Einzelbild herunterladen
 

herzustellen. Ungefähr tausend Armenier, die in ein Hospital geflüchtet waren, wurden aufgefordert, herauszukommen. Sie antworteten mit Steinwürfen, wobei ein Artillerist ge­tötet wurde. Darauf erging der Befehl, zwei Geschütze in Aktion treten zu lassen. Eine Salve traf das SchiffKaspi" und zerstörte Schornstein und Kajüte. Eine zweite Salve zerstörte das Hospital, in dem viele Menschen den Tod fanden. Die Ueberlebenden stürzten sich auf die Artillerie und bemächtigten sich der Geschütze nebst 30 Kugeln. Einige Artilleristen wurden mit Masut bestrichen und dann ange- zündet. Sie erlitten einen fürchterlichen Flammentod. Zu Hilfe eilende Infanterie und Kavallerie mußte unverrichteter Sache abziehen. Sie vermochten durch den Qualm, der den Platz anfüllte, nicht durchzudringen. Die Filiale der Staatsbank, 2 Kirchen und das Gymnasium sind abgebrannt. Die Tartoren durchziehen, lautB. L.-A." mit Fahnen die Stadt und fordern zum Aufstande gegen Rußland auf.

Petersburg, 9. September. Der Zar hat dem Statthalter des Kaukasus telegraphisch besohlen, energische Maßregeln zur Unterdrückung der Unruhen im Balkan zu ergreifen.

Iluriihtil in Jentsch-Wnsrika.

Zu dem Aufstande in Deutsch-Ostafrika wird amtlich mitgeteilt: Graf Götzen telegraphiert unter dem 8. d. M., daß nach einer über Kapstadt bei ihm eingegangenen Meldung des Bezirksamts Langenburg auch der Wangoni-Stamm aufständisch ist.

Singapore, 9. Septbr. Der KreuzerSeeadler" ist, als er Singapore auf der Ausreise nach Ostafrika ver­ließ, auf dem zwölf Meilen außerhalb unter Wasser liegen, den Kentselsen sestgekommen. Bisher sind die Bemühungen das Schiff wieder loszubekommen, noch nicht von Erfolg gewesen.

Sie ( in Wien.

In Catanzaro fand am Freitag morgen 2 Uhr 22 Min. ein Erdbeben statt, das 18 Minuten andauerte. Mehrere Mauern sind eingestürzt, andere beschädigt, im Hospital wurden zwei Kranke verletzt. Die erschreckte Bevölkerung verließ die Häuser. Gemäß Nachrichten aus Monteleone di Calobria ist dort außerordentlicher Schaden entstanden, 7 Personen wurden getötet und 27 Insassen des Gefäng­nisses verletzt. Die Gegend von Pizzo soll fast völlig ver« wüstet sein. In Messing wurde 2 Uhr 43 Minuten Vor« mittags ein sehr starkes wellenförmiges Erdbeben in Rich« tung Nord-Süd gespürt, die Bevölkerung flüchtete aus den Häusern; der Schaden ist unbekannt, Menschen wurden nicht verletzt. In Reggio di Calabria wurde das Erdbeben um 2 Uhr 44 Minuten in einer Heftigkeit verspürt, welche die des Erdbebens von 1904 übertraf; auch hier rettete sich das Volk aus den Häusern. Die letzten Nachrichten aus dem vom Erdbeben betroffenen Gebiet lauten sehr ernst. Pizzo, Monteleno und Mortirano sollen nahezu in Trümmern liegen, zahlreiche Menschen zu schaden gekommen sein. Aus Monteleone (Provinz Catanzaro wird gemeldet, daß infolge des Erdbebens sämtliche Häuser in Stefanaconi ein. gestürzt find. Man befürchtet, daß sich etwa hundert Per» sonen unter den Trümmern befinden. Die Dörfer Piscopio und Triparni find ebenfalls zerstört. Truppen find zur Hülfeleistung in Monteleone eingetroffen. Auch in Marti« rono (Distrikt Nicasto) find alle Gebäude einschließlich der Gendarmeriekaserne eingestürzt. Bis jetzt sind 6 Schwer­verwundete unter den Trümmern hervorgezogen, es sind jedoch noch mehr Personen verschüttet worden. Ueberhaupt hat das Erdbeben im Bezirk Nicosto schweren Schaden an« gerichtet. Aus Castellamare, Neapel und Florenz werden leichte Erdstöße gemeldet.

