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herzfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“ Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 101* Dienstag, den 29. August * 1905»
Amtlicher teil.
Hersseld, den 23. August 1905.
Im Anschluß on mein AuSschreiben vom 6. Februar
b. I«. 1 Nr. 800 (Kreisblati Nr. 18) werden die Herren Ortsvorstände des Kreises noch besonders darauf hingewiesen, daß Anträge auf Bewilligung von Beihülfen zur Beschaffung von Gemeindebullen an die Landwirtschaftskammer zum 1. Juli und 1. Dezember jeden Jahres einzu-
reichen sind und jedem Antrag eine Nachweisung nach dem hierunter abgedruckten Muster beizusügen ist.
l. 5487. Der Königliche Landrot.
3. V.:
Thamer.
Name der Gemeinde.
Rasse der Bullen.
Hat sich die Gemeinde verpflichtet, die in Spalte 3 angegebene Zuchtrichtung mindestens 10 Jahre beizubehalten.
Besteht in der Gemeinde ein Ortsstatut über die Bullenhaltung nach Maßgabe des Normalstatuts.
Hat die
Bullen- beschaffung bereits statt- gefunden?
Betrag der Anschaffungskosten.
Der Erlös für den alten Bullen beträgt bezw. wird voraussichtlich betragen
Mk.
Beihülfe des Kreises Mk.
Als Staats- öeihülfen werden beantragt
Mk.
Begründung des Antrages.
Steuerverhältnisse
Staats- Kommunal- steuer steuer
nach den einzelnen Steuergattungen Mk. %
Sonstige Gründe der Bedürftigkeit.
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Hersfeld, den 24. August 1905.
Zufolge eines Erlasses des Herrn Ministers für Landwirtschaft, Domainen und Forsten vom 19. April d. Js., Nr. 1 b 1293, weise ich die Herren Ortsvorstände des Kreises daraufhin, daß neben der Königlichen Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung zu Berlin SW 12, Kochstraße 73, in erster Linie die Beamten der Meliorationsbauverwaltung dazu berufen sind, leistungsschwachen ländlichen Gemeinden bei Aufstellung und Ausführung von Projekten für Wasserleitungen sachkundige Unterstützung zu gewähren.
Voraussetzung für die Heranziehung der Meliorationsbaubeamten ist stets, daß es sich, wie bereits erwähnt, um leistungsschwache ländliche Gemeinden handelt und daß bei dem betreffenden Wasserleitungsprojekt landwirtschaftliche Interessen wesentlich mitbeteiligt sind. In solchen Fällen ist der Herr Minister für Landwirtschaft, Domainen und Forsten bereit, um die Ausstellung von Projekten zu ermöglichen, Beihilfen aus dem ihm zur Verfügung stehenden Vorarbeitskosten- sonds (Kap. 136 Titel 10) zu gewähren, und für die Ausführung von Wasserleitungen aus dem im Extraordinarium seines Etats ausgebrachten Fonds im Verein mit den betreffenden Provinzialverbänden Unterstützungen zu bewilligen, wie dies bisher schon mehrfach geschehen ist.
L 5816. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Braun, Kreisdeputirter.
Caffel, den 11. August 1905.
Durch Erlaß der Minister für Handel und Gewerbe und
d-. 3-«rn »»> 19. Sunl d. 3«. 3-
sind die Bestimmungen über die Ausführung der periodisch zu wiederholenden polizeilichen Maß- und GewichtSrevistonen vom 5. August 1885 — 9299 M. f. H, II. 8057 M. d. J. — in folgender Weise abgeändert:
Zu I Ziffer 2 (Zusatz). Lagerräume der Großhandlungen UNV Fabrikdetriebe, die dem öffentlichen Verkehr
Cebenskrisen.
Roman von Freifrau G. v. Schlippenbach.
(Fortsetzung.)
Der Todeskamps dauert die ganze Nacht. Hedda kniet neben dem Rollstuhle und wischt den Todesschweiß von der kahlen Stirn des Greises, der die schwerste Arbeit seines Lebens vor sich hat, die Arbeit des Sterbens.
Die junge Frau betet laut und sagt dazwischen Sprüche aus der Bibel her; ihr frommer Kinderglaube tröstet die scheidende Seele. Horst steht auf der andern Seite des Onkels; in dieser Stunde lernt er Hedda erst recht lieben.
Als die ersten Grüße des neuen Tages durch das offene Fenster fielen, hatte der müde Pilger ausgelitten.
Mit sanfter Hand drückt die junge Frau ihm die Augen zu. Wie sie sich von ihren Knieen erheben will, taumelt sie, und eine tiefe Ohnmacht kommt über die völlig Erschöpfte.
