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herrfelder Armblatt
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Fernsprech-Anschlutz Nr. 8
Nr. 97.
Sonnabend, den 19. August
1995.
Amtlicher Ceil.
Polizeiverordnung, betr. Ergänzung der Baupolizeiordnungen II und III.
Auf Grund bet § 137 der Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung Dom 30. Juli 1883 (G.-S. S. 195) und der §§ 6, 12 und 13 der Verordnung über die Polizei- verwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G.S. S. 1529) wird mit Zustimmung des Bezirksausschusses für den Geltungsbereich der Baupolizeiordnungen II und III vom 1. bezw. 3. November 1902 (Amtsblatt 1902, Beilage) folgendes verordnet:
Einziger §.
Die durry die Baupolizeiordnungen II und III bestimmten Einschränkungen des Bebauung-recht» schließen es nicht aus, daß da wo e» die örtlichen Verhältnisse erfordern, durch Ortspolizeiverordnung mit Genehmigung des Regierung» Präsidenten weiter reichende Einschränkungen bestimmt werden und daß insbesondere für einzelne Teile einer Gemeinde die landhausmäßige Bebauung vorgeschrieben wird.
Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Veröffentlichung im Regierungsamtsblatt in Kraft. (A. III. 2776 I. Ang.) Cassel am 30. Juli 1905.
Der Regierungspräsident. Graf v. Bernstorf f. * *
Hersseld, den 15. August 1905.
Wird veröffentlicht.
I. 5522. Der Königliche Landrat.
J. 93.:
Thamer.
Ernennung von Sachverständigen zur Prüfung von Kra ft fahrzeugen und deren Führer. — Mit Beziehung auf meine Bekanntmachung vom 1. März d. Js. (Amtsblatt für 1905 Nr. 10 vom 8. März 1905) bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der Schlossermeister C. Traut vette r in Hersfeld als weiterer Sachverständiger für die Erteilung von Be- fähigungszeugnissen für die Führer von Kraftfahrzeugen und die Prüfung der Kraftfahrzeuge bestellt worden ist.
Cassel am 7. August 1905. (A. II. 6078 III)
Der Regierung«,Präsident. I. V.: M e j e r.
* * *
Hersfeld, den 16. August 1905. Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Nürnberg, den 14. Juli 1905.
Mit einer heutigen ganz ergebensten Zuschrift richte ich an eine Hohe Königliche Regierung die gehorsamste Bitte, für die Folge im Regierungsbezirk Cassel meine Türen als die besten und die einzigen, welche wirklich feuersicher sind, vorschreiben zu lassen.
Wie aus den beiliegenden Gutachten bes K. Polizei- Prästdenten Berlin und der Technischen Hochschule Berlin hervorgeht, sind meine Türen nicht nur besser als die bisher allgemein verwendeten dopp.lt blechbeschlagenen Holztüren, sondern auch als eiserne Türen. Zahlreiche vergleichende Brandproben haben deutlich gezeigt, daß zur Zeit kein anderes System existiert und bis jetzt existiert hat, welches die Eigenschaft besitzt, ein mittlere» und großes Feuer auf den Entstebungiherd zu beschränken. Meine Türe besitzt diese Eigenschaft in idealer Vollkommenheit. Ein Ueber« greifen des Feuer» bei Verwendung meiner Türen ist ausgeschlossen.
Meine Unterlagen sind für das Königliche Polizei.Prä- stdium Berlin in 40 Garnituren eingefordert worden und liegen an jeder Stelle auf, welche selbständig Baupläne genehmigen kann. Auch die Privat-Feuerversicherungsgesellschasten haben sich meine neue Erfindung zu Nutzen gemacht und schreiben bei Neubauten meine Türen vor, wenn die Versicherungsnehmer Anspruch auf die niederste Prämie machen wollen.
Indem ich eine Hohe Königliche Regierung gehorsamst darum bitte, von meinem heutigen Schreiben ben einschlägigen ^Hürden des Regierungsbezirkes geneigtest Kenntnis geben zu wollen, erkläre ich mich hiermit gern bereit, weitere Unterlagen in beliebiger Zahl zur Verfügung zu stellen, r» r " wohlwollenden Verbescheidung meine» heutigen Ge- ucyes gern entgegensetzend verharre ich unterdessen allerunter- tänigst. Hohe Regierung zu Cassel. gez. Eugen Berner.
Cassel, den 3. August 1905.
Bo>.??r !' « ”7 a^"A» Kenntnis und Hinweis der Bauherrn in geeigneten Fallen.
Ich bemerke jedoch, daß die Beschaffung der Türen nicht verlangt werden kann. (A. III. 2914.)
Der Regierung- Präsident. J. B. Meje r.
An die Herren Polizei-Direktoren hier und in Fulda, die
Herren Landräte und Kreirbauinspektoren des Bezirks und die städtischen Polizei-Verwaltungen zu Hanau, Mar- bürg und Eschwege.
