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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 95. " Dienstag, den 15. August 1905.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 7. August 1905.

An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Mohr zu Friedewald ist der Gemeinderechner Heinrich Bude», heim daselbst als solcher gewählt und am heutigen Tage für einen achtjährigen Zeitraum eidlich verpflichtet worden. A, 2509. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierungs-Rat.

Hersseld, den 11. August 1905.

Die auf Donnerstag, den 17. und 31. August d. I. in der Stadt Fulda angesetzten Viehmärkte werden unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.

Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

I. 5600. Der Königliche Landrot

Freiherr v o n Schleinitz, Geheimer Regierung« Rat.

nichtamtlicher teil.

Prinz Heinrich tun Preuße«.

Zum 14. August.

An diesem Montage tritt Prinz Heinrich von Preußen, der einzige Bruder unseres Kaisers, in sein vierundvier­zigstes Lebensjahr. Prinz Heinrich ist nicht der erste Prinz dieses Namens in dem Hohenzollernhause. Schon Friedrich der Große hatte einen jüngeren Bruder, der ebenso hieß, und der zu den bewährtesten Generalen des Königs gehörte. Eine preußische Flotte gab es damals freilich noch nicht, und so ist das Feld der Tätigkeit, auf welchem beide Prinzen dem Staate ihre Dienste widmeten, verschieden, denn unser Prinz Heinrich wählte schon in früher Jugend in der Marine seinen Beruf. Die Ueberzeugung, daß Deutschland zu seiner hohen politischen Stellung auch einer starken Flotte und dazu einer tatkräftigen jungen leitenden Kraft bedürfe, ist wohl der Grund für die Bestimmung zur Marinelausbahn gewesen.

Prinz Heinrich erhielt, wie alle seine Geschwister, die sorgfältige Erziehung; ein sonniger, liebevoller Familienkreis, der für alle Zeiten ein Muster für jedes deutsche Haus bleiben wird, bildete die schönste Stätte seiner Jugend. Nachdem er eine vorzügliche Schulbildung genossen und nach alter preußischer Ueberlieferung die ersten militärischen Rangstufen durchschritten hatte, wurde er dazu ausersehen, in die Fußtapfen seines Großonkels Adalbert zu treten und sich dem Dienst der Flotte zu widmen. An Bord der Niobe" lernte der jugendliche Prinz die ersten Anfänge *

Lebensvisen.

Roman von Freifrau G. v. S ch l i p p e n b a ch.

(Fortsetzung.)

Schmitt und Frau Roden waren viel allein und benutzten die Morgenstunden zu Spaziergängen; sie traten sich immer näher, und in Margaretens Herzen fing es leise au zu treiben und zu knospen. Noch war sie sich dessen nicht bewußt, aber ein geringfügiger Zufall konnte ihre Liebe enthüllen. Es er­schien ihr wie eine Mission, den Mann dem Leben znznführen, der Trauriges erlitten, ihm die Kummerfalte von der Stirn zn wischen und seinen ernsten Mund lächeln zn lehren. Es ist jedem echten Weibe Bedürfnis, mit sanfter Hand Wunden zn heilen. Schmitt hingegen war sich seiner Liebe zu Frau Roden bewußt; diese Tage in ihrer Gesellschaft waren zn schön. Er gab sich ihrem Glücke hin und versuchte die Vergangenheit zn vergessen, die Gegenwart allein zu genieße».Sobald der Baron zurück ist, muß ich ihn nm meinen Abschied bitten", dieser Entschluß stand in dem Förster fest.

Es war nur eine kurze Galgenfrist, die er sich stellte, was später tarn, war trostlos, denn er durfte Margarete nie wieder- sehen.