Drei Tage später standen die Gatten am Grabe des Onkels und hörten die Schollen dumpf auf den Sargdeckel poltern. Noch an demselben Tage verließen sie Wiesbaden und reiften nach Teplitz, wo Margarete sich bei ihrem Vater aufhielt. Hedda wünschte, hier einige Zeit zn bleiben und auch nach Wendenberg zu reisen, ehe sie nach Buchenau zurückkehrte. Sie hoffte, im Zusammensein mit den Ihrigen die Rnhe wiederznfindcn, die sie nach braucht", um die letzten schweren Monate zu durch-
""in Schlüsse des Jahres trennten.
lieber Viola Sternau sprachen weder Horst noch seine Frau; ’Uu’ Muten sich, an diesen Punkt zu rühren.
Zwölftes Kapitel.
k '^orst blieb nur zwei Tage in Teplitz und reifte dann nach A Gefühl großer Ruhe kam über Hedda, als sie mit . owr und Schwester allein blieb. Sie hatte Tieferschütterndes m Wiesbaden erlebt und fühlte sich müde und abgespannt. „rlllc ängstliche Scheu hinderte sie daran, mit ihrem Manne gew'sa ^" sprechen, und doch wäre es das einzig Richtige
„Max hat die Sternau gesehen, ohne mir etwas davon
nicht zugängig sind, werden von diesen Revisionen nicht betroffen.
Zu II Ziffer 8 (neuer Absatz hinter dem ersten Absatz). Auf Großhandlungen und Fabrikbetriebe, deren Lagerräume nicht dem öffentlichen Verkehr zugänglich sind, ist ein polizei- zeilicher Zwang bei Ausführung der Revisionen nicht auszuüben.
Zu II Ziffer 13 (neuer Absatz hinter dem zweiten Absatz). Diese Bestimmungen finden auf solche Lagerräume der Großhandlungen und Fabrikbetriebe, welche dem öffentlichen Verkehr nicht zugänglich find, nur insoweit Anwedung, daß die Revisionen von den technischen Beamten ohne Zuziehung der Polizeibeamten vorgenommen werden. Letzteres trifft auch auf die in Ziffer 9 Abs. 3 gedachten Fälle zu. Die wahrgenommenen Mängel sind den Gewerbetreibenden zwecks Vornahme der erforderlichen Berichtigungen oder Nach- eichungen zu bezeichnen. Ziffer 15 findet entsprechende An- Wendung. Mit Rücksicht auf die beiden ersten Zusätze ersuche ich die Ihnen untergeordneten Polizeiorgane dahin anzuweisen, daß sie in den bezeichneten Betrieben weder die ausschließlich polizeilichen noch die technisch polizeilichen Revisionen vorzunehmen haben. Wegen der Bestimmung in dem neuen Absatz zu II Z. 13 der AuSführungsbe- stimmungen vom 5. August 1885 werden die Eichmeister demnächst von hier aus mit Anweisung versehen werden.
Der Regierung« Präsident. Graf v. B e r n st o r f f. An die Herren Polizeidirektoren zu Caffel, Hanau und Fulda und an die Herren Landräte des Bezirk«. (A Il Nr. 6064 II.)
Herrfeld, den 23. August 1905.
Vorstehende« wird den OrtSpolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Nachachtung mitgeteilt.
J. I. 5788. Der Königliche Landrat.
3. V.:
Braun, Kreisdeputierter.
zn sagen", dachte der Trotzkopf, „er hat vor mir Heimlichkeiten, er muß die Schauspielerin noch lieben."
Heddas Herz war voll zum Ueberfließen, sie vertraute sich Margarete an und verschwieg ihr nichts. Frau Roden stand ihrer jüngern Schwester in dieser schweren Krisis ihres Lebens bei.
„Trotz aller belastenden Beiveise habe ich aber doch die feste Ueberzeugung, daß Max dich liebt und sich darnach sehnt, es dir zu sagen", versicherte Margarete.
„Nein, das glaube ich nicht!" rief Hedda, „warum findet er nie das Wort, warum geht er stumm an mir vorüber?"
„Du willst ihn nicht verstehen, du setzest deinen Trotzkops auf. Ich hab mich oft über Horsts Geduld gewundert, wenn dn unfreundlich gegen ihn warst. Da du offen mit mir sprichst, muß ich es dir sagen, du bist unausstehlich gewesen."
Hedda widersprach und blieb eigensinnig bei der Ansicht, daß ihr Mann sich noch immer für die Sternau interessiere.
„Du bist hartnäckig und redest dir allerlei ein", versetzte Margarete, „ist denn kein Fünkchen Liebe in deinem Herzen für den, der dir am Altar angetraut wurde?"
„Slein", entgegnete Hedda hart, „das ist vorbei, Max hat die zarte Pflanze im Keim gebrochen, sie hat sich nicht entfalten können."
