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Ijersjclöcr Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 102.

Donnerstag, den 3h August

1905.

Amtlicher teil

Gehilfe mit schöner Handschrift alsIournalist und R e p o s i tar zum 1. Oktober d. Js. gesucht.

Nur solche junge Leute, welche körperlich gesund und bei Verwaltungsbehörden bereits tätig waren, wollen Mel- dungsgesuche nebst Zeugnissen und Lebenslauf einsenden.

Remuneration 600 Mark jährlich.

Gegenseitige Kündigung vier Wochen.

Hersfeld, den 29. August 1905.

Der Königliche Landrat.

I. SS.:

T h a in e r.

Hersfeld, den 29. August 1905.

Die unter dem Schweinebestande des SeilermeisterS Heinrich Nephuth und des Tuchmachers Jakob Ries zu Hersfeld ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen. I. 6032. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h g m e r.

Hersfeld, den 25. August 1905.

Unter dem Schweinebestande des Landwirts Georg Haffenpflug zu Rohrbach ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 5948. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Braun, Kreisdeputierter.

nichtamtlicher teil.

WW-jaMWer Ziikmftsdml».

In die Friedensverhandlungen von Portsmouth hat während der letzten Tage auch der neue englisch-japanische Bündnisvertrag hineingespielt. ImFigaro" wurde in einem mehr diplomatisch als journalistisch geschriebenen Artikel erklärt, Japan müsse auf englische Wünsche für einen baldigen Friedensschluß Rücksicht nehmen, wenn es rechtzeitig in den Besitz der Vorteile des neuen Vertrages gelangen wolle. In Portsmouth haben Herr Witte und noch ein anderes Mitglied der russischen Abordnung auf den Zusammenhang zwischen der Verlängerung des Bündnisses der beiden Jnselreiche und dem Interesse Japans an der Fortführung der Friedensverhandlungen aufmerksam gemacht.

Eine in London ausgegebene Mitteilung, wonach der neue Vertrag noch nicht einmal unterzeichnet sein soll, hat unter diesen Umständen nirgends rechten Glauben gefunden.

Lebenskrisen.

Roman von Freifrau G. v. Schlippenbach.

(Fortsetzung.)

Plötzlich geht ein Schrei durch die Menge, dann wirs es still. Mit vorgestreckten Köpfen lauschen alle.

Aus der Tiefe ertönt ein Ruf, er klingt freudig hoffnungsvoll. Ist das Rettungswerk gelungen?

Man zündet Fackeln an und leuchtet in die Grube hinein. Poch, poch, dröhnt es aus dem dunkeln Schlnnde.

Hurra, Hurra!"

Näher und näher schallt der allen willkommene Ruf.

Da, die ersten Verschütteten.

Von den Armen ihrer Befreier gestützt, emporgetragen. Der erste der mutigen Männer ist der Unbekannte. Sein Gesicht ist geschwärzt vom Kohlenstaube. Er hält einen Bewußtlosen umklammert. Es ist der Mann der jungen Frau, die Mar­garete unter ihre besondere Obhut genommen hat.

Weinend und jauchzend stürzt sie auf den Vater ihrer kleinen Schar zu.

Gott segne Sie, lieber, lieber Herr!" ruft die Mutter und küßt die starken Hände des Fremden.

Margarete aber weiß, wer es ist. Beim Lichte der Pech- fackeln haben sie sich erkannt. So sehen sie sich wieder. ®ie sprachen kein Wort, aber in dieser Stunde, die so ungewöhnlich ist, haben sie sich verstanden; sie haben es blitz­artig erkannt, daß sie sich lieben. -

h 11111 stellt mit den Geretteten Wiederbelebungsversuche an, "ach andere kommen nach und nach zum Vorschein. _ !!> sind tot, und in die Freude derer, die den Vater, den ^oyn oder Gatten wiedcrgcschcnkt erhalten, mischt sich das und Waisen, der Mütter und Gc- , c Schützlinge Margaretens haben solchen bittern beklagen. Man hat den jungen Bergmann . / jrmem in der Nähe liegenden Häuschen getragen, dort kommt er allmählich zum Leben.

'^ ame Kleinigkeit", sagt Margarete beim Abschiede und druckt mehrere Goldstücke in die Hand des armen Weibes.

In Berlin wie in St. Petersburg und in Paris war man von dem Abschluß der vorher gegangenen diplomatischen Bemühungen schon früher unterrichtet. Monate lang haben sich in London zwischen dem britischen Minister des Aeußern Lord Lansdowne und dem Gesandten Japans Baron Hapassi die Verhandlungen hingezogen. Ihr Ergebnis war aber, wenn nicht schon vorher, mindestens in den Tagen gesichert, als König Eduard, vor wenigen Wochen das Parlament mit einer über auswärtige Politik sehr schweigsamen Thronrede schloß und unmittelbar nach diesem StaatSakt vor der Abreise Lord LansdowneS in die Ferien in außer gewöhnlicher Form noch ein englischer Ministerrat ab- gehalten wurde. Wahrscheinlich bat sich diese Sitzung auf die Genehmigung des schon damals wenigstens vorläusig unterzeichneten neuen Bündnisses bezogen. Die Veröffent lichung ist hinausgeschoben worden, weil man sich davon keinen günstigen Eindruck aus die Friedensarbeiten ver­sprach; sie soll aber, wenn dieses Bedenken nicht mehr im Wege steht, gleichzeitig in beiden Hauptstädten, London und Tokio, erfolgen.

