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herzfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 105.

Donnerstag, den7» September

1905»

Amtlicher teil.

Ernennung von Sachverständigen zur Prüfung von Kraftfahrzeugen und deren Führer. Mit Beziehung aus meine Bekanntmachung vom 7. August b. I«. (Amtsblatt für 1905 Nr. 33 vom 16. August 1905) bringe ich hier­durch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Oberingenieur Ritzhaupt in Schmalkalden vom 1. Oktober d. Js. ab an Stelle des Ingenieurs Schröder als Sachverständiger für die Erteilung von Befähigungszeugnissen für die Führer von Kraftfahrzeugen und für die Prüfung der Kraftfahr­zeuge bestellt worden ist. (A. II. 6300 III.)

Cassel, EM 18. August 1905.

Der Regierungspräsident. I. V.: gez. v. Kamele.

* * *

Hersfeld, den 31. August 1905.

Wird veröffentlicht.

I. 6084. Der Königliche Landrat.

I. B.:

T h a m e r.

Hess. Nass. landw.

Beruss-Genossenschaft

Sektion Hersfeld.

Tageb. A. Nr. 2678.

Hersfeld, den 2. September 1905.

Nachdem die in der Genoffsnschaftsversammlung vom 26. November 1904 beschlossenen UnfallverhütungSvorschriften der Hess. Nass. landwirtschaftlichen BerufSgenossenschaft über landwirtschastliche Maschsnen^üM Uver lanowtrtlchaUliche Nebenbetriebe unterm 3. April d. Js. die Genehmigung des Reichsversicherungsamtes erlangt haben, sind dieselben in einer Anzahl Sonderabdrücken hergestellt worden, wovon in den nächsten Tagen den Herren Ortsvorständen je ein Exemplar zugehen wird. Die weiter beiliegenden Abdrücke über landwirtschaftliche Maschinen sind denjenigen Unter­nehmern, welche einen Betrieb von mehr als 1500 arbeite« tagen bewirtschaften, zu behändigen. Die Namen dieser Unternehmer sind auf den Abdrücken vermerkt.

Die Inhaber landwirtschaftlicher Nebenbetriebe (Bren­nereien, Ziegeleien, Steinbrüchen rc.) erhalten, auf Pappe aufgezogen, gleichfalls je ein Exemplar der Vorschriften.

Die Ortspolizeibehörden des Kreises wollen dafür Sorge tragen, daß die UnfallverhütungSvorschriften bezüglich der landwirtschaftlichen Maschinen rechtzeitig zur Kenntnis aller beteiligten Betriebsunternehmer gelangen und nach In­krafttreten derselben zur Durchführung kommen.

Der Königliche Landrat. I. B.:

T h a m e r.

3er Reinfall zu Imhauseil.

Humoreske von Anna G a d e.

Oberförster Schröder nahm die lange Pfeife aus dem Mund und sah zu seiner rundlichen, kleinen Ehehälfte hinüber, die mit dem Strickzeug in der Hand ihm gegenüber am Fenster saß und soeben einen sorgenvollen Bortrag über das Thema Die Heiratsaussichtslosigkeit vermögensloser höherer Töchter" gehalten hatte.

Ach waS, Altsche", so nahm der Oberförster die Dis­kussion jetzt auf,was einem von Gott ist zugedacht, das wird einem schon ins Haus gebracht, und damit basta! Denn kostspielige Geschichten wie Hausbälle und Badereisen kann doch, zumal wo noch zwei teure Söhne allmonatlich auf Zu­schuß warten, so'n notleidender Grünrock nicht entrieren, und wenn es gälte, wie weiland der töchterreiche Priamos ein halbes Hundert Mädels an den Mann zu bringen. Potz Blitz auch", fuhr er fort,die Anneliese, so» Kiekindiewelt von achtzehn Jahren und noch dazu so 'n frisches, keckes Ding, die kriegt noch früh genug ihr Teil, dafür verwett' ich den stärksten Rehbock im Revier!"

