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hersfel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 110. Dienstag, den 19. September 1905.
Amtlicher teil.
Berlin, den 4. August 1905.
Auf den Bericht vom 24 Juni d. Js. — Nr. 5632 — erwidere ich Euerer Exzellenz ergebenst, daß nach Erlaß des Gesetzes vom 14. April d. I. (R. G. Bl. S. 251) eine Verpflichtung der Standesbeamten zur Abhaltung von Ge- fcbäflsstunden an Sonntagen nicht mehr besteht und in dieser Beziehung der Erlaß vom 28. Dezember 1874 (M. Bl. 1875 S. 1) als aufgehoben zu betrachten ist.
Wenn indessen die Standesbeamten auf dem Lande, wo zur Erreichung des Standesamts häufig weitere Wege zurückzulegen find, den beteiligten Personen nach wie vor Gelegenheit bieten, zu den auf dem Standesamt« zu erledigenden Geschäften, insbesondere in eilbedürftigen Angelegenheiten auch die Sonntage zu benutzen, so ist dagegen nicht nur nichts einzuwenden, sondern es würde ein solches Verfahren ganz im Sinne des Gesetzgebers liegen, der mit der neuen Vorschrift die Standesbeamten lediglich der Verpflichtung entheben wollte, am Sonntag allein zur Entgegennahme der Anzeigen von Totgeburten Amtsstunden abzuhalten (Reichstagsverh. vom 9. März 1905 Stenogr. Ber. S. 5094).
Der Minister des Innern. Im Austrage, gez. L i n d i g.
An den Herrn Ober-Prästdenten in Cassel. Ia 1348.
* *
Cassel, den 5. September 1905.
Abschrift übersende ich zur Kenntnisnahme und weiteren Verfügung bezüglich der Standesbeamten der Landgemeinden. Der Regierungs-Prästdent.
In Vertretung, v. Kamele.
An die Herren Landräte des Bezirks. A. I. 3437. * * *
Hersfeld, den 15. September 1905.
Vorstehend abgedruckter Ministerial-Erlaß rc bringe ich zur Kenntnis der Herren Standesbeamten der Landgemeinden des Kreises.
I. I. Nr. 6473. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Der Minister des Innern. Ia 1403. I. M. I. 5707. M. d. g. A. U. III. D. 2122 G. I. U. II.
Berlin, den 26. Juli 1905.
Bei Auslegung unseres Erlasses vom 24. Februar ds. Js. (M. b. I Ia 2416, I. M. I. 8030, M. d. g. A. U. III. D. 3311 U. II. G. I.) sind Zweifel darüber entstanden, ob sich die Zulassung der für Schul- und Unterrichtszwecke eingeführten, abgekürzten Geburtsscheine auch für Zwecke der Eheschließung empfiehlt.
Diese Frage wird in der Regel zu verneinen sein.
Das Glück.
Novelle von F. Su t a u.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sie sind verwandt mit Frau von Steinweg?" fragte Leonore, als Doktor Erich neben ihr Platz genommen hatte. „Fran von Steinweg ist meine Cousine", erwiderte dieser.
„Und Sie stammen Beide aus dieser schönen Rheingegend?"
„Ja, wir sind Beide echte Rheinlandskinder", erwiderte Doktor Erich.
„Herr von Steinweg ist wohl kein Rheinländer?" fragte Leonore, wie zögernd.
„Nein, er hat sich aber sehr schnell hier akklimatisiert. Seine Wiege stand in Westfalen, wo er als Offizier gestanden, hat er meine Cousine kennen und lieben gelernt. Die ersten Jahre ihrer Ehe haben sie dort verlebt, dann, als mein Onkel, Eva'S Vater, starb, hat er den Offiziersdienst quittiert und hat die Fabrik übernommen. Er wird nun wohl für alle Zeiten hier festgewurzelt sein."
«Vom Offizierstand zum Handelstand überzugehe», dünkt mir auch nicht als etwas Leichtes, schnell Ausführbares", sagte Leonore; „aber was tut man nicht alles einer Fran zn lieb, und vollends einem so liebreizenden Geschöpf, wie Ihre Fran Cousine gegenüber. Welche Anmut sich diese Frau bewahrt hat, es ist, als ob noch nie ein Schatten dieses helle Antlitz getrübt hätte!"
»Ja, sie ist eine glückliche und vom Glück begünstigte Wiir", erwiderte Erich; „sie schaut eben noch mit ungetrübten Kinderaugen in die Zukunft. DaS Schicksal verwehte noch keine einzige Blüte von ihren sonnigen Lebenspfaden, darum >st ihr auch wohl diese kindliche Anmut noch zu eigen, die fch'verc Schicksalsschläge so leicht zu zerstören vermögen."