* * *
Her-feld, den 14. August 1905.
Wird veröffentlicht.
Die Herren OrtSvorstände des Kreises werden hiermit angewiesen, in geeigneten Fällen die Bauherrn hieraus aufmerksam zu machen.
I. 5551. Der Königliche Landrat
Freiherr von Schleinitz, Geheimer RegierungS-Rat.
Hersfeld, den 15. August 1905.
Unter dem Schweinebestande des Seilermeister» Heinrich Nephuth zu Hersfeld ist die Schweineseuche ausgebrochen. I. 5638. Der Königliche Landrot.
J. V.: T H a m er.
Hersfeld, den 15/ August 1905.
Unter dem Schweinebestande des Landwirts Jacob Kalb, fleisch in Hilperhausen ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 5639. Der Königliche Laadrat.
J. V.:
Th mer.
Hersfeld, den 15. August 1905.
Die unter dem Schweinebestande der Landwirts Johanne» Fröhlich in Gittersdorf auSgebrochene Rotlauffeuche ist erloschen. I. 5643. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde r Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Wieder hat der Kaiser in der deutschen Ostmark geweilt, wohin ihn militärische Pflichtengerufen hatten. Dabei hat er auch in Gnesen, der alten polnischen Königsstadt, seinen Einzug gehalten. Die Stadt Gnesen, die seit dem Besuche des Kaiser» Otto III. im Jahre 1000 keinen Kaiser in ihren Mauern gesehen hat, hatte sich auf diesen Kaiserbesuch durch einen reichen und prächtigen Fest, schmuck aufs würdigste vorbereitet, und taufende von Ansiedlern, Bürgern und Bauern aus allen Teilen der Ostmark haben dem Kaiser jubelnd ihre Huldigung dargebracht. Kaiser Wilhelm zog in Gnesen- Mauern ein als Herrscher der Ostmark, die ein unlösbarer Teil des preußischen Staates und deutschen Reiche» ist. Dieser Gedanke klang auch au» einer hochbedeutsamen Rede bes Kaiser» heraus, die er auf dem Marktplätze in Gnesen, den die alte Käthe- drale hoch überragt, an die „Herren vom Domkapitel" gehalten hat, und die hoffentlich ihres ernsten Eindruckes auf Deutsche und Polen nicht verfehlt hat. Für die polnische Opposition fand der Kaiser Worte väterlich-milder Ermahnung und versicherte dabei den Polen wiederholt, daß sie Schutz und Recht unter den Hohenzollern finden, daß ihre katholische Religion von ihm geehrt und deren Ausübung in keiner Weise gestört wird Den „Herren vom Kapitel" aber gab er zu verstehen, e» sei an ihnen, das hohe Wort bes priesterlichen Greises Leo XIII, der sich ihm gegenüber in feierlichster Weise für die Untertanentreue der polnischen Untertanen verbürgt habe, zur Wirklichkeit zu machen, „auf daß dieser nicht noch nach seinem Tode wortbrüchig werde dem deutschen Kaiser gegenüber". Den Deutschen aber gab der Kaiser zu bedenken, daß sich gegen fein Vaterland versündige, wer ohne Zwang seinen Besitz in der Ostmark veräußere. So wird die Anwesenheit bes deutschen Kaiser» in Gnesen auch den Polen erneut zum Bewußtsein gebracht haben, daß Preußen und Deutschland die Ostmarken gegen jeden innern und äußern Feind zu schützen wissen wird.
DiestreikendenArbeiter in der sächsisch- thüringischen Textilindustrie haben sich fast in letzter Stunde doch noch eines bessern besonnen, statt einen Lohnkamps heraufzubeschwören, dessen Ausgang ihnen die Niederlage bringen mußte. Sie haben die Arbeit», bedingungen angenommen, die ihnen das Entgegenkommen der Färbereikonvention zusicherte, und sie haben recht daran getan. Denn auch in ihrem Falle war es klüger, sich mit dem Erreichbaren zu begnügen, statt für Phantome ihre Existenz aufs Spiel zu setzen, wie sie ihnen von den sozial
demokratischen Hetzern in so glühenden Farben vorgespiegelt wurden. Daß die Arbeiter günstigere Arbeitsbedingungen erzielt haben, wird ihnen gewiß jeder Einsichtig Denkende gönnen; sie sollten sich aber dabei auch dessen bewußt sein, daß sie die» dem Entgegenkommen der Arbeitgeber verdanken, die sofort ein Verständnis für ihre Forderungen und ein Eingehen auf ihre Wünsche zeigten, soweit es irgend möglich war. Die erzielte Einigung wird gewiß überall mit großer Genugtuung begrüßt worden sein, ist durch sie doch ein Kampf vermieden worden, der nicht nur bet Arbeiterschaft der sächsisch-thüringischen Industrie schwere Verluste gebracht, sondern auch dieser Wunden geschlagen hätte, die sich in langer Zeit kaum hätten heilen lassen.
