger Fehltritt sie hinab­schleudern kann. Das Leben in der Villa begann so nach und nach einen geistigen Aufschwung zu nehmen.

Die fröhlichen, geselligen, ungezwungenen Zusammenkünfte, die Eva so sehr liebte, hörten, seit Steinweg sie für geisttötend erklärt hatte, allmählich auf. Statt dessen tarn man an den jetzt länger werdenden Abenden häufig mit Erichs und noch einigen schön geistigen Personen aus der Stadt zusammen, um sich die bedeutendsten Erzeugnisse der neuen Literatur vorzu- lescu, klassische Musik zu treibe», oder anregende Gespräche zu führen. Eva fand nun ihrerseits dies alles bodenlos lang­weilig, wagte aber keine Einwendungen. Mit stummer Er­gebung lehnte sie an solchen Abenden in einem der weichen Fantcuils und bekämpfte mühsam die steten Anwandlungen zum Gähnen.

Ihre Mutter, die Frau Koinmerzienrat, fand sich schon mit mehr Würde in diese ungewohnten Zustände. Um alles in der Welt hätte sie sich nicht ein solches Armutszeugnis ihrcin Schwiegersohn gegenüber gegeben und cingestanden, daß sie einer oberflächlicheren Unterhaltung den Vorzug gäbe. Sie erheuchelte das lebhafteste Interesse für SteinwegS Be­strebungen, wußte auch, viel geschickter wie ihre Tochter, sich klug und gewandt an den geistreichen Gesprächen zu beteiligen, sodaß dieser ordentliche» Respekt vor seiner klugen Schwieger­mutter bekam.

Die übrigen Personen dieser Zusauunenkünstc bestanden, außer den Geschwistern Erich, noch aus einem verwitweten Justizrat mit seinen drei etwas verblühten Töchtern, die, da ihnen äußere Schönheit versagt war, durchaus auf geistigem Gebiet Triumphe feiern wollten. Sie hieben alle schöne Künste

Wie bei den früheren Volkszählungen die Lehrer da« Ehrenamt eines Zähler» freiwillig übernommen haben, so zweifle ich nicht, daß sie auch dieses Mal an der Lösung der Aufgabe im allgemeinen Interesse freiwillig mithelfen werden. Um die» zu ermöglichen, bestimme ich, daß an den Volks- und Mittelschulen der Unterricht der Regel nach ausfällt, mit Ausnahmen solcher Schulen oder Klaffen, deren Lehrer on der Zählung nicht beteiligt sind.

Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten.

In Vertretung, gez. W e v e r.

An die Königlichen Provinzial-Schulkollegien und die König­lichen Regierungen. A. Nr. 1187 UHU III C.

Gaffel, den 15. September 1905.

Abschrift zur Kenntnisnahme. Wir ersuchen, dement­sprechend das Erforderliche zu veranlaffen.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen.

F l i e d n e r.

An sämtliche Herren Landräte und Kreisschulinspektoren des Bezirks. B 13263.

* *

Hersfeld, den 26. September 1905.

Vorstehend abgedruckter Ministerialerlaß wird den Herren Ortsfchulinspektoren de» Kreises zur entsprechenden Be­scheidung der Herren Lehrer zur Kenntnis gebracht.

I. I. Nr. 6695. Der com. Landrat

von Gruneliu»,

Regierungsaffeffor.

Gefundene Gegenstände:

Auf der Straße zwischen Friedlos und Mecklar ein Sack Weizen. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand zu Reilo«.

Eine wollene Pferdedecke. Meldung des Eigentümer» bei dem Ortsvorstand zu Asbach.

nichtamtlicher teil.

Der W in^MMch-Wka.

Wie au» Kapstadt gemeldet wird, teilte General v. T r o t h a dem dortigen deutschen Konsulate mit, daß das in Kapstadt verbreitete Gerücht von einem der Schutz­truppe zugestobenen Unglücksfall falsch ist. Es sei dadurch entstanden, daß einige Viehdiebstähle, bei denen man da» geraubte Vieh meistens den Dieben wieder abgenommen hätte, in der Nähe von Keetmanshoop vorgekommen seien. Von amtlicher Stelle wird hierzu folgende Meldung aus­gegeben:

Die auf telegraphische Anfrage vom Generalleutnant

und wußten sich stets in solchen Kreisen eiuzusührcn, wo man denselben huldigte. Wie weit dieses Treiben wirklicher Be­geisterung oder nur der Gefallsucht zuzuschreiben war, gab sich niemand große Mühe zu ergründen, da sie, trotz aller dieser Anstrengungen, zieinlich uninteressante Persönlichkeiten blieben. Sie wußten über alles und jedes zu sprechen, hielten so die Unterhaltung überall stets im Fluß und waren darum größten­teils gern gesehene Gäste.

Die Frau Erich und ihre Tochter Emmy waren weniger gesprächig, verstanden aber dafür, liebenswürdig zuzuhören, was bekanntlich eine sehr schätzenswerte Eigenschaft ist Die geistig anregenden Eleniente dieses kleinen Kreises aber waren doch ausschließlich Steinweg, Doktor Erich und Leonore Warben. Diesen drei Personen erschlossen sich in solchen Stunden eine Fülle hoher geistiger Genüsse.

Wenn so' eine Sinfonie Beethovens durch das Zimmer brauste, oder die Worte eines Geistesherven die Zuhörer fesselte, baun fand diese Melodie oder das hohe Dichterwort einen tiefen Wicderhall in ihrem Innern und fast unbewußt trafen sich dann oft ihre begeisterten Blicke.

Die drei Menschen verstanden sich! Die Saiten, die da in ihrem Innern angeschlagen wurden, klangen in solchen Augenblicken harmonisch zusammen. Leonore lebte wie in einem wundersamen Traum. Dieser Verkehr, dieser geistige Gedankenaustausch mit geistig bedeutenden Menschen, dieses Aufgehn in Genüssen an denen die meisten andern kaum ein Anteil hatten, besaß etwas Berauschendes für sie, und dabei dünkte ihr daS alles so unschuldig, so gefahrlos.

Das holde Weib, daS sich so graziös in dem weichen Lehn- stuhl dort schmiegte, mit den süßen, blauen Kinderaugen, der blonden Lockenfülle, hielt Steinweg ja doch mit tausend Banden gefesselt und waS ihn zu ihr hinzog, war jetzt wohl fern von allem leidenschaftlichen Empfinden, cS war einfach nur daS Suchen nach geistigem Verkehr, den er bei seiner kleinen Frau nicht fand.

Ebenso wenig dachte Leonore daran, daß ihr Verkehr mit dem jungen Gelehrten irgend eine Gefahr des Herzens in sich schließen könne. Wäre sie weniger unbefangen ihm gegenüber gewesen, hätte ihr die Wandlung, die sich mit Doktor Erich