Aus den Ortschaften Mentauro, Giurigliano, Maida, Jacurso, Martirano, Sanfiorio, Jonadi, Daffinarello, Tropea, Montelepre, Monteleone, Pizzo, Geraze, Bagnara, Siderno, Trisfilico, Catanzara, Giffoni, Palmi, Sant Eufemia, d'Aspromonte find bisher über zweitausend Personen als tot gemeldet und die Anzahl der mehr oder weniger schwer Verwundeten beträgt über zehntausend.

Die Gazetta di Messing bringt folgende erschütternde Schilderung des furchtbaren Unglücks: Die entsetzlichen, grausamen Szenen lassen sich nicht annähernd beschreiben; das Herz blutet bei dem unmenschlichen Schauspiel, wie die Opfer aus den Trümmern herausgeholt werden. Da sieht man, wie blutüberströmte Köpfe und fürchterlich verstümmelte Gliedmaffen an den Steinen, den Möbeln kleben, die Ge-

Mein Gott, Ihr tut ja beide, als wäret Ihr jahrelang getrennt gewesen oder erst seit gestern getraut!" rief sie ihnen zu.

Die junge Frau wand sich errötend aus den Armen ihres Gatten.

Aber Mama, es war doch auch lange genug, zehn ganze Tage", erwiderte sie mit einem Blick auf ihren Alaun, dann rief sie das Kind heranLotti will dem Papa auch einen Kuß geben, nicht wahr?" rief die junge Frau strahlend vor Glück.

Bruno von Steinweg nahm das kleine Mädchen auf den Arm.

Bist Du auch hübsch artig gewesen?" fragte er lächelnd. Ja, Papa, und weißt Du es schon, ich bekomme eine richtige Gouvernante, die Bonne ist zu dumm für mich, sagt Großmama."

Ach, Du armes Kind! Eine richtige Gouvernante! Wirst Du denn einmal sehr klug werden!" seufzte Steinweg.

Das Kind nickte naiv ernsthaft mit dem lockigen Köpfchen, während sein Vater immer noch nicht recht seinen Aerger über das Annehmen der Gouvernante verbergen konnte.

Ich glaube, ich habe die Ehre gehabt, mit dieser weisen Dame zu fahren", fuhr Steinweg dann spöttisch fort.Aber wo ist sie dmn nun geblieben? Bis in den Salon habe ich sie geleitet, dann sah ich nur noch meine teure Gattin und nun ist die Gouvernante verschwunden, wie das Mädchen aus der Fremde."

Sie ist nach ihrem Zimmer gegangen", nahm jetzt Stein­wegs Schwiegermutter, Frau Kommerzienrat Riesel, energisch das Wort:Ich hoffe, Bruno, Du wirst nichts dagegen ein- zuwenden haben, daß wir in Deiner Abwesenheit diese neue Anordnung getroffen haben. Lotti wird sechs Jahre alt und heutzutage muß ein Kind früh mit dem Lernen anfangen, da dre ^eseuschast jetzt an das Wissen der Frauen große An­sprüche macht!" u 3 p