Die am Sonntag veranstaltete Volksabstimmung wegen Auflösung der skandinavischen Union war für ganz Norwegen ein Festtag, wie ihn das Land nur selten gesehen, und hat sich unter ungewöhnlich starker Beteiligung vollzogen. Von den entlegensten Inseln und aus dem Hochgebirge im tiefsten Innern beS Landes eilten die Stimmberechtigten zu den Urnen und vollbrachten mit ihren weiten Reisen wahre Opfertaten. Da» Ergebnis der Abstimmung war eine überwältigende Mehrheit für die Trennung von Schweden, nur eine verschwindend kleine Minderheit von noch nicht zweihundert Stimmen wurde für die Aufrechterhaltung der Union abgegeben. Diese» Ergebnis kann nicht wundernehmen, wenn man bedenkt, wie vor der Abstimmung die Bevölkerung bearbeitet worden ist, damit diese zahlreich an die Stimmurne komme und mit „ja" stimme. Presse und Parteivorstände veranstalteten eine intensive Agitation, die Geistlichen wiesen von den Kanzeln auf die Bedeutung der Volksabstimmung hin und forderten auf, für die Auflösung der Union zu stimmen, ja vielfach haben sich auch die Frauen nicht enthalten können, ihren Senf zur Unionsauflösung zu geben, indem sie, weil nicht stimmberechtigt, Unterschriften zu Adressen sammelten, worin die Zustimmung zur Trennung der Union ausgedrückt wurde. So hat das norwegische Volk die vom Storthing am 7. Juni beschlossene Trennung von Schweden gutgeheißen, und es bleibt abzuwarten, wie sich Schweden damit abfinden wird.
Die ungarische Krisis hat sich in den letzten Tagen wieder verschärft. Die Regierung hat in einer sehr energisch gehaltenen Verordnung einen Komitatsbeschluß, der die Nichtbeachtung einer Verfügung der Militärbehörde in Angelegenheit der Einberufung der Reservisten und Er- satzreservisten zum Gegenstände hatte, aufgehoben und zu- gleich den betreffenden KomitatSmitgliedern mit der Einleitung bes Strafverfahrens gedroht. Der Erlaß betont, daß die Regierung im Interesse des Schutzes der bestehenden Gesetze handle, während der Komitatsbeschluß gegen das bestehende Gesetz verstoße. Der Minister bes Innern hat sich dahin geäußert, daß er mit der ganzen Strenge bes Gesetze» gegen die renitenten Beamten vorgehen werde. Die Bevölkerung im Lande ist ruhig, und die Koalitions- gewaltigen, die sich jetzt in der Rolle von VersaffungS- keltern so gut gefallen, werden diese Rolle wohl bald aus* gespielt haben, sobald die Bevölkerung einsieht, daß nicht die Regierung die Verfassung bedroht, sondern die Koalition es ist, die nicht davor zurückschreckt, bas Land in die gesetzwidrige Richtung zu drängen.
In der amerikanischen Stadt PortSmouth gehen die Friedensverhandlungen langsamen Schrittes weiter. Daß beide Teile ernstlich den Frieden wollen, geht daraus hervor, daß sie sorgfältig alles vermeiden, was im ersten Stadium der Verhonvlungen leicht zu einem Bruch führen könnte, währenv nach Feststellung aller der Punkte, über die man einig geworden ist, viel eher eine gegenseitige Annäherung auch in den jetzt schwierigen Fragen zu ermöglichen ist. Tatsächlich herrscht in der Mandschurei bereits Waffenstillstand. Es ist unwahrscheinlich, daß während der Verhandlungen ein Gefecht statlfinden wird; denn es wird von beiden Seiten zugegeben, daß, wenn Oyama Linewilsch zu einem Gefechte zwingen würde, in dem taufende von Menschen umkommen, Japan unoermeib* literweise fein Ansehen bei der ganzen Welt verlieren würde. Gewiß können beide Teile den Krieg weiter führen, aber beide wünschen und brauchen Frieden, und ein guter Friede ist heute besser als ein Krieg zweifelhaften Ausgangs
Der russisch-japanische Krieg.
PortSmouth, 16. August. Bei der heutigen Vor- mittagSsitzung der Friedenskonferenz waren die Bevollmächtigten mit der Beratung bes 7. Artikels beschäftigt; in der Nachmittagssitzung wurde die Debatte über denselben Artikel fortgesetzt.
PortSmouth, 16 August. Die heutige Nachmittag»- ltzung der Friedenskonferenz beschäftigte sich zunächst mit )er Erörterung über die chinesische Osteisenbahn. Nach Beseitigung einiger Mißverständnisse wurde eine Einigung er- zielt, wobei jedoch ein Punkt einer späteren Erwägung vorbehalten wurde. Nachdem Artikel 7 so erledigt worden