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herrfel-er Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 108,

Donnerstag, den 14, September

1905,

Amtlicher teil

Hersfeld, den 7. September 1905.

Die Herren Bürgermeister der Schulorte des hiesigen Kreise» haben mir bestimmt bis zum 1 5. d. M t». bertchtlich anzuzeigen, wie viel die g e s a m t e n laufenden Schulunterhaltungskosten vom Rechnungsjahre 1904/5 betragen haben. Es sind dieses alle Ausgaben, welche für die Schule aufgewendet worden sind, ohne Abzug der vom Staate geleisteten gesetzlichen Beiträge und wider­ruflichen Beihilfen. Kosten für Neu- und Erweite­rungsbauten kommen dagegen nicht in Betracht. I. I. Nr. 6274. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 6. September 1905.

Bei dem Pstrde des Bernhard Kirschner zu Untergeis ist die Räude festgestellt worden. I. 6235. Der Königliche Landrat.

3; «.:

Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 11. September 1905.

Unter dem Schweinebestande des Hülfsbahnmärters Peter Blum zu Mecklar ist die Schweinepest ausgebrochen. I. 6351. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 11. September 1905.

Die unter der Herde des Schäfers Deisenroth II. zu Hausen (Kreis Ziegenhain) ausgebrochene Schafräude ist erloschen.

I. 6323. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 11. September 1905.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Conrad Krause zu Niederhülsa (Kreis Homberg) ist die Rotlauf­seuche ausgebrochen.

I. 6324. Der Königliche Landrot.

I. B.:

Braun, Kretsdeputierter.

Hersfeld,8den N.TSeptember 1905.

Die auf den 22. und 28. September b. Js. in der Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte [werben unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Das Weit.

Novelle von F. S u t a u.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Eva, liebes Kind, schweig still von diesen Dingen! Das klingt zu entsetzlich ans Deinem Munde. Das sind ja haar­sträubende Wörter", rief Bruno und hielt sich beide Ohren zu. Sie klingen von Deinen Rosenlippen ganz barbarisch, dazu gehört notwendig ein Gouvernantenmund."

O Gouvernanten können auch Rosenlippen haben! Wie sieht sie eigentlich ans Mama, Bruno hat sie natürlich, aus gerechter Scheu vor ihrer Gelehrsamkeit, keines Blickes ge­würdigt", sagte jetzt Eva.

Sie schien, soweit ich hier in der dämmrigen Beleuchtung erkennen konnte, ein sehr hübsches Mädchen zu fein" ; erwiderte die Frau Kommerzienrat.

Ein hübsches Mädchen! Hörst Du es Bruno? Die Sache wird interessant. Vielleicht ist sie von jener eigenartigen düstern Schönheit!--Ich bin wirklich auss Höchste ge­spannt, was sich uns zum Abendessen für ein Mädchenbild Präsentieren wird. Schau ihr nur nicht so tief in die Augen, Bruno, ich glaube, ich könnte eifersüchtig werden, wie ein Türke!

Bruno lachte herzlich und fühlte sich veranlaßt die holden Lippen, die diese Drohung aussprachen, mit einem herzhaften Kuß zu schließen, dann verließ auch er den Salon, um seinen Reiseanzug mit einem andern zu vertauschen, der neuen Gouvernante wegen, wie er lachend der Gattin zum Abschied zurief.

* *

Die neuengagierte Gouvernante Leonore Warben saß, während unten im Salon diese heitere Unterhaltung geführt wurde, den zierlichen Kopf in beide Hände gestützt am Fenster ocS freundlichen Gemachs, das man ihr angewiesen.

Sie hatte nur den großen Reisehnt abgelegt, aber sonst noch keinen Finger gerührt, um es sich bequem zu machen. Ihre Blicke ruhten auf der herrlichen abendlichen Landschaft

Mit dem Austrieb darf um 7 Uhr morgens begonnen werden.

I, 6291. Der Königliche Landrat.

3. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

In Willingshain ist eine Telegraphenanstalt mit Unfall- meldedienst und öffentlicher Fernfprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Caffel, 9. September 1905.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.'. B u 4 h o l z.

nichtamtlicher Cell.

Her «HM in ««»Wo.

Amtlich wird gemeldet: Teilen der Abteilung Meister gelang es, südlich Gorab und westlich Zari» Hottentotten­banden zu schlagen. Der Feind mich in die Gebirgsschluchten westlich Zaris zurück und vereinigte sich dort mit den übrigen vor unseren Truppen zurückgegangenen Hottentotten- und Hererobanden. Ihre Stärke wird auf etwa 300 Ge­wehre geschätzt. Da die Gegend sehr wasserarm ist, müssen zunächst größere Wasserkolonnen herangezogen werden. So­bald dies geschehen ist, wird Major Meister aus der Linie ZarisRam zum Angriff vorgehen. Die Wasserstellen am Westrande des nördlichen Zarisgebirges in der Linie Seß- rim Zaris und die Eingänge zur Raukluft sind von unseren Truppen besetzt.