Ueber den Inhalt des neuen Bündnisses hat bisher nur soviel verlautet, daß die Rechte und Pflichten beider Teile schärfer bestimmt sein sollen als in dem gegenwärtigen Verträge, der im Januar 1906 abläuft. Unter der Hand ist auch schon für die deutschfeindlichen Blätter verschiedener Länder die Losung ausgegeben worden, die kommende Ge­staltung der britisch japanischen Beziehungen als gegen Deutschland gerichtet zu besprechen. Dadurch soll in Ruß. land, Frankreich und Amerika der Argwohn eingeschläsert weiden, den ein ferneres, noch festeres Zusammengehen des europäischen und des asiatischen Jnselreiches in den Fragen des fernen Ostens gerade in der nicht-deutschen Welt er­wecken könnte. Der Druck des erweiterten englifch-japa- Nischen Zweibundes würde vielleicht bald auf den Philippinen und in französisch Jndo-China stärker verspürt werden als in Kiautschou, und die japanische Diplomatie ist zu vor­sichtig, um gerade mit Deutschland einen Streitfall vom Zaune zu brechen. Wir können in aller Ruhe den Wo t- laut des neuen Bündnisvertrages abwarten, unbeirrt durch Machenschaften, die ihn schon im voraus zu einer Angriffs- waffe aus unsere asiatischen Interessen stempeln möchten.

M Vorgänge in Rußland.

Wie amtlich gemeldet wird, wurden während der Un­ruhen in der Ortschaft Mtschadisdshwari, im Kreise Duschet, sieben Personen getötet und zwölf, möglicherweise auch einige mehr, verwundet. Die Bauern weigerten sich, dem Gutsbesitzer Fürsten Bagration Muchranski den ihm zustehenden Teil der Ernte zu verabfolgen. Als drei Rädelsführer verhaftet wurden, rotteten sich die Bauern zusammen und befreiten die Verhafteten gewaltsam. Eine halbe Schützenkompagnie und einige Kasaken verhalfen dem

Ohne ihren Dank abzuwarten, eilt Frau Roden zum Richard­schachte zurück. Sie weiß ihre Schützlinge geborgen, ihr per­sönliches Interesse tritt in den Vordergrund, alle ihre Sinne sind schmerzhaft gespannt.

Wie mag es den: mutigen Retter gehen?

Wird er von einem Unfälle betroffen, sein Leben, seine Glieder einbüßen?

Und abermals taucht Schmitt empor, wieder hat er ein Menschenleben gerettet.

Ueber seine Wange riefelt Blut; seine Hände sind zerkratzt, und das Haar hängt ihm wirr ins Gesicht; er taumelt unter seiner Last. Da tritt Margarete auf ihn zu. Sie reicht ihm einen großen Becher Wein und wischt mit ihrem seinen Batist­suche das rinnende Blut von seinem Gesichte.

Sind noch viele unten?" fragt Hedda.

Noch zwölf; auch sie müssen gerettet werden", entgegnet Schmitt entschlossen.

Sie sind erschöpft; gönnen Sie sich etwas Ruhe", bittet Hedda.

Nein, noch ist mein Werk nicht vollendet", antwortet er.

Ich nächsten Augenblicke-ist er hinabgeglitten.

Es währt die ganze Nacht, bis alle geborgen sind.

Noch einmal kommt der Förster an die Oberfläche. Es ist der vierte Mensch, den er gerettet hat, und er ist glücklich, daß alle, die er hinansbeförderte, am Leben sind.

Poch, poch, so dröhnt es auS der Erde Schoß. Wie Manlwürse wühlen, bohren, graben sie in der Tiefe.

In mächtigem Schwünge saust die Spitzhacke nieder, ge­waltig klopft der schwere Hammer gegen die Wand.

Und plötzlich löst sich ein großes Stück Braunkohle ab und trifft die Brust des Helden, dessen Name, durch Wendorps bekannt, jetzt von Mund zu SNunb läuft.

Nun können seine starken Arme keinen seiner unglücklichen Mitbrüder emportragen, blutüberströmt ist er selbst hingesunken. Nun bringt man ihn empor, totenblaß bewußtlos. Die Arme hängen schlaff an den Seiten nieder, er sieht wie ein Toter aus.