Su magst schon recht haben, verehrte Mama!" ent- gegnete Steinweg.Ich fürchte nur, diese modernen Frauen mit ihren vielseitigem Wissen wachsen uns Männern noch über den Kopf 1

bäudetrümmer find bedeckt mit riesigen Blutlachen und ver« sprengtem Gehirn. Von Furcht und Entsetzen erfüllt, mutlos stehen angesichts des unfaßbaren Unglücks die dem Verderben Entgangenen da. Dumpfe Niedergeschlagenheit spricht aus ihren bleichen Gesichtern, einige von ihnen find vom Wahn- finn befallen, und während das Volk zum Höchsten seine inbrünstigen Bitten und Gebete richtet und die heilige Jungfrau um Hilfe anfleht, werden auf den Bahren, die aus Leitern oder Tischen hergestellt sind, die Verwundeten, mit Tüchern oder Betten verdeckt, vorbeigetragen nach den auf offenem Felde improvisierten Verbandstellen. Diese endlosen Züge von Verletzten und Leichen rufen ergreifende, schauerliche Szenen des Schmerzes und der Klage, des ohn­mächtigen Zorne» und der Verwünschungen hervor. Männer und Weiber, Greise und Kinder werfen sich laut klagend über die Verletzten und Toten auf den Bahren und bedecken sie mit ihren Küssen. Die offiziellen Berichte der Agencia Stefanie lassen die Zahl der bisher aus den Trümmern hervorgezogenen Opfer an Toten und Verletzten auf mehr als 5000 Personen schätzen. Ungezählte Häuser und Ge­bäude find zusammengestürzt und zerstört, und an 50 000 Menschen find auf die Straße geworfen, die in den Trümmern der Orte Briatico, Santonofrio, Oliva di Cortale keine Heimstätte mehr haben.

Neapel, 9. September. Immer größer und schreck­licher erscheint nach dem Eintreffen genauerer Nachrichten da» furchtbare Unglück in Kalabrien. Parghelia bei Tropea, wahrscheinlich der Mittelpunkt des Erdbebens, beweint allein 300 Tote nach der Aussage einiger Bewohner, die recht­zeitig flüchteten, andere sagen sogar 400. Die Leichen liegen in langen Reihen da, um identifiziert werden zu können. Viele sind durch Messerstiche getötet, wahrscheinlich in fürchter. lieben Kämpfen um die Ausgänge, in dem rücksichtslosen Bestreben eines jeden, sich selbst zuerst zu retten. Der all­gemeine Anblick erinnert an die schreckliche Katastrophe von Casamicciolo. Der Ausbruch des Vesuvs hält noch an, im Süden hat die Lava die Drathseilbahn erreicht und zerstörte davon eine Strecke von 50 m. Man erwartet weitere Ausbrüche, da die Registrierapparate für Erdbeben noch unausgesetzt in Bewegung sind.

Rom, 9. September. Die Gemeindebehörden haben 50 000 Lire für die Opfer des Erdbebens in Kalabrien bewilligt; die Zeitungen haben Zeichnungslisten für Unter- stützungsbeträge eröffnet. Die aus Catanzaro eingehenden Nachrichten stellen die Lage immer schrecklicher dar. Aus Neapel ist alle» verfügbare Brot nach Salermo geschickt worden. In Martirano ist die Lage trostlos. Unzähliche Personen liegen unter den Trümmern begraben; über hundert Leichen sind bereit« geborgen. Zweitausend Personen find ohne Obdach.

Aus > und Ausland.

Berlin, 10. September 1905.

