Einzelbild herunterladen
 
  

vergehenden Fällen, welche nicht selten tödlich verlaufen, pflegen die Bleivergiftungen meist zu heilen, wenn die Kranken sich der weiteren schädigenden Einwirknna des Bleies entziehen können. Die Heilung tritt nach mehreren Wochen oder in schweren Fällen auch erst nach Monaten ein.

Verhütung »er vleierkrankung.

Die weitverbreitete Annahme, daß der regelmäßige Gebrauch gewisser Arzneien (Jodkalium, Glaubersalz u. a.) oder Milch­trinken ausreichende Mittel zur Vorbeugung der Bleivergiftung sind, ist nicht zutreffend. Dagegen ist einer kräftigen und fett- reichen Ernährung und insofern auch dem Milchtrinkcn ein ge­wisser Wert beizulegen.

Den wirksamsten Schutz vor Blcicrkranknngen verleihen Sauberkeit und Mäßigkeit. Personen, welche, ohne gerade zu den Trinkern zu gehören, geistige Getränke in reichlichen Mengen zu sich zu nehmen pflegen, sind der BleivergiftungSgefahr in höherem Maße ausgesetzt, als Enthaltsamere. Branntwein sollte, namentlich während der Arbeitszeit, nicht genossen werden. In bezug auf die Sauberkeit müssen die mit Bleifarben in Berührung kommenden Personen ganz besonders peinlich sein und dabei vornehmlich folgendes beachten:

1. Hände und Arbeitskleider sind bei der Arbeit tunlichst vor Verunreinigungen mit Bleifarben zu hüten. ES empfiehlt sich, die Nägel stets möglichst kurz geschnitten zu halten.

2. Da Verunreinigungen der Hände mit Bleifarben nicht gänzlich zu vermeiden sein werden, ist das Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak während der Arbeit zu unterlassen.

3. Die Arbeiter dürfen erst dann Speisen und Getränke zu sich nehmen oder die Arbeitsstätte verlassen, nachdem sie zuvor die Arbeitskleider abgelegt und die Hände mit Seife, womöglich mit Bimstein- oder Marmorseife gründlich ge­waschen haben. Einer gleichen Reinigung bedürfen das Gesicht und der Bart, wenn sie während der Arbeit be­schmutzt worden sind. Läßt sich das Trinken während der Arbeit ausnahmsweise nicht vermeiden, so sollen die Ränder der Trinkgefäße nicht mit den Händen berührt werden.

4. Die Arbeitskleider sind bei denjenigen Arbeiten, für welche es von dem Arbeitgeber vorgeschrieben ist, zu benutzen.

Um die Einatmung bleihalttgen Staubes zu vermeiden, sind die in den Bestimmungen hiergegen enthaltenen Vorschriften genau zu befolgen; insbesondere ist das Anreiben von Bleiweiß und dergleichen mit Oel oder Firnis nicht mit der Hand, sondern in staubdichten Behältern vorzunehmen; ferner sollen Bleifarben- anstriche nicht trocken abgebimst oder abgeschliffen werden.

Erkrankt ein Arbeiter, welcher mit Bleifarben in Berührung kommt, trotz aller Vorsichtsmaßregeln unter Erscheinungen, welche den Verdacht einer Bleivergiftung (siehe oben) erwecken, so soll er in seinem und in seiner Familie Interesse die Hilfe eines Arztes sogleich in Anspruch nehmen und diesem gleichzeitig mitteilen, daß er mit Bleifarben zu arbeiten gehabt hat.

Berlin den 27. Juni 1905.

Der Stellvertreter des Reichskanzlers. Graf von PosadowSky.

Herrfeld, den 31. August 1905.

Die Schulstelle in Solms wird vom 1. Oktober d. Jr. ab frei.

Da» Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 Mark Grundgehalt und 150 Mark Kirchendienst- vergütung und der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mark.

Bewerber wollen ihre Meldung-gesuche nebst Zeugnissen dir zum 2 2. k. Mt». bei dem Königlichen Orts- und Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Schröder in Niederaula over dem Königlichen Landratsamte dahier einreichen.

I. 6065. Der Schulvorstand von Solms.

J. V.:

Th a m e r.

Hersfeld, den 1. September 1905.

Diejenigen Herrn Ort-vorstände, die mit der Erledigung meiner Verfügung vom 1. Juli 1902 I. I. 3711 (Kreis­blatt Nr. 78) betreffend Prüfung der Schankgefäße mittelst Geißler'schen Apparate» noch im Rückstände find, werden hiermit aufgefordert, den fraglichen Bericht nunmehr be­stimmt bis zum 10. September cr. einzureichen, bei Meldung einer Ordnungsstrafe von 3 Mark.

I. 6130. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 1. September 1905.

Im Monat August d. I». haben die nachbezeichneten Herren dahier Jagdscheine erhalten.

A. Jahresjagdscheine:

a. en tgeltlich e: am 2/8. Hauptmann im großen Generalstabe, Gronen, z. Zt. in Hersfeld,

, 8/8. Gastwirt Adam Ruch in Widder-hausen, , 11/8. Leutnant im Jäger-Bataillon Nr. 14 in Kalmar, von Doerr, z. Zt. in Kirchheim,

, 14/8. Küfer Johanne« Opfer in Holzheim,

, 18/8. Bierbrauerei-Geschäftsführer Friedrich Steinweg in Hersfeld,

Ein Brief!

Meine liebe Schwester! Fünf Jahre sind vergangen, seit Karl und ich ein Paar geworden sind.

Ich weiß, daß sich viele Menschen über unsere Heirat aufgehalten haben, wir schien uns darüber hinweg und gründeten uns in Rußland ein glückliches Heim.

Wie Du weißt, leben wit im Charkowschen Gouverne­ment. Die Steppe breitet sich vor unserm Hause aus, und ihre eigenartige Schönheit mtzückt mich immer wieder.

Mein Mann ist jcht Generalbevollmächtigter der fürst- lichen Güter geworden und steht sich dabei pekuniär aus- g^eichnet. Du würdest ihn kaum wiedererkennen. Aus dem düstern Sonderling ist ein zwar ernster, aber zufriedener Mensch geworden, der mich aus Händen trägt und mir alles an den Augen absieht.

Unsere beiden kleinen Mädchen wachsen und gedeihen mit den Blumen der Steppe um die Wette. Die kleine Hedda gleicht Dir und wird einmal sehr hübsch werden.

Daß auch Deine LebenSkrisen überwunden sind, daß Horst und Du Euch endlich verstanden habt, freut mich von Heizen. Und nicht wahr, wenn man erst Mutter ist, wenn man liebe Kinder besitzt, dann trachtet man darnach, Selbsterziehung zu üben und besser zu werden. Dein kleines Pärchen, der kleine Walter und sein Schwesterchen, werden Deine Lehrmeister sein, wie meine Lieblinge es für mich ge­worden find."

Die Baronin Horst läßt den Bries Margaretens in den Schoß sinken und faltet ihre Hände. Ihre Seele beugt sich vor Gott, und sie dankt dem, der sie durch die schweren Krisen ihres Lebens geführt hat, dem Glücke entgegen.

Uermischtes.

Ein Cholerafall in Hamburg hat die Hamburger Polizeibehörde veranlaßt, die Beförderung rus­sischer Auswanderer über Hamburg bis auf weiteres zu untersagen. Die Hamburg-Amerika-Ltnie hat infolgedessen Anordnungen getroffen, baß russische Aurwanderer vorläufig nicht mehr nach Hamburg gesandt werden. Ferner ist von

am

22/8. Bierbrauereibesttzer Jean Steinweg in Hersfeld, 22/8. Gastwirt Jakob Nuhn in Niederaula, 22/8. Landwirt Georg Schmidt I. in Wölfershaufen, 22/8. Referendar Rudolf Hempel in Cassel, 23/8. Maurer Wilhelm Wald in Röhrtgshöfe, 23/8. Landwirt Reinhard Wiegand daselbst, 23/8. Rabe von Pappenheim, Domänenpächter zu Wil- Helmshof,

25/8. stud. jur. Wilhelm Stück in Hersfeld, 25/8. Restaurateur Christoph Ulolh in Caffel, 29/8. Bürgermeister Mathias Wolf zu Lampertsfeld, 29/8. Landwirt Karl Hoßbach zu Hof Weißenborn bei Friedewald,

29/8. Ober-Postsekretär Fritz Gieß in Hersfeld, 30/8. Landwirt Philipp Schäfer in Mengshaufen, 31/8. Bergwerksdirektor LudwigWillingin Heringen a/W. b. unentgeltliche:

17/8. Hilfsjäger Heinrich Hinke in Hersfeld, 23/8. Forstlehrling Friedrich Radeck in Fridewald, 23/8. Königlicher Förster Breitenstein in Friedewald, 23/8. Curth daselbst, 23/8. Klotz zu Forsthaus Etöckig bet Ransbach, 25/8. Langerhanö in Holzheim, 25/8. Forstausseher Göbel in Niederaula, 25/8. * Oberförster Cäsar in Hersfeld, 25/8. Hegemeister Gute zu Forsthaus Sorga, 25/8. , Christ zu Forsthau» Wüst, selb, 25/8. Förster Wege in Hersfeld, 25/8. Andreas in Wippershain, 25/8. Schaaks in Kerspenhaufen, 25/8. , Hilfsförster Drusche! in Rotensee, 25/8. Forstaufseher Kötzschke in Hersfeld, 25/8. Forstschutzgehilfe Diel in Landershausen, 28/8. Königlicher Förster Buchmann in Obergei», 28/8. , Schnepp daselbst, 28/8. , Forstaufseher Röhr in Aua, B. Tagesjagdscheine: 26/8. Kupferschmiedemeister Jerome Schüßler in Hersfeld. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

Hersfeld, den 31. August 1905.

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Jacob Kalbfleisch zu Hilperhausen ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.

I. 6177. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

nichtamtlicher Ceil.

In W in^M-Mwest-Afrika.

Bisher waren die näheren Umstände noch nicht bekannt, unter welchen Generaloberarzt Dr. Theodor Sedlmayer, der am 26 Juli auf einem Ritt von Sandfontein nach Ramannsdrist gefallen ist, seinen Tod ge. funden hat. Darüber macht ein Brief de» Vertreter» der South African Territorie» Kaiser in Steinkopf (Kapkolonie) nun nähere Mitteilung. Es heißt darin, wie dem B. L.°A. mitgeteilt wird:

Während hierher von deutscher Seite gemeldet war, daß man mit Morenga und Morris Über einen Frieden verhandle und Waffenstillstand sei, meldeten Eingeborene den Abzug der Hottentotten von den Fischflußbergen in der Richtung aus Ramannsdrist. Leider kam meine Warnung zu spät, die am 24. Juli (nach Warmbad) abgefahrenen vier Wagen waren bereits am Morgen de« 26., etwa 15 Kilometer von der Drift gerade da, wo der über Sandfontein führende Weg sich abzweigt, von den Hottentotten überfallen worden. An dieser Stelle hatten die Wagen nach einem Nachttreck bei Tagesanbruch gerade ausgespannt, als sie fich bald darauf von etwa 200 Hottentotten umstellt sahen. Ein Angriff auf da« Wagenpersonal unterblieb, ein Bastard hatte gerufen, bei den Wagen befänden sich nurFrieden«- monne" vom Steintopfergebiete. Dann wurde der Vor- mann der Bastard« einem Verhör nach Munition unter­worfen und den sämtlichen Leuten die brauchbaren Kleider vom Leib», sowie die Schlasdecken abgenommen. Die Witboi« halten inzwischen die Wagen abgeladen und die

der amerikanischen Einwanderung-behörde eine Verordnung erlassen worden, nach welcher sich die nach den Vereinigten Staaten von Amerika bestimmten Zwischendeckpassagiere der größeren Vorsicht halber sechs Tage vorher in den Ein­schiffung-häfen einzufinden haben, ehe sie ihre Reise an­treten können. Bei einem in Neuenburg unter cholera- verdächtigen Erscheinungen verstorbenen russischen Flößer ist asiatische Cholera festgestellt worden; ebenso bet einer vorgestern in Kulm erkrankten Frau, bei einem dort er­krankten Kinde und bei einem auf einer Traft verstorbenen russischen Flößer. Neu erkrankt ist ein Flößer bei Jagow»- Höhe. Erst jetzt wird bekannt, daß der am 23. August in Thorn verstorbene Ort-arme Laskowrkt ebenfalls der asia­tischen Cholera erlegen ist. Die in demselben Hause woh­nenden Personen befinden sich unter ärztlicher Kontrolle. Ferner ist ein choleraverdächtiger Fall im Bromberger Vor. ort Schleusenau vorgekommen. Wie aus Landsberg a. W. gemeldet wird, ist in Bergkolonie, Kreis Oststernberg, ein Flößer an Cholera erkrankt und in.Raumerswalde eine Frau daran gestorben. Die Schule in Zantoch ist wegen der Choleragefahr geschlossen worden. Bis jetzt sind im Landkreise Landsberg a. W. vier Todesfälle vorgekommen. Die Warte und die Netze sind für verseucht erklärt worden. Aus Thorn wird gemeldet, daß beim Infanterie-Regi­ment Nr. 21 zwei Cholerafälle festgestellt wurden. Ein 78jähriger Mann ist in Thorn nach amtlicher Angabe an Cholera gestorben,

Ein leichtsinniger Scherz hat den Tod eine» blühenden Menschenlebens verursacht. Zwei Kieler Studenten hatten eine Rheinreise gemacht und bewohnten in Düsseldorf gemeinsam ein Hotelzimmer. Beim Ankleiden entstand zwischen beiden ein scherzhafte» Ringen um die letzte Zigarette. Im Verlaufe de» Ringen« stürzten beide auf da« Bett. Einer der Studenten hatte einen Dolch in Lederscheide in der Hand. Diese löste sich vom Stahl lo« und dessen Spitze drang dem jungen Manne in die Lunge. Innerhalb weniger Minuten war der Verwundete tot.

(Die verzollten Trauerkränze.) Man 1 schreibt au» Bad Elster: Die österreichischen Zollbeamten

Kisten zum grüßten Teil erbrochen, aus denen sie alle», was ste brauchen konnten, heraussuchten. Zur Beute fiel ihnen ein großer Vorrat von Wein, Konserven, Zucker, Fett, Tabak, Seife, 15 Säcke Feinmehl wurden einfach au«, geschichtet, und wer weiß, was sie noch zerstört hätten, wenn fie nicht durch einen Vorfall zum eiligen Aufbruch veranlaßt worden wären. Von Warmbad her kamen zwei Reiter im Trabe auf die Wagen zu geritten, sie wurden, als sie nahe genug waren, von den in die Büsche gesprungenen Hotten­totten von den Pferden geschaffen, ehe sie die Sachlage er. konnt hatten. Den älteren als Stabsoffizier rekognoszierten Gefallenen hielt man für den Führer einer auf dem Marsche befindlichen Truppe, so daß das Gefühl der Sicherheit bei den Hottentotten geschwunden war. Sie erteilten dem Wagenpersonal die Erlaubnis, weiterzusahren und entfernten sich kurz darauf unter Mitnahme der Güter, die sie nur transportieren konnten.

Wie sich später ergab, war der für einen Stabsoffizier gehaltene Reiter der Generaloberarzt, sein Begleiter dessen Bursche.

Unruhen in IM-Wrik«.

Der Kommandant S. M. S. Buffard meldet unter dem 30. August über Kilwa:

Im Bezirk Lindi ist der Aufstand begrenzt durch den Mbeni Kuru, das Plateau Muera, die Lukuledi-Mündung und die Küste. Die Aufrührer sind in größeren Trupp» über das Gebiet zerstreut. Oberleutnant zur See Allvater, ein Deckoffizier und 12 Mann nebst drei schwarzen Soldaten machten einen Vorstoß vonMlschinga ab. Kapitänleutnant Nobis, 2 Deckoffiziere und 15 Mann nebst zwei schwarzen Soldaten schützten Mroweka und Umgebung. Ein Marine­stabsarzt, ein Deckoffizier und 12 Mann machten von hier ab einen Vorstoß. Polizeitruppen gehen die Telegraphen­leitung entlang. Detachements der Schutztruppen operieren nördlich des Lutamba. Araber unterstützen die Truppen und stellen Hilfstruppen. Da« Detachement von Kilwa Kiwinje unterstützt das Vorgehen der Schutztruppe. Der Gesundheitszustand der Truppe ist vorzüglich. Die Depesche ist am 29. August abend» von Lindi mit einem Seegelboot abgegangen.

Dar es Salam, 2. September. Der Ausstand im Lindibezirk hat sich weiter verbreitet. Die Rebellen über- fielen die Missionen Lukuledi und Massassi. Sämtliche Europäer von dort sind in Mikindani angelangt. Aufstän­dische bei Nyangao überfielen die dortige Mission; die Schwester Walpurga wird vermißt, die anderen Weißen sind gerettet. Die nächste Umgebung Kilwas ist vom Feinde verlassen. Südlich Kiswere schlug der den Deutschen treu» gebliebene Jumbe (Dorfhäuptling) Hassan Duka aufstän­dische Wagtndo, welche 15 Tote zurückließen. Der südliche Teil des Mrogoro-Bezirk« ist auch vom Aufstand ergriffen. Zu beiden Seiten des Ruaha sind alle Fremden Überfällen, viele ermordet worden. Die Verbindung mit Mahsnge ist noch nicht wiederhergestellt.

Gouverneur Graf Götzen machte dem Berichterstatter desB. L.-A." folgende eingehende Mitteilungen über die Unruhen in Deutsch-Ostafrika:

Es steht zweifellos fest, daß die unmittelbare Veran- lassung der Unruhen in dem Aufleben des alten heidnischen Schlangen-Kultus zu suchen ist. Die Zauberer, die ihre Macht schwinden sehen, predigen, daß das Volk durch Rück- kehr zum alten Kultus sich befreien werde. Es brauche' keine Steuern mehr zu zahlen, keine Wegs mehr zu bauen, keine Baumwolle mehr zu pflanzen; die Fremden würden ins Meer getrieben werden, und ihre Waffen würden Wasser statt Feuer schießen. Also frisch drauf los, nieder mit den Fremden. Aehnliche Regungen blieben 1898 aus ein ganz kleines Gebiet beschränkt. Auch diesmal waren die Matumbi- Berge der Herd des Ausstande». Gleichzeitig brachen Un» ruhen im Kautschuckgebiet Donde au«, denen zunächst Bischof Spies, dann der Posten Livale zum Opfer fiel. Zahlreiche dortige Eingeborene haben Vorschüsse von Europäern, Kauf­leuten und Küstenhändlern auf Kautschuck. Da« Eintretben solcher Ausstände verursacht stets Streit und mag diesmal zu besonderen Ausschreitungen geführt haben. Gleichzeitig kam die falsche Nachricht, daß Kilwa gefallen sei, nach Livale, und so mögen die Leute nach einem Hirsebier-Gelage mit obligater Schlägerei Mut bekommen und vorgezogen haben, Krieg zu führen, statt Schulden zu bezahlen. Aufrührerische Banden drangen brandschatzend auch bis 6 Stunden von Lindi vor, ohne aber die Stobt zu bedrohen. Besonder- bemerkenswert ist, daß die Rebellen alles Fremde bekämpfen;

find schneidige Leut alleweil, da« muß man ihnen lassen. Fahren da einige Verehrer de« verstorbenen österreichischen Abgeordneten Bareuther au» Plauen i. Vogtl. über die österreichische Grenze nach Asch. Sie werden angehalten. Haben»' nix Verzollbare» ?"Nei, nicht» 1" Und schon geben die Herren im Bewußtsein ihrer Unschuld ihrem Gaul die Peitsche.Halt!" donnert ihnen der Beamte ent­gegen. Er hatte in dem Wagen ,w»i Trauerkränze mit Schleifen bemerkt.Die Schleifen sind als Webwaren zoll­pflichtig, ebenso die Kränze als nicht besonders benannte Waren in Verbindung mit anderen Webwaren. Also, laut Taris 8 Kronen 40 Heller, meine Herren!" Man hatte es eilig und zahlte. Die Welt aber ist um ein Zollkuriosum reicher.

Z w i ck a u, 1. September. Bei einer Automobil­fahrt verunglückte der zur Konsultation nach Glauchau be­rufene Obermedizinalrat Prof. Karg und blieb sofort tot. Sein Begleiter erlitt einen Schädelbruch, der Chauffeur blieb unverletzt.

(Einehelle" Sächsin.) Eine eigenartige Auffassung von der Bedeutung der Briefmarken zeigte ein junge« Dienstmädchen in Zittau, da» sich beim Umzug ihr Gepäck von einem Bahnarbeiter zur Bahn fahren ließ. Sie hatte ihm in der Eile nicht sofort seine 50 Pf. Lohn gegeben und war nun, in ihrem neuen Wohnsitz angelangt, in Sorge, wie sie ihm zu seinem Gelde verhelfen könnte. Endlich kam ihr derglückliche" Einfall, für 50 Pf. Brief­marken auf einen Umschlag zu kleben und die» dem Ar­beiter zuzuschicken. Die Post stempelte natürlich alle Marken ab, und so hat der Arbeiter nur ein Zeugnis von dem guten Willen der naiven Dorfschönen bekommen.

Köln, 2. September. Gestern abend gegen ü Uhr entstand im Keller eine» Materialien- undFaibwarengeschäfte« in der Weperstraße eine Petroleum-Explosion. Von drei im Keller beschäftigten jungen Leuten wurde einer durch Ersticken getötet, der zweite schwer verletzt in« Krankenhaus geschafft. Nur der Dritte konnte sich rechtzeitig au» dem brennenden Keller retten.