Margarete schwieg, aber sie betete, daß Gott noch in elfter Stunde Heddas Augen öffnen wolle
Frau Roden trug ihre eigenen Sorgen allein, niemand durfte von den Kämpfen ihrer Seele ahnen. Sie liebte Schmitt, ihn, der ihren Gatten getötet hatte. Ans dem anfänglichen Mitleid war warme Zuneigung geworden; sie hätte ihm so gern aus der Fülle ihres weiblichen Herzens ein wenig Glück gespendet. Mit weichen Händen hätte sie das Kainszeichen von seiner Stirn gewischt und ihn gebeten, ruhig zu werde». Sie konnte nichts für ihn tun, nur ihre Hände im stillen Flehen falten: „Herr, gib ihm endlich Frieden, hilf ihm in seiner Not."
Herr von Wendorp war glücklich, seine Tochter bei sich zn haben. Er war durch das heilkräftige Bad gestärkt, so daß er au den Spaziergängen teilnehmen konnte; nach den schönsten Punkten machten alle drei Ausflüge.
Hersfeld, den 23. August 1905.
Mit Bezug auf die Vorschrift des Schlußsatzes be» Absatzes 1 der Ziffer 5 des EclaffeS des Herrn Minister« für Landwirtschaft, Domänen und Forsten vom 4. Juli b. Jr., G. Nr. I. Ga. 5843, betreffend die Reisegebührniffe der Kreistierärzte, werden die OrtSpolizeibehör» den des Kreises hierdurch angewiesen, von allen unmittelbar an den Kreistierarzt gerichteten Requisitionen mir eine Abschrift sofort vorzulegen. I. 5549. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 24. August 1905.
Mit Bezug auf meine in Nr. 97 des Kreisblatter veröffentlichte Bekanntmachung vom 16. d. M. bringe rch hiermit zur Kenntnis, daß der zum Sachverständigen für Prüfung pp. von Kraftfahrzeugen und deren Führer ernannte Schloffermeister Trautvetter hier zur Erhebung nachstehender Gebühren berechtigt ist:
1. für die Prüfung eines Kraftwagens 10 Mark,
2. für die Prüfung jedes ferneren an demselben Tage, in demselben Orte und demselben Besitzer gehörenden Kraftwagens 7,50 Mark,
3. für die Prüfung eines KraftwagenführerS 10 Mark, 4 für die Prüfung eines KraftwagenführerS verbunden mit der Prüfung eines Kraftwagen» 15 Mark,
5. für die Prüfung eines ferneren Kraftwagen« desselben Besitzers an demselben Tage und Ort verbunden je mit der Prüfung eines weiteren KraftwagenführerS 10 Mk.,
6. für die Prüfung eines Motorrades in jedem Fall 5 Mk.
7. für die Prüfung eines Motorradfahrer» in jedem Falle 5 Mark,
8. außerdem die wirklich verauslagten Reisekosten.
I. 5886. Der Königliche Landrot.
3 V.:
Thamer.
Teplitz und die Umgegend besitzen viele Bergwerke, von denen die meisten Braunkohle enthalte». Der Richardschacht liegt außerhalb der Stadtgrenze, und vor einigen Jahren war infolge der sogenannten schlagenden Wetter ein Grubenunglück geschehen, bei dem viele Bergleute ihr Leben ein- büßten.
Die beiden jungen Frauen wollten einfahren, und der Tag war dazu schon bestimmt, da ereilte die Bewohner der Stadt eine Schreckensknnde. Der Hauptstollen war eingestürzt, kurz nach der Mittagspause, als die Arbeiter wieber eingestiegen waren.
In maßloser Aufregung versammelten sich Hunderte von Menschen um die gähnende Oeffnung, die in den Schoß der Erde führte, und in fieberhafter Tätigkeit wurden die Rettungsversuche ins Werk gesetzt.
Ein breitschultriger Mann, ein Fremder, den niemand kannte, arbeitete für drei. Es war Schmitt, der mit dem Morgenzuge in Teplitz zugereist war. @r hatte erfahren, daß Margarete hier war, und eine brennende Sehnsucht packte ihn, sie noch einmal zn sehen, ehe er Deutschland verließ, um wieber nach Rußland zurückzukehren. Der Fürst hatte den Förster abermals engagiert, die Bedingungen waren vortrefflich.
„Ich will nur ihr liebes Gesicht sehen", dachte Schmitt, „ich will kein Wort mit ihr sprechen, sie darf nicht wissen, daß ich in Teplitz bin."
Durch den erschrockenen Kellner erfuhr Schmitt von dem Grubenunglücke im Richardschachte.
„Hier gibt es Menschen zn retten", sagte er sich, „Leben um Leben, vielleicht entsühnt es mich."
Ans der Tiefe der Erde erscholl ein furchtbares Krachen, das Gerüst war cingebrvchen Alles geriet darüber in Bestürzung.
„Wie viele Menschen sind wohl unten?" fragte jemand. „Zweiunddreißig Bergleute", lautete die Antwort.
Die Frauen und Kinder der Verschütteten standen jammernd und weinend um die gähnende Oeffnung. Schmitt arbeitete mit Riesenkräften, er feuerte die Zagenden an und tat es allen zuvor. Ein Strick wurde in die Tiefe hinabgelassc»; die Leute