„Ein beneidenswertes Los, so mit leichtbeschwingter Schmetterlingsseele über das Dasein himvegzuflattern!" sagte Leonore ironisch — „nie zn grübeln über ernste Lebensfragen, wie andere Menschenkinder, die daS Leben von vornherein tiefer
Denn abgesehen davon, daß bei Vorlegung derartiger Bescheinigungen eine zuverlässige Prüfung der Personenstands« Verhältnisse der Verlobten seitens des Standesbeamten ausgeschlossen erscheint, ist ein solches Verfahren geeignet, eine Täuschung des einen Verlobten über die voreheliche Geburt des andern zu erleichtern und hierzu darf der Staat die Gelegenheit nicht bieten. Der im § 16 des Personen- standsgefetzes gewährte Anspruch auf Einsicht in da» StandeSregister und die Erteilung eines „Auszugs" sind nicht geeignet, die Gefahr der Täuschung in denjenigen Fällen zu beseitigen, in denen der Verlobte an die Möglichkeit einer vorehelichen Geburt gar nicht denkt und deshalb zu weiteren Nachforschungen keinen Anlaß hat. Im Übrigen darf auch regelmäßig gegenüber dem Kinde selbst die Verschweigung der vorehelichen Geburt seitens der Eltern bis nach der Eheschließung nicht begünstigt werden, weil gerade die nachträgliche Aufdeckung des wahren Sachver- Halts daS eheliche Verhältnis zerrütten und da» Lebensglück der Eheleute vernichten kann.
Das Interesse an der Erhaltung der elterlichen Autorität und an der sittlichen Entwicklung des Kindes erscheint im allgemeinen genügend gewahrt, wenn nur verhütet wird, daß das Kind vor Erlangung der körperlichen und geistigen Reife über feine voreheliche Geburt aufgeklärt wird.
Euere Exzellenz ersuchen wir hiernach ergebend, die Ausstellung Der abgekürzten Geburtsscheine für Zwecke der Eheschließung regelmäßig nicht zu gestatten. Nur in besonderen Ausnahmefallen, in welchen festgestellt ist, daß obige Bedenken nicht zutreffen und daß namentlich der andere Nupturient von dem wahren Sachverhalt unterrichtet ist, wird auch für Zwecke der Eheschließung die Ausstellung eines Geburtsscheines genehmigt werden können.
Der Justizminister, gez. L u c a s.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. gez. W e v e r.
Der Minister des Innern.
In Vertretung, gez.: von Bischoffshaufen.
An den Herrn Oberpräsidenten in Cassel.
* *
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Cassel, den 4. September 1905.
Abschrift übersende ich im Verfolg der Verfügung vom 25. März 1905 A I. 14841 zur Kenntnisnahme und weiteren Mitteilung.
Ich mache besonders darauf aufmerksam, daß meine an die Herren Standesbeamten gerichtete Verfügung vom 17. Juli b. Js. A. I. 1484, soweit darin von Geburtsscheinen zum Zwecke der Eheschließung die Rede war, durch den vorstehenden Erlaß eine Einschränkung erfährt.
Der Regierungs-Präfident. Gras B e r n st o r f f. An die Herren Landräte des Bezirks. A. I. 3232.
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Hersfeld, den 14. September 1905.
Vorstehend abgedruckter Ministerial,Erlaß rc. wird den
und ernster erfassen! Ihr schönes Rheinland, hier wo alles zum Leben, zum Genießen lockt, scheint mir die rechte Heimat solcher leichtbeschwingten Seelen zu sein. In unserer, von der Natur wenig begünstigten, rauhen, sandigen Mark, mit ihren düsteren Kicserngrnppen, ihren melancholischen Seen, da drängen sich einem ganz von selbst ernstere Gedanken auf, wenn man einsam über die weite Heide geht, oder unter solcher Kiefern- grnppe ruht, über uns vielleicht ein grauer, trüber Himmel, und weites flaches Land rings um uns herum. — Das ist anders, als wenn man hier auf dem grünblauen, herrlichen Rheinstrom dahinfährt, wenn fröhliche Lieder erklingen und das schönste Naturpanorama sich unsern Augen erschließt."
„Und glauben Sie nicht, daß man auch hier zu ernsten Gedanken angeregt werden kann?" bemerkte Doktor Erich.
„O ja, warum nicht, ernste Denker mögen auch im schönen Rheinlande zu finden sein, obgleich diese lebensfrohen Gesichter hier um uns herum dergleichen kaum vermuten lassen, da ist niemand von des Gedankens Blässe angekränkelt."
Doktor Erich entgegnete lächelnd: „So gönnen Sie doch diesem lebensfrohen Geschlecht seine Freude am Leben, Fräulein?"
„O, ich will sie ihnen durchaus nicht trüben und freue mich mit den Fröhlichen", erklärte Leonore. „Aber wie pflegen solche leichtlebigen Menschen den Kummer zu ertragen? Diese Frage interessiert mich seelisch. Denken Sie sich einmal Ihre Frau Consinc vom Kummer heimgesucht, das süße Antlitz bleich und verhärmt. Wo und worin wird sie Trost finden?"
„In der Religion denke ich, Eva hat ein frommes Gemüt", antwortete Doktor Erich kurz und bündig.
„In der Religion!" sagte Leonore Worden nachdenklich. „Ja, Sie haben Recht, Herr Doktor, die Religion ist die beste Trösterin im Unglück. Aber leider finden nicht alle Menschen den Trostweg der Religion. Es gibt jedoch schlimmere Schicksale, wo der Trost sehr schwer zu finden ist."
„So jung und schon solche trüben Erfahrungen", sagte der junge Gelehrte teilnehmend, „Sie scheinen herbe Erfahrungen gemacht zn haben." '
„Das habe ich allerdings gemacht", entgegnete Leonore
Herren Standesbeamten des Kreises zur Kenntnisnahme und Nachachtung mitgeteilt,
J. I. 6472. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 15. September 1905.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Georg Haßenpflug in Rohrbach ausgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen.
I. 6483. Der com. Landrat
von Gruneliu«, Regierung-assessor.
Hersfeld, den 14. September 1905.
Die unter den Schweinebeständen des Christian Gleim und Adam Michaelis zu Biedebach ausgebrochene Rotlauf- seuche ist erloschen.
I. 6429. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a in e r.
nichtamtlicher Ceil.
Her Ausstand in ItM«veMfM.
Die letzte Meldung über die Verfolgung der Hottentotten durch Major Meister in der Gegend westlich von Grootsontein hatte berichtet, daß die Abteilung an» der Linie Zari«—Nam 45 Kilometer in westlicher Richtung vorgerückt sei und am 11. b. M. die Wasserstelle Horucha» erreicht habe, die aber bereits vom Feinde verlassen war. Nachdem Osfizierspatrouillen den neuen Zufluchtsort der Feinde festgestellt hatten, rückte Major Meister dahin vor und hat den Hottentotten eine verlustreiche Niederlage beigebracht, wie folgende amtliche Meldung vom 16. d. mitteilt:
Major Meister schlug am 13. September den Feind westlich Haruchas. Nach sechsstündigem Aufstieg in dem steilen Gebirge und heftigem fünfstündigem Gefecht, bei dem es zum Kampfe Mann gegen Mann kam, wurden die Hottentotten aus ihren starken Stellungen geworfen. Einem Teil gelang es, in nordwestlicher Richtung in Gebirgsschluchten zu entkommen. Die Verfolgung wird fortgesetzt. Der Feind l i e ß 60 T o t e aus dem Gefecht-felde liegen.
Auf unserer Seite fielen zweiReiter, verwundet wurden Major Maercker, Schuß in die linke Schulter, Oberarzt Korsch schwer, und 10 Reiter.
Warben. „Aber wir vertiefen uns hier in Dinge, die in einer so heiteren Gesellschaft durchaus nicht am Platze sind. Wenden wir uns lieber der heiteren Gesellschaft zu, die hier so lustig sprudelt." Leonore erhob sich lächelnd und gesellte sich zu einer Gruppe junger Damen, unter welchen sie sich wie eine fremdartige Blume unter unsern einheimischen Gartenkindern ausnahm.
Doktor Erich schaute ihr sinnend nach, und während man sich znm Essen an einzelnen kleinen Tischen gruppierte, grübelte er darüber nach, welcher Art die Erfahrungen wohl gewesen sein mochten, die Leonore Worden so ohne Trost gelassen.
Evas Helle Stimme riß ihn aber bald aus diesen grübelnden Gedanken.
„Aber Martin!" rief sie lachend, „verschmähst Du denn heute alle Herrlichkeiten meines BuffetS! Ich sehe schon, ich muß Dir wieder einmal selbst den Teller füllen. Sie holte eigenhändig einige dicht gefüllte Schüsseln herbei, und dann saß sie neben ihm und plauderte in der ihr eigenen Weise, die etwas so Herzerfrischendes hatte.
Doktor Erich schien es, als wäre er auS einer düsteren Landschaft mit zerklüfteten Felsen und dunklen Tannen plötzlich in einen sonnigen Blumengarten versetzt. Wohin er blickte, sah er lachende, fröhliche Gesichter. Die Gesellschaft befand sich, vom perlenden Weine angeregt, in der animiertesten Stimmung. Die junge Welt begann auch schon die Stühle zusanunenzurücken und wollte tanzen. Eva sprang auf und setzte sich an den Flügel und ließ einen rauschenden Galopp ertönen, der bald ein Bild größter Umwälzung in dem großen Salon hervorrief.
Einige alte Herren nahmen mit großen Schritten Reißaus und flüchteten in die Nebenzimmer, während schon einzelne Paare im Tanze dahinwirbelten. Die ältern Damen dagegen postierten sich eiligst aus Stüble, die an den Wänden standen, um von dort in Muße dem Tanzen zuzuschauen.
Auch Doktor Erich hatte feilten Platz verlassen und sich in das an den Salon stoßende Boudoir Evas begeben. Sinnend stand er jetzt vor beut Bilde der Antigone, welches dorr über bem Schreibtisch hing, als Steinweg zu ihm herantrat.