Wie aus Homburg v. d. H. gemeldet wird, fand am Freitag bei der Parade des 18. Armeekorps bei Nieder-Efchbach nur ein Vorbeimarsch statt. Die Infanterie in Regimentskolonne, die Kavallerie in Eska- dronsfront im Schritt, die Artillerie in Abteilungsfront im Schritt. Se. Majestät der Kaiser führte sein hessisches Regiment Nr. 116, sein badisches Regiment Nr. 110 und sein bayerisches 1. Ulanenregiment, bei letzterem kotoyierte auch Prinz Leopold von Bayern und der Kronprinz. Der Großherzog von Hessen führte sein Regiment Nr. IIS, sein Garde-Dragonerregiment Nr. 23, mit dem auch Prinz Andreas von Griechenland vorbeiging, und sein 25. Feld- Artillerieregiment, bei dem auch Prinz Heinrich kotoyierte, vor. Die Prinzessin Friedrich Karl führte in Uniform daS Füsilierregiment (Hessisches) Nr. 80. Mit dem 6. Ulanen­regiment ritt Prinz Harald von Dänemark. Nach der Kritik setzte sich Se. Majestät der Kaiser an die Spitze der Feld­zeichen, Fahnenkompagnie und Slandarteneskadron, und führte sie zwischen dem Kronprinzen und dem Prinzen Eitel-Friedrich nach Homburg zurück, wo Se. Majestät der Kaiser um 123A Uhr eintraf. Ihre Majestät die Kaiserin und Ihre Kaiserliche Hoheit die Kronprinzessin kehrten gegen I2V2 Uhr im offenen Wagen, eskortiert von einer Eskadron des 1. Bayerischen Ulanenregiments Kaiser Wilhelm II., in das Königliche Schloß von Homburg zurück. Da« Publikum auf den Tribünen und auf den Wegen jubelte auf das lebhafteste den Majestäten zu. Am Nachmittag hörte Se. Majestät der Kaiser den Vortrag des Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff. Alsdann begaben sich die

Nun, ich gewiß nicht Bruno!" rief da Eva.Ich habe zwar auch Gouvernanten gehabt, aber es ist nicht viel von dem gelehrten Krimskrams, den sie mich gelehrt, in meinem Kops geblieben. Nur ein bißchen Französisch kann ich sprechen."

Und dafür sei der Himmel gelobt!" rief Bruno.Eine kluge gelehrte Frau könnte ich wahrhaftig nicht vertrugen."

Zärtlich strich er über das zierliche Köpfchen seiner Gattin, das so wenig Gelehrsamkeit barg, aber so viel Sinn für fröh­liche, heitere Geselligkeit und Häuslichkeit hatte.

Ich habe stets ein unbestimmtes Grauen empfunden, vor solchen überstudierten Damen", fuhr Steinweg fort.Auch die Gouvernante, als sie so schweigsam und feierlich hinter mir aus der Kutsche thronte, flößte mir wieder ähnliche Gefühle ein. Einmal, natürlich ehe ich Dich kannte, hat mich allerdings auch ein kluges geistvolles Mädchen sehr gefesselt. Sie war von so eigenartiger, ich möchte sagen, düsterer Schönheit, so ganz das Gegenteil von Dir mein sonniges Kind!"

Eva lachte fröhlich und rief:O, ich habe mich auch, ehe ich Dich kannte, mindestens ein Dutzend Mal von geistreichen Herren fesseln lassen, auch von sehr gescheuten und wirklich wissenschaftlich bedeutenden Männern, einmal war es sogar ein gelehrter Professor. Ach, war der klug! Er bemühte sich un­säglich für Geo- oder Anthropo- oder irgend eine andere Logic, ich weiß es wirklich nicht mehr genau, was es für eine Logic war, aber das weiß ich noch, alte Steine und verknöchertes Zeug schleppte er immer mit sich herum, und wollte auch bei mir Interesse dafür gewinnen. Er sprach fortwährend von Hünengräbern, von der Tertiärzeit, vom Mammuth und von Höhlenbären. Aber es war ganz verlorene Liebesmühe, mich für solche Wissensschätze zu erwärmen. Nur daß der Herr Professor sich überhaupt um mich dummes Ding damals kümmerte, war mir interessant und schmeichelhaft, so daß ich voll himmlischer Geduld ihm zuhörte und einzelne Brocken dieser hochgelehrten Unterhaltung bis auf den heutigen Tag behalten habe. Ich werde es Lotti lehren, denn vielleicht weiß die Gouvernante nicht einmal etwas von der Anthropologie und Tertiärzeit."

(Fortsetzung folgt.)