Aber nicht hier in der Einsamkeit!" fiel die Frau Ober­förster ein.Wer sieht das Kind denn hier?! Kein Mensch! Unb Töchter sind kein Lagerobst! Die legen den Eltern Ver­pflichtungen aus, und wenn ein junges Mädchen heutzutage eben nirgendwo Gelegenheit findet ..."

Na, Altsche, nu erlaub aber mal", so warf der Ober­förster lachend ein,du warst als Landpfarrerstöchterchen doch auch so 'ii Veilchen, daS im Verborgenen blühte, und hast wahrhaftig doch bei ailcbemne ganz respektable Partie gemacht! Ergo, liebe Altsche, ich bleib' dabei, waS einem von Gott ist zugedacht, das wird einem schon ins Haus ge­bracht!"

Und damit erhob sich der Herr Oberförster von seinem Stuhl, um sich die Flinte umzuhängen und noch einen Gang durchs Revier zu tu».

Während dessen aber saß der Gegenstand dieser mütterlich pessimistischen und väterlich optimistischen Heiratserwägungen

Herefeld, den 1. September 1905.

Unter den Schweinen des Christian Gleim und Adam Michaeli» zu Biedebach ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 6127. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Unruhen in Mf^Writii.

In den Kämpfen, zu denen es mit den Aufständischen in Deutsch-Ostafrika bisher gekommen ist, haben unsere Truppen offenbar immer verhältnismäßig leichtes Spiel gehabt. Die dortigen Rebellen sind im Kriegshand­werk nicht so weit vorgeschritten wie ihre schwarzen Brüder in Wesiafrika, und nur, wo sie in Massen schutzlose An. siebter oder Missionare überfallen, müssen sie als ernste und gefährliche Gegner betrachtet werden.

Dar er Salam, 4. September. Oberleutnant von der Marwitz von der ostafrikanischen Schutztruppe schlug die Rebellen im Hinterland von Kilwa gründlich. Der Feind hatte 40 Tote sowie zahlreiche Verwundete.

Marokko.

Auf die Entwickelung der Marokkofrage fällt ein neuer Schatten durch den französisch-marokkanischen Streit, den die ungerechtfertigte Gefangennahme eines algerischen Unter­tanen der Republik veranlaßt hat. Es ist nach der unter veullcher Beihülfe öewrrrrni FreMvs oes Vergotteten weniger der Zwischenfall selbst, als seine diplomatische, ober soll man richtiger sagen, undiplomatische Behandlung durch Frankreich, was eine gewisse Unklarheit hervorruft und für Maroko vorsichtige Zurückhaltung ratsam erscheinen läßt. Das Verhalten der Pariser Regierung nach der Frei­lassung Bu Mzian el Miliani's beweist aufs neue, daß in der französischen Marokkopolitik zwei Strömungen mitein­ander ringen, eine friedliche und eine, um nicht mehr zu sagen, minder friedliche. Der Vertreter der ersten sind vornehmlich der Ministerpräsident Herr Rouvier und einige seiner Mitarbeiter. Ihrem durch die Verantwortung für Frankreich» gesamte internationale Lage geschärften Blick kann nicht entgehen, wie viele» dafür spricht, in Nordwest­afrika keine unter Umständen auf Europa zurückwirkenden Verwicklungen zu schaffen. Sie haben aber einen schweren Stand gegenüber den Wortführern eine» rücksichtslosen Drousgehens in Marokko, die an der noch immer Hoffnung«, vollen Anhängerschaft des verflossenen Minister» Delcafls eine Stütze und an der von englischen Zeitungen an­gebotenen Mithülfe Großbritannien» eine verfängliche Ec-

ahnungslos und wie gewöhnlich in allerfröhlichster Stimmung in der Geisblattlanbe hinter dem Hanse.

Fräulein Anneliese, ein frisches, urgesnndes Geschöpfchen mit einem Paar lustiger Schelmeuaugen und prächtigen dunkeln Flechten, die nach Tirolerart höchst anmutig das runde Gcsicht- chen mit dem leuchtenden Kolorit umrahmten, hockte, mit einem zierlichen Hausschürzchen angetan, aus der hölzernen Gartenbank und hielt eine Schüssel mit Stachelbeeren aus dem Schoß, von denen sie emsig Blüten und Stengel knipste. Derweilen Max und Moritz, das unzertrennliche Dackelpaar, zur Rechten und zur Linken neben ihr saßen und Hektor, der braune Hühner­hund, unter dem Tisch ihr zu Füßen lag und ihrer Herrin verständnisvoll zuschauten und zuhörten. Denn Fräulein Anne­liese, ihre eifersüchtig geliebte Freundin, unterhielt die drei auss denkbar angenehmste, indem sie ihnen mit bewunderungswürdiger Virtuosität und Lungenkraft Vorpfiff:Wir halten fest und treu zusammen!"

Das war des Oberförsters Lieblingsmelodie, der überhaupt sehr viel aufs Pfeifen gab, und wenn Anneliese nicht so ge­lehrig sich darin erwiesen, dies höchst wahrscheinlich an ihrer Bildung als ein bedauerliches Manko angesehen hätte.

Und allemal nun, wenn das mit voller Verve gepfiffene Hip, hip, Hurra!" kam, duckten sich die drei Zuhörer unwill­kürlich, denn Fränlein Anneliese trommelte dann den beiden krummbeinigen Max und Moritz mit einer so impulsiven Zärtlichkeit aus das blanke Fell und trat dazu auf das Pedal, das heißt auf Hektors Schwanz, daß das rauhbeinige Terzett wie auf Kommando einfiel und einen quiekenden Jauchzer von sich gab.

Aber warum sollte Fräulein Anneliese auch nicht vergnügt sein, nicht trommeln und pfeifen und das Pedal dazu treten? Morgen war ja ihr achtzehnter Geburtstag die Stachel­beeren waren nämlich für die Torte dazu bestimmt und wenn ein Geburtstag in der Regel schon an und für sich und ein achtzehnter noch dazu zu den angenehmen Einrichtungen gehört, so hatte doch Anneliese obendrein feit längen» das Gefühl, daß dieser Tag noch etwas ganz Besonderes mit sich bringen müsse. Etwas, das mit einer Torte und mit einem rosa Tüllkleid, das sie erwartete, auch nicht die leiseste Aehnlich-

munterung finden. Diese Kreise suchen jetzt Herrn Rouvier zu überrennen. Es sind so ziemlich die gleichen, die vor einigen Jahren, als Herr Delcaffs noch die auswärtige Politik leitete, wegen ungewisser Schuldforderungen der nicht ganz einwandsfreien Levantiner Lorando und Tubini eine große französische Flottenkundgebung vor Mytelene ins Werk setzen konnten, deren unverhältnismäßig» Aus­dehnung damals von St. Petersburg aus ein Ende gemacht wurde.

Auch im Falle Bu Mzian ist das Aufgebot der Mittel außerordentlich: Ultimatum mit sehr scharfen Forderungen, Androhur^ des Abbruch» der diplomatischen Beziehungen, Ausrüstung einer Kriegsflotte in Toulon, Truppen» bewegungen von Algier aus. Hoffentlich bleibt der größte Teil dieses Programms unausgeführt. Die Folgen einer falsch angebrachten Schneidigkeit könnten sonst weiter gehen, als vielleicht selbst dem abenteuerlichsten Teil der Pariser Politiker lieb wäre. Namentlich würde die Ausübung von Gewalthandlungen Frankreichs gegen das Reich der Scherifen kein paffendes Mittel sein, um den Sultan für da» von Herrn Rouvier ausgearbeitete Konferenzprogramm zu ge­winnen. Die Zustimmung Deutschlands zu diesem Programm hat der französische Ministerpräsident sich so ziemlich ge­sichert. Gerade in diesen Tagen begibt sich unser künftiger Gesandter in Tanger Dr. Rosen nach Paris, um die letzten Meinungsverschiedenheiten auszugleichen und mit den leiten« den Männern Frankreich» für eine freundschaftliche deutsch- französische Weiterbehandlung der marokkanischen Frage Fühlung zu nehmen. Um so mehr muß man wünschen, daß der Erfolg der Verständigung zwischen Berlin und Pari» nicht wieder in Frage gestellt, vielleicht die Konferenz selbst gefährdet wird, lediglich weil ts eine Gruppe franzö. ßftfrw au»t>i9iimm»yu»ittw»-'»>-8»,'« »>-->- -- - marokkanische Regierung die Macht der Republik fühlen zu lassen.

3« heu MeMrhMiWN.

Der Friedensvertrag ist gestern (Dienstag) nachmittag in Portsmouth unterzeichnet worden.

In einem Telegramm des Pariser Matin aus Ports­mouth wird der Inhalt des russisch-japanischen Friedens. Vertrages angegeben, deren wichtigsten Bestimmungen wir hier wiedergeben:

Artikel 2. Rußland erkennt an, daß vom politischen, militärischen und verwaltungsrechtlichen Standpunkt aus die Jntereffen Japans in Korea vorherrschend sind.

Artikel 3 setzt die gleichzeitige Räumung der Mandschurei näher auseinander. Die dort durch Privatleute erworbenen Rechte bleiben unberührt.

Artikel 4. Die russischen Pachtrechte auf Port Arthur, Dalny und die angrenzenden Gebiete und Gewässer gehen gänzlich auf Japan über. Grunderwerbungen und

feit hatte, und dennoch in seiner Heimlichkeit viel süßer unb viel, viel rosiger war.

Vor kaum einem halben Jahr nämlich hatte sie in der benachbarten Kreisstadt während eines mehrwöchigen Besuches bei einer Freundin die Bekanntschaft eines dort ansässigen jungen Rechtsanwaltes gemacht, mit dein sie infolge ihres häufigen Beisammenseins in einen aufregenden Prozeß wegen gegen­seitiger Annexion ihrer beider, wohl etwas unbewacht gelassenen Herzen verwickelt war.

Aber wie das bei Prozessen so zu gehen pflegt, die Sache zog sich in die Länge unb war noch nicht jum Schluß, das heißt zum endgültige« Schluß gekommen. Und daher hatte der Herr Rechtsanwalt Fräulein Anneliese am Abend vor ihrer Abreise bei Ueberreichung eines wundervollen Rosenstrauches heimlich angekündigt, daß er mit gütiger Erlaubnis unb sobald er mit seiner jungen Praxis noch etwas sich fundierr sei, sich gestatten werde, auch ihren Eltern seine Aufwartung zu machen, um diese als höchste Instanz unter Wiederaufnahme des Ver­fahrens um ihre richterliche Entscheidung, das heißt um ihre Einwilligung zu bitten, und dann, wenn das Urteil zu seinen Gunsten entschieden und rechtskräftig geworden sei, außer dem annektierten Herzen auch noch die ganz kleine Besitzerin des­selben mit Leib und Seele für immer sich in sein rechtsauwält- liches Heim zu holen.

Von biefem folgenschweren Herzensprozeß aber, in den sich Fräulein Anneliese so leichtsinnig verwickelt hatte, ahnten weder der Herr Oberförster noch seine Gemahlin das geringste. Denn Anneliese, die den Herrn Rechtsanwalt gebeten hatte, bis da­hin jede Korrespondenz zu unterlassen, da die Zusendung der Prozeßakten" sie doch zu leicht hätte verraten können, hütete ihr Geheimnis ängstlich, weil es ihren siebzehn Jahren doch noch zu sehrgenierlich" dünkte, so etwas einzugestehen.

Lange freilich würde sie es ja nicht mehr wahren können, denn der Herr Rechtsanwalt schien sehr für abgekürztes Ver fahren. Und eines schönen Tages, womöglich gar an ihrem Geburtstag, nach dessen Datum er sie mal gefragt, konnte sie immer mit der Möglichkeit rechnen, daß . . .

Ach, werm s nur nicht so so peinlich gewesen, das beißt die erste Einführung des ihren Eltern doch bislang noch völlig