rissen wurde; außerdem trug er eine schwere Verletzung am Kopse davon. Als man ihn fand, lag er auf dem Boden und der Arm hing an der Welle. An seinem Aufkommen wirb gezweifelt.
Rotenburg, 19. September. Einen nicht geringen Schrecken erhielt dieser Tage eine hiesige Arbeiterfamilie, von der ein Angehöriger sich in der Irrenanstalt zu Haina befindet und plötzlich hier eintraf. Der Unglückliche war auf bis jetzt unaufgeklärte Weise in Haina entwichen und zu Fuß bis Homberg marschiert und von da bis hierher mit der Eisenbahn gefahren. Seine Festnahme gestaltete sich hier sehr schwierig, da der Aufgeregte auf das freie Feld flüchtete und seine Verfolger mit Knüppeln und Steinen bedrohte. Schließlich gelang es doch, den Irren festzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Geführt von zwei Leuten, durchschritt er unter fürchterlichem Schreien die Stadt bis zum Gefängnis, wo er sich so wild gebärdete, daß ihm eine Zwangsjacke angelegt werden mußte. Er wurde wieder nach Haina zurücktransporttert. (C. T)
Wehrda (Kreis Hünfeld), 20. September. Beim Aus- graben eines Gartengrundstückes in Rothenkirchen, am Fußweg nach Wehrda zu, fand man gestern das Gerippe eines Menschen. Schädeldecke und Kinnlade, in welch letzterer sich noch ein Zahn befindet, sind noch sehr gut erhalten. Wirbel und Beckenknochen sind schon stark zersetzt. Daneben lag ein Sporen. Da man in der Nähe dieser Stelle schon früher einmal Totengerippe fand, scheint die Annahme berechtigt, daß sich hier ein Massengrab aus früheren Jahrhunderten befindet. Näheres wird nun die eingeleitete Untersuchung ergeben. (E. T.)
Malsfeld, 20. September. Unter dem Viehbestand des Rittergutes von Heidenreich dahier ist Milzbrand ausgebrochen. Ein taubstummer Knecht, welcher schon seit langen Jahren auf dem Gute in Stellung war, nahm die Sektion einer an der genannten Krankheit verendeten Kuh vor und zog stch eine Infektion zu, an deren Folgen er noch an demselben Tage unter TobsuchtSanfällen verschied.
Eisfeld, 21. Sept. Die Oberpostdirektion Erfurt wird in diesem Winter Versuche machen, die Landsahrposten, die größere Strecken zu fahren haben, mit Wärmeeinrichtungen zu versehen.
Frankfurt a. M-, 20. September. Großes Aussehen in weiten Kreisen erregt das spurlos« Verschwinden des Oberlehrers an der hiesigen Adlerflychtschule, Dr. Adolf Collischonn. Er hat sich am 8. September, dem Tage der Kaiserparade bei Homburg, früh 6 Uhr nach dem Hauptbahnhofe begeben, wie man annimmt, um den schulfreien Tag zu einem Ausflug in den Taunus zu benützen, und seitdem hat man nichts mehr von ihm gesehen oder gehört. Dr. Collischann ist 45 Jahre alt, von mittlerer Größe, trug einen dunklen Sackcock mit Rucksack und Regenschirm und hatte einen Revolver und Jagdmesser bei sich. Die Familie, die sich sein Verschwinden nicht erklären kann, hat eine Belohnung von 300 Mk. auf seine Auffindung ausgesetzt. Der ganze Taunus ist bereits nach ihm abgefucht worden, aber alle Nachforschungen blieben erfolglos. Man vermutet, daß er das Opfer eines Verbrechens geworden ist.
Frankfurt a. M., 20. September. (,U m stille Teilnahmewirdgebeten.) Verschiedene Zeitungen an der Bergstraße und in der Umgebung berichteten dieser Tage, daß der Bäckermeister Bormet in Jungenheim in seinem Weinberge tot aufgesunden worden sei und daß man den so früh entschlafenen braven Mann aufrichtig bedauere. Herr Bormet erfleht gestern in einer Zeitung, daß er sich des besten Wohlseins erfreue und für die große Teilnahme, die man seiner Familie entgegenbrachte, bestens danke.