Die bisherige Abteilung E st o r f f unter Hauptmann Mora ht (zwei Kompagnien, zwei Geschütze) bleibt in der Linie GrootfonteinKleinfonteinChamhawib-Revier, unter Besetzung sämtlicher Wasserstellen in der Linie ZariS HeitamasBlutpüts durch vorgeschobene Postierungen, um etwa nach Osten zurückströmende Banden abzufangen.

Die Abteilung Koppy hat das Tiras-Gebirge und die Aruab-Berge vom Feind gesäubert und bleibt vorläufig in der Gegend der Sinclair-Mine.

Major v. Estorff ist mit Säuberung des östlichen Ramalandes, in dem sich mehrfach kleinere Banden der Witbois gezeigt haben, beauftragt worden.

% ÄWM in RHack

Endlich scheint es dem Generalgouverneur des Kaukasus gelungen zu sein, den entsetzlichen Schlächtereien der Tataren ein Ziel zu setzen. Wie lange die mühsam hergestellte Ruhe freilich vorhalten wird, ist eine andere Frage, und die weiteren Folgen der angerichteten Verheerungen, sind un­übersehbar.

Petersburg, 12. September. Die furchtbaren Er­

draußen auf der altertümlichen Stadt, aus bem herrlichen Strom, an dessen Ufern sich Weinberge hinzogen und auf den verfallenen Burgen in der Ferne.

Es war ein schönes Fleckchen Erde, wohin sie das Schichal geführt, obwohl es weit ab von ihrer sandigen, märkischen Heimat lag. Aber der Anblick der herrlichen friedlichen Land­schaft schien ihr dennoch wenig Genuß zu bereiten. Eine düstere Ruhe lag aus Leonorens Antlitz, welches in der matten, fahlen Beleuchtung des Dämmerscheins des Frühlingsabends, mit seiner Marmorblässe, etwas Starres zu haben schien. Plötzlich richtete sie sich auf und zündete eins der Lichter auf dem Toilettentische an.

Ein Zurück gibt es für heute wenigstens nicht mehr", murmelte sie.Davonlaufen kann ich nicht und mein Gott was ist es auch weiter, eine Laune des Schicksals, das mich hierhergeführt und nun längst begrabene Erinnerungen erwachen läßt."

Sie lächelte bitter, dann ordnete sie vor dein Spiegel ihre Toilette, nicht ohne einige prüfende Blicke aus ihr Antlitz zu werfen; unb plötzlich sah sie neben sich ein bezauberndes elfen- haftes Wesen anstanchen, mit goldigen Locken und lachenden blauen Augen.Wie Nacht und Tag", sagte sie, indem sie ihr schwarzes, glänzendes Haar glatt strich,und die Nacht ist keines Menschen Freund, heißt ja wohl ein altes Sprüchwort", fügte sie düster lächelnd hinzu,deshalb bin ich auch bei den Menschen nicht lange beliebt."

Wenige Minuten später befand sich Leonore Warben in dem Eßzimmer, wo das Abendessen serviert war. Die Frau Kommerzienrat hatte sie ihrer Tochter und deren Gatten vor­gestellt.

Eva hatte der Gouvernante mit der ihr eigenen kindlichen Grazie die Hand gereicht und dann war sie davon gelaufen, um Lotti herbei zu holen. Frau Kommerzienrat Riese! war an den Tisch getreten, um noch einige Anordnungen zu treffen, und Leonore stand nun einige Augenblicke dem Hausherrn Bruno v. Steinweg allein gegenüber. In dem ersten Moment, als er die junge Dame im hellen Licht der Kerzen erblickt, hatte dieser wie erstarrt dagestanden. Jetzt trat er aber zu ihr heran.

eignisse in Baku scheinen nunmehr beendet zu sein, da das Militär endlich energisch einschreitet. Die Naphtha- Industriellen zögern jedoch noch mit dem Wiederausbau der Betriebe. Sie wollen damit nur beginnen, falls die Re­gierung vollste Garantie bietet für die Unantastbarkeit des Eigentums wie der persönlichen Sicherheit. Außerdem sollen sofort ausreichende Geldmittel zum Wiederaufbau zur Verfügung gestellt werden die bloße Prolongierung der Wechsel, welche die Staatsbank eintreten läßt, genügt ihnen nicht. Am 13. b. Mt». findet ein Kongreß der Naphta- Jndustriellen statt, der zwei Wochen andauern wird. Die Petroleumpreise dürften innerhalb der drei nächsten Monate nicht steigen, da noch ein genügender Vorrat vorhan­den ist.

Ueber die Wirkungen der Unruhen von Baku wird weiter berichtet:

Petersburg, 12. September. Wie aus Zarizyn gemeldet wird, ist dort seit gestern der Handel mit Naphtha eingestellt worden. Die Lage der Konsumenten ist kritisch. Auch in Astrachan stellten heute die Naphthafirmen die Lieferung von Heizmaterial an die Schiffsrheder ein, mit denen sie keine Lieferungskontrakte haben, weil sie die Ein­stellung der Transporte aus Baku befürchten. Die Rheder stehen jetzt vor der Notwendigkeit, die Dampferfahrten etn- zustellen und ihre Matrosen und Arbeiter zu entlassen, wodurch Tausende brotlos würden. In Baskuntschak sind die Salzindustriellen aus dem gleichen Grunde genötigt, ihre Tätigkeit einzustellen, was eine Stockung des Fischerei- gewerbes und enorme Verluste für diese« ganze Gebiet zur Folge haben wird. Der Gouverneur schlägt den großen Naphthafirmen vor, eine besondere Niederlage von 600 000 Pud Naphla für die Bedürfnisse der Rheder und Solz- industriellen zu errichten.

Folgender, noch der Aufklärung harrender Vorgang wird aus Helsingsors gemeldet: Ein unbekannter Dampfer von 300 To. Gehalt kam in der Nacht zum Donnerstag an der Insel Kaloscher, 25 Kilom. von Jacob- stad, an. Infolge starken Nebels stieß das Schiff am Freitag auf eine etwa 34 Kilometer vom Strande be­findliche Sandbank. Dabei ereignete sich eine Explosion, bei der der Dampfer samt der Bemannung in die Luft flog. Ein Teil des Mittelschiffs ist gesunken. Der Hintere Teil de» Dampfer», sowie der Bug blieben sichtbar auf der Oberfläche beS Wasser». Das Schiff war mit Ge­wehren und Munition beladen. Die Wasseroberfläche ist mit schwimmenden Gewehrkolben bedeckt. Am Ufer wurden 1300 Magazingewehre geborgen, außerdem 3 Kisten, die mit Revolvern angefüllt waren. Der Name de» Schiffe» ist mit Farbe überstrichen. Bei dem Schiffe wurde ein schwedische« Rettungsboot, sowie deutsche und englische Flaggen gefunden. Man vermutet, daß der Dampfer unter amerikanischer Flagge fuhr.

Welche Ueberraschung!" sagte er leise.

Ich wußte nicht, daß Sie der Vater meines Zöglings waren, die Frau Kommerzienrat hat mich engagiert, ohne mir den Namen ihres Schwiegersohnes mitzuteilen. Hätte sie das getan, wäre ich wohl schwerlich hier!" erwiderte Leonore kalt.

Sie brauchen mir das faum zn versichern, ich kenne Ihren Stolz znr Genüge, aber da der Zufall Sie nun einmal in mein Haus geführt, darf ich Sie doch willkommen heißen", entgegnete Steinweg und reichte ihr die Hand.

Leonore legte zögernd ihre schlanke Rechte in seine Hand.

Lassen Sie uns vergessen, was hinter uns liegt", fuhr Steinweg fort,und gute Freundschaft halten!"

Um Leonorens Lippen spielte ein eigenes Lächeln.Ver­gessen haben wir beide wohl längst, was seit langen Jahren hinter uns liegt. Wer wäre heutzutage in dieser materiellen Zeit noch so töricht, Jugendträumen nachzuhängen, und sich damit lächerlich zu machen", sagte sie ruhig, während ihre Augen fest auf Bruno von Steinweg ruhten.

Eva störte jetzt die leise gesührte Unterhaltung, sie brächte Lotti herbei, die sich nur mit Widerstreben entschloß, der neuen Gouvernante, die ihrem Kindecköpfchen das Bereich des Wissens erschließen sollte, die Hand zu geben.

Der Bonne rotes gutmütiges Gesicht war dem Kinde jedenfalls jetzt viel snmpathischer gewesen, als dieses ernste blasse Antlitz der Gouvernante. AlS sich aber Leonorens Antlitz eben jetzt zu dem Kinde herab beugte, wurde eS seltsam ver­schönt. In den Kindcraugcn, die so scheu zu ihr auffchame», mußte etwas liegen, was eine weichere Seite ihres Herzens berührte und ein Strahl heißer Zärtlichkeit brach auS ihren Augen. DaS Kind darfst Du lieben! rief eine Stimme in ihrem Innern, und als jetzt Lotti plötzlich die Arme um ihren Hals legte, da wußte sie, daß sie daS Kind unsäglich lieben würde.

So verflossen der erste Abend und die nächsten Tage mit gegenseitiger Zufriedenheit seit der Ankunft der neuen Gouver­nante in Steinwegs Hanse.

Die neue Gouvernante gefällt mir garnicht", sagte aber