Majestäten im Automobil »ach Cronberg, um bei dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen den Tee zu nehmen. Abends 7 Uhr fand bei den Majestäten im Kurhaus Paradetafel statt. Bei der Paradetafel brächte Se. Majestät der Kaiser einen Trinkspruch aus. Auf den Trinkspruch erwiderte Generalleutnant v. Eichhorn.

Nach der Paradetafel hielten die Majestäten im Konzert­saal des Kurhauses Cercle und traten dann mit den Fürst- lichkeiten auf die mit einem Baldachin überbaute, nach dem Kurpark führende Terrasse hinaus, um hier den Zapfenstreich der Musikkorps anzuhören, die mit Magnesiumfackeln auf dem Rasenplatz vor der Kurterrasse anrückten. Armee- Musikinspizient Professor Roßberg leitete den Zapfenstreich.

Au« Homburg v d. Höhe, 9. September, wird gemeldet:

Um 11 Uhr vormittag» wurde bei schönem Wetter in Gegen­wart der Majestäten ein Denkmal Kaiser Wilhelms des Großen vor dem Kaiser Wilhelm» Bade im Kurpark, ein Werk des Bildhauer» Professor Fritz Gerth, feierlich enthüllt. Seine Majestät der Kaiser unternahm heute nach, mittag eine längere Automobilfahrt. Ihre Majestät die Kaiserin empfing um 3 Uhr eine größere Anzahl von Damen des Adels, der Spitzen der Zivilbehörden bet Provinz Hessen» Mssau, sowie Damen des Osfizierkorps des 18 Armeekorps, um 4Va Uhr die Damen aus fürstlichen Häusern. Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin unternahmen gleichfalls eine Automobilfahrt. Das Kaiser- paar gab gestern der Provinz Hessen-Nassau im Kurhause zu Homburg eine Galatafel. In deren Verlauf erhob sich der Kaiser zu längerer Rede, in der er schilderte, was Homburgs Boden der Geschichte des Reichs und seinem eigenen Leben bedeute. Nach weihevollen Worten kindlicher Pietät, die er dem Andenken der Mutter widmete, schloß der Kaiser mit einem Hoch auf die Provinz Hessen-Nassau.

Se. Königl. Hoheit der Großherzog Friedrich von Baden beging am 9. d. Mt«. seinen 79. Geburts­tag. Der allverehrte deutsche Bundessürst hat die Schwelle seines neuen Lebensjahres in gesegneter Rüstigkeit über­schritten, nachdem er aus St. Moritz in der Schweiz neu« gekräftigt in sein Land zurückgekehrt ist. Mit Baden bringt man überall im Deutschen Reiche dem Großherzog Friedrich die aufrichtigsten Wünsche für sein dauerndes Wohlbe­finden dar.

In Anbetracht vielfach verbreiteter unrichtiger Nachrichten über die Kompetenz- u. s. w. Angelegenheiten der für Ost­afrika bestimmten M a r i n e st r e i t k r ä f t e sei nachstehend auf die betreffende Allerhöchste Kabinettsordre hingewiesen. Dieselbe lautet:Es sind als überetatsmäßige Besatzungs­teile der Seestreitkrätte der ostafrikanischen Station hinaus« zusenden: ein Delachement Marine-Infanterie von 150 Mann mit Chargen und 4 Maschinengewehren mit doppelten Bedienungsmannschaften der Matrosendivistonen. Ihre Ver­teilung regelt der älteste Seeoffizier der ostafrikanischen Station." Demnach hat weder eine Mobilmachung der Marinc-Feldkompagnie stattgefunden, noch gilt sie al« im Kriegszustand befindlich. Auch S. M. S. Bussard befindet sich nicht im Kriegszustande, ebensowenig die andern nach dem Ausstandsgebiet beorderten Schiffe. Infolgedessen sind auch Kriegsgebührnisse für die Beteiligten nicht zuständig wie auch die Portovergünstigungen der Feldpost nicht einge. treten sind.