Anch in der Claire imHüttenbesitzer" riß Viola ihre Zu- schnner hin. Hedda war von diesen, Stücke besonders ergriffen; die Handlung auf der Bühne schilderte in umgekehrter Art die Geschichte ihrer Ehe. Auch hier gab es getäuschte Liebe, auch spielten sich schwere Lebenskrisen ab, Seelenkämpse, die Hedda selbst kannte. Und zuletzt ein seliges Finden und An- gePoren. O, wenn eS ihr unb ihrem Manne doch ebenso er- gehen könnte! Sie sehnte sich darnach, ihm zu sagen, daß sie N'-°Kh°rt hatte, ihn zn lieben, daß er ihr ganzes Denken 11111 Fühlen beherrschte. Sie liebte ihn nicht mehr wie das unerfahrene, fröhliche Kind, jetzt schlug ihm das Herz der leid­geprüften Frau entgegen, deren Augen gelernt hatten, klar in das buntbewegte Leben zn blicken.

Hedda war nach der Ausführung deS Hüttenbesitzers so still unb gedankenvoll, daß es der Schwester anssiel. Am Morgen war ein Brief von Horst gekommen; er hatte die

des Seemannsberufs». Nach einer kurzen Versuchsreise trat er dann am 14. Oktober 1878 unter der Leitung des Korvettenkapitäns von Seckendorff die Seereise um die Erde an. Im September 1880 kehrte er in die Heimat zurück, und am 1. Oktober 1881 bestand der junge Prinz in Kiel die Seeoffiziersprüsung mit iem Zeugnissegut". Im Herbst 1882 unternahm er auf der KorvetteOlga" die zweite größere Reise nach Westindien, kehrte im März 1884 zurück und wurde am 22. März desselben Jahres von Kaiser Wilhelm dem Großen zum Kapitänleutnant ernannt. In den folgenden Wintern vollendete er seine technische Aus­bildung durch den Besuch der Marineakademie in Kiel und stieg im Sommer 1886 zum ersten Offizier auf dem Panzer­schiffeOldenburg" empor, worauf er im Winter die Führung einer Kompagnie der 1. Matrosendiviston erhielt. Nichts wurde dem Prinzen geschenkt, denn schon im folgenden Sommer finden wir ihn als Befehlshaber einer Torpedoboots- divifion, im nächsten Jahre als Korvettenkapitän und darauf als Abteilungskommandeur der 1. Matrosendiviston. Im Sommer 1888 nahm er als Kommandant der JachtHohen- zollern an der nordischen Kaiserreise teil und wurde am 27. Januar 1889 zum Kapitän zur See befördert. In der Zeit vom April 1889 bis September 1890 unternahm der Prinz al6 Kommandant der KreuzerkorvetteIrene" mehrere Reisen nach England, ins Mittelmeer und in deutsche Gewässer.

Ein für sein Leben überaus freudiges und glückliches Ereignis, seine Vermählung mit der Prinzessin Irene von Hessen, fiel in jene, für ihn selbst wie für ganz Deutsch land tieftraurige Zeit der kurzen Kaiserherrschaft seines todkranken Vaters. Man kann sich daher denken, mit welcher Wehmut das erste Glück seiner jungen Ehe gemischt war. Nach dem Tode des Kaisers Friedrich hielt das prinzliche Paar feinen Einzug in Kiel, wo der Prinz seine Haupt­wirksamkeit ensaltete.

Nachdem Prinz Heinrich noch verschiedene Panzerschiffe befehligt hatte, wurde er im Jahre 1901 von Sr. Majestät zum Admiral der deutschen Marine ernannt. Vorher hatte Prinz Heinrich eine durch die dortigen Wirren veranlaßte Reise nach Ostasien gemacht, die vom Dezember 1897 bis zum Frühjahr 1900 dauerte. Prinz Heinrich war bei der Gelegenheit auch in Peking, wo er als erster europäischer Prinz mit den höchsten Ehren empfangen wurde. Die beiden Jahre, die er als Geschwaderchef in den ostasiatischen Gewässern weilte, werden mit der Geschichte unserer Kolonie Kiautjchou und des deutschen Handels mit jenen Gegenden stet» aufs engste verknüpft bleiben. Man erinnert sich auch gern seiner Reise nach Amerika, die Prinz Heinrich bald nach Beginn de» Jahres 1902 unternahm, um den Kaiser und sein Volk in Nordamerika zu vertreten. Wie hier seine gewinnende Erscheinung, seine frische, seemännische Art, seine einfache, freimütige Redeweise die Herzen der Amerikaner erobert hat, das ist noch in aller Erinnerung.