Mainz, 20. September. (E i n Mittel gegen den Schlaf.) Das „Mainz. Tgbl." erzählt folgendes Geschichtchen: Gestern sah ein etwas angetrunkener Arbeiter nachdenklich einem Gassenkehrer zu. „Du", rief auf einmal dieser, „Du brauchst Dich mit deiner Arbeit nit so arig zu dummeln." „Deß tu ich aach nit", erwiderte der Gassenkehrer, „ich arweit doch nor, domit ich nit einschlos". Auch eine Ansicht!
Mainz, 21. September. Heute mittag wurde in der Rheinallee tec Dragoner Röhlen vom 6. Dragonerregiment von seinem scheu gewordenen Pferde abgeworfen und brach das Genick.
Höxter a. W., 20. September. Beim Aufstapeln von Stroh aus einen Strohschober neben der Scheune des St. Petristiftes verunglückte der Arbeiter Friedrich Steinhagen, indem er zu weit an den Rand getreten war und nun mit mehreren Bunden Slroh in die Tiefe stürzte. Nach kurzer Zeit war S. infolge Genickbruches eine Leiche.
Vermischtes.
— (Cholera.) Vom 19. bis 20. b. Mittag« sind in Preußen 6 choleraverdächtige Erkrankungen und 1 Todes
fall an Cholera amtlich gemeldet worden, davon 3 im Kreise Wirsitz (ein Arbeiter und dessen Söhne), je eine in den Kreisen Mogilno (Arbeiterfrau), Filehne (Hofbesitzer), Landkreis Breslau (Dammarbeiter an der Oder). Von den früher gemeldeten choleraverdächtigen Erkrankungen ist eine in Stettin, die einen Arbeiter in einer Wurstfabrik betraf, nicht als Cholera festgestellt worden. Die Gesamtzahl der Cholerasälle beträgt bis jetzt 213 Erkrankungen, von denen 75 tödlich endigten.
— EineKirchhossschändung wurde in Chorzow bei Königshütte von ruchloser Hand verübt. Etwa 30 der schönsten Grabdenkmäler sind vollständig demoliert, viele einfachere Kreuze Hingerissen worden. Der Friedhof bietet jetzt ein Bild grauenhafter Verwüstung. Von den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur.
— Großes Aussehen erregt in H a m b u r g das Verschwinden des 29jährigen Kommissionärs Julius Elkan, der eine dortige Firma um Goldwaren und Brillanten im Werte von 400 000 M. beschwindelte.
— Vorgestern erschoß in Klettbach bei Erfurt der jungverheiratete Schwiegersohn des Schmiedemeisters Merten seine Frau. Hieraus beging der Mörder Selbstmord durch Erschießen. Der Grund der Tat sollen Familienzwiste sein.
— Bei dem auf dem Lande unausrottbaren Hochzeit«« schießen wurde in Langenneusach die Hjahrige Tochter des Oekonomen Albert Hösle durch einen Schuß in den Kopf getötet. Der ungeschickte Schütze ist der Lehrer Ulrich Müller von Ossingen. Er hat den von ihm benutzten Revolver geliehen und nicht gewußt, daß er scharf geladen war. Lehrer Müller stellte sich sofort der Behörde.
— In G a s s e l d o r f (Oberfranken) sind am Donnerstag nachmittag 24 Häuser samt Nebengebäuden niedergebrannt.
— Brandenburg, a. d. H., 21. September. Auf der Chaussee nach Neukammer unweit Nauen verunglückte gestern abend ein von Berlin kommendes mit sechs Personen besetztes Automobil. Zwei Insassen wurden schwer verletzt, das Automobil zertrümmert.