Die bremische Lehrerschaft hat mit 273 gegen 43 Stimmen eine Eingabe an den Senat wegen der Abschaffung^des Religionsunterrichts in den Volksschulen genehmigt.

Unter dem Vorsitz des Kultusministers Dr. Studt, der zu dem Zweck seinen Erholungsurlaub unterbrochen hat, fand gestern im Kultusministerium eine Sitzung statt, welche die Cholera und deren Bekämpfung zum Gegenstand hatte. Als Ergebnis war festzustellen, daß es sich bisher nur um vereinzelte Cholerafälle handele und von einer Epidemie nicht gesprochen werden könne. Immer­hin müßten die in weitestem Umfange getroffenen und bis­her vortrefflich bewährten Bekämpfungsmaßregeln mit größtem Nachdruck durchgefühit werden. Besonderer Wert wurde auch daraus gelegt, daß das Publikum selber sich mit dem Wesen und der Verhütung der Cholera vertraut mache, weil dadurch sowohl der Gefahr wie auch der übertriebenen Furcht vor der Cholera am besten begegnet würde.

Die Beziehungen zwischen der Türkei und M an­te n e g r 0 haben sich wieder einmal wegen unliebsamer Grenzvorfälle getrübt. Albanesen, die mit türkischen Truppen in scharfe Konflikte geraten waren, haben sich in das benachbarte Fürstentum geflüchtet und werden dort an­geblich völkerrechtswidrig unterstützt. Die Situation an der montenegrinischen Grenze (Wilajet Skutari) hat sich in letzter

(Der Leipziger Bankkrach als Ehe« Hindernis!) Wegen Zweikampfs wurde der praktische Arzt Dr. W. in Gohli» vom Landgericht zu drei Monaten Festungshaft verurteilt, sein Kartellträger Universitätspro- fessor H. erhielt zwei Tage. Dr. W. hatte den prakt. Arzt Dr B. auf Säbel ohne Binden und Bandagen fordern lassen, weil dieser beleidigende Aeußerungen über ihn hatte fallen lassen. B. hatte seinem Kollegen, als er hörte, daß dieser sich um eine junge Dame aus den ersten Kreisen be­warb, davon abgeralen, da die Familie beim Leipziger Bankkrach schwere Verluste erlitten habe. Dann aber die junge Dame selbst geheiratet. Bei dem Duell erhielt W. einen ziemlich schweren Kopfhieb. Gegen B., der Unter­arzt der Reserve ist, wird vor dem Kriegsgericht verhandelt werden.

Engelberg, 8. September. Am 26. August hatte der Ingenieur Sauer au» Pforzheim eine Tour auf den Titlis unternommen und war seitdem vermißt worden. Nachdem mehrere Expeditionen ohne Erfolg nach ihm ge­sucht hatten, wurde Sauer, welcher abgestürzt war, gestern tot am Galtiberg, einem zu Titli» gehörigen Gipfel, aus­gesunden und zu Tal gefördert.

Würzburg, 9. September. In Rosenheim sind drei Kinder des Heizer« Schöffele nach dem Genuß von giftigen Pilzen gestorben.

Leipzig, 9. September. Beim Heraufwinden von Baumaterialien an einem Neubau riß die Fahrstuhl- kette. Ein Mann wurde getötet, ein anderer so schwer ver­letzt, daß er auf dem Transporte starb.

Trier, 9. September. In Niederwiltz (Luxem­burg) hat ein etwa IV2 Minuten währender Wirbelwind furchtbare Verwüstung angerichtet. Die Obsternte ist ver­nichtet, die Kirche und der größte Teil der Häuser find beschädigt. Zwei Gebäude sind eingestürzt, zwei Personen lebensgefährlich verletzt.

Mannheim, 9. September. In dem Vororte Käfertal ist da« 8jährige Söhnchen des Landwirt« Hermann in Abwesenheit seiner Eltern verbrannt, al« e« Petroleum in« Kohlenfeuer goß.