Schweiz verlassen unb befand sich auf der Heimreise. Trotz und Empfindlichkeit kämpsten in der Brust seiner Frau mit Freude und Sehnsucht. Ja, sie sehnte sich nach dem Gatten; sie wußte, daß er ihr die ganze Zeit gefehlt hatte. Aber er durfte es niemals ahnen.

Das letzte Gastspiel Violas brächte IbsensNora".

Immer wieder suchten die mächtigen Augen der Schau­spielerin die Fremdenloge auf, in der Frau Horst saß. Auch am zweiten Abende hatte man ihr als Claire begeisterte Ova tionen dargebracht, unb wieder hob sie nur den Strauß auf, den Hedda ihr zugeworfen. Zufällig waren es dieses Mal nur weiße Blumen, Camelien und Maiglöckchen. Die Sternan behielt sie in der Hand unb lächelte dankend; es lag etwas wie Traurigkeit aus ihrem Antlitze.

Ihre vielen Verehrer bürsten ihr nie weiße Blnmen bringen. Man hielt es für eine ihrer hnndert Launen; niemand ahnte den tieferen Grund ihres Verbotes.

Kurz vor Beginn der dritten Vorstellung las die Sternan in der Wiesbadener Zeitnng die Fremdenliste. Sie stutzte, als sie in dem Hotel ju den vier Jahreszeiten folgende Namen las:Baronin Horst, Fran Roden, Oberförster Schmitt aus Buchenau." Instinktiv fühlte sie, daß damit die Zuschauer in der Fremdenloge gemeint sein müßten. Welche von de» beiden hübsche» Damen war die Fran, die sie verdrängt hatte?

Bitter quoll es im Herzen des leidenschaftlichen Weibes auf, der Haß gegen die Bevorzugte regte sich, denn trotz viel­facher Liebeleien hatte die heißblütige Viola Horst nicht ver­gessen.

Ich habe mich zu betäuben gesucht unb zwang die Männer­welt zu meinen Füßen", dachte sie,ich rächte mich an ihnen für die Treulosigkeit des einen, den ich geliebt. Noch immer beherrscht mich die Erinnerung an Horst."

Mit unruhigen Schritten durchmaß sie ihr Toilettenzimmer. Ich muß mich beruhigen", murmelte sie,ich darf jetzt nicht an jene alte Zeit beulen. Aber morgen werde ich in das Hotel gehen, ich muß seine Frau sehen und sprechen."

Ein grausames Lächeln hob die rote Oberlippe von den weißen Zähnen. Sie glich so einem Raubtiere, daS sich zum Sprunge bereit hält, um den Feind zn packen.

Prinz Heinrich ist durch und durch Seemann, seine Matrosen hängen mit begeisterter Liebe und Verehrung an ihm. Möge Gott ihn stet» schützen und schirmen in feinem schweren, gefahrvollen Berufe und möge es ihm vergönnt sein, die deutsche Seemacht einer immer größeren Zukunft entgegenzuführen I

Ae Krisis in den rHsch-jmnWil FrickiMchMuM.

Wie schon gemeldet wurde, hat der russische General, bevollmächtigte Minister v. Witte die japanischen Friedens­bedingungen für unannehmbar erklärtund sind deshalb die Frie­densverhandlungen zunächst bis zum 14. August ausgehoben worden. Etwas unbedingt zuverlässige» kennt man über die japanischen Friedensbedingungen nicht, ober soviel scheint sicher zu sein, daß Rußland keine Gebietsabtretungen bewilligen will und auch die Forderung von 500 Millionen Dollars Kriegskosten, also etwa zwei Milliarden Mark, viel zu hoch findet. Wie bei allen Frieden »Verhandlungen wird aber wohl über diese wichtigsten Punkte derselben normale verhandelt werden. Sicher hat auch erst der Minister Witte an den Zaren Nikolaus nach Peterhof depeschiert und er­wartet dessen Entscheidung über die Annahme ober Ablehnung der japanischen Friedensbedingungen, und man wird wohl erst in den nächsten Tagen erfahren, ob der Friede zwischen Rußland und Japan zustande kommt, oder ob Rußland und Japan weiter kämpfen werden. Die von den Japanern verlangte Abtretung der Insel Sachalin kann man an sich als keine übermäßige Forderung ansehen, da diese Insel erstens kein russischer alter Besitz ist und zweitens für Rußland auch gar keinen großen Wert hat. Wenn aber Rußland als Großmacht die Abtretung jeden Gebietes als unverein­bar mit seiner Ehre ablehnen zu müssen glaubt, so kann es jetzt kaum zu einem Friedensschlüsse kommen. Zwei Milliarden Mark Kriegskosten sind für Rußland« traurige wirtschaftliche Lage ja auch unerschwinglich, und würden nur Rußland« Schuldenlast ins Ungeheuerliche vermehren. Sicher hat Rußland auch noch an vielen einzelnen Punkten der japanischen Friedensbedingungen Ausstellungen zu machen. Uebrigens will eine andere Meldung wissen, daß die Frage der Kriegsentschädigung von Japan gar nicht so stark betont worden sei und sich die Japaner später mit den Russen über die Höhe der Kriegsentschädigung verstän­digen wollten, wenn nur Rußland erst die anderen Punkte bewilligt habe. Diese anderen Punkte der japanischen FcicdenSbedingungen sind aber auch sehr bedeutungsvoll, denn sie verlangen die Zession der russischen Pachtungen auf der Liautunghalbinsel an Japan, die Räumung der gesamten Mandschurei, die Rückzedierung aller russischen Vorrechte in der Mandschurei an China, die Anerkennung der offenen Tür für Handel und Verkehr durch Rußland, die

Hedda hatte heute keine Blumen. Sie folgte dem Spiele Violas weniger aufmerksam; ihre Gedanken irrten oft ab, unb sie dachte an ihres Mannes Heimkehr. Noch vor dem Schlüsse der Vorstellung mußten sie das Theater verlassen, um den Nachtzug zu benutzen, der sie nach Buchenau brächte.

So leise auch die Schwestern und Schmitt im dritten Akte ihre Plätze verließen, die Sternau bemerkte eS dennoch. Einen Moment hielt sie im Spiele mne und sah nach der Loge hinüber. Hedda erschrak vor den funkelnden, lauernden 21ugen der Schauspielerin. Das sah ja fast wie Feindschaft aus. Hochmütig unb abweisend gab die junge Frau den Blick zurück. Was fiel der Unbekannten ein, nachdem Hedda ihr Blumen zugeworsen und ihr geniales Spiel so sehr be­wundert hatte!

Ihr Enthusiasmus war ihr jetzt geradezu peinlich.

Viola Sternan ging am andern Tage in das Hotel zu den vier Jahreszeiten unb fragte nach den Damen aus Buchenau.

Sie sind schon gestern spät abgereist", antwortete der Portier.

Sie wandte sich ab und verließ das Gasthaus.

Entwischt", dachte sie zornig,aber noch ist nicht aller Tage Abend; meine Stunde wird kommen, und dann dann!"

Sie vollendete den Satz nicht; ein häßlicher Zug verun­staltete ihr schönes Gesicht, und ihre Hand ballte sich, als um« klammerte sie die tödliche Waffe, mit der sie ihrer Gegnerin hinterrücks einen Stoß versetzen wollte.

Zehntes Kapitel.

Soll ich ihm eutgegenfahren? Soll ich eS nicht?"

Diese beiden Fragen beschäftigten Hedda tagelang vor der Heimkehr ihres Mannes. Heute erwartet man ihn in Bnchcnau. AIS sich der Zeiger der Uhr der vierten Nachmittagsünnde nähert, wird die Frage immer brennender.

Ich kann eS nicht", sagen Trotz unb Eigensinn.

Ich möchte es", rufen andere, bessere Stimmen, die der weiblichen Milde und Nachsicht. Aber sie sind zu schwach, der Stolz läßt sie schweigen, und der Wagen fährt schließlich leer