— (Ein verhängnisvoller Irrtum.) Der Elektromonteur Oskar Köhler aus Zürich, der als Soldat beim Bataillon 49 die diesjährigen schweizerischen Divistonsmanöver mitmachte, hatte sich durch eine Erkältung unaus- stehliche Zahnschmerzen zugezogen. Er meldete sich beim Bataillcnsarzt und wurde ins Krankenhaus geschickt. Ein junger Arzt, Dr. Haller aus Bern, verordnete eine Dosis Morphium. Hiervon dürfen nach Vorschrift höchsten« drei Zentigramm gegeben werden. Dr. Haller wog die Dosis selbst ab, statt das Rezept dem Apotheker zu überweisen. Hierbei geschah das Unglück: der Arzt wog nämlich statt drei Zentigramm drei Dezigramm ab und gab diese zehnmal stärkere Dosis dem Patienten. Köhler fiel sofort in schwere Betäubung und starb, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Dr. Haller wurde verhaftet; er hat den unglückseligen Irrtum ohne weiteres zugegeben. Der verstorbene Köhler hinterläßt eine Frau mit drei Kindern.
— (Neue Erdbeben) Am Mittwoch morgen gegen 3Va Uhr wurde in Ober-Steiermark ein ziemlich heftiges Erdbeben verspürt, das durch ein dumpfes Rollen die Menschen aus dem Schlafe aufschreckte. Besonders heftig wurde es in Neuberg und Langenwang wahrgenommen. — Auch im süditalienischen Erdbebengebiet wurde um 5 Uhr 35 Minuten ein leichter Erdstoß verspürt. Außerdem rief ein heftiger Sturm unter den unglücklichen Bewohnern jener halb verwüsteten Ortschaften großen Schrecken hervor. In Olivadi bei Catanzaro wurden zwei Häuser, die als Magazine für Möbel und anderes Eigentum von Leuten dienten, die nach dem Erdbeben noch am Leben geblieben waren, durch Feuer zerstört. Zwei Personen erlitten Verletzungen. In Reggio wütete ein heftiges Unwetter. Mehrere Häuser wurden durch Blitzschläge beschädigt, man fürchtet, daß die Felder schwer gelitten haben.
— Budapest, 20. September. Die Herkulesbad umgebenden ärarischen Waldungen stehen seit Wochen in Flammen. Gestern trafen dort 800 Soldaten zur Unterstützung bei den Löscharbeiten ein. Bei diesen wurden durch herabstürzende Felsen zwei Soldaten getötet, 3 schwer und 11 leicht verletzt. Die Löscharbeiten sind mit großen Schwierigkeiten verknüpft.
— (Die Redensart: „einem einheizen.') Herzog Karl von Württemberg war bekanntlich sehr erfinderisch und in der Wahl seiner Mittel durchaus nicht wählerisch, wenn es galt, sich Soldaten zu verschaffen. Eine« von diesen, das einer gewissen Originalität nicht entbehrt, war folgendes. Wenn reisende Handwerksburschen ins Land kamen, die sich zu Soldaten zu eignen schienen, so mußten sie dem Herzog vorgeführt werden. Gefielen sie ihm, so fragte er sie, ob sie Dienst nehmen wollen. Verweigerten sie den Eintritt ins Heer, so wurden sie ins Gefängnis abgeführt. Dort erhielten sie wenig zu essen und noch weniger zu trinken. Dagegen heizte man ihnen
— mitten im heißesten Sommer — in so unheimlichem Grade ein, daß sie bald anderen Sinne« wurden und ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in ein Regiment melden ließen. Es ist höchst wahrscheinlich, daß die schwäbische Redensart „einem einheizen" in jener Maßregel ihren Ursprung hat, zumal da sie auch heule noch in dem Sinne gebraucht wird, jemand durch Drohungen oder überhaupt durch Zwang zu etwas bewegen, das er freiwillig nicht tun will.
— (Zweimal am Traualtar verlassen.) In Allenlown in Pennsylvanien lebt ein Fräulein Käthe- rina Brett, die vor zwei Jahren als festlich geschmückte Braut am Altar stand, um sich mit dem Auterwählten ihres Herzen« feierlich kirchlich trauen zu lassen. Aber sie wartete vergeben«; statt seiner kam ein Schreiben des Inhalts, daß er bereits ein Eheweib sein eigen nenne, und sie infolgedessen nicht auch noch heiraten könne. Am Donnerstag voriger Woche stand Fräulein Brett in der gleichen Kirche vor demselben Altar, um noch einmal ihr Glück, dieses Mal mit einem anderen Bräutigam zu versuchen. Doch wieder war er nicht erschienen, und vom Priester mußte sie zum zweiten Male ungetraut scheiden. Die Mutter des Bräutigam« hatte sich dieser Ehe wieder- setzt und ihren Sohn im letzten Moment zu bestimmen gewußt, die Stadt zu verlassen und nicht zur Trauung zu gehen. Die arme Braut wurde bei der absagenden Nachricht ohnmächtig und liegt jetzt an einem Nervenfieber krank darnieder.
Letzte Nachrichten.
Berlin, 22. September. Nachdem die Lagerarbeiter des Kabelwerks der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschast und die Schraubendreher des Wasserwerks von Siemens und Halske die Arbeit nicht wieder ausgenommen haben, wurden diese Werke von den genannten Firmen geschlossen. Die Zahl der entlassenen Arbeiter beträgt etwa 10 000 Mann.
Gouverneur von L i n d e q u i st wird am 30. d. M. die Ausreise nach Deutsch-Südwestafrika antreten.
Der Waffenstillstand zur See zwischen Russen und Japanern ist bei Wladiwostok abgeschlossen worden.
Bei Ceuta wurden dort fischende spanische Fischerboote von einem marokkanischen Räuber weggenommen. Spanien sandte ein Kriegsschiff aus zu seiner Bestrafung.
Zur Düngung der Wintersaaten.
Wie allgemein bekannt, ist der schon im vergangenen Winter für diesjährige Frühjahrslieferung hohe Preis für Chilisalpeter in der Bedarfszeit immer noch weiter gestiegen, sodaß der Zentner schließlich auf zirka Mk. 11,50 franko Empfangsstationen im Waggon als Einkaufspreis zu stehen kam, während derselbe anfangs 1900 nur Mk. 7,40 waggonfrei Hamburg kostete; es ist dies eine ganz gewaltige Preiserhöhung. Auch jetzt ist der Salpeterpreis für nächstes Jahr gegen frühere Jahre bereits wieder recht hoch und weitere erhebliche Steigerung keineswegs ausgeschlossen.
Es ist daher wohl zu empfehlen, für die Wintersaat schon im Herbst den nötigen Stickstoff durch andere stickstoffreiche und zugleich phosphorsäurehaltige Düngemittel wie Peruguano und Ammoniar-Lnperphosphat zu geben; dadurch bestocken sich die Pflanzen zugleich im Herbst schon gut, überwintern besser und bringen reichliche Ernte, besonders im Körnerertrage.
Beim Ankauf von Peruguano muß man jedoch ausdrücklich darauf achten, daß man den nachweislich allein echten Ohlen- dorff'schen Peruguano „Mllhornmarke" erhält und nicht etwa minberroertige Nachahmungen!
Kirchliche Nachrichten.
Sonntag den 24. September.
Vormittag« 9 Uhr: Herr Pfarrer Schröder.
Vormittag« Voll Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.)
Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Feyerabend.
Mittags 12 Uhr: Gottesdienst in Petersberg.
Wettervoraussage des Wetterdienstes der Landwirl- schaftsschule zu Weilburg für Sonnabend den 23. September.
Zeitweise windig, vorwiegend noch heiter, Nacht» kühler, Tagestemperatur wenig verändert.
Hierzu eine Beilage sowie Nr. 39 des „Jllu- strirten Sonntagsblattes" und Nr. 19 der „Illustrirten Landwirtschaft!. Beilage."
Backfisch- und Kinderconfektion sind eingetroffen und empfehle mein vorzüglich sortirtes Lager in
hervorragend eleganten, modernen u. soliden Deuheiten.
Telephon ISO
Eduard Krach, Weinstr. 629.