Margarete kniet neben der Tragbahre, aus die man Schmitt legte. Ein Weh, das fast noch heißer als daS um den Ge-

Gutsbesitzer zu seinem Recht. Hieraus erschienen über tausend Bauern aus verschiedenen Kreisen aus dem Gute des Fürsten, verlangten die Rückgabe des Getreide» und drohten mit Stöcken und Heugabeln. Vor dem erschienenen Kreischef erklärten die Bauern, sie forderten ihr Getreide zurück, da sie den Gutsbesitzern fortan nichts mehr zahlen würden. Aus den Offizier wurden Steine geworfen und geschossen; dieser, obgleich am Kopf verwundet, gab das KommandoFeuer!" und befahl den Kosaken einzudringen. Nach den ersten Schüssen der Kasaken zerstob die Menge. Als darauf etwa 200 Bauern aus den Bergen herabkamen, wandten sich die Kasaken gegen diese. Die Besitzung de» Fürsten Bagration wird militärisch bewacht. Am Hellen Tage wurde ein Kosak aus dem Hinterhalt getötet; zwei Tage darauf wurde Fürst Bagration durch zwei Schüsse verwundet.

B r e s l a u , 29. August. In Sjedlez, der Hauptstadt des russischen Gouvernements Siedlce, brannte die Volks­menge ein Freudenhaus nieder. Durch die Feuersbrunst wurden auch zwölf Nachbarhäuser eingeäschert.

S o » n o w i c e, 29. August. In Czenstochau wurde der Polizeimeister gestern durch eine Dynamitbombe getötet. Einige Personen wurden schwer verletzt. Die Täler find nicht ermittelt.

Besonders große Dimensionen nimmt der durch die dies­jährige Mißernte verursachte Notstand im Gouver­nement Tula an. Dort beginnen schon alle Vorboten beS furchtbaren Hungerjahres 1891 aufzutreten: das Vieh wird infolge Futtermangels zu Schleuderpreisen losgeschlagen, da bereits das Stroh von den Dächern, das letzte, was ge­wöhnlich drausgeht, als Futter ausgebracht ist. In den Städten erscheinen in großen Scharen hungernde Lauern, die um Arbeit gegen Verpflegung bitten, eine Erscheinung, über die audj aus Saratow und Woronesch berichtet wird. An einigen Orten ist sogar schon der Hungertyphus aus­gebrochen. Im russischen Ministerium des Innern arbeitet man daran, die Art und Weise der Hilfeleistung und des Verpflegungssystems festzustellen.

3« Den FrickMerhaMmW.

Die gestrigen Beratungen der japanischen Minister und alten Staatsmänner unter Vorsitz des Mikado haben schnell dazu geführt, daß die Vertreter Japans in Portsmouth die erbetenen neuen Weisungen erhielten, von denen so wichtige Entscheidungen abhängen. Die Verhandlungen mit den Russen können daher früher wieder ausgenommen werden, als es am Sonntag abend zwischen Witte und Takahira vereinbart worden war.

Portsmouth, 29. August. Offiziell wird gemeldet: In der heutigen Sitzung der Friedenskonferenz wurde volle Uebereinstimmung in allen Fragen er- licbten ihrer Jugend ist, schnürt ihr das Herz wie mit eisernen Klammern zusammen.

Die kalte Morgenluft fächelt um die Stirn des todwunden Mannes; sekundenlang kehrt sein Bewußtsein wieder.

Langsam heben die schweren Lider sich, sein umflortes Auge fällt auf das Antlitz, das die ganze Welt für ihn be­deutet.

Ich habe dich lieb", hauchen seine Lippen, so leise, daß nur sie ihn versteht, und er tastet nach ihrer Hand.

Und ich dich!"---

Sie hat es ausgesprochen in heißer, seliger Qual, von der Größe der Stunde bezwungen, entringt es sich ihrem Munde.

Sie hat die Satzungen der Menschen, ihr hartes Urteil vergessen, eine Macht treibt sie, der sie sich nicht entziehen kann. Und die ersten Sonnenstrahlen schießen aus den Wolken hervor, ein neuer Tag wird aus den Schrecken der Unglücks­nacht geboren.

Dreizehntes Kapitel.

Hedda begleitete ihren Vater »ach Hause und blieb vier­zehn Tage in Wendenberg. So sehr sie sich auch über das Wiedersehen mit ihrer Mutter und den Geschwistern freute, so stellte sich doch schon nach einer Woche die Sehnsucht nach dem eigenen Heime ein. Sie kämpfte gegen das wehe Gefühl in ihrer Brust. Das Vaterhaus war ihr fremd geworden, sie war ihm entwachsen. Die jüngeren Geschwister gingen der Mutter zur Hand, man behandelte sie als Gast, als einen sehr lieben, aber die junge Frau fühlte sich doch als nicht mehr * hierher gehörig. Zum ersten Male fragte sie sich, wie sich ihr ferneres Leben gestalten sollte, nachdem sie Buchenan verlassen haben wird. Würden die Eltern sie wieder ausnehmen, würden sie ihr nicht zürnen?

Nie hätte sie sich entschlossen, ihnen den wahren Sach verhalt zu erzählen, wie sie es mit Margarete getan, sie war zu stolz dazu. Lieber wollte sie die Schuld allein auf sich nehmen, den Tadel ertragend, nur nicht eingefteben, daß Horst sie als Ware angesehen, die man kauft, ohne wirklich nach ihr zu verlangen, nur um in den Besitz des Gutes zu kommen