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herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 91. Sonnabend, den 5. August 1905.

Amtlicher teil.

Hertzfeld, den 3. August 1905.

Der Lehrer an der Landwirtschaft-schule in Fulda, Herr Stuckmann daselbst, gedenkt am Mittwoch, den 9. d. M. in der Apel'schen Gastwirtschaft zu Meckbach einen Vortrag über: „Zeitgemäßes au» der Landwirtschaft" und am Donnerstag, d e n 10. d. M. in Tann einen solchen über «Herbstbestellung und Düngung" zu halten. Beide Vorträge werden um 9 Uhr Abends be­ginnen.

Indem ich diese« Vorhaben zur allgemeinen Kenntnis bringe, beauftrage ich die betreffenden Herren Bürgermeister, solche» auch in ihren Gemeinden zur öffentlichen Kenntnis bringen zu lassen und die Gemeinde-Einwohner zum Besuche dieser Vorträge zu veranlaffen.

F. 4511. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer RegierungS-Rat.

Hersfeld, den 3. August 1905.

Für den am 17. Februar 1887 zu Rotcnfee geborenen Eduard Carl Hickmann von Oberhaun ist um Entlassung au» dem preußischen StaatSverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

I. I. Nr. 5386. " Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz,

Geheimer Regierungs-Rat.

Hersfeld, den 27. Juli 1905.

An Stelle des seitherigen Ort-schätzera George Gebühr zuHeringenift dessen Sohn derBürgermeister Heinrich Gebauer daselbst bestellt und am 24. Juli d. I». eidlich verpflichtet worden. Gleichzeitig ist an Stelle de« stellvertretenden Ortsschätzers Maurer« Adam Bommer zu Heringen der Beigeordnete Karl Friedrich Hopf daselbst bestellt und am gleichen Tage eidlich verpflichtet worden.

I. 4829. Der Königliche Landrat

Freiherr von Schleinitz, Geheimer Regierung«-Rat.

Hersfeld, den 1. August 1905.

Die unter dem Echweinebestande de» Valentin Schäfer zu Mecklar ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 5341. Der Königliche Landrat.

I. 23.:

Th mer

Hersfeld, den 2. August 1905.

Unter dem Echweinebestande des Landwirts Reinhard Wiegand zu Röhrigshof ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 5372. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung»

Zum Oktober d. I». können noch junge Leute im Alter zwischen 17 und 20 Jahren in Unteroffizierschulen eingestellt werden.

Ebenso können junge Leute, die bi« zum 15. Oktober b. I«. 16 Jahre alt werden, körperlich gut entwickelt finb und eine gute Schulbildung besttzen, vorzugsweise zur Ein­stellung in die Unteroffiziervorschulen im Ok- tober b. I». Berücksichtigung finden.

Die näheren Bestimmungen können beim Bezirksfeldwebel eingesehen werden.

Meldungen haben alsbald zu erfolgen. Hersfeld, 1. August 1905.

Königliche» Bezirks Kommando.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In der abgelaufenen Woche hat der angekündigte B e - such unsere» Kaiser» bet dem greisen Könige Christian von Dänemark stattgefunden. Unser Kaiser hat bereit» früher mehrfach der persönlichen Verehrung für den ehrwürdigen Herrscher unsere« Nachbar, reiches Ausdruck gegeben, den er auch jetzt aus dem histori-

J0^ B"nstorff in einem Trinkspruch den „edelsten und ältesten Monarchen" nannte. Ebenso hat er wieder­holt als gern gesehener Gast am dänischen Königshofe gc°

In seiner nunmehr siebzehnjährigen Regierung hat sich Kaiser Wilhelm alt Schirmherr der Frieden» bewährt, dem nicht« ferner liegt, al« abenteuerliche Pläne und Ueber, griffe in die Rechtssphäre anderer Staaten, mögen sie nun zu den starken oder minder starken zu zählen sein. Dieser Haltung ist es vornehmlich zu danken, daß das von Wider, sachern Deutschland» künstlich genährte Mißtrauen gegen

da» neu erstandene Deutsche Reich, dieses werde seine Machtmittel gebrauchen, um sich aus Kosten der Nachbar­völker auszudehnen, mehr und mehr geschwunden ist, und daß namentlich die kleineren Staaten sich gewöhnt haben, im deutschen Kaiser einen aufrichtigen Freund zu erblicken. Der Empfang, der jüngst dem deutschen Kronprinzenpaare im dänischen Lande zuteil geworden ist, ebenso wie die freundliche Ausnahme des deutschen Geschwaders in Kopen­hagen haben erneut bewiesen, daß die Saat der Politik unsere« Kaiser« aus keinen undankbaren Boden gefallen ist. Wenn der Kaiser, dessen freundschaftliche Gesinnung für König Christian und dessen Land in Dänemark bekannt ist, jetzt dort persönlich erscheint, so vollzieht sich auch dieser Besuch im Geiste eine« fieundnachbarlichen Verhältnisse«. In diesem Sinne hat sich auch da« regierungsfreundliche dänische Blatt „Köbenhaven" geäußert, welche« schrieb: „Der Besuch de» deutschen Kaiser» beim dänischen Hofe ist natürlich, allein schon infolge der nahen Verwandtschaft, welche da« jüngere Geschlecht de« dänischen und de» deutschen Fürstenhauses verbindet. Wenn der Kaiser da­durch, daß er in der Hauptstadt selbst an Land geht, an­zeigen wollte, daß sein freundschaftlicher Besuch auch dem dänischen Volke gelten soll, so kann uns dies freuen. Die dänische Hauptstadt wird Kaiser Wilhelm II. auch als Ober­haupt de» Deutschen Reiche» ein Willkommen bieten, welche» ihm zeigen wird, daß er ein Land besucht, welche«, freund­lich gesinnt gegen olle Mächte, wünscht, in dem besten und nachbarschastlichsten Verhältnis zu Deutschland zu stehen." Sicherlich ist der zwischen beiden Herrschern gepflogene Ge. dankenaustausch in keinem andern Sinne geschehen, als in dem des Friedens, der Kultur und der Volkswohlfahrt.

Der bevorstehendeBesuchderenglischenFlotte in der Ostsee hat in überängstlichen Gemütern, welche darin eine Drohung gegen Deutschland erblicken wollten, Beunruhigung hervorgerufen, die indes durchau» unbegründet ist. Es handelt sich um eine Uebungsfahrt, die von der englischen Admiralität schon vor mehreren Monaten be­schlossen worden ist. Die Ostsee ist ein sogenanntes „offenes Meer", da» von ausländischen Kriegsschiffen jeder- zeit befahren werden kann. Wenn die englische Admirali­tät es daher für gut befindet, daß ihr Geschwader eine Uebungsfahrt in der Ostsee unternimmt, so ist das ihre Sache und niernand kann sie daran hindern. Im übrigen können solche Fahrten der englischen Flotten in der Ostsee umso weniger überraschen, als von englischer Seite im Parlament und anderwärts offen erklärt worden ist, daß das Schwergewicht der englischen Flotte vom Mittelländi­schen Meere nach dem Norden verlegt werden solle. Jeden­falls wird die englische Flotte in den deutschen Häfen, die sie anläuft, mit der Höflichkeit empfangen werden, die ihr nach den Regeln des internationalen Verkehrs zukommt. Diese Ansicht vertritt auch die Londoner „Pall-Mall-Ga, zelte", indem sie schreibt: „Die britische Flotte, welche die Ostsee befahren wird, besucht zweifelsohne deutsche Häfen und wird dort sicherlich ebenso höflich empfangen werden, wie die deutsche Flotte in den unseligen stets empfangen worden ist und stet» empfangen werden wird."

In der schwedisch-norwegischen Union»- krisi» kann nunmehr der Schlußakt beginnen, nachdem das norwegische Storthing einstimmig beschlossen hat, daß die von der schwedischen Regierung verlangte Volksab­stimmung am 13. August stattfinden soll. Wie sich die Krisis weiter entwickeln wird, ist natürlich jetzt noch nicht vorauszusehen. Interessant aber ist in dieser Beziehung eine Aeußerung des Königs Oskar von Schweden, die er einem Berichterstatter der Londoner „Morning Post" gegen­über getan hat. „Sie wissen", sagte der König, „daß die Norweger mich gebeten haben, die Erlaubnis zu erteilen, daß einer meiner Söhne oder Großsöhne zum König von Norwegen gewählt wird. Ich bin noch nicht zu einer end­gültigen Entscheidung gekommen. Wenn ich nach meinem persönlichen Empfinden handeln sollte, so sonnte ich nicht zustimmen. Wünscht aber mein schwedisches Volk, daß ich zustimme, und ist es im Interesse der beiden Völker, die ich liebte und denen ich diente, so werde ich vielleicht zu­stimmen. Ich weiß er nicht. Jedenfalls kann ich keinem meiner Söhne ober Enkel befehlen, den norwegischen Thron anzunehmen. Der Beschluß, ihn anzunehmen, muß ein freiwilliger sein, aber natürlich meine Sanktion und meine Zustimmung besitzen."

Auf dem russisch-japanischen Krieg», schauplatze macht die Besetzung der Insel Sachalin durch gelandete japanische Truppen ununterbrochene Fort, schritte. Die Insel fällt gewissermaßen al» reife Frucht den Japanern in den Schob, nachdem diese die unbedingte Seeherrschast gewonnen haben und keine größeren russischen Landtruppenteile den Besitz der Insel mit Autsicht auf Er» folg streitig machen können. Auf dem GouvernementS- gebäude in Alexandrowsk, dem ungefähr 6000 Einwohner, meist Sträflinge, zählenden Hauptorte von Sachalin, und in der Stadt Rykowst weht die japanische Flagge. Auch aus dem sibirischen Festlande besetzten japanische Truppen- teile mehrere Punkte, so die Alexandrowsk gegenüberliegende

Bucht von de Castries. Die Landung der Japaner in dieser Bucht legt die Vermutung nahe, daß sie beabsichtigen, auch von Norden her Wladiwostok anzugreifen. Von den beiden gegenüberstehenden Hauptarmeen sind im Laufe der Woche keinerlei wesentliche Nachrichten eingetroffen. . * ■ ---—

3«r mrMnischtn Frage.

In der marokkanischen Frage hat die Pariser Presse während der letzten Tage eine neue Auslage von beun­ruhigenden Nachrichten über den Stand der zwischen Deutsch­land und Frankreich schwebenden Verhandlungen gebracht. Für den Seelenzustand unserer westlichen Nachbarn be- zeichnend ist, daß die verantwortlichen französischen Politiker selbst eingestehen, ihre Unruhe sei weniger aus neue Tat­sachen in der Entwicklung des marokkanischen Streitfälle» als auf allgemeine nervöse Erregtheit zurückzuführen. Man hütet sich auch im Pariser Ministerium des Aeußern sehr wohl, gegen unsern dortigen Botschafter oder gegen die Behandlung der marokkanischen Sache durch die amtlichen Stellen in Berlin Vorwürfe zu erheben, die sofort zu ent­kräften wären und auf ihre Urheber zurückfallen würden. Das überläßt man gewissen deutschen Zeitungskorrespon- denten an der Seine, die charakterschwach genug sind, sich zu Herolden einer ungerechtfertigten fremdländischen Empfind­lichkeit gegen die Politik ihres Heimatstaates zu machen. Die französische Regierungspresse scheint es für eine vor. sichtigere Tapferkeit zu halten, die Pfeile, die man gegen Berlin nicht zu versenden wagt, auf unseren Gesandten Grasen Tattenbach in Fez abzuschießen, der einer Ueber- schrettung seiner Instruktionen und einer hinterhältigen Tätigkeit zum Schaden der französischen Interessen be­schuldigt wird.

Die öffentliche Erhebung solcher Beschwerden ist aber gerade vom französischen Standpunkte aus nicht geschickt. Denn sollte wirklich Graf Tattenbach auf eigene Faust auch nach den deutsch-französischen Abmachungen vom 8. Juli d. J. zuviel Eifer entfaltet haben, so wird doch die deutsche Regierung ihren Vertreter gegen Zeitungsangriffe zu schützen wissen, und die Behauptung des „Temps", es sei bereits eine Art Verleugnung der letzten Schritte des Ge- sandten von Berlin aus erfolgt, verwechselt französische Wünsche mit. deutschen Absichten. Die Pariser Blätter, die so unbesonnen gegen den Grafen Tattenbach losgelassen werden, können gar nicht wissen, ob nicht auch Deutschland gegen den französischen Vertreter am Sultanshose in Fez, Herrn St. Renö-Taillandier, Anklagen zu erheben hat, die vielleicht schwerer wiegen als die bisher ohne Beweis er» hobeneAnschuldigung wegen diplomatischer Eigenmächtigkeiten auf deutscher Seite.

In keinem Falle ist einem etwaigen Auseinandergehen in der Haltung der Bevollmächtigten beider Länder in Fez großes Gewicht belzumessen, solange an der fortdauernden Bereitwilligkeit der Regierungen in Berlin und Paris, die Frage des Konferenzprogramms in freundschaftlichem Ein­vernehmen zu lösen, kein Zweifel besteht. Wenn darüber eine gewisse Unklarheit hätte Platz greisen können, so wäre dies nur aus der auffallenden Verzögerung einer von Frankreich zweimal versprochenen Denkschrift über diePro- grammwünsche de» Ministerium« Rouvier herzuleiten ge- wesen. Inzwischen ist diese Denkschrift endlich fertiggestellt. Sie wurde am Mittwoch abend mit besonderem Kourier von Paris nach Berlin obgesandt. Dort harrt ihrer eine eingehende, aber von dem Wunsche baldiger Verständigung mit Frankreich beherrschte Prüfung. Sobald die Einigung Deutschland» mit der Republik über die einzelnen Programm­punkte vollzogen ist, werden diese dem Sultan von Marokko zur Mitteilung an die Teilnehmer der Konferenz bekannt gegeben werden, die dann vielleicht ihre Arbeiten schon im September wird beginnen können.

Der russisch-japanische Krieg.

Die Aussichten der Friedenskonferenz lassen sich, nachdem der erste russische Unterhändler auf amerika­nischem Boden eingetroffen ist, vorläufig nicht sehr günstig an. Es werden Mitteilungen gemacht von Erklärungen Wittes, wonach Rußland feine Macht noch lange nicht als gebrochen betrachte, und von scharfen Aeußerungen bei japanischen Legationsrats Sato gegen Witte. Nun hat der russische Minister auch in einer sehr ungewöhnlichen Form dem amerikanischen Publikum ausdrücklich mitteilen lassen, daß seine Aufgabe fürs erste nur sei, Japan» Forderungen zu erfahren und daß Rußland sich zu diesem Schritte ledig­lich durch Rücksicht aus Amerika» Freundschaft habe bestim­men lassen.

In Petersburg macht sich wieder eine scharfe Stimmung gegen den Frieden geltend; man rechnet schon gar damit, daß Witte bald nach Kenntnisnahme der japanischen Be dingungen, die man al» sehr hochgespannt erwartet, die Ver. Handlungen abbrechen werde.

Nach Depeschen au» Petersburg lauten die Berichte des Obersten Fürsten Wolkonsky, der soeben von